Mette Frederiksen, Chefin der Sozialdemokraten, preist die „vertrauensvolle Kooperation“ mit den Rechtspopulisten. Foto: rtr
Die dänischen Sozialdemokraten reden der rechten Konkurrenz nach dem Mund. Die rechtspopulistische Volkspartei diktiert die Ausländerpolitik.
Wenn der sozialdemokratische Fraktionschef Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika vorschlägt, steht einer Regierungszusammenarbeit mit den Rechtspopulisten wohl bald nichts mehr im Wege. Die klatschen Beifall und sind entzückt von der Aussicht auf einen Paarlauf: Was man zusammen nicht alles erreichen könnte gegen die islamische Zuwanderungsflut! Dass die Parteispitze der Sozialdemokraten die „hart arbeitenden Menschen“ umwirbt, fügt sich harmonisch ein.
Die Titelseite von “Politiken” mit dem von Abschiebung bedrohten Somalier Noor Mohammad Abdi. Ich (Th.B.) kenne ihn gut und hab diese Titelseite als Schock in der Trump-Klasse erlebt.
Dänemark will somalische Flüchtlinge abschieben – ein Schock, auch für unseren Autor Thomas Borchert.
In Dänemark sollen somalische Flüchtlinge keine Zuflucht mehr finden. Die Regierung bereitet ihre Abschiebung vor, obwohl das UN-Flüchtlingshilfswerk, EU-Instanzen und die Nachbarn Schweden sowie Deutschland das Land als hochgefährlich für Heimkehrer einstufen. Bei seiner entgegengesetzten Einschätzung stützt sich Kopenhagen vor allem auf den Bericht einer „Factfinding“-Kommission vor Ort. Die Kommission durfte Ende 2015 allerdings aus Sicherheitsgründen nur einen einzigen Tag in der Hauptstadt Mogadischu bleiben und dort den Flugplatz nicht verlassen. Der nächste Anlauf ein Jahr später brachte die Dänen nur bis Nairobi in Kenia, weil Mogadischu jetzt auch einschließlich Flugplatz als zu gefährlich galt.
“Ein wenig Leben”: Yanagiharas wilde Achterbahnfahrt
31.01.2017
Die US-amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara. Foto: Emilio Naranjo Emilio Naranjo
Kann bedingungslose Freundschaft eine Kindheit voll extremer Gewalt heilen? Hanya Yanagihara schildert haarklein die Leiden des jungen Jude. Und preist den lebenslangen Bund mit Willem, JB und Malcolm. Das Mammutwerk startet stark und endet als unglaubwürdiger Konzeptroman.
Von Thomas Borchert, dpa
Berlin (dpa) – Der bescheiden daherkommende Titel “Ein wenig Leben” ist schon wegen der fast 1000 Seiten irreführend.
Vor allem aber hat Hanya Yanagihara in ihren Roman über vier New Yorker Freunde vom College bis zum Alter so viel Schrecken und schrecklich Schönes gepackt, dass Leser sich wappnen sollten: Hier beginnt mit der ersten Seite eine rekordverdächtige Achterbahnfahrt nur für starke Nerven.
In Helsinki wird er schon „Mini-Trump“ genannt: Regierungschef Sipilä soll sein Amt für die Geschäftsinteressen der eigenen Familie ausnutzen.
Der finnische Ministerpräsident Juha Sipilä ist wegen dubioser Verquickung von Amt und familiären Geschäftsinteressen erneut in die Schlagzeilen geraten – zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit. Genau wie Donald Trump hatte der 55-jährige Quereinsteiger in die Politik bei seinem Antritt 2015 verkündet, er habe alle Anteile an eigenen Unternehmen verkauft und stufte sich selbst als so klar und sauber ein wie die finnische Waldluft nach dem Saunagang.
Etwa 90 Wölfe leben in Norwegen. Foto: imago/Nature Picture Library
Norweger streiten erbittert über die Jagdquote für Wölfe. Gegner des Raubtiers fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder, ihrer Hunde und ihrer Schafe. Der konservative Umweltminister fährt einen Zickzackkurs.
Von weit her angereiste Norweger verlangen vor dem Parlament ein „Land ohne Wölfe“ und ihr „Recht auf Leben“. Osloer Medien berichten breit vom „Wolfsgipfel“ der Parteien, und der Umweltminister verbeugt sich im Fernsehen vor dem Volkszorn. „Ich habe volles Verständnis für die Furcht der Menschen. Nun müssen wir untersuchen, ob die Wölfe eventuell doch potenziell gefährlicher geworden sind,“ sagte Vidar Helgesen. Damit nahm er im bitteren Streit über den kleinen Bestand von Tieren im Südosten Norwegens schon mal Maß für einen Purzelbaum.
Stockholm fürchtet Moskaus Einmischung in interne Angelegenheiten.
Rüstet euch für den Kriegsfall“, schrieb Schwedens Zivilschutzbehörde MSB kurz vor Weihnachten an alle Gemeinden. Man möge für mehr Schutzräume sorgen und auf keinen Fall Einsatzzentralen in Berghöhlen oder Ähnliches stilllegen. Eine neue Sicherheitsstrategie wegen der Angst vor russischem Hegemoniestreben im Ostseeraum hat Ministerpräsident Stefan Löfven am Wochenende angekündigt: „Schweden verstärkt jetzt sein Militär nach vielen Jahren in die andere Richtung.“
Wannseekonferenz: Wie der Massenmord an Juden zum Holocaust wurde
Von Thomas Borchert
Vor 75 Jahren verhandelten Nazi-Bürokraten am Wannsee über den Holocaust. Für den Historiker Peter Longerich ist die Konferenz nicht der Beginn, weil der Massenmord an Juden längst im Gang war.
Das Haus der Wannseekonferenz.Foto: dpa
Die Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 gilt gemeinhin als der große Ausgangspunkt für den industriellen Massenmord an Europas Juden. „Im Zuge dieser Endlösung kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht“, vermerkt lapidar das Protokoll des Treffens von 15 hochrangigen Bürokraten in Zivil und Uniform im SS-Gästehaus im Süden Berlins. „Im Anschluss an die Besprechung war ein Frühstück vorgesehen“, berichtet der Historiker Peter Longerich in seinem neuen Buch zu der Konferenz, die wohl nicht länger als anderthalb Stunden dauerte.
Dezember bedeutet Hochsaison für die „Hygge“ in Dänemark. Viel Beisammensein im Kerzenschimmer, die alkoholselig krachende Weihnachtsfeier im Büro und an Heiligabend Tanz mit Gesang um den Christbaum. Zuwanderer nehmen die allseits bewunderte Dänen-Variante von Lebensfreude und Gemütlichkeit besser nicht auf die leichte Schulter. Sonst fällt ihnen die Hygge beim nächsten schriftlichen Einbürgerungstest böse auf die Füße. Die Kopenhagener Regierung hat sie diese Woche im neuen „Dänmarkskanon“ nach einer Online-Abstimmung zum nationalen Kulturerbe erklärt.
Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien. Rüstungskonzerne des Landes haben bei Waffengeschäften kräftig zugelegt. Foto: REUTERS
Neue Zahlen des Sipri-Instituts zeigen, dass deutsche Waffenindustrie deutlich wächst. Auch weltweit ist die Zeit der schrumpfenden Absätze offenbar vorbei.
Rüstungskonzernen in aller Welt winken wieder sattere Geschäfte mit deutlich zahlungswilligeren Regierungen. Im vergangenen Jahr haben die 100 größten Unternehmen Waffen für 370 Milliarden Dollar (348 Mrd. Euro) verkauft, wie das schwedische Sipri-Institut ermittelte. Nach vier Jahren mit schrumpfenden Umsätzen brachte das nur noch ein minimales Minus von 0,6 Prozent. Die Friedensforscher in Stockholm stufen dies als „Signal für die Umkehr der Abwärtstrends seit 2011“ ein. China als Land mit den weltweit größten Zuwächsen haben sie dabei wegen der unsicheren Daten noch nicht mal einbezogen.
Wie teuer ist die Schmusekatze? Finnische Schüler berechneten im Projektunterricht die Kosten für die Haustierhaltung. Foto: dpa
Finnlands Schulen setzen auf fächerübergreifenden Projektunterricht. Die einstigen Vorreiter bei der Pisa-Studie drohen im Ländervergleich abzurutschen.
Die Fünftklässler an der Hiidenkivi-Gesamtschule in Helsinki haben zehn Wochen Projektunterricht über „Verbraucherfertigkeiten“ hinter sich –von den 27 Schülern in der Altersgruppe knapp über zehn Jahren als Thema selbst gewählt. Dreimal pro Woche je eine Doppelstunde ging es dabei um die Beantwortung von Fragen, die sie gemeinsam mit den Lehrern unter anderem für Mathe und Kunst als wichtig geortet hatten: Wie berechnet man die Kosten für den Hund oder die Katze zuhause, wofür geht das eigene Taschengeld drauf, wofür das der Großen in der 9. Klasse, und was steckt hinter dem Aufkleber „Fair Trade“ auf den Bananen? Man studiert gemeinsam Zeitungsartikel und geht zu Interviews in Geschäfte.