Kriminalität

Wenn die Angehörigen eines Mordopfers ihre eigene Sprache finden

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Mord an Kim Wall: Rückhalt für die Mutigen

Die Eltern der ermordeten Kim Wall vergeben Stipendien an Autorinnen.

26. März 2018

The door is pictured outside Court Room 60, the location of the ongoing trial of Danish inventor Peter Madsen at Copenhagen City Court
In Kopenhagen wird der Mord an Kim Wall verhandelt. Foto: rtr

Die Eltern der in einem U-Boot ermordeten und zerstückelten Journalistin Kim Wall haben ihre ganz eigene Antwort auf das Verbrechen und dessen sensationslüsterne Ausschlachtung gegeben. Während vor einem Kopenhagener Gericht gegen den Besitzer des U-Bootes am vierten Verhandlungstag wieder grausamste Details verhandelt und sofort durch Live-Blogs von Medien verbreitet wurden, überreichten Ingrid und Joachim Wall in New York ein Stipendium über 5000 Dollar (4000 Euro) an eine Kollegin ihrer toten Tochter. Kim Wall wäre an diesem Freitag
31 Jahre alt geworden. Read the rest of this entry »

Auch Schwedens Regierung macht jetzt in Rechtspopulismus

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Militärische Töne

Der sozialdemokratische Premier Löfven reiht sich in die Kriegsrhetorik der Rechten ein – und will kriminelle Banden mit Soldaten bekämpfen.

 

Malmö
Polizist in Malmö: Im größten skandinavischen Land herrscht große Verunsicherung. Foto: rtr

Wenn der Regierungschef im friedlichen Schweden laut über Militäreinsätze gegen Bandenkriminalität nachdenkt, muss etwas fürchterlich schiefgelaufen sein. „Nach mehr als 300 Schießereien mit mehr als 40 Toten im letzten Jahr schließe ich nichts mehr aus“, hat der Sozialdemokrat Stefan Löfven Mitte der Woche vor dem Reichstag verkündet und bekam noch am selben Tag hässlich passende Begleitmusik geliefert: Im Malmöer Migranten-Stadtteil Rosengård explodierten vor der Polizeistation zwei Sprengsätze. Wenige Stunden vorher hatten zwei junge Männer in Stockholm mit ihrem Kleinlaster einen Streifenwagen frontal und, laut Polizei, in voller Absicht torpediert. Gottlob gab es keine Verletzten, und auch ohne Militärhilfe konnten die mutmaßlichen Täter schnell dingfest gemacht werden. Read the rest of this entry »

Legendärer Mordfall auf Island: Wer erschlug Snorri?

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Das Mittelalter um die Ecke

Ein Mord, ein heißer Topf, ein etwas anderer Saga-Held: Islands Historie ist nur einen Steinwurf weit entfernt.

1. November 2017

Schlucht
Manche glauben, dass der Mörder von Snorri Sturluson und seine Helfer an dieser Schlucht entlangritten, ehe sie den berühmten Dichter und Regionalfürsten umbrachten. Foto: Gudlaugur Óskarsson/Reykholt

Woher kamen die Mörder? „Völlig klar, sie sind von Norden aus an der Raudsgil-Schlucht runtergeritten“, sagt der Mann von „Promote Iceland“ über den Anschlag auf Snorri Sturluson. Mit aufgeregter Stimme, als sei es gestern passiert. Dabei zeigt er nach Süden und konsultiert dann doch vorsichtshalber sein Smartphone mit der Kompass-App. Jeder kann irren, aber jedenfalls von der Schlucht, ganz sicher: „Wie faszinierend! Der Blick hier von Reykholt quer über das Tal ist immer noch ganz genau derselbe wie damals, als es passierte.“ Dass der weite Blick unendlich schön ist, versteht sich für einen Isländer wohl von selbst.

Die 776 Jahre Abstand zum berühmtesten und mysteriösesten aller Mordfälle auf der Vulkaninsel mit den spektakulären Landschaften haben tatsächlich nichts geändert. Am 23. September 1241, so kann man in der „Isländer“-Saga nachlesen, erschlug ein gewisser Árni Beisk den mächtigsten Mann und berühmtesten Schriftsteller im ganzen Land in dessen Kellerversteck in Reykholt. Árni, genannt „der Erbitterte“, tötete als Erfüllungsgehilfe von Gissur Thorvaldsson, Schwiegersohn des Opfers und Konkurrent um die Macht. Gissur konnte sich auf einen Mordauftrag von Norwegens König Hákon berufen. Nur eine Schutzbehauptung? Jedenfalls rissen sich die Norweger ganz Island zwei Jahrzehnte später unter den Nagel, mit Gissur als Statthalter. Damals wie heute zählt hier vor allem der Vorname, denn der Nachname besteht aus dem väterlichen Vornamen, mit „-son“ für Sohn oder „-dóttir“ für Tochter als Endung. Read the rest of this entry »

Mordserie in Malmö

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14. Februar 2017

Einwanderung: Es brodelt in Malmö

 Von Thomas Borchert

Polizisten suchen einen der Tatorte in Malmös Rosengård-Viertel ab.  Foto: rtr

Eine unaufgeklärte Mordserie wirft in Schwedens Großstadt mit dem höchsten Migrantenanteil brisante Fragen auf.

Zwölf Morde in den vergangenen zwölf Monaten, kein einziger aufgeklärt. Fast wie bestellt vor der „Solidaritäts“-Visite des Innenministers kam dann der dreizehnte Tote: Kopfschüsse auf dem belebtesten Marktplatz von Malmö vor vielen Augenzeugen; auch Tage später kann die Polizei keine Fahndungserfolge vorweisen. Das Gefühl grundlegender Sicherheit und das Vertrauen in staatliche Garantien wird bei den 320 000 Bürgern in Schwedens drittgrößter Stadt gerade auf eine extrem harte Probe gestellt.

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