Banken

Dänemarks Banken beten: “Gott bewahre die Tilgungsfreiheit

Posted on Updated on

31. Januar 2019

Dänen verschulden sich hemmungslos

  • von Thomas Borchert

In Dänemark, dem Land mit der höchsten Privatverschuldung der Welt, locken Banken nun mit Krediten, die 30 Jahre tilgungsfrei sind.

Königin Margrethe schließt ihre Neujahrsansprachen unweigerlich mit „Gott bewahre Dänemark!“, was landesweit als Startschuss für die Silvesterparty gilt. Im Land mit der höchsten Privatverschuldung der Welt trägt das Standardwerk zum Thema den schönen Titel „Gott bewahre die Tilgungsfreiheit!“. Autor Magnus Barsøe hat ihn sarkastisch auf dem Hintergrund der massiven Welle für zehn Jahre tilgungsfreie Immobilienkredite bis zum Finanzcrash und auch danach gewählt. Jetzt seufzt Barsøe aus neuem Anlass: „Man fasst sich an den Kopf.“

In diesen Monaten konkurrieren die Banken und ihre Ableger im Immobiliengeschäft um Kundschaft für Kredite mit gleich 30 Jahren ausschließlicher Zahlung von Gebühren und Zinsen für die „eigenen“ vier Wände. Das Interesse sei enorm, verkündete Totalkredit, das größte dänische Realkreditinstitut. Man wende sich vor allem an „wohlsituierte Interessenten jenseits der 60“. Deren Kalkül, nach der bevorstehenden Verrentung den Lebensstandard mit Haus, Sommerhaus und all den schönen Reisen unverändert beizubehalten, geht nur bei anhaltend niedrigen Zinsen auf. Das scheint die lebensfrohen Dänen nicht abzuschrecken: Totalkredit meldet besonders hohes Interesse an tilgungsfreien Krediten mit dem höchsten Zinsrisiko. Das Zittern wird der Erbengeneration überlassen.

Die wiederum schon lange gar nicht mehr anders kann, als im Wettkampf um Wohnraum bei immer weiter kletternden Preisen das Abstottern von Schulden zumindest zehn Jahre aufzuschieben. Etwas mehr als die Hälfte aller dänischen Immobilienkredite werden auf diese Art abgewickelt. Das war in den Boomjahren vor dem Crash 2008 so, und das ist nach einem leichten Knick wieder genauso. Ein dänischer Privathaushalt schuldet laut OECD im Durchschnitt 280 Prozent des jeweiligen Netto-Jahreseinkommens. In Deutschland beträgt diese Quote 93 Prozent.

Auch volkswirtschaftlich ist das Risiko mit der ausgeprägten Schuldenfreude beachtlich. Die dänischen Privatschulden entsprechen 117 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, in Deutschland sind es 52 Prozent. Im bevorstehenden Wahlkampf für das „Folketing“ wird dieses Roulette wieder keine Rolle spielen. Es ist geradezu tabu für die Mainstreamparteien, weil sich einfach zu viele Wähler aus der Mittelklasse als Gewinner im Kredit-Casino sehen. „Alle wissen, dass die Tilgungsfreiheit die Verschuldung und das Risiko für einen Kollaps hochtreibt sowie die Immobilienpreise aufbläst,“ sagt Barsøe. Trotzdem sichern die Politiker ab, was er im Untertitel seines Buches als unselige Einheit benennt: „Die verschuldeten Dänen und da goldene Zeitalter der Banken“.

Nach der Danske Bank steht nun auch Nordea unter dem Verdacht der Geldwäsche.

Posted on Updated on

Skandinaviens Banken im Skandalsumpf

Nach der Danske Bank in Dänemark steht nun auch Nordea unter dem Verdacht der Geldwäsche.

19.10.2018

 

Stockholm
Es geht runter: Der Danske Bank drohen astronomisch hohe Bußgelder. Foto: rtr

Skandinaviern dürfte am Donnerstag bei der Zeitungslektüre oder vor dem Newsportal ihr sicher unterschiedlich ausgeprägtes Vertrauen in den heimischen Banksektor gleichermaßen abhanden gekommen sein. An diesem einen Tag haben unabhängig voneinander die Danske Bank, die schwedischen Banken SEB und Nordea, die klingendsten Namen im nordeuropäischen Finanzgeschäft, trübe Schlagzeilen über schon eingestandene oder frisch enthüllte Riesengeschäfte mit Geldwäsche und Steuerhinterziehung produziert. Und das in den Ländern, die regelmäßig alle Weltranglisten über Sicherheit vor Korruption und organisierter Kriminalität anführen. Read the rest of this entry »

Krumme dänische Bankgeschäfte mit russischem Schwarzgeld

Posted on

Screenshot 2018-08-10 14.57.43.png

Geldwäsche: Es kommt immer dicker

Die Danske Bank versinkt noch tiefer im Geldwäsche-Skandal mit russischen Kunden. Nun wird auch in Estland und Dänemark gegen die Traditionsbank ermittelt.

5. September 2018

Danske Bank in Talinn, Estland
Die unter dem Strich genannten Beträge für die dubiosen Geschäfte der Danske Bank zwischen 2015 und 2017 stiegen mit jeder Enthüllung immer weiter in die Höhe. Foto: rtr

Die traditionsreiche Danske Bank in Kopenhagen rutscht immer tiefer in einen der möglicherweise größten europäischen Geldwäsche-Skandale. Wie die Zeitung „Berlingske Tidende“ am Mittwoch nach Einsicht in interne Untersuchungspapiere aus der Bank berichtete, sollen allein im Jahr 2013 über deren Tochter in Estland umgerechnet 30 Milliarden Dollar (25,8 Milliarden Euro) aus dubiosen russischen Quellen transferiert worden sein. Das Blatt nannte genau wie kurz zuvor die „Financial Times“ mit gleichlautenden Zahlen als Quelle ein „Leck“ aus einer von der Danske Bank angekündigten Untersuchung dieser seit Jahren im Prinzip bekannten illegalen Geldströme.

Deren Umfang aber wäre nach den neuen Zahlen um ein Mehrfaches höher als bisher angenommen. Er übertrifft auch bei weitem die von der Deutschen Bank 2017 eingeräumte Wäsche von rund zehn Milliarden Dollar an russischem Schwarzgeld. Als Strafe musste das größte deutsche Geldhaus  630 Millionen Dollar an die Finanzbehörden in den USA und Großbritannien überweisen. Read the rest of this entry »