Israels Regierung und Peter Thiel dämonisieren im Paarlauf Greta Thunberg

Israel platziert Greta Thunberg auf Liste der „gefährlichsten Antisemiten“ an zweiter Stelle
18.42026
Von: Thomas Borchert
Die Klimaaktivistin wird von Israels Regierung attackiert. Auch Tech-Milliardär Peter Thiel bezeichnet Greta Thunberg als „Antichrist”.
Die Schwedin Greta Thunberg, weltberühmt geworden durch ihre Schulstreiks als Teenager für mehr Klimaschutz, wird von Israels Regierung auf einer Liste der weltweit zehn „gefährlichsten sowie einflussreichsten Antisemiten“ an zweiter Stelle platziert.
Das israelische Diaspora-Ministerium schrieb diese Woche zur Begründung, die 23-Jährige habe bei ihrem propalästinensischen Engagement die Begriffe „Völkermord“, „Belagerung“ und „Massen-Hungersnot“ für Israels Kriegsführung in Gaza verwendet. Sie erreiche damit ein „weltweites Publikum“ (16,5 Mio. Follower:innen auf Instagram) und „erzeuge enormes Engagement“. Die Zehnerliste wird ansonsten von rechtsradikalen US-Influencern dominiert, von denen etwa der Holocaust-Leugner Nick Fuentes (Nr. 8) offen für einen „totalen arischen Sieg“ und die Tötung von Israelis eintritt.
Kurz vorher war bekanntgeworden, dass Thunberg vom Techmilliardär und Trump-Unterstützer Peter Thiel als heutige Version des „Antichristen“ eingestuft wird, mit dem das Armageddon, der Untergang der Welt, in greifbare Nähe rücke. In einer Vortragsreihe in San Francisco erklärte der Gründer des weltweit wegen seiner Software für KI-gestützte Kriegsführung und Massenüberwachung umstrittenen Palantir-Konzerns, auch auf Thunberg passe die „gängigste und dramatischste Deutung des Antichristen“ als „bösen König oder Tyrannen oder Anti-Messias, der in der Endzeit erscheint“.
Palantir unterstützt bedingungslos die israelische Kriegsführung in Gaza
Zum beschleunigten Ende der Welt würden Greta Thunberg und andere „Antichristen“ (wie die US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez) beitragen, indem sie mit einer „Weltregierung“ als „Technologiegegner alle Wissenschaft stoppen wollen“. An anderer Stelle führt Thiel aus, dass er damit vor allem die gesetzliche Regulierung von Künstlicher Intelligenz meint.
Zusätzliches Gewicht erhalten die beiden möglicherweise aus Zufall zeitgleich bekanntgewordenen Dämonisierungen von Greta Thunberg durch die Zusammenarbeit der Absender. Palantir unterstützt ausdrücklich und bedingungslos die israelische Kriegsführung in Gaza und hat der Regierung die Software zur Identifizierung von Angriffszielen zur Verfügung gestellt.
Immer mehr Staaten, darunter nach Angaben der schwedischen Zeitung „Dagens ETC“ auch Thunbergs Heimatland Schweden, wenden Palantirs Programme zu umfassender Massenüberwachung an. Peter Thiel gilt auch als „Mentor“, sprich Wegbereiter und Finanzier, von US-Vizepräsident JD Vance.
Greta Thunberg äußert sich zu Vorwürfen auf Instagram
Zu ihrer Einstufung aus Israel als hochgefährliche Antisemitin sagt Thunberg auf Instagram: „Der Völkermord geht ja weiter.“ Erst vor ein paar Wochen habe das israelische Parlament die Einführung der Todesstrafe nur für Palästinenserinnen und Palästinenser beschlossen. Das sei „Apartheid“. Ihr Instagram-Konto spiegelt deutlich wider, wie sehr sich Thunbergs Engagement verlagert hat. Sie postet kaum noch zum Thema Klimaschutz, dafür aber massiv zum Gaza-Konflikt sowie jetzt auch gegen das israelische Vorgehen im Libanon.
Nach der Premiere eines Dokumentarfilms über den Weg der von ihr und Mitschüler:innen gestarteten Klimabewegung „Fridays for Future“ von 2018 bis heute sagte Thunberg in „Dagens ETC“: „Es breitet sich eine gegen uns, die für Empathie und Gehör für die Wissenschaft auftreten, extrem feindliche, faschistische Welle aus.“ Im Film sagt sie über ihre persönliche Lage: „Ich habe akzeptiert, dass ich wohl kein langes Leben haben werde.“ Sie fühle sich in Schweden „nicht länger sicher“. Das gilt laut „Dagens ETC“ auch für die anderen aus der ersten Stunde von „Fridays for Future“, die sich vor acht Jahren als 14- und 15-Jährige während der Unterrichtszeit für mehr Klimaschutz vor den schwedischen Reichstag gesetzt hatten.