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Wie Heimkehrer aus dem Moskauer Exil die DDR als Statthalter von Stalins Gnaden aufbauten

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«Die Moskauer»

Erschütternde Lebensgeschichten der DDR-Gründerzeit

Heimkehrer aus dem sowjetischen Exil haben die DDR als Statthalter von Stalins Gnaden aufgebaut. Sie selbst waren für immer geprägt von dessen Terrorherrschaft. «Die Moskauer» präsentiert auf schreckliche Weise fesselnde Biografien deutscher Kommunisten aus dieser Zeit.

Andreas Petersen: Die Moskauer – Wie das Stalintrauma die DDR prägte, S.Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 361 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-10-397435-5. Foto: S.Fischer Verlag/dpa

Von Thomas Borchert

Man liest es fassungslos: Der jüdische Kommunist Georg Krausz kommt nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchenwald 1945 im Handumdrehen wieder hinter Stacheldraht, am Ende im selben Lager, jetzt von den sowjetischen Besatzern drei Jahre eingekerkert als «Jude und amerikanischer Spion». 1952 muss der Journalist Krausz vom Prozess gegen den tschechischen Juden und Kommunisten Rudolf Slánský die antisemitischen Verschwörungstheorien und Wahnvorstellungen Stalins für Leser in der DDR zustimmend ausbreiten. Drei Tage nach dem Todesurteil gegen Slánský wird der schon aus allen Parteiämtern «weggesäuberte» Paul Merker als «verbrecherischer Zionist» verhaftet, weil er für die Entschädigung jüdischer Holocaust-Überlebender eingetreten ist. Stalin hat von seinen ostdeutschen Statthaltern auch so einen spektakulären Schauprozess wie den in Prag verlangt.

Der Historiker Andreas Petersen erzählt in «Die Moskauer – Wie das Stalintrauma die DDR prägte» diese und viele andere erschütternde biografische Geschichten von deutschen Kommunisten zwischen Hitlers Antritt 1933 bis in die ersten Nachkriegsjahre. Im Zentrum stehen die vor den Nazis in die Sowjetunion geflüchteten Kommunisten, die den Stalin-Terror der späten 30er Jahre mit Millionen Opfern überlebten und nach Kriegsende in Ost-Berlin den Aufbau den Sozialismus nach stalinschem Muster lenken sollten. Allen voran Walter Ulbricht (1893-1973) als SED-Parteichef und Vorsitzender des DDR-Staatsrates und der erste, 1960 gestorbene DDR-Präsident Wilhelm Pieck.

«Im Aufbaufuror blieb keine Zeit für Rückblicke auf Terror, Verfolgungen, Denunziation und Angst. Sie schwiegen über Verhaftungen, das Verschwinden der Parteigenossen, Hunderttausender. Kein Wort über die eigenen Verhöre, die Gefängnisjahre und den Verrat, ohne den kaum zu überleben war», erklärt Petersen vorweg nüchtern, was er als Konsequenz aus den oft apokalyptisch schrecklichen Lebensgeschichten deutscher Kommunisten als Staatslenker der ersten Stunde sieht: «Der Schrecken, die Lüge und das Schweigen wurden zum mentalen Fundament des neuen Staates.»

Erwin Jöris hielt sich nicht daran. Nach einer KZ-Haft 1933 bis 1934 emigrierte er auf KPD-Geheiß, schuftete in einem Stahlwerk im Ural, versteckte sich hungernd und vergeblich vor den Massenverhaftungen deutscher Emigranten in Schuppen, denunziert von eigenen Genossen als «Trotzkist». Er wurde 1938 schon vor dem Hitler-Stalin-Pakt wie viele deutsche Emigranten der Gestapo übergeben und überlebte den Krieg als Wehrmachts-Sanitäter. 1946 in Berlin sprach sich Jöris offen gegen die schrankenlose Eingliederung belasteter Nazis in die SED durch die «Moskau-Heimkehrer» aus und attackierte genauso offen den SED-Spitzenfunktionär Kurt Schneidewind. Der hatte ihn im Ural denunziert, war als einziger Deutscher den Verhaftungen entgangen und nun ein ganz Mächtiger. Das brachte Jöris 1950 vor einem DDR-Gericht als «Spion» und «Konterrevolutionär» 25 Jahre Bergwerksarbeit in Sibirien ein. Nach der Entlassung 1955 flüchtete er mit seiner Frau von Ost-Berlin in den Westen und starb 2013 im Alter von 101 Jahren.

Die Stärke des Buches liegt in solchen Lebensgeschichten mit oft schwer fassbaren Schrecknissen im Zickzack zwischen Widerstand gegen die Nazis, Verfolgung samt gegenseitigem Verrat im mörderischen Gewaltsystem unter Stalin und dem anschließenden Zwang zu Verdrängung und Schweigen. Verblüffend oft findet sich auf diesen in schrecklicher Weise immer fesselnden 300 Seiten der Hinweis, dass die jeweilige Leidens- oder auch Tätergeschichte erst nach dem Ende der DDR bekanntgeworden ist. «Panzerschrank-Lebensläufe» nennt Petersen, was die Betroffenen oft auch innerlich unter schrecklichsten Verdrängungen akzeptierten, weil sie entweder nie den «Glauben an die Partei» aufgeben wollten, einfach nackte Angst hatten oder beides kombinierten.

Lotte Rayss, im Moskauer Exil Kindermädchen des später «legendären» Stasi-Auslandschefs Markus Wolf und seines als Filmregisseur ähnlich berühmten Bruders Konrad, musste 16 Jahre im Gulag zubringen. Bei der Festnahme Anfang 1938 erklärten die Häscher, sie könne nur eins ihrer beiden Kinder mitnehmen. Lotte Rayss entschied sich in grenzenloser Verzweiflung für den Säugling Larissa. Die ältere Tochter Lena, Halbschwester von Markus und Konrad Wolf, kam in ein Kinderheim. Der Vater Friedrich Wolf, der das Kindermädchen auch als Geliebte geschätzt hatte, «starb 1952, hochgeehrt und ein glühender Streiter für die junge DDR und eine glorreiche Sowjetunion. Für die Verbannte eingesetzt hatte er sich nicht».

1954 durfte Lotte Rayss nach Ost-Berlin zurückkehren. «Ihre Geschichte aufzuschreiben traute sie sich nicht.» Den Geheimdienstchef hat sie um zwei Jahre überlebt und vor ihrem Tod dem in der Verbannung geborenen Sohn Konrad die eigene Geschichte doch noch diktiert. Den Tod von Markus Wolf «begrüßte sie. Für sie war er die Verkörperung der Verfolgung».

Finnische Linke und Rechtspopulisten sind die klaren Wahlsieger

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Rechtspopulismus

Finnland polarisiert sich

  • von Thomas Borchert
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    Das Gesicht des Wechsels: Antti Rinne, Chef der Sozialdemokraten.

Die Regierungsbildung wird für die Sozialdemokraten nach dem Erstarken der Rechten schwierig.

Das glücklichste Volk der Welt ist für bessere Krankenhäuser, Schulen, ehrgeizige Klimaziele und mehr Respekt für Arbeitslose nach links gerückt, hat aber zugleich Rechtspopulisten mit ihren Parolen gegen Zuwanderer sowie „Klimahysterie“ stark gemacht. Finnlands bisheriger Regierungschef Juha Sipilä vom Zentrum wird nach der krassen Niederlage bei der Reichstagswahl wohl nicht mehr den aktuellen „UN World Happiness Report“ unterschreiben, wonach seine Landsleute zufriedener sind mit ihrem Leben als alle anderen Völker. Die 5,5 Millionen Finnen haben sich mit der Wahl eine politische Polarisierung beschert, die auch hier bisherige politische Konsensmodelle ins Wanken bringt. Read the rest of this entry »

Schweden: Müssen IS-Waisen für ihre Eltern büßen?

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Kinder von IS-Kämpfern im Hospital von Hosaka.

IS-Rückkehrer

Stockholms Härte gegen kranke IS-Waisen

  • von Thomas Borchert

Kinder getöteter schwedischer Dschihadisten dürfen nicht ins Land. Ein Großvater kämpft für die Rückkehr seiner Enkel und berichtet.

Auf dem Privatfoto aus einem nordsyrischen Gefangenenlager für IS-Kämpfer lächelt Großvater Patricio Galvez noch und hält ein Baby im Arm. Er freut sich, weil er vom fernen Göteborg aus tatsächlich die siebenköpfige Enkelschar im Alter von einem bis acht Jahren in dieser schrecklichen Gefangenschaft aufgespürt hat. Und weil alle am Leben sind, während ihre Eltern als schwedische Dschihadisten kurz vor der endgültigen IS-Niederlage starben. Dass die Regierung in Stockholm ihm jetzt partout nicht helfen will, die Waisen in seinem Heimatland in Sicherheit zu bringen, kann Galvez nicht fassen: „Wenn Schweden wirklich sagt, dass man diese unschuldigen Kinder nicht haben will, ist das barbarisch.“ Read the rest of this entry »

Finnland wählt: Sozialdemokraten, Grüne und Linke im Aufwind

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Auf Abschiedstour in Brüssel? Finnlands Premier Juha Sipilä.

Finnland wählt

Die Stimmung steht auf Wechsel

  • vonThomas Borchert

Finnlands Sozialdemokraten, Grüne und Linke stehen vor einem Erfolg bei der Wahl am Sonntag.

Die Finnen, auf der jährlichen UN-Rangliste gerade erst wieder zum „glücklichsten Volk der Welt“ gekürt, wollen ihr Land am Sonntag den Umfragen zufolge ein Stück nach links rücken. Wenn die Demoskopen recht behalten, können Sozialdemokraten, Grüne und die Linken bei der Reichstagswahl allesamt mit beachtlichen Zugewinnen rechnen. Ob und wie das aber auch für einen Linksruck bei der anschließenden Regierungsbildung reicht, ist vor allem wegen der im Endspurt stark zulegenden Rechtspopulisten unsicher.

Als ausgemacht gilt in Helsinki, dass die Wähler den bisherigen Regierungschef Juha Sipilä vom Zentrum für die harte Sparpolitik seiner Mitte-Rechts-Koalition abstrafen werden. Der betont bullig auftretende Unternehmer Sipilä liegt in den Umfragen aussichtslos hinten. Er ist nur noch geschäftsführend im Amt, seit er nach dem Scheitern seiner Gesundheitsreform im Reichstag Anfang März das Handtuch geworfen hat – für die Regierung aus Konservativen und Rechtspopulisten bedeutete dies das Ende.

Das war ungefähr zur gleichen Zeit, als Finnland zum zweiten Mal in Folge mit dem ersten Platz auf der Glücksrangliste der Vereinten Nationen international in den Schlagzeilen war. Sie misst die Zufriedenheit von Menschen mit dem Leben im eigenen Land und kombiniert das mit Statistik zu Lebenserwartung, Wohlstand, sozialer Sicherheit und anderem mehr. Garniert wurde die gelassen selbstironische Aufnahme dieses Weltmeistertitels im Land selbst mit der Ablehnung von Sipiläs Gesundheitsreform als schlecht kaschiertem Kostensenkungsprogramm. Read the rest of this entry »

Justizminister: Tod wär das Beste für dänische IS-Krieger – Regierung: Wir bürgern auch die Kinder gleich mit aus

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Terrormiliz

Dänemark will IS-Kämpfer ausbürgern

 

  • von Thomas Borchert

Die Pläne der Regierung betreffen auch Frauen und Kinder – und könnten Menschenrechtskonventionen verletzen.

Dänische Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ mit doppelter Staatsangehörigkeit sollen in Zukunft auf dem Verwaltungsweg ausgebürgert werden. Und zwar noch während sie im Ausland sind und ohne dass ein Gericht sie für eine strafbare Handlung verurteilt hat. „Jetzt setzen wir auf Härte gegen diese Fremdenkrieger“, kommentierte Inger Støjberg, Ministerin für Ausländer und Integration, in Kopenhagen den Gesetzentwurf.

Billigflieger bringt Islands Tourismus-Boom ins Wanken

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Billigflieger

Island in der Wow-Krise

  • vonThomas Borchert

Die Billigfluglinie der kleinen Inselrepublik steckt in akuten Nöten. Das ist ein Problem, weil der Tourismus inzwischen eine volkswirtschaftliche Schlüsselrolle in dem Land spielt.

Muss täglich mit dem Aus rechnen: Wow Air.

Islands einziger Billigflieger Wow Air steckt in akuten Nöten. Was für die europäische Flugbranche nur die nächste von immer mehr Havarien kleiner Anbieter auf einem gnadenlos umkämpften Markt wäre, versetzt die kleine Inselrepublik im Atlantik in helle Aufregung. Regierungschefin Katrín Jakobsdóttir sah am Dienstag in Reykjavik zwar „keinen Grund für Katastrophenstimmung“, warnte aber doch vor gravierenden Folgen: „Wenn es wirklich ganz schlimm kommt, wird das ein harter Schlag, der unseren gesamte Tourismusbranche trifft.“ Das befürchten auch Islands Gewerkschaften und Arbeitgeber, die ihre zentrale Tarifrunde mit als sicher geltenden Streiks ausgerechnet im Fremdenverkehr wegen der Wow-Krise erst mal ausgesetzt haben. Read the rest of this entry »

Norwegen: Wenn Rechtspopulisten regieren, wird es bizarr

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Norwegen

Ein Verdacht, der den Minister den Job kostet

  • von Thomas Borchert

Hat die Lebensgefährtin des Rechtspopulisten Tor Mikkel Wara in Oslo eine Straftat vorgetäuscht, um politische Gegner zu diffamieren?

Ministertitel für Rechtspopulisten können zu bizarren Verwicklungen führen: In Oslo hat Norwegens Polizei das Haus ihres eigenen obersten Dienstherren, Justizminister Tor Mikkel Wara, auf den Kopf gestellt, um Beweise für die Vortäuschung einer Straftat zu sichern. Nach Erkenntnissen des polizeilichen Geheimdienstes PST soll Waras Lebensgefährtin Laila Anita Bertheussen das Auto des Paares in der Nacht angezündet haben, um den vermeintlichen Anschlag anschließend politischen Gegnern in die Schuhe zu schieben. Unmittelbar nach der vorübergehenden Festnahme der Verdächtigen, die alle Vorwürfe abstreitet, ließ sich Wara beurlauben. Niemand in Oslo rechnet damit, dass er sein Amt wieder antreten kann.

Bertheussen erschien zweimal im Theater, filmte Akteure und Besucher, feuerte verbale Attacken auf Facebook ab und erstattete Anzeige gegen die Verantwortlichen des Theaters. Diese machte sie öffentlich für Attacken auf ihr Haus und die Umgebung seit vergangenem Dezember verantwortlich. Read the rest of this entry »