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Desaster mit den Corona-Nerzen: Erst zu spät gehandelt und dann ohne Rechtsgrundlage

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Das Grauen: Tote Nerze
Das Grauen: Tote Nerze.© MADS CLAUS RASMUSSEN/afp
  • 15.11.2020 15:04

Nerze

Dänemark streitet über Tötung von Nerzen

  • von Thomas Borchert

Gefahr des mutierten Virus offenbar niedriger als befürchtet.

Weniger als zwei Wochen hat die Massentötung aller 17 Millionen Zuchtnerze in Dänemark gedauert, um die Ausbreitung einer Mutation des Corona-Virus unter Menschen zu verhindern. Am heutigen Montag dürfte nach Plan auch die letzte der 1200 Nerzfarmen ihre Schließung melden.

Unter gar keinen Umständen sollte die im Norden Jütlands konzentrierte Pelztierzucht zu einem „neuen Wuhan“ werden und mit dem mutierten Virus kurz vor dem Einsatz stehende Impfstoffe gegen Covid-19 gefährden. Die chinesische Stadt Wuhan gilt als der Ausgangspunkt der Pandemie.

Aktivistinnen und Aktivisten für den Tierschutz begrüßen dieses abrupte und dauerhafte Aus für die als besonders grausam verschriene Käfighaltung der kleinen Raubtiere nur ihrer Pelze wegen. Dänemark war der weltweit größte Exporteur der Pelze.

Inzwischen aber schätzt die Riege an Fachleuten bis hin zur Weltgesundheitsbehörde die Gefahrenlage durch das mutierte Virus „Cluster 5“ niedriger: Die kurz vor dem Einsatz stehenden Corona-Impfstoffe seien wohl robust gegenüber den Veränderungen. Auch die Zahl von gut 200 mit „Cluster 5“ infizierten Menschen gibt keinen Grund zu Angst vor einer zweiten Pandemie „Made in Denmark“.

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verkündete zum Wochenende auch schon die ersten Erleichterungen für die 270 000 vom Rest des Landes weitgehend isolierten Menschen, die in der Region der Nerzfarmen leben. „Gute Nachrichten für Nordjütland“, postete die Sozialdemokratin auf Facebook. Man habe aber an dem bedauernswerten und brutalen Aus für einen ganzen Exportzweig mit Tausenden Arbeitsplätzen nicht vorbeikönnen, um größeren Gefahren für das eigene Land und die ganze Welt vorzubeugen.

Hatten die 5,8 Millionen Bürgerinnen und Bürger im Land solche Sätze beim schnellen, harten und erfolgreichen Lockdown im Frühjahr noch mit überwältigenden Umfragewerten quittiert, trat ihnen jetzt eine schwer angeschlagene Regierungschefin kurz vor dem K.O. entgegen. Dass die Rechtsopposition nach einem halben Jahr Corona-Burgfrieden mit Frederiksen als allseits bewunderter Krisenlenkerin jetzt Morgenluft wittert und ihr den Ruin eines ganzen Wirtschaftszweiges ohne Not anlastet, war noch das geringere Übel.

Denn Frederiksen musste zugeben, dass es für die Anordnung zur Tötung aller Nerze in Dänemark schlicht keine gesetzliche Grundlage gab: „Ein klarer Fehler, für den ich mich entschuldige.“ Mit Sicherheit wird es auch ein teurer Fehler für die Steuerkasse bei den anstehenden Verhandlungen über Schadensersatz an die Zuchtbranche.

Die Regierungschefin wird wohl diese Woche den für Landwirtschaft zuständigen Minister Mogens Jensen als Bauernopfer präsentieren, hat aber ihren Ruf als souverän und rational handelnde Corona-Managerin verspielt. Als die Gefahren aus den Nerzfarmen längst bekannt waren, machte sie sich noch im September lustig über eine Journalistenfrage, ob nicht die Tötung von Nerzgruppen mit infizierten Tieren angebracht sei. Monatelang auch sahen die Behörden trotz der seit Mai bekannten gegenseitigen Ansteckung von Nerzen und Menschen keinen Grund, die rund 2800 auf den Farben arbeitenden Menschen intensiver als andere zu testen.

Die Hälfte von ihnen sind Arbeitskräfte aus Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern. Der des Rassismus unverdächtige Mikrobiologe Hans Jørn Kolmos schaffte es dazu in viele Zeitungen mit seiner Bemerkung: „Es ist grotesk, dass Dänemark in einem Umfang runtergefahren ist, dass man kaum noch mit dem Fahrrad herumkommt. Zugleich fliegt man Woche für Woche Ostarbeiter ins Land und wieder heraus.“

Dies ist der von Politik, Medien und auch Gewerkschaften benutzte Sammelbegriff: Staatliche Behörden heuerten diese „Ostarbeiter“ auch noch für die Massentötung der Nerze durch Vergasung an und sie brachte sie zu jeweils mehreren Personen in Campingwagen unter.

Ein neues Wuhan durch mutiertes Corona-Virus aus dänischen Nerzfarmen?

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17 Millionen Nerze in dänischen Farmen müssen jetzt sterben.© Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scan

05.11.2020

Corona

Mutationen in Dänemark

  • von Thomas Borchert

Ein verändertes Virus auf Nerzfarmen zwingt die Regierung in Kopenhagen dazu, zu handeln.

Eine zweite Corona-Pandemie, die jetzt statt von chinesischen Geflügelmärkten von Nerzkäfigen im Norden Dänemarks ausgeht? Damit die beängstigende Aussicht nicht Wirklichkeit wird, hat die Regierung in Kopenhagen am Donnerstag die weitgehende Isolierung der gesamten Bevölkerung im nördlichen Jütland verfügt.

Weil dort bisher zwölf Menschen mit einer mutierten Variante von Covid-19 infiziert sind, sollen alle Bürgerinnen und Bürger in den kommenden vier Wochen ihren Heimatkreis nicht verlassen und müssen unter härteren Lockdownbedingungen leben als der Rest des Landes. Eine Ausbreitung der mutierten Virusform würde die Wirksamkeit der weltweit kurz vor dem Einsatz stehenden Impfstoffe gefährden.

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Einen Angriff Russlands könnte Schweden nicht lange abwehren.© afp

Aktualisiert: 22.10.202017:08

Militär

Vorbereitung auf möglichen Angriff: Schweden rüstet gegen Russland auf

  • von Thomas Borchert

Die sozialdemokratische Regierung will Militärausgaben um 40 Prozent steigern. Damit will sich das Land auf einen möglichen Angriff Russlands vorbereiten.

  • Schweden plant, das Militärbudget kräftig zu erhöhen.
  • Grund dafür soll ein „nicht mehr auszuschließender“ Angriff Russlands auf die schwedische Insel Gotland sein.
  • Einen Beitritt zur Nato schließt die sozialdemokratische Regierung Schwedens weiter aus.

Stockholm – Über 200 Jahre ist Schweden von Krieg verschont geblieben und will sich jetzt mit massiver Aufrüstung vor augenscheinlich neuen Gefahren im Ostseeraum schützen. „Russlands Agieren“ lautet ausdrücklich die Begründung für die geplante Steigerung der Militärausgaben um 40 Prozent in den nächsten fünf Jahren.

Der sozialdemokratische Verteidigungsminister Peter Hultqvist nannte jetzt bei der Vorlage der konkreten Pläne als Beispiele die russische Aggression gegen Georgien, die Annektion der Krim, den Konflikt mit der Ukraine sowie Manöveraktivitäten auf der arktischen Kola-Halbinsel, im Nordatlantik und eben auch auf der Ostsee.

Schwedische Verteidigungsminister: Abrüstung nach dem Kalten Krieg war ein Fehler

Die kräftige Abrüstung seines Landes nach dem Ende des Kalten Krieges zwischen 2000 und 2015 sei ein Fehler gewesen, den man nicht wiederholen dürfe. „Seit den 50er Jahren haben wir nicht so stark auf die Armee gesetzt wie jetzt“, meinte Hultqvist zu der anstehenden Wiederaufrüstung, für die er mit einer breiten Mehrheit im Stockholmer Reichstag rechnen kann. Von 60 auf 89 Milliarden Kronen (5,7 auf 8,6 Mrd. Euro) sollen die Militärausgaben steigen: Mehr U-Boote, mehr Kampfflugzeuge, Verdoppelung der Anzahl Wehrpflichtiger von 4000 auf 8000, Gesamtanstieg des Personals bei den Streitkräften von 60 000 auf 90 000 Personen (bis 2030) und nicht zuletzt mehr militärische Präsenz auf der Schweden vorgelagerten Ostsee-Insel Gotland.

Beunruhigend: Mutierte Corona-Viren in dänischen Nerzkäfigen

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14.10.2020 20:34

Dänemark

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Corona wütet auf Nerzfarmen

  • von Thomas Borchert

Der Erreger bringt auch in Dänemark die als grausam verschriene Pelztierzucht ins Wanken. Ein Experte spricht von „Virus-Fabriken“.

Weil sich das Coronavirus immer schneller auf Dänemarks Nerzfarmen ausbreitet und dabei auch Menschen gefährdet, steht der weltweit größte Anbieter von Pelzen der kleinen Raubtiere möglicherweise vor dem endgültigen Aus. Als in dieser Woche bekanntwurde, dass mehr als vier Millionen Tiere auf bisher 89 Farmen mit Covid-19-Infektionen sofort getötet werden müssen, beklagten Branchensprecher, dass dann schon nicht mehr genügend Zuchttiere für das Auffüllen der Bestände vorhanden seien.

Zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit in Jyllands-Posten

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03.10.2020 kl. 16:30

Nach dem Ossi-Irrsinn kam der Wessi-Irrsinn

(Deutsche Version von Kolumne in Jyllands-Posten am 4.10.2020)

In diesen Tagen jährt sich die deutsche Vereinigung zum 30. Mal. Für die Deutschen im Osten ist die Entwicklung von “Die Partei hat immer recht” so gelaufen, dass nun der Markt immer recht hat. Welch ein Irrsinn.

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Tegning: Rasmus Sand Høyer

Den 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung an diesem Wochenende feiere ich „Ex-Wessi“ auf etwas spezielle Art zusammen mit der Ex-„Ossi“ Annette Herzog: Wir haben es beide auf die Liste geschafft, mit der das Folketing wie jedes Jahr im Oktober einigen Eingewanderten die dänische Staatsbürgerschaft zuerkennt. Leser dieser Kolumne erinnern sich vielleicht: Vor ein paar Monaten wurde hier aufgedeckt, dass das Ausländerministerium Annette Herzogs Antrag auf Einbürgerung abgewiesen hatte mit der Begründung, sie habe ihre Dänisch-Kenntnisse nicht nachgewiesen. Nachdem sie 39 Kinder- und Jugendbücher in dieser Sprache geschrieben hat. Welch ein Irrsinn.

Friedensnobelpreis 2020 für das Welternährungsprogramm

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Bewahrer humanitärer Grundsätze der Welt

  • 9.10.2020
  • von Thomas Borchert

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen erhält den Friedensnobelpreis.

Es sollte wohl die Programmerklärung für den diesjährigen Friedensnobelpreis sein: „Die Notwendigkeit von internationaler Solidarität und multilateraler Kooperation ist offensichtlicher als je zuvor.“ Die Komitee-Vorsitzende Berit Reiss-Andersen sagte den Satz, noch ehe sie die Entscheidung für das Welternährungsprogramm (World Food Programmen, WFP) der UN im Osloer Nobelinstitut verkündete. Nachdem sie die zentrale Rolle des Hungers als Auslöser von Krieg und Gewalt sowie auch als bewusste Kriegstaktik klar und einleuchtend erklärt hatte, ging die Norwegerin auch auf die Corona-Pandemie als aktuellen Hintergrund für die diesjährige Preisvergabe ein: „Als Folge des Virus können viele Menschen sich nicht mehr ausreichend Lebensmittel beschaffen. Auch die Pandemie zeigt uns, dass multilaterale Zusammenarbeit absolut notwendig ist, um globale Herausforderungen zu bewältigen.“ Wer wollte dem widersprechen?

Vorschau auf den Friedensnobelpreis 2020

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Nobelpreisträger

Friedensnobelpreis 2020 für Greta Thunberg oder Jacinda Ardern: Frauen haben gute Chancen

07.10.2020

von Thomas Borchert

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Klimaaktivistin Greta Thunberg steht bei den Wettanbietern ziemlich weit oben – am Freitag wird die Auszeichnung verkündet.

Oslo – Was für eine groteskes Missverhältnis: 90 männlichen Trägern des Friedensnobelpreises seit 1901 stehen 17 Frauen gegenüber. Nach dem dann auch nicht sonderlich friedlichen 20. Jahrhundert sieht das Geschlechterverhältnis beim prestigeträchtigsten Preis der Welt jetzt komplett anders aus: In den vergangenen zehn Jahren hat das Osloer Nobelkomitee fünf Frauen und fünf Männer (sowie vier Organisationen) ausgezeichnet. https://tpc.googlesyndication.com/safeframe/1-0-37/html/container.htmlabout:blankhttps://acdn.adnxs.com/dmp/async_usersync.html

Für die Verkündung der diesjährigen Auszeichnung an diesem Freitag erwarten zumindest die Wettanbieter und ihre Kunden, dass dieser Trend anhält: Wie schon 2019 steht die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg weit oben auf der Favoritenliste. Im Zeichen der Corona-Pandemie knapp hinter der Weltgesundheitsorganisation WHO, und beide klar vor allen anderen der alles in allem 318 Nominierten. Das männliche Geschlecht hat jedenfalls bei den Wettanbietern als aussichtsreichsten Anwärter den mit Corona infizierten US-Präsidenten Donald Trump anzubieten. Vor ihm noch die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern wegen ihres diametral entgegengesetzten Managements gegen die Pandemie.

Rezension von Jonas Eika, Nach der Sonne (Lest auch seine Preisrede, beigefügt!)

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Eika zaubert mit komplett neuem Ton im «fiktiven Flug»

Von Thomas Borchert

Berlin/Kopenhagen – Mit dem 29- jährigen Jonas Eika meldet sich aus Skandinavien eine neue Stimme in faszinierender Tonlage:  «Ich erreichte Kopenhagen verschwitzt und halbwegs neben mir stehend nach einem äußerst fiktiven Flug.» Der Eröffnungssatz seiner Novellensammlung «Nach der Sonne» schlägt den Kammerton an für Eikas sehr eigenen Mix aus Realismus und Fantasy. Was um alles in der Welt könnte ein «fiktiver Flug» sein? Es wird nie erklärt und muss auch nicht.

Mit fast biblischer Kraft und zugleich hochmodern nüchtern kann der 29- jährige Däne Jonas Eika erzählen. Seine Novellen in «Nach der Sonne» sind ein faszinierender Mix aus Realismus und dystopischer Fantasie in vollkommen neuer Tonlage.

Annette Herzogs nye bog om hendes DDR-liv: sjovt, klogt, originelt

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Tegning: Rasmus Sand Høyer

Thomas Borchert

Thomas Borchert, tysk korrespondent

30-årsdagen for den tyske genforening denne weekend kan jeg som ”Ex-Wessi” fejre på en ret speciel måde sammen med ”Ex-Ossi” Annette Herzog. Vi står begge på den liste, som Folketinget hvert år i oktober vedtager for tilkendelsen af dansk statsborgerskab til nogle af os indvandrede. Klart nok kollapsede DDR ikke mindst pga. de politisk fastsatte og urealistisk lave priser. Men er de modsatte principper i vores sejrrige neoliberale system mindre forrykte?

Læsere af denne klumme erindrer måske: Udlændingeministeriet havde afvist hendes ansøgning med den begrundelse, at hun manglede at dokumentere sine danskkundskaber. Efter at have skrevet 39 børne- og ungdomsbøger på dette sprog. Hvilken galskab.

Det er nok så diskret blevet korrigeret. Til 30-årsdagen for tysk genforening udkommer nu en bog for voksne danske læsere om de første 30 år af forfatterens liv i DDR: ”Det Der vaR – Historier fra den anden side af muren.”

Hvis man vil begribe, hvorfor Herzogs fødeland var dømt til undergang, kan man bare læse hendes beretning om vejen til det danske sprog. Fortællestilen er enkel og ligefrem, forfatteren morsom, klog og varmhjertet. »Hvad kunne jeg bruge dansk til, efter at jeg havde læst det i fem år? Stort set ingenting.« Læs også

Bag Muren: Erindringsbog om livet i et land, der ikke længere findes For abonnenter

På universitetet i Greifswald ville hun vælge svensk, men blev ganske enkelt beordret til at læse dansk. Plus engelsk. Nå pyt, bare hun kunne undgå polsk og russisk. Med oversætter- og tolkediplomet i hus vidste hun en masse om tapre DKP’s kamp mod klassefjenden i Danmark, men hendes dansk var ikke meget værd. Der var heller ikke brug for det. »For ikke helt at glemme sproget oversatte jeg indimellem tekniske brugsvejledninger for barbermaskiner, elektriske kædesave eller kraner … men det var kedeligt, dårligt betalt og slidsomt.«

Der fandtes ikke en eneste teknisk dansk-tysk ordbog i DDR. Brugsanvisningerne blev derfor »det rene gætværk«, og hun havde »ondt af de folk, som bagefter skulle læse dem«.

Fascineret læser man om de åndsforladte arbejdsdage i en industrivirksomhed, hvor der åbenbart heller ikke var brug for hendes engelskkundskaber. Dagene »gik for det meste med at vente på solskin«. En venten, der med lynets hast blev afbrudt og erstattet af ekstrem beslutsomhed, når det gjaldt kampen inden for DDR’s mangeløkonomi. Når f.eks. rygtet spredte sig om et par symaskiner, i årevis havde de ikke været til at opdrive, og der var akut brug dem, nu var de pludselig til salg et eller andet sted. Alt blev droppet, og hvis handelen lykkedes, blev man belønnet med en følelse af ”hysterisk lykke”, som der ifølge Annette Herzog ikke findes magen til i de vestlige overflodssamfund. Læs også

Hun har åbenbart aldrig kastet sig ud i en black friday: totalt hysteri i grotesk overflod. Nu under coronakrisen bliver det deklareret som en patriotisk pligt at være med på en slags permanent sort fredag for med maksimal købelyst at afværge den helt store økonomiske katastrofe. Det er, hører vi fra vores regeringer, lige nu mere presserende end at afværge klimakatastrofen. ”Hvilken galskab,” vil vores børn sige om et par årtier, når de kæmper med følgerne.

Herzogs kapitel om DDR-moderskabet til fire børn i en meget ung alder lyder eksotisk. Det var dog ganske normalt, især fordi det ikke spillede nogen negativ rolle, at pengene var små. Husleje, mad, alt var konstant billigt. Det kunne tværtimod være en fordel: Jo større børneflok, jo bedre forudsætninger for at få sig en ordentlig bolig, ja, ovenikøbet en familiebil, som man ellers skulle vente på i 15 år.

Klart nok kollapsede DDR ikke mindst pga. de politisk fastsatte og urealistisk lave priser. Men er de modsatte principper i vores sejrrige neoliberale system mindre forrykte? At det frie marked har forvandlet boligen til et spekulationsobjekt og den brede middelklasse til spekulanter, gælder ikke bare som normalt. Det er samtidig lige så uantasteligt som kommunisternes princip ”Partiet har altid ret”.

Nu har markedet altid ret og har på boligområdet skabt en pervers opdeling af samfundet. Hvor unge menneskers muligheder i livet og ikke mindst lyst til at få børn er styret af forældrenes ”friværdi” eller mangel på samme.

Stasi dukker i disse DDR-erindringer af og til op som noget ganske dagligdags. Som når f.eks. nogle klodsede teknikere fra postvæsenet ikke er i stand til at installere skjulte mikrofoner ”diskret” i en telefon.

Annette Herzogs fryd over dette monstrøse undertrykkelses- og overvågningsapparats undergang behøver ikke blive mindre af, at vi her 30 år senere har underkastet os monstre af helt andre dimensioner. Også jeg udleverer jo helt frivilligt mit privatliv til Facebook, Google og Apple. Hvilken galskab.

Über Klan-Kriminalität in Schweden

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Im August starb eine Zwölfjährige in Botkyrka südlich von Stockholm, die zufällig vorbeiging, als sich rivalisierende Banden an einer Tankstelle beschossen.
Im August starb eine Zwölfjährige in Botkyrka südlich von Stockholm, die zufällig vorbeiging, als sich Banden an einer Tankstelle beschossen.© ALI LORESTANI

23.09.2020

Clan-Kriminalität

Herrscher über das Verbrechen

  • von Thomas Borchert

In Schweden nimmt die Bandengewalt drastisch zu. Die Polizei spricht von einer „Systembedrohung“. Das verschiebt auch den Diskurs im Land.

Hat sich Schweden, das für viele im 20. Jahrhundert als das sozialdemokratische Musterland schlechthin galt, im 21. Jahrhundert naiv der Mafia ausgeliefert? Und steht es nun kurz vor dem Zusammenbruch als „failed state“, als gescheiterter Staat? Für die zehn Millionen Menschen im Land muss die bizarre Frage ein Stück realistischer klingen, seit ihr Vize-Polizeichef Mats Löfving jetzt ein tiefschwarzes Bild von der Kriminalität in Schweden gezeichnet hat.

Einfluss im Reichstag?

Es schlug wie eine Bombe ein, als Löfving in zwei Interviews von einer zunehmenden Herrschaft zugewanderter Clans über das organisierte Verbrechen gegenüber einer oft ohnmächtigen Polizei sprach: „Derzeit haben wir mindestens 40 auf Familienstrukturen basierende kriminelle Netzwerke in Schweden, sogenannte Clans. Ich behaupte, dass sie eindeutig mit dem Ziel nach Schweden gekommen sind, organisiert und systematisch Kriminalität zu betreiben.“

Klar, dass der Polizeichef nach viel mehr Kompetenzen für die Verbrechensbekämpfung rief. Schockierender war seine Einordnung der Clan-Kriminalität als „systembedrohend“ für Schweden, weil es ihr auch um politische Macht gehe. Die Clans hätten Einfluss auf kommunalem „und noch höherem Niveau“ gewonnen. Als Löfving im TV-Studio gefragt wurde, ob denn auch Clan-Angehörige im Stockholmer Reichstag Sitz und Stimme hätten, lautete seine Antwort: „Wir verfolgen das geheimdienstlich. Mehr kann ich nicht sagen.“

Die Polizeioffensive kommt infolge neuer Nachrichten über unschuldige Opfer der seit einigen Jahren in Schweden ausgefochtenen „Kriege“ zwischen kriminellen Banden. Im August starb eine zufällig vorbeigehende Zwölfjährige in Botkyrka südlich von Stockholm, als sich rivalisierende Bandenmitglieder an einer Tankstelle gegenseitig beschossen. Bisher sind in diesem Jahr bei solchen Schießereien 27 Menschen ums Leben gekommen, fast alle waren junge männliche Bandenmitglieder. 2018 ermittelte eine europäische Vergleichsstudie, dass das Todesrisiko durch eine Schusswaffe für 15- bis 29-jährige Männer in Schweden zehnmal höher ist als in Deutschland.

Die Anstrengungen der Polizei zur Eindämmung sind seit knapp einem Jahrzehnt nahezu alle fehlgeschlagen. Die Aufklärungsquote ist extrem niedrig – der Polizei zufolge vor allem, weil die Clan-Zwänge alle Beteiligten, auch auf der jeweiligen Opferseite, eisern schweigen lassen.

Kurz vor den Interviews mit Löfving kam aus Schwedens zweitgrößter Stadt Göteborg die Nachricht, dass zwei einander bekriegende Banden regelrechte Straßensperren mit eigenen Kontrolleuren errichtet und in von ihnen „dominierten“ Stadtteilen mit hohem Zuwandereranteil „Ausgangssperren“ verhängt hätten. Der TV-Sender „SVT“ berichtete in einer Dokumentarserie von Mafiafilz und Korruption in Sigtuna. Beteiligte: die sozialdemokratische Spitze im Rathaus, der Baukonzern Peab und der Spitzenmann der in der Stadt stark vertretenen syrisch-orthodoxen Zuwanderer-Community. Es klang wie eine Mafiageschichte, einschließlich der „Beschaffung“ von Wählerstimmen unter Zuwanderern für die Sozialdemokraten.

Populisten im Aufwind

Das ist zwar schon zehn Jahre her, passt aber als Enthüllung aktuell perfekt zu dem sich gerade dramatisch verschiebenden Zuwanderungsdiskurs im Land. Schweden hatte 2015 gut 160 000 Geflüchtete und damit relativ zur Bevölkerungsgröße mehr Menschen als Deutschland aufgenommen. „Mein Europa errichtet keine Mauern“, sagte der sozialdemokratische Premier Stefan Löfven damals. Heute, nach seiner längst vollendeten Wende hin zu einer recht konsequenten Politik gegen unerwünschte Zuwanderer, hat Löfven auch verbal eine Wandlung vollzogen und erklärt zum Kriminalitätsproblem: „Eine starke Zuwanderung, bei der wir die Integration nicht schaffen, bringt auch ein höheres Risiko für die Probleme, die wir jetzt sehen. Das ist glasklar.“ Bisher hatte der Ex-Gewerkschaftschef stets soziale Ursachen hervorgehoben.

Seine Partei wird durch die Schreckensnachrichten von den Bandenkriegen in die Defensive gedrängt. Auf der Rechten haben Konservative und Christdemokraten alle Bedenken gegen eine Zusammenarbeit mit den aus Nazi-Gruppen entstandenen Populisten der Schwedendemokraten aufgegeben. Sie propagieren eine Übernahme der extrem harten dänischen Ausländerpolitik, die seit 20 Jahren die Handschrift der dortigen Rechtspopulisten trägt. Bei den Nachbarn heißen Problemstadtteile mit hohem Zuwandereranteil offiziell „Ghettos“, wo bei Bandenkriminalität doppelt so hohe Strafmaße gelten wie sonst im Land. Noch vor kurzem galt das für den politischen Mainstream Schwedens als Rassismus.

Der Blick der schwedischen Polizei richtet sich mit sehnsuchtsvollen Blicken aber auch nach Deutschland. Die Kollegen dort, so äußerten ranghohe Ordnungshüter nach Besuchen in Berlin und anderen Metropolen, hätten vor allem bei der schnellen Konfiszierung von Clan-Geldern und durch schärfere Waffengesetze ganz andere rechtliche Möglichkeiten. Der deutsche Weg sei der richtige – und klar: „Follow the money.“ Man sei da selbst vielleicht ein bisschen naiv gewesen.