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Wie Lehrer sich gegen neoliberalen Wahnsinn an dänischen Schulen wehren

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“Der Pauker”: Kampf gegen die Schulreform

Gewerkschaftschef Anders Bondo Christensen hat den Angriffen gegen die Arbeitsbedingungen der Lehrer in Dänemark die Stirn geboten. Im Herzen ist er der engagierte Pädagoge geblieben.

Anders Bondo Christensen
Mathelehrer Anders Bondo Christensen ist zur Symbolfigur für alle geworden, die den neoliberalen Umbau der Gesellschaft nicht wie ein Naturgesetz hinnehmen wollen. Foto: imago

 

Es klingt wie Ostblock kurz vor Stalins Tod, ist aber Dänemark, das Land mit dem angeblich glücklichsten Volk der Welt: Vier Wochen lang sperren die kommunalen Arbeitgeber alle Lehrer aus und überweisen kein Gehalt. Die Pädagogen an den „Folkeskoler“, der Gesamtschule von der ersten bis zur zehnten Klasse, sollen per Tarifvertrag zu deutlich mehr Unterrichtsstunden bei voller Anwesenheit in der Schule von 8 bis 16 Uhr gezwungen werden. Die Lehrer trotzen dieser ersten und einzigen Angriffsaussperrung der dänischen Geschichte standhaft, ihre Gewerkschaft verweigert die Unterschrift. Am Ende verfügt die eigentlich zu Neutralität verpflichtete Kopenhagener Regierung per Zwangsgesetz das gewünschte Resultat. Kurz danach kann sie eine Schulreform verkünden: Mehr Unterricht, jetzt in Ganztagsschulen, mit tausenden bis ins letzte Detail festgelegten Richtlinien. Read the rest of this entry »

Dänemark und die Sklaverei: Bis heute nach Kräften verdrängt

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Statue des Anstoßes

Mary Thomas führte 1878 auf der Karibikinsel St. Croix einen gewaltsamen Aufstand gegen die dänischen Kolonialherren an. Ihre Statue in Kopenhagen lenkt nun die Aufmerksamkeit auf ein düsteres Kapitel der Geschichte des Königreiches. Selbst FR-Korrespondent Thomas Borchert ist in gewisser Hinsicht darin verstrickt.

 

Denkmal
Denkmal für eine starke Frau – oder Mahnung an die Dänen, sich endlich ihrer Kolonialgeschichte zu stellen? Foto: Borchert

Unser Hochzeitsfest war in vollem Gange, da murmelte mir die Schwägerin wie beiläufig ins Ohr: „Du weißt schon, dass das hier ein Sklavenhalter-Bau ist?“ Mit hier meinte sie das Haus in der Strandgade 46, wo wir damals lebten und auch unsere Vermählung feierten. Nein, das hatte ich bis zu diesem Moment nicht gewusst. Und die Neuigkeit stimmte mich frisch zugewanderten Neu-Kopenhagener, der ich in meiner Begeisterung über all die unwiderstehlich fröhlichen Dänen schwelgte, zunächst auch nicht besonders nachdenklich. Obwohl die Schwägerin noch angefügt hatte: „Reich geworden sind sie hier ja alle durch die Sklaverei.“ So auch der Erbauer und erste Bewohner dieses Hauses namens Andreas Bjørn.

Die erwähnte Hochzeit war Anfang der achtziger Jahre – und nun, dreieinhalb Jahrzehnte später, hat mich der strenge Blick der schwarzen Mary Thomas, genannt Queen Mary, quer über den Hafen Richtung Strandgade mit Macht zurückgetrieben zu den Ursprüngen meines ersten Kopenhagener Domizils. Seit dem Frühjahr thront die einstige Plantagenarbeiterin von der Karibikinsel St. Croix als sieben Meter hohe Statue vor dem „Westindischen Lagerhaus“. Sie führte 1878 einen höchst gewaltsamen Aufstand gegen die dänischen Kolonialherren an, weil sich auch Jahrzehnte nach der formellen Abschaffung der Sklaverei kaum etwas zum Besseren geändert hatte.  Read the rest of this entry »

Dänisches Burkaverbot ist absurdes Theater

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Dänemark drückt Burkaverbot durch

Ab sofort müssen rund 150 vollverschleierte Frauen mit Strafen rechnen.

Einkaufen mit Nikab
Das geht in Zukunft nicht mehr straffrei: Fürs Einkaufen mit Nikab muss Ayah, 37, jetzt zahlen. Foto: rtr

Die 130 Weihnachtsmänner mit ihren dicken Rauschebärten haben sich vor einer Woche eventuell zum letzten Mal zu ihrem jährlichen „Weltkongress“ in Kopenhagen versammelt. Ab heute gilt in Dänemark ein „Bedeckungsverbot“, vom Folketing vor der Sommerpause beschlossen und laut Justizministerium ausdrücklich auch gegen künstliche Bärte gerichtet, die das Antlitz unkenntlich machen. Dass in den Politikerreden und Schlagzeilen immer nur vom Burkaverbot die Rede war, kann mit der Zahl der Betroffenen nichts zu tun haben. Sie entspricht der der Rauschebartträger beim Weltkongress punktgenau: Im Königreich Dänemark tragen nach offiziellen Schätzungen zwischen 100 und 200 Frauen eine Burka oder den nun ebenfalls verbotenen Nikab. Read the rest of this entry »

Mein Lieblingsroman diesen Sommer

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Wechsel zwischen Dur und Moll

Originell und witzig: Dänische Ode an die Freundschaft

von Thomas Borchert, dpa

 

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Die dänische Autorin ChrChristinaHesselholdt_3(c)NadineKunath_klein_hf_iistina Hesselholdt lässt in “Gefährten” drei Frauen und drei Männer über ihr Leben erzählen.

“Gefährten” von Christina Hesselholdt ist eine mitreißende sechsstimmige Ode an die Freundschaft. Die Dänin lässt drei Frauen und drei Männer über ihr Leben und das der Freunde erzählen. Die hochoriginellen Monologe stecken voller Poesie und Witz.

Berlin/Kopenhagen. Eine frische, originelle Erzählerstimme kommt aus Dänemark: Christina Hesselholdts Roman “Gefährten” klingt wie das schwungvoll schöne, ganz und gar neuartige Lied aus dem Radio, das man unbedingt wieder hören möchte.

Auch weil verblüffend schnelle Wechsel zwischen Dur und Moll und raffinierte Rhythmen die Neugier immer wieder neu wecken.

Die Kopenhagener Autorin lässt drei Frauen und drei Männer, befreundet und auch mal liiert, abwechselnd zu Wort kommen. Sie erzählen in Echtzeit aus den Jahren zwischen Mitte 30 und Mitte/Ende 40, grübeln, träumen, assoziieren frei herum, witzeln, trauern, machen sich Gedanken über ihre Partner und Freunde. “Innerer Monolog” der literarische Terminus. Hesselholdt, Jahrgang 1962 und daheim seit langem ein Name, füllt diese gut 400 Seiten von der ersten fast bis zur letzten so zugänglich, abwechslungsreich, sprachlich elegant und voller überraschender Bilder, dass das Fehlen der durchgehenden Handlung immer weniger auffällt. Man muss sich allerdings ein bisschen einschwingen. Read the rest of this entry »

Waldbrände kurz vor Wahlen: Klima wieder ein wichtiges Thema?

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Brände: Versagen in Schweden

Im laufenden Wahlkampf kommt der sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Löfven unter Druck. Seine Law&Order-Kampagne verfängt nicht.

Waldbrände in Schweden
Kampf gegen die Feuer in Ljusdal, Schweden. Foto: dpa

Die Nachricht über Dutzende Tote bei Waldbränden in Griechenland hat den Schweden ihre eigenen Feuer unheimlicher gemacht. Sie schlug wie aus dem Nichts genau in dem Moment ein, als die gerade herbeigeeilten Feuerwehrleute aus dem niedersächsischen Nienburg auf die Stockholmer Titelseiten gelangt waren. Read the rest of this entry »

Die Ostsee wird immer stärker militarisiert

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Auf leisen Sohlen in die Nato

Schweden und Finnland vereinbaren engere Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsbündnis.

Nato-Manöver
Schiffe der Nato und der finnischen Marine bei einem gemeinsamen Manöver in der Ostsee. Foto: Imago

Für Donald Trump gehört das allianzfreie Finnland wohl schon zur Nato. Vor den Turbulenzen beim amerikanisch-russischen Gipfel in Helsinki klopfte er dem gastgebenden Präsidenten Sauli Niinistö wie einem Verbündeten auf die Schulter: „Wir haben uns ja gerade erst getroffen. Die Nato war nie so stark wie heute.“ Niinistö und Stefan Löfven, Regierungschef im genauso allianzfreien Schweden, saßen als einzige Gäste beim Nato-Gipfel mit am Brüsseler Tisch. Der dabei fast lautlos beschlossene weitere Ausbau der Kooperation mag beim wenig detailversessenen Mann aus Washington den Eindruck verstärkt haben, dass diese Nordeuropäer einfach dazugehören.

Richtig daneben liegt er damit nicht. Beim Gipfel verabredeten beide Regierungen mit der Nato den schnellen gegenseitigen Austausch von Informationen über militärische Bewegungen in der Luft und zu Wasser („shared situational awareness“) im Ostseeraum. Read the rest of this entry »

Es läuft alles wie von selbst für die Rechte in Schweden

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Schießerei in Malmö:

Noch mehr Gift für Schwedens Wahlkampf

Drei Tote in Malmö heizen die populistische Stimmung weiter an. Expertenvorschläge für Prävention werden ignoriert, die Politik setzt vor allem auf Härte.

21. Juni 2018
Schweden
Ermittler am Tatort in Malmö. Foto: afp

 

Es ist ein düsterer Auftakt für das nahende Mittsommer-Wochenende, wenn halb Schweden zum schönsten und hellsten Fest des Jahres aufs Land pilgert. Nach der Ermordung von drei jungen Männern in Malmö, vermutlich mit Maschinenpistole aus einem fahrenden Auto, kommentierte die liberale Zeitung „Dagens Nyheter“ mit hilflosem Unterton: „800 organisierte Kriminelle können doch nicht ein ganzes Land mit zehn Millionen Bürgern in Geiselhaft nehmen“. Doch genau danach sieht es aus.

Denn diese bisher folgenreichsten Schüsse in einer langen Kette von tödlichen Banden-Konflikten sind pünktlich zum Wahlkampfauftakt mit Zuwanderung und Kriminalität im Zentrum abgefeuert. Nach allen Erfahrungen seien Racheaktionen zu befürchten, verkündet die Polizei in Schwedens drittgrößter Stadt mit gut 300 000 Einwohnern. Seit 2016 sind hier bei Schießereien 22 Menschen ums Leben gekommen. Read the rest of this entry »