Sipri: Bei den Rüstungsausgaben ist Deutschland jetzt europäische Führungsmacht

Sipri-Bericht: Deutschland überholt Großbritannien bei den Rüstungsausgaben
27.04.2026
Von: Thomas Borchert
Die Bundesrepublik gibt erstmals mehr für Militär aus als alle anderen europäischen Staaten. Nur drei Länder weltweit liegen noch davor. Das geht aus der Sipri-Analyse hervor.
Die seit einem Jahrzehnt weltweit konstant steigenden Militärausgaben sind 2025 um 2,9 Prozent auf 2,9 Billionen Dollar (2,5 Billionen Euro) geklettert. Pro Kopf der Weltbevölkerung entspricht das 352 Dollar nach den neuen Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri. Dabei hat Deutschland im vergangenen Jahr mehr Geld für die Rüstung bereitgestellt als alle anderen Staaten in Europa. Die 114 Milliarden Dollar (97,6 Mrd. Euro) aus dem Bundeshaushalt werden nur von den Supermächten USA und China sowie von Russland übertroffen.
Mit der Berliner Rekordsteigerung von 24 Prozent infolge des „Sondervermögens“ und des Aussetzens der Schuldenbremse besetzt Deutschland zum ersten Mal in den jährlichen Sipri-Statistiken den europäischen Spitzenplatz bei Militärausgaben. Großbritannien, bis 2025 stets europäischer Spitzenreiter, kam mit minus zwei Prozent auf 89 Milliarden Dollar. Aus Stockholm heißt es, Deutschland habe „das dritte Jahr in Folge zweistellige Wachstumsraten bei den Militärausgaben“ verzeichnet, um die angestrebten 3,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2029 zu erreichen.
Wegen des Ukraine-Kriegs: massiver Anstieg der Verteidigungsausgaben in Deutschland
Europa insgesamt verzeichnete vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der Politik von US-Präsident Donald Trump mit einem Plus von 14 Prozent auf 864 Milliarden Dollar die höchsten Steigerungsraten aller Regionen. Die USA gaben mit 954 Milliarden Dollar 7,5 Prozent weniger für das Militär aus als 2024. Als Grund nennt Sipri die von Trump betriebene „drastische Reduzierung von militärischer Hilfe im Ausland“. Sipri-Projektchef Nan Tian schätzt: „Der Rückgang der US-Militärausgaben wird wohl nur ein kurzlebiger Trend bleiben.“ Der Kongress habe substanzielle Anhebungen für dieses Jahr beschlossen, die Trump für 2027 ausbauen wolle.
Für Russland und die Ukraine erwartet Sipri weiterhin steigende Kriegskosten. 2025 brachte der russischen Seite ein Plus für das Militär von 5,9 Prozent auf 190 Milliarden Dollar, was 7,5 Prozent des BIP entsprach. Die Ukraine steigerte den Rüstungshaushalt um 20 Prozent auf 84,1 Milliarden Dollar, 40 Prozent des BIP.
Mit einem Anteil von einem Drittel der globalen Militärausgaben sind die USA nach wie vor die dominierende Weltmacht, aber mit schrumpfendem Abstand zu China. Die zweite Supermacht hat mit seit 31 Jahren konstant steigenden Militärhaushalten einen Anteil von zwölf Prozent an den globalen Rüstungsausgaben erreicht. Peking stellte 2025 dafür 336 Milliarden Dollar bereit. Das Plus von 7,4 Prozent ist die höchste Steigerungsrate der vergangenen zehn Jahre.
Das von China auch militärisch bedrohte Taiwan steigerte seine Rüstungsausgaben um 18 Prozent, der höchsten Steigerungsrate seit 1988, auf 18,2 Milliarden Dollar. Japan brachte es mit einem Plus von 9,7 Prozent auf 62,2 Milliarden Dollar für das Militär auf den zehnten Platz.
Israels Ausgaben sinken deutlich – Spanien mit Rekordsteigerungsrate in Europa
Die israelischen Militärausgaben sanken um 4,9 Prozent auf 48,3 Milliarden Dollar. Sipri erklärt das mit der „Verminderung des Krieges in Gaza“ nach dem Waffenstillstand mit der Hamas im Januar 2025. Weiter heißt es: „Israels Militärausgaben verblieben um 97 Prozent höher als 2022.“
Die Rekordsteigerungsrate in Europa wurde mit 50 Prozent für Spanien ermittelt, dessen Regierung sich unter den NATO-Ländern mit am stärksten gegen die Forderung Trumps nach Militärausgaben über fünf Prozent des jeweiligen BIP gewehrt hat. Durch die drastische Anhebung schaffte es Spanien mit 40,2 Milliarden Dollar auf 2,1 Prozent. Mit 1,9 Prozent darunter liegt Italien.
Zu dem jetzt in der NATO geltenden Ziel von fünf Prozent des BIP für das Militär einschließlich 1,5 Prozent für „sicherheitsrelevante Infrastruktur“ merkt das Sipri-Institut an, dass durch die Verwischung der Grenzen das Risiko für „weniger Transparenz und öffentliche Kontrolle“ steige. Außerdem könne es zu „kreativer Buchführung“ anregen, etwa wenn die Regierung Meloni in Rom den geplanten Bau einer Brücke nach Sizilien als Teil militärisch relevanter Ausgaben einstuft.