Frederiksen bei dänischer Regierungsbildung erst mal gestrandet

Dänemarks Regierungsbildung wankt: Zwölf Parteien mischen mit
11.5.2026
Von: Thomas Borchert
In Kopenhagen zieht sich die Regierungsbildung nach der Wahl in die Länge. Die neue Zusammensetzung des Folketing zwingt alte Gegner zur Kooperation.
Die Sozialdemokratin Mette Frederiksen muss ihre Arbeit an einer Mitte-links-Regierung für Dänemark anderthalb Monate nach den Wahlen einstellen. Zumindest vorerst, nachdem der bisherige Außenminister und Koalitionspartner Lars Løkke Rasmussen von den bürgerlichen Moderaten am Wochenende überraschend der bisherigen Regierungschefin seine Unterstützung für die Regierungsbildung entzogen hat. Dank dieses Seitenwechsels kann der rechtsliberale Parteichef Troels Lund Poulsen das Mandat als „Königlicher Untersucher“ übernehmen, mit dem Ziel, eine Mitte-rechts-Regierung zusammenzustricken.
Die Erfolgsaussichten für das bürgerliche Lager mit heillos zerstrittenen sieben Parteien sind aber so gering, dass in Kopenhagen ein zweiter Anlauf für Frederiksen als wahrscheinlich gilt. Die seit 2019 an der Regierungsspitze stehende Sozialdemokratin muss dann aber auch mindestens fünf Parteien unter einen Hut bringen und unter allen Umständen Rasmussen wieder ins Boot zurückholen. Ohne den läuft es weder für sie noch für die Rechte. Wie immer am Ende die Würfel fallen: Die wilde Zusammensetzung im neuen Parlament „Folketing“ zwingt den Hauptakteuren die Kooperation mit Parteien ab, vor denen sie im Wahlkampf eindringlich gewarnt hatten.
Frederiksen und Rasmussen hatten sich international und auch im eigenen Land Bestnoten verdient durch ihren Paarlauf mit klarem und gut durchdachtem Widerstand gegen US-Präsident Donald Trumps Griff nach Grönland. Dieser Erfolg, auch dank vereinter Unterstützung europäischer Nato-Verbündeter, bescherte den eigentlich vor dem Aus stehenden Moderaten eine Schlüsselrolle im neuen „Folketing“. Er bewahrte aber die Sozialdemokraten nicht vor dem schlechtesten Ergebnis seit über hundert Jahren: 21,9 Prozent.
Frederiksens bisherige Mitte-rechts-Regierung ist bei der dänischen Wählerschaft ungefähr so populär wie in Deutschland die Ampel oder die aktuelle Regierung unter Kanzler Merz. Diese Ausgangslage bescherte auch der liberalen Partei „Venstre“ hinter dem bisherigen Verteidigungsminister Poulsen mit 10,1 Prozent einen steilen Absturz. Ausgerechnet einer der beiden klaren Wahlverlierer soll nun unter zwölf ins Parlament gewählten Parteien irgendwie eine Mehrheit hinter sich bringen.
Wobei Minderheitsregierungen im politisch traditionell stabilen und konsensorientierten Dänemark eher der Normalfall sind und funktionieren, solange keine Mehrheit gegen sie zustandekommt. Die Mühen der derzeitigen Regierungsbildung, schon jetzt mit Rekorddauer und weiter ohne sicheren Ausgang, zeigen aber, dass die parlamentarische Stabilität auch in Dänemark ins Wanken kommt. Schon fordern namhafte politische Stimmen angesichts von zwölf Parteien, davon fünf Neugründungen mit teils schnell wechselnden Ausrichtungen, die Anhebung der bisher geltenden Zwei-Prozent-Hürde.
Bei den Wahlen im März hievte die neue rechtsradikale „Partei der Bürger“ mit 2,1 Prozent vier Abgeordnete ins Folketing. Eine Abgeordnete wurde umgehend nach der Wahl ausgeschlossen, zwei weitere suchten kurz danach selbst das Weite vor dem grotesk diktatorischen Parteichef Lars Boje Mathiesen. Das politische Freibeuter-Quartett hat sich selbst gesprengt, bleibt aber mit den vier Einzelmandaten dem Parlament bis zur nächsten Wahl erhalten: ein Beispiel, wie schwierig die Mehrheitsbildung aktuell ist.
