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Month: March 2017

Herausragende Neuerscheinung: Platonows “Baugrube”

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Die deutsche Zeitung für Amerika
The German Newspaper for America

 

Platonows geniale «Baugrube» über einen mörderischen Sozialismus

Von Thomas Borchert, dpa

Bauarbeiter schaufeln eine Grube aus und damit vielleicht ihr eigenes Grab: In der grotesken, hier genial eingesetzten Apparatschik-Sprache der Partei hat Andrej Platonow 1930 den Alptraum unter Stalin als Apokalypse beschrieben.

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Die dänische Post ist total kaputt

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Wenn der Postbote kaum noch klingelt

Der dänische Staat hat seinen Briefverkehr digitalisiert. Jetzt muss die Post gerettet werden.

17.03.2017 14:01 Uhr
Kopenhagen. Postmand Per, den freundlichsten und zuverlässigsten Postboten der Welt, besingen die dänischen Kinder als „ganz besonderen Mann“. Jetzt hat sein oberster Chef, Pjer Kjær Jensen, in wenig freundlichen Worten angekündigt, dass Per nur noch einmal die Woche mit Briefpost kommen wird. 4000 seiner Kollegen, knapp die Hälfte der ohnehin schon massiv ausgedünnten Belegschaft, soll den Job ganz verlieren. Die Steuerzahler sollen mit einer Finanzspritze über 2,3 Milliarden Kronen (310 Millionen Euro) zur Kasse gebeten werden, damit Dänemarks Post nicht komplett zusammenkracht.

Schon jetzt kosten ein normaler Brief und die Osterpostkarte zu Freunden in Deutschland 3,50 Euro Porto. Das ist dreieinhalb mal so viel wie dieselbe Dienstleistung in umgekehrter Richtung. Trotzdem hat die deutsche Post gerade erst einen Rekordgewinn für 2016 gemeldet, und auch die Post in Schweden, 2009 mit Post Danmark zu „Postnord“ fusioniert, konnte im vergangenen Jahr ohne Probleme satte schwarze Zahlen schreiben. Die jüngsten, umgerechnet 200 Millionen Euro Verluste in Dänemark bedeuten den Verlust des Eigenkapitals und werden in Kopenhagen vorzugsweise mit einem Begriff erklärt, der nicht zur viel gerühmten „Hygge“, der Gemütlichkeit beim „glücklichsten Volk der Welt“, passen will: „Zwangsdigitalisierung“.

Bürger müssen Mails schreiben

Seit 2000 ist der traditionelle Briefverkehr in Dänemark um 80 Prozent geschrumpft. Viel kräftiger als anderswo und auch kräftiger, als man habe erwarten können, erklärt Postchef Kjær Jensen. In Schweden war es nur die Hälfte. Tatsächlich hat der dänische Staat seine Bürger in rasantem Tempo und mit harten Bandagen gezwungen, ihren Postverkehr mit Behörden in beide Richtungen digital abzuwickeln. Das Muss gilt für alle ab 16 Jahren, und auch für die über 100. Wer sich davon befreien lassen will, muss beim „Bürgerservice“ vorsprechen und persönliche Handicaps wie Demenz, akute Sehschwäche, Sprachprobleme oder Ähnliches nachweisen.

Beim schwedischen Partner stoßen die Kopenhagener Erklärungen für immer neue Verluste durch immer weniger Briefverkehr auf wenig Gegenliebe. Wirtschaftsminister Mikael Damberg findet nicht, dass „die leutseligen dänischen Umsatzprognosen von schwedischen Briefträgern und Steuerzahlern ausgebadet werden sollen“. Denn Kopenhagen möchte für das Sparprogramm bei Postnord Entlassungen auch in Schweden und eine Kapitalzufuhr aus dem dortigen Steuersäckel. Der Nachbar ist mit 60 Prozent Anteilen der gewichtigere Partner. Damberg schließt eine Entflechtung mit der Rückkehr zu zwei nationalen Postkonzernen ausdrücklich in die Optionen seiner Regierung ein.

Sollte Stockholm damit ernst machen, wird die Wiedergenesung der traditionsreichen königlich-dänischen Post mit ihren strahlend roten Uniformen noch viel schwerer. Dass bei der Bildung des Logistik-Verbundes Postnord auf ein milchiges Blau umgestellt wurde, empfinden viele Dänen als trostloses Symbol für den Untergang eines gesellschaftlichen Grundpfeilers.

Aber wir behalten doch all die strahlend roten Postkästen, entgegneten ihnen die Topmanager frohgemut. Leiser fügten sie im vergangenes Jahr an, dass man die nur noch zweimal die Woche leeren werde. Und künftig nur noch einmal. Wer einen Papierbrief in Dänemark garantiert am nächsten Tag in der Nachbarstadt haben möchte, muss 3,50 Euro hinblättern und persönlich zum nächsten Posthaus.

Dänische Trumpine in der Frankfurter Rundschau

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Wenn Torte politisch wird

Dänemarks Ausländerministerin schlägt mit abfälligem Facebook-Bild über die Stränge.

Dänemark
Der Facebook-Post hat die Dänin auch unter ihren Parteifreunden einiges an Zustimmung gekostet. Foto: rtr

Wenn wichtige Parteifreunde Brechreiz bekunden, wird es auch für erfolgsgewohnte Populisten gefährlich. Dänemarks Ausländer- und Integrationsministerin Inger Støjberg hat sich wohl verrechnet, als sie für Facebook freudestrahlend mit einer Jubiläumstorte posierte. Zwischen Früchten und Schokolade, geschmückt mit der Zahl 50 sowie der rotweißen Nationalfahne standen die Sätze: „Heute habe ich die Verschärfung Nummer 50 in der Ausländerpolitik durchgebracht. Das muss gefeiert werden!“Der Vorsitzende von Støjbergs rechtsliberaler Partei „Venstre“ in der Stadt Skive, wo die Ministerin ihren Wahlkreis hat, will auf keinen Fall mitfeiern: „Hier ziehe ich die Grenze. Das entspricht ja einem Bürgermeister, der seiner Verwaltung Sahnetorte spendiert, weil sie gerade die 50. Pflegekraft gefeuert hat. Und das dann auch noch auf Facebook verbreitet.“

Anders Ladekarl, Generalsekretär des Roten Kreuzes in Dänemark, konterte Støjbergs Ausfall mit den gleichen Mitteln: Er zeigte auf Facebook ein Foto von sich,     strahlend und mit einer riesigen Torte, mit einer 50 und dem Nationalfähnchen geschmückt. Ein wahrer Grund zum Feiern seien sechs Jahre Hilfe für 2,5 Millionen syrische Kriegsopfer, schrieb er dazu und rief seine Landsleute auf, 50 Kronen (sieben Euro) per SMS mit dem Stichwort „Torte“ für die humanitäre Hilfe zu überweisen. Innerhalb kürzester Zeit waren eine halbe Million Kronen beisammen. Støjbergs Regierungschef Lars Løkke Rasmussen murmelte indessen verlegen, es sei „beklagenswert“, wenn so viele Menschen Støjbergs Post als neuen Tiefpunkt kompletter Schamlosigkeit und der Ausnutzung von menschlichem Unglück zum eigenen Vorteil sehen. „Sie hat es nicht so gemeint.“ Nach einer stürmischen Fraktionssitzung vermutete der Parteikenner Jarl Cordua, Støjberg habe sich in diesem Kreis wohl „endgültig als Möglichkeit für das Spitzenamt disqualifiziert“. Dabei ist Støjberg gerade durch ihren populistischen Holzhammer-Stil mit „eingängigen“ Statements vor allem auf Facebook, aber immer gern auch vor Kameras zum populärsten Mitglied der Kopenhagener Mitte-Rechts-Regierung aufgestiegen. Mal befeuerte sie die Diskussionen mit ihrer Klage, im Kino habe ein „Haufen Zuwandererjungs“ um die 14-15 sie von Anfang bis Ende belästigt. Dann verkündete sie, man werde syrische Bürgerkriegsflüchtlinge bei der Einreise nach Schmuck durchsuchen: Nur Wohlhabende würden ja so weit durchkommen. Ob das dann die richtigen Empfänger der dänische Hilfsbereitschaft seien, fragte sie.

Immer stabile Umfragewerte

Jedes Mal war die Empörung gewaltig, aber noch viel größer die Begeisterung klickender Facebook-Fans und das Schulterklopfen von Kommentatoren in den traditionellen Medien: Wie instinktsicher hier doch eine Politikerin die öffentliche Debatte mit ganz wenigen Sätzen nach Belieben in Gang bringen und ihre Gegner zu den immer gleichen Gefühlsausbrüchen provozieren könne. Mit am Ende immer stabilen Spitzenwerten bei Popularitätsumfragen.

Diesmal scheint der Politiker-Zynismus ohne jeden moralischen Kompass jedoch nach hinten loszugehen. Vielen Dänen mit einem solchen Kompass tut es bitter weh, wenn ihnen eigene Medien übersetzen, was ausgerechnet die deutsche „Bild“-Zeitung zu ihrer populärsten Politikerin fragt: „Hat die Welt einen weiblichen Trump gefunden – eine ‚Trumpine‘, die auf Kosten von Flüchtlingen mit haarsträubenden Social-Media-Aktionen auf sich aufmerksam machen will?“

Rezension: Barnes über Schostakowitsch

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“Der Lärm der Zeit”
Julian Barnes über Genie und Unterwerfung

14.03.2017

Der britische Autor Julian Barnes stellt den Russen Dmitri Schostakowitsch in den Mittelpunkt seines neuen Romans. Foto: Marta Perez

Der britische Autor Julian Barnes stellt den Russen Dmitri Schostakowitsch in den Mittelpunkt seines neuen Romans. Foto: Marta Perez

Ein musikalisches Genie, das sich mit dem Teufel arrangiert: Julian Barnes hat einen Roman über den Slalom des Komponisten Dmitri Schostakowitsch durch das Terrorsystem Stalins geschrieben. Wie immer bei dem begnadeten britischen Erzähler fesselnd, aber auch mit ein paar überraschenden Brüchen.

Von Thomas Borchert, dpa

Köln (dpa) – Anpassung, den Verrat von Idealen und mitunter Menschen aus Feigheit oder für einen persönlichen Vorteil kennt jeder, und auch Selbstverachtung im Gefolge ist vielen nur zu gut geläufig.

Es macht natürlich einen Unterschied, ob ein glattes Image, die Festanstellung oder vielleicht viel mehr auf dem Spiel steht. Wenn der Komponist Dmitri Schostakowitsch in Julian Barnes’ neuem Roman “Der Lärm der Zeit” Nacht für Nacht fix und fertig angezogen, mit gepacktem Koffer schon vor der Wohnungstür darauf wartet, von Stalins Häschern abgeholt zu werden, geht es um den ultimativen Einsatz. Die Oper “Lady Macbeth von Mzensk” hat dem Tyrannen bei einer Aufführung 1936 missfallen, damals fast ein Todesurteil. Barnes notiert über seine Hauptperson: “Freunden hatte er erzählt, wenn er sich je von Lady Macbeth lossagen würde, dann sollten sie daraus schließen, dass ihm die Ehrlichkeit abhanden gekommen war.” Die Häscher bleiben diesmal aus.

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Buch erschienen: Gebrauchsanweisung für Dänemark

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Gebrauchsanweisung für Dänemark

Im »hyggeligsten« Land der Welt

Smørrebrød und Carlsberg, Lego und Gemütlichkeit: Thomas Borchert, seit über dreißig Jahren mit einer Dänin verheiratet, führt uns liebevoll und hintergründig in seine Wahlheimat ein. Wo 7500 Kilometer Küste zum Verweilen einladen, Babys angeblich mit einer Fahrradklingel auf die Welt kommen und das sommerhus gerne an Besucher aus dem Nachbarland vermietet wird. Er streift durch Kopenhagen, wo Starkoch René Redzepi das berühmte »Noma« betreibt und im »Freistaat Christiania« die Hippies regieren. Nimmt von Bornholm bis Møn die 406 Inseln unter die Lupe. Blickt auf Exportschlager wie Jussi Adler-Olsen, Lars von Trier und Mads Mikkelsen. Und verrät, was die beliebte TV-Serie »Borgen« mit den populistischen Machenschaften in Christiansborg tatsächlich gemeinsam hat; ob die Dänen wirklich so glücklich sind und was wir außer Hygge sonst noch von ihnen lernen können …

  • € 15,00 [D], € 15,50 [A]
  • Erschienen am 01.03.2017
  • 224 Seiten, Flexocover mit Klappen
  • ISBN: 978-3-492-27685-6

Finnen rüsten gegen Putin auf

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 Frankfurter Rundschau
1. März 2017

Finnland
Finnische Abwehr bei einem Manöver in Estland Mitte 2016. Foto: imago