Die dänische Post ist total kaputt

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Wenn der Postbote kaum noch klingelt

Der dänische Staat hat seinen Briefverkehr digitalisiert. Jetzt muss die Post gerettet werden.

17.03.2017 14:01 Uhr
Kopenhagen. Postmand Per, den freundlichsten und zuverlässigsten Postboten der Welt, besingen die dänischen Kinder als „ganz besonderen Mann“. Jetzt hat sein oberster Chef, Pjer Kjær Jensen, in wenig freundlichen Worten angekündigt, dass Per nur noch einmal die Woche mit Briefpost kommen wird. 4000 seiner Kollegen, knapp die Hälfte der ohnehin schon massiv ausgedünnten Belegschaft, soll den Job ganz verlieren. Die Steuerzahler sollen mit einer Finanzspritze über 2,3 Milliarden Kronen (310 Millionen Euro) zur Kasse gebeten werden, damit Dänemarks Post nicht komplett zusammenkracht.

Schon jetzt kosten ein normaler Brief und die Osterpostkarte zu Freunden in Deutschland 3,50 Euro Porto. Das ist dreieinhalb mal so viel wie dieselbe Dienstleistung in umgekehrter Richtung. Trotzdem hat die deutsche Post gerade erst einen Rekordgewinn für 2016 gemeldet, und auch die Post in Schweden, 2009 mit Post Danmark zu „Postnord“ fusioniert, konnte im vergangenen Jahr ohne Probleme satte schwarze Zahlen schreiben. Die jüngsten, umgerechnet 200 Millionen Euro Verluste in Dänemark bedeuten den Verlust des Eigenkapitals und werden in Kopenhagen vorzugsweise mit einem Begriff erklärt, der nicht zur viel gerühmten „Hygge“, der Gemütlichkeit beim „glücklichsten Volk der Welt“, passen will: „Zwangsdigitalisierung“.

Bürger müssen Mails schreiben

Seit 2000 ist der traditionelle Briefverkehr in Dänemark um 80 Prozent geschrumpft. Viel kräftiger als anderswo und auch kräftiger, als man habe erwarten können, erklärt Postchef Kjær Jensen. In Schweden war es nur die Hälfte. Tatsächlich hat der dänische Staat seine Bürger in rasantem Tempo und mit harten Bandagen gezwungen, ihren Postverkehr mit Behörden in beide Richtungen digital abzuwickeln. Das Muss gilt für alle ab 16 Jahren, und auch für die über 100. Wer sich davon befreien lassen will, muss beim „Bürgerservice“ vorsprechen und persönliche Handicaps wie Demenz, akute Sehschwäche, Sprachprobleme oder Ähnliches nachweisen.

Beim schwedischen Partner stoßen die Kopenhagener Erklärungen für immer neue Verluste durch immer weniger Briefverkehr auf wenig Gegenliebe. Wirtschaftsminister Mikael Damberg findet nicht, dass „die leutseligen dänischen Umsatzprognosen von schwedischen Briefträgern und Steuerzahlern ausgebadet werden sollen“. Denn Kopenhagen möchte für das Sparprogramm bei Postnord Entlassungen auch in Schweden und eine Kapitalzufuhr aus dem dortigen Steuersäckel. Der Nachbar ist mit 60 Prozent Anteilen der gewichtigere Partner. Damberg schließt eine Entflechtung mit der Rückkehr zu zwei nationalen Postkonzernen ausdrücklich in die Optionen seiner Regierung ein.

Sollte Stockholm damit ernst machen, wird die Wiedergenesung der traditionsreichen königlich-dänischen Post mit ihren strahlend roten Uniformen noch viel schwerer. Dass bei der Bildung des Logistik-Verbundes Postnord auf ein milchiges Blau umgestellt wurde, empfinden viele Dänen als trostloses Symbol für den Untergang eines gesellschaftlichen Grundpfeilers.

Aber wir behalten doch all die strahlend roten Postkästen, entgegneten ihnen die Topmanager frohgemut. Leiser fügten sie im vergangenes Jahr an, dass man die nur noch zweimal die Woche leeren werde. Und künftig nur noch einmal. Wer einen Papierbrief in Dänemark garantiert am nächsten Tag in der Nachbarstadt haben möchte, muss 3,50 Euro hinblättern und persönlich zum nächsten Posthaus.

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