Dänemark

Rezension: Biografie über Asta Nielsen

Posted on

Biografie über “die Asta”

Die erste Filmdiva kämpft wie eine Löwin

Barbara Beuys hat “die Asta” in einer lesenswerten Biografie unter die Lupe genommen. Die Dänin Asta Nielsen wurde von Berlin aus erster Weltstar der Filmgeschichte. Noch als vergessene alte Frau hat sie wie eine Löwin um ihr Recht auf private Geheimnisse gekämpft.

31.03.2020, 10:55 Uhr

Barbara Beuys: Asta Nielsen – Filmgenie und Neue Frau, Insel Verlag, Berlin, 447 Seiten, 25,00 Euro, ISBN: 978-3-458-17841-5​. Foto: Insel Verlag/dpa

Von Thomas Borchert

Wie ein Dänin 1910 zum ersten Superstar der Filmgeschichte wurde, lässt sich schnell mit dem Stichwort “Gouchotanz” samt dem Namen Asta Nielsen (1881-1972) googeln. Man staunt auch heute noch über ihre wild herausfordernd kreisenden Hüften und die unwiderstehlichen Augen im Stummfilm “Abgrund”. Beim Dreh war sie 29, ließ sich nach diesem Erfolg mit der Aussicht auf größere Studios sowie hohe Gagen nach Berlin locken und breitete von hier aus schnell ihren Ruhm als Diva über den ganzen Globus aus. Read the rest of this entry »

Corona: Dänische Regierung verbreitet “vorsichtigen Optimismus” – Unternehmer machen Druck

Posted on Updated on

Bildschirmfoto 2019-09-10 um 10.32.12

01.04.2020

Lockerung

Dänen peilen Neustart für Mitte April an

von Thomas Borchert

Regierung stellt für die Zeit nach Ostern erste Lockerung der Restriktionen in Aussicht.Die dänische Regierung Regierung hatte vor drei Wochen sehr schnell eine totale Blockade des öffentlichen Lebens verhängt.-

Als erste in Europa wagt sich Dänemarks Regierung mit einem Datum für den Neustart des öffentlichen Lebens vor: Weil die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern und auch die der Toten mit bisher 90 (Stand Dienstagnachmittag) weit hinter den Befürchtungen zurückgeblieben sei, hat Ministerpräsidentin Mette Frederiksen den 5,8 Millionen Bürgern vom 13. April an, also direkt nach Ostern, die schrittweise Lockerung der umfassenden Restriktionen in Aussicht gestellt.

„Es beeindruckt mich tief, wie die allermeisten Bürger die Regeln eingehalten haben,“ sagte die Sozialdemokratin. Ihre Regierung hatte vor drei Wochen sehr schnell eine totale Blockade des öffentlichen Lebens mit Schließung aller Schulen, Heimarbeit für fast den kompletten öffentlichen Dienst und drastischen Versammlungsverboten wie auch der Schließung der Grenzen verhängt.

Aus den Krankenhäusern im ganzen Land wird ein verblüffend niedriger Patientenstand insgesamt und vor allem eben auch bei Corona-Patienten – Anfang der Woche waren es offiziell rund 530 – gemeldet. „Es zeigt sich, dass wir mit unseren Schritten bisher richtig lagen,“ erklärte Frederiksen, betonte aber auch immer wieder, dass nach wie vor die Gefahr einer schnellen Ausbreitung der Epidemie bestehe. Am Dienstag verhandelte die Regierungschefin mit allen Parlamentsparteien in Kopenhagen hinter verschlossenen Türen über einen Plan für die schrittweise Wiederöffnung des öffentlichen Lebens. „Das wird mindestens genauso schwer wie die Schließung des Landes“, sagte sie und nannte vor allem die Wiedereröffnung von Kindergärten und Schulen als zentrale Aufgabe, damit Eltern wieder an ihre Arbeitsplätze kommen können. Hingegen müsste sich vor allem ältere Menschen und andere, für die das Coronavirus aufgrund von Vorerkrankungen ein höheres Risiko darstellt, auf eine längere Zeit der Isolation einstellen.

Die Behörden erwägen unter anderem Schichtpläne für Schulen sowie möglichst flexibel gestaltete Arbeitszeiten, um die Ansammlung vieler Menschen in Büros und an Produktionsstätten wie auch beim Transport zu vermeiden. Epidemiologen verwiesen in Kommentaren darauf, dass die Ankündigung der Regierung genauso eine „politische Entscheidung“ sei wie drei Wochen zuvor die schnellen und umfassenden Restriktionen.

In den letzten Tagen hatten Arbeitgeberverbände und ihnen nahestehende Politiker zunehmend öffentlichen Druck für die schnelle Wiedereröffnung des öffentlichen Lebens gemacht. Frederiksens Vorgänger als Regierungschef, der Liberale Lars Løkke Rasmussen, schrieb: „Zu einem Zeitpunkt müssen wir das kalkulierte Risiko eingehen, dass Dänemark nicht geschlossen bleiben kann, bis ein Impfstoff da ist.“

Grenzen dicht: Dänemark fährt die harte Corona-Linie

Posted on

Dänemark

Notfalls mit Militär

  • von Thomas Borchert

Dänen wollen mit restriktiven Gesetzen Corona eindämmen.

Dänemarks Politiker haben sich für die ganz harte Linie gegen die Ausbreitung des Coronavirus entschieden. Innerhalb von drei Tagen grenzte die Regierung erst den gesamten öffentlichen Dienst ein bis auf die dringend benötigten Funktionen und schickte die Beschäftigten nach Hause. Sie verbot zudem Versammlungen mit mehr 100 Teilnehmern und ließ sämtliche Kitas, Schulen, Unis und andere Bildungstätten schließen. Darüber hinaus verabschiedete das Parlament in der Nacht zum Freitag beispiellos harte Ausnahmegesetze. Die Gesundheitsbehörden können ab sofort Zwangstests, Zwangsimpfungen sowie Zwangsbehandlungen anordnen und für die Durchsetzung ihrer Anordnungen neben der Polizei auch Militär sowie private Wachdienste einsetzen. Read the rest of this entry »

“Dänische Werte” trotzen Corona: Tausende treten zum Zwangshändedruck an

Posted on Updated on

Dänemark

Flache Hand an flacher Hand

  • von Thomas Borchert

Wer Däne oder Dänin werden will, muss Hände schütteln. Auch in Zeiten von Corona.

Shakehands mit Kopenhagens Bürgermeisterin Cecilia Lonning-Skovgaard. Jakob Balthazar MunkShakehands mit Kopenhagener Bürgermeisterin Cecilia Lonning-Skovgaard. Photo: Jakob Balthazar Munk

Das ist mal eine Nachricht gegen den Strich: Dänemarks Behörden trommeln in diesen Corona-Wochen Tausende Bürger zu einem rituellen Pflicht-Händedruck zusammen. Während überall auf der Welt das Händeschütteln als Überträger des Coronavirus mächtig an Popularität eingebüßt hat, gilt für Anwärter auf die dänische Staatsbürgerschaft, dass sie den Körperkontakt mit einem Gemeindevertreter „ohne Handschuhe, flache Hand an flacher Hand“ auszuführen haben. Die korrekte Befolgung der Dienstanweisung ist dem Ausländerministerium in Kopenhagen von der Kommune mitzuteilen, andernfalls wird die Einbürgerung verweigert.

Beschlossen hat das eine Parlamentsmehrheit Ende 2018, um ein „Zeichen zu setzen“ gegen etwaige muslimische Verweigerer des Händedrucks. In der Begründung für die Vorschrift hieß es über die (vermutlich 99,9 Prozent) Schüttelwilligen: „Sie signalisieren symbolisch, dass sie die dänische Gesellschaft und die dänischen Werte angenommen haben.“ Zu den Kritikern gehören etliche Bürgermeister, die bei „Verfassungszeremonien“ in allen 98 Gemeinden ihre sozusagen staatliche Hand reichen sollen.

Bürgermeisterin Bente Hansen in Frederikshavn meint, dass sie bei Besuchen zum Beispiel aus Asien Begrüßungsformen wie Augenkontakt mit einem Lächeln, gefaltete Hände oder eine leichte Verbeugung sehr o. k. findet: „Da strecke ich doch auch nicht meine Hand aus und sage, so machen wir es nun mal bei uns.“

Die Regel ist seit 1. Januar in Kraft. Zeitgleich mit den ersten Einberufungen zum verordneten Körperkontakt kam die Nachricht vom Coronavirus und vergangene Woche aus dem Skiurlaub in Norditalien auch der erste Infizierte nach Dänemark. Medien berichten, dass die Berufsfeuerwehr in Mittel-Jütland und der Finanzkonzern Nordea jeden Händedruck am Arbeitsplatz verboten haben. Beide können für sich in Anspruch nehmen, dass sie wichtige Verteidiger „dänischer Werte“ sind, genau wie das Gesundheitswesen. Betrübt konstatierte ein Kommentator in „Jyllands-Posten“, dass ihm seine Ärztin im Krankenhaus den Händedruck verweigert und mit einem „mütterlichen Schulterklopfen“ abgespeist habe. Danach sei sie zum Desinfektionsmittel-Spender geeilt.

Den gut 500 Kopenhagener Anwärtern auf die dänische Staatsbürgerschaft standen vergangene Woche im Rathaus keine dieser Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung. Kirsten Kock, als Hamburgerin in Dänemark 2016 eingebürgert, schaute zu, als die Kandidaten in langen Schlangen auf ihren Zwangshändedruck warten mussten: „Desinfektionsmittel waren nirgends in Sicht.“ Ihre Freundin Penelope, habe selbst eins mitgebracht und vor sowie nach dem Händedruck („ohne Handschuhe, flache Hand an flacher Hand“) gesprüht. Einer der 500 Kandidaten verweigerte nach dem Schlangestehen dem Staatsvertreter die Hand und ging wortlos seiner Wege. Vermutlich weniger aus Angst vor Corona, sondern als Protest gegen das Zwangsritual. Nun kann er kein Däne werden.

Ausbürgerung: Dänische Regierung setzt für eine Handvoll IS-Kämpfer den Rechtsstaat außer Kraft

Posted on

Bildschirmfoto 2019-09-10 um 10.32.12

Nordsyrien

Türkei-Angriff in Syrien: Furcht vor Rückkehr von IS-Kämpfern wächst

  • von Stefan Brändle
  • Thomas Borchert

Nach Türkei-Angriff in Syrien bringt Dänemark ein Gesetz ein und Frankreich schlägt Alarm – in Europa will man die Terroristen lieber ausbürgern.

Die türkische Militäroffensive im syrischen Kurdengebiet wirft erneut die Frage nach dem Umgang mit den dort inhaftierten ausländischen IS-Kämpfern und ihren Angehörigen auf. Ankara erwartet, dass die Heimatländer ihre Staatsangehörigen zurückholen. Die Bereitschaft dazu ist in vielen europäischen Staaten gering. So beschloss beispielsweise der Deutsche Bundestag im Juni mit den Stimmen der großen Koalition ein Gesetz, das es ermöglicht, Kämpfern „terroristischer Vereinigungen“ mit Doppelpass die deutsche Staatsbürgerschaft abzuerkennen.

Die dänische Regierung geht beim Thema Ausbürgerung mit einem Eilgesetz noch einen Schritt weiter. So sollen erste Möglichkeiten zur Ausbürgerung von IS-Kämpfern ohne zweite Staatsbürgerschaft öffnet werden. Dies war bisher auch für Dänemark als Unterzeichnerstaat der internationalen Konvention gegen Staatenlosigkeit tabu. Im Gesetzentwurf heißt es jetzt: „In die Bewertung, ob eine Person durch die Ausbürgerung staatenlos wird, kann auch eingehen, ob der/die Betreffende die Staatsbürgerschaft in einem anderen Land durch einfache Registrierung bei den zuständigen Behörden erwerben kann.“

Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen begründet die Initiative mit dem Risiko für den Zusammenbruch von Gefangenenlagern im bisher kurdischen Teil Syriens, so dass die IS-Kämpfer freikommen: „Sie sind ein Risiko für unser aller Sicherheit und unerwünscht. Die Regierung wird deshalb alles nur Denkbare tun, um sie an der Rückkehr nach Dänemark zu hindern.“ Nach Inkrafttreten der Neuregelung kann das Ausländerministerium in Kopenhagen mit einem simplen Verwaltungsentscheid den jeweiligen Pass bei Vorlage entsprechender Informationen vor allem durch den Geheimdienst PET mit sofortiger Wirkung entziehen, auch wenn die Person sich im Ausland aufhält und weder angehört noch gerichtlich verfolgt werden kann.

„Islamistische Hydra“

Kurz nach der Sommerpause hatte die Regierung schon angekündigt, dass neugeborene Kinder von dänischen IS-Kämpfern nicht mehr in jedem Fall die Staatsangehörigkeit der Eltern zuerkannt bekommen sollten.

Kopenhagen hat sich auch mit Händen und Füßen gegen die Forderung von Menschenrechtsorganisationen gewehrt, die Kinder gefangener Staatsbürger in den bisher unter kurdischer Kontrolle stehenden Lagern nach Hause zu holen.

Auch in Frankreich wird über die Möglichkeiten diskutiert, die IS-Kämpfer von der Heimat fernzuhalten. Ohne die logistische und nachrichtendienstliche Hilfe der Amerikaner sind Frankreichs Luftwaffe und Spezialeinheiten in Syrien nicht mehr einsatzfähig. Für Frankreich ist das besonders hart: Mit seiner Militärmission wollte die ehemalige Mandatsmacht in Syrien (1920-1946) einen gewissen Einfluss zwischen USA und Russland aufrechterhalten. Vor allem aber sollte dieser Einsatz gefährliche IS-Dschihadisten von Frankreich und seinen Banlieue-Vierteln fernhalten.

Diese Strategie droht nun zu scheitern, wie auch Außenminister Jean-Yves Le Drian einräumt: „Die Offensive der Türkei gefährdet fünf Jahre Einsatz gegen den IS.“ Macron meinte ohne diplomatische Umschweife, die einseitige Operation der Türkei müsse „sofort aufhören“. Denn sie könne nur den IS-Milizen helfen, ihr Kalifat wieder aufzubauen.

Frankreich steht weiterhin unter dem Eindruck des jüngsten Messerattentates in Paris, bei dem vier Polizistinnen und Polizisten ums Leben kamen. Macron kündigte einen entschlossenen Kampf gegen die „islamistische Hydra“ an. Dazu passen die Meldungen über allfällige „Rückkehrer“ aus Syrien aber schlecht.

Der ehemalige Chef der französischen Polizei, Frédéric Péchenard, sagte, ein „beträchtlicher Teil“ der 2500 ausländischen IS-Kämpfer, die sich in kurdischer Haft befänden, seien Franzosen. Wenn sie großräumig in Freiheit kämen, sei das für Frankreich „äußerst besorgniserregend“.

Auf der Jagd nach Profiten: Wie auch Grönland militarisiert wird

Posted on

Bildschirmfoto 2019-09-10 um 10.32.12.png

Geopolitik

8.9.2019

Hotspot Grönland

  • von Thomas Borchert

Außer den USA verfolgt auch China strategische Interessen auf Grönland. Dazwischen sucht das kleine Dänemark seine Rolle.

Häuser beim US-Militärflugplatz Thule Air Base auf Grönland. © afp

 

Das groteske Kaufinteresse von Donald Trump an Grönland hat in Dänemark erst ungläubiges Kopfschütteln und dann eine Debatte über die eigene Rolle ausgelöst. „In einer Zeit mit entscheidender strategischer Bedeutung für die Arktis muss Grönland eine gewichtigere Rolle in der dänischen Politik bekommen,“ forderte die konservative Zeitung „Berlingske“, als sich die Aufregung über den US-Präsidenten und seine ebenso beleidigte wie beleidigende Absage eines Staatsbesuchs etwas gelegt hatte. Das Kopenhagener Blatt bemühte große Worte: „Unser Königreich ist eine arktische Supermacht wie Norwegen, die USA, Russland und Kanada. Ohne Grönland wird Dänemark ein amputierter Zwerg.“

Die größte Insel der Welt hat gerade mal 56.000 Bürgerinnen und Bürger. Ihnen haben die vor 300 Jahren als Kolonialherren herangesegelten Dänen die volle staatliche Unabhängigkeit zugesagt. Bis auf die Außen- und Sicherheitspolitik ist sie als Teilautonomie schon Wirklichkeit. Aber die Karten werden zwischen Kopenhagen und Grönlands Hauptstadt Nuuk neu verteilt, seit das Eis hier in klimatechnisch alarmierendem Tempo schmilzt. Die Aussicht auf den Abbau gigantischer Bodenschätze und die zunehmende Befahrbarkeit der Nordwest-Schiffspassage haben die Insel kommerziell und auch militärstrategisch zu einem geopolitischen Hotspot gemacht.

Read the rest of this entry »

Meine Verbeugung vor den Zweisprachlern in Dänemark und überall

Posted on

Bildschirmfoto 2019-05-10 um 09.14.53

Ein Hoch auf die Zweisprachler

Von Thomas Borchert

6. Sept. 2019 (Wochenend-Kolumne)JP-Illustration.jpgDie zwei Sprachgenies Vladimir Nabokov (Lolita), Viktor Funk (Frankfurter Rundschau) und ich, der ich absolut keins bin (so gesehen vom Karikaturisten von Jyllands-Posten, Rasmus Sand Høyer)

Als Neuer bei den Wochenendkolumnen stellt man sich am besten kurz vor, auch wenn es mit einem peinlichen Geständnis losgehen muss: Eigentlich ist mein Dänisch nach dreieinhalb Jahrzehnten in diesem Land (seit kurzem mehr als die Hälfte des Lebens) immer noch zu fehlerhaft, um hier als Kolumnist Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen. Die dänische Liebste und unsere drei längst erwachsenen dänisch-deutschen Kinder beteuern, dass sie die Fehler des Zugewanderten schon wegen ihres Unterhaltungswerts nicht missen möchten: Wenn ich durch die Wohnung rufe, wo denn die „hvide due“ (weiße Taube) zum Tischdecken geblieben ist. Der Unterschied zu „duge“ (Tischtuch) in dieser so verflucht gemurmelten Sprache ist vielleicht doch zu fein für den angelernten Dänen. Aber schön, dass alle was zum Lachen haben.

Read the rest of this entry »