Dänemark

Gegenwehr zwecklos? – Dänemark und Schweden gehen in Windeseile in Populistenhand über

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Skandinaviens Sozialdemokraten ergeben sich

Ehemals linke Parteien in Schweden und Dänemark übernehmen Parolen der Rechten und Rassisten. Ihr Ziel: Wählerstimmen. Das Ergebnis: Die Populisten triumphieren.

 

Stefan Löfven
Der schwedische Premierminister Stefan Löfven in Brüssel (Archivbild). Foto: imago

Skandinavien als früher viel bestaunte Hochburg der Sozialdemokratie geht mit immer schnelleren Schritten in die Hände von Rechtspopulisten über. Vor den Wahlen in Schweden muss die Partei von Ministerpräsident Stefan Löfven nach neuesten Umfragen mit dem schlechtesten Ergebnis seit hundert Jahren rechnen.

Sie hat im letzten Halbjahr fast fünf Prozentpunkte verloren, während die rechtsextremen Schwedendemokraten um knapp vier zulegen konnten und sich stetig der 20-Prozent-Marke nähern. Nach einhelliger Meinung der Stockholmer Kommentatoren ist der tiefe Fall der Sozialdemokraten mit den derzeitigen 25–28 Prozent noch lange nicht beendet.

Schon jetzt ist Löfven klar gescheitert mit seinem Versuch, die Wählerflucht durch eine scharfen Schwenk bei der Zuwanderungspolitik auf Härte, Law-and-Order-Politik sowie nationalistische Parolen in Richtung „Schwedische Jobs für Schweden“ zu stoppen. Parteisekretärin Lena Rådström Baastad meinte zu den katastrophalen Umfragezahlen: „Die politische Tagesordnung der letzten Zeit mit Migration und Integration ganz oben war nicht zu unserem Vorteil.“ Read the rest of this entry »

Der Däne Knud Lindholm Lau erklärt mit dem Deutschen Victor Klemperer: Wie die Kopenhagener Politik immer besessener Muslime sprachlich niedermacht

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Zum Ramadan ein Burkaverbot

In Dänemark hat die antimuslimische Hetze aus den Reihen der Regierung ein bedrohliches Maß erreicht. Nun sind Burka und Nikab verboten – und der Ramadan gilt als Sicherheitsrisiko.

Dänemark
Burkas und Nikabs sind nun in Dänemark verboten. Foto: rtr
Mit dem Verbot von Burka und Nikab hat Dänemarks Parlament diese Woche wieder internationale Schlagzeilen gemacht. Im Lande selbst erregt dieser lange geplante Schritt gegen wohl maximal 200 verhüllte Frauen weniger die Gemüter als der fast zeitgleiche Angriff aus der Regierung auf alle 250.000 Muslime: Ausländer- und Integrationsministerin Inger Støjberg hat den Fastenmonat Ramadan zum Sicherheitsrisiko sowie einer Gesundheitsgefahr „für uns in einer modernen Gesellschaft“ erklärt.

Während dieser Wochen könne es gefährlich werden mit muslimischen Busfahrern oder in Krankenhäusern mit muslimischem Personal, schrieb Inger Støjberg zum Auftakt des Fastenmonats. Konsequenz: „Ich fordere Muslime auf, ihren Urlaub im Ramadan-Monat zu nehmen, damit es keine negativen Auswirkungen auf die übrige dänische Gesellschaft gibt.“

Dass die Busgesellschaft Arriva postwendend mitteilte, der Ramadan sei „de facto kein Problem“, schon gar nicht gebe es mehr Unfälle, focht die Ministerin genauso wenig an wie der öffentliche Protest von 22 Ärzten aus der Inneren Medizin am Krankenhaus Nykøbing: „Wir haben nie Probleme während des Ramadan erlebt und sehen Støjbergs Äußerung als Hetze gegen Andersgläubige. Dass gute Kollegen von einer Staatsrepräsentantin so diffamiert werden, macht uns zornig.“

Empörte Ärzte

Auch in Støjbergs liberaler Partei „Venstre“ wächst der Unmut, dass die Ministerin so etwa alle zwei Monate eine neue Granate wirft. Mal postet sie ein Foto von sich mit Jubiläumstorte auf Facebook, weil ihre „50. Verschärfung des Ausländerrechts“ zu feiern sei. Dann erklärt sie, wie „gierige, betrügerische Flüchtlinge“ das Vertrauen guter Dänen missbrauchen. Ganz oben auf der Homepage ihres Ministeriums präsentiert sie die aktuelle Zahl ihrer Verschärfungen im Ausländerrecht.

Bis zum Wahlkampf demnächst schafft sie es von jetzt 76 sicher auf 100. Gerade stehen ja Verschärfungen bei der Staatsbürgerschaft an. Die Ministerin verkündet schon mal, was da zu erwarten ist: „Du wirst nie Däne, wenn du Bandenkrimineller bist, Gewalt gegen Kinder verübt hast, Pädophiler bist oder als Imam zu Gewalt gegen Juden, Homosexuelle aufgerufen oder Terror gebilligt hast.“ Irgendwo mitten in ihren Texten liest man dann auch noch, unter den muslimischen Zuwanderern gebe es durchaus auch prima Mitbürger, die sich nach Kräften bemühten, ordentliche Dänen zu werden.

Wie auf Bestellung ist in Kopenhagen zugleich mit Støjbergs jüngstem Verbal-Ausbruch das Buch „Nur weil … – Über Sprache und Vorstellungen in der Ausländerdebatte“ erschienen. Der Sprach- und Rhetorikexperte Knud Lindholm Lau hatte 2010 die Übersetzung von Victor Klemperers „Lingua Tertii Imperii – Sprache des Dritten Reiches“ (LTI) herausgegeben. 64 Jahre nach dem Original sollte es endlich auch auf Dänisch herauskommen, „weil die muslimische Minderheit bei uns schon ab den 80er Jahren mit Hilfe von Sprache stigmatisiert worden ist“. LTI auf Dänisch wurde denn auch ein Bestseller.

„Klemperers Sinn für sprachliche Details wollte ich mir zu eigen machen“, sagt Lau über sein Buch acht Jahre später. „Wenn er etwa darauf hinweist, dass die Nazis von ,dem Juden‘ und ,den Juden‘ in bestimmter Form sprechen, dann ist das bei uns mit ,den Muslimen‘ inzwischen auch so.“ Laus Zitate-Sammlung islamophober Verunglimpfungen bei zugleich zunehmender Selbstverherrlichung von „Danskheden“, des „Dänentums“, ist eine schockierende Lektüre – auch für Außenstehende, die Dänemark mit dem laut UN-Rangliste lange „glücklichsten Volk der Welt“ immer nur als Hort milder Freundlichkeit erlebt haben.

In weichem Ton, mit klarem Blick für den Zusammenhang von Sprache und Moral erklärt Lau, wie Populisten à la Støjberg den Mainstream im Land erobert haben: „Wir sind bei uns so weit gekommen, dass wir uns dazu verführen lassen, alles durch das eine Fenster mit der populistischen Aussicht auf die Welt zu betrachten. Das bedeutet, dass wir nur A und B sehen können. A ist die ethnisch-religiöse Herkunft und B ein negatives soziales Verhalten. Die anderen Faktoren, die ein soziales Wesen ausmachen, haben wir nicht länger im Blickfeld.“

Støjberg ist damit laut Umfragen zum populärsten Kabinettsmitglied geworden. „LTI“ hat derweil auch in Dänemark ein berühmt gewordenes Klemperer-Zitat in Umlauf gebracht: „Worte können wie winzige Arsendosen sein: Sie werden unbemerkt verschluckt; sie scheinen keine Wirkung zu tun – und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ Dazu merkt Lau an, dass die jüngste Ramadan-Äußerung „in einer ganz anderen Welt“ als der Klemperers falle, der als verfolgter Jude vor allem dank seiner „arischen“ Ehefrau die Nazi-Zeit überlebte. Aber die neue Dosis Arsen wirke genauso wie die früheren Dosen.

Das Blox: Privater Riesenbau mit Weltklasse-Anspruch

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Kopenhagen: Ein Raumschiff für das Volk

Anfang Mai wird in Kopenhagen das „Blox“ eröffnet – das futuristische Gebäude soll das Viertel am Hafen als Labor, Kunstraum und Freizeitanlage noch mehr beleben. Doch nicht alle sind begeistert von dem Prestigeprojekt

25. April 2018

"Blox" im Hafen Kopenhagens
Ein Bürger empörte sich, das „Blox“ im Kopenhagener Hafen sehe aus „wie ein Haufen Schiffscontainer“. Foto: Rasmus Hjortshøj

So lässt man sich Stadterneuerung gefallen: Wenn Stimmung und Wetter passen, nehme ich das Rad und fahre von der Kopenhagener Wohnung entweder zehn Minuten zum Amager Strandpark, einem fünf Kilometer langen, kunstvoll angelegten Strand mit stiller Lagune für die Kinder. Oder es geht zehn Minuten in die entgegengesetzte Richtung, wo das nach der Verbannung des Schiffsverkehrs wieder blitzsaubere Hafenbecken mit wunderschön designten Badeanstalten und -brücken zum Schwimmen einlädt. Ein Sprung ins Wasser fühlt sich hier – obwohl behördlich gestattet – erfrischend subversiv an.

Wenn Anfang Mai die Badesaison losgeht, kommt gleich nebenan ein Blickfang dazu: Das „Blox“ ist sündhaft teure Architektur mit Weltklasseanspruch zwischen dem Hafenbecken und Kopenhagens historischem Altstadtviertel. Der gewaltige Neubau soll mit seinem Mix aus Architektur- und Designcenter, Arbeitsplätzen in einem Netzwerk für Stadterneuerung, Mietwohnungen, Kinderspielplatz, Fitnessstudio, Restaurants und vollautomatischer Tiefgarage die Verwandlung des Hafens vom einst öden Schiffsanlegeplatz zur innerstädtischen Erlebniszone krönen. Read the rest of this entry »

Wenn die Angehörigen eines Mordopfers ihre eigene Sprache finden

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Mord an Kim Wall: Rückhalt für die Mutigen

Die Eltern der ermordeten Kim Wall vergeben Stipendien an Autorinnen.

26. März 2018

The door is pictured outside Court Room 60, the location of the ongoing trial of Danish inventor Peter Madsen at Copenhagen City Court
In Kopenhagen wird der Mord an Kim Wall verhandelt. Foto: rtr

Die Eltern der in einem U-Boot ermordeten und zerstückelten Journalistin Kim Wall haben ihre ganz eigene Antwort auf das Verbrechen und dessen sensationslüsterne Ausschlachtung gegeben. Während vor einem Kopenhagener Gericht gegen den Besitzer des U-Bootes am vierten Verhandlungstag wieder grausamste Details verhandelt und sofort durch Live-Blogs von Medien verbreitet wurden, überreichten Ingrid und Joachim Wall in New York ein Stipendium über 5000 Dollar (4000 Euro) an eine Kollegin ihrer toten Tochter. Kim Wall wäre an diesem Freitag
31 Jahre alt geworden. Read the rest of this entry »

Das Bauklötzewunder ist erstmal vorbei

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Gar nicht mehr alles super bei Lego

Der dänische Klötzchenhersteller muss erstmals seit vielen Jahren Umsatzeinbußen verkraften – jetzt sind neue Spielideen gefragt.

7. März 2018

 

Thomas Panke
Thomas Panke, Klötzchen-Händler aus Frankfurt, weiß genau, welche Fehler Lego gemacht hat. Foto: Boeckheler

Lego-Händler Thomas Panke haben all die Geburtsfehler am aktuellen Flaggschiff der Technic-Serie, dem gewaltigen Allrad-Abschleppwagen 42070, so erbost, dass er ihn seinen Kunden nicht zumuten mag: „Ich war fassungslos. Dieser merkwürdige blaue Laster ist einfach viel zu schlecht und mit 250 Euro auch zu teuer.“ In seinem kleinen Laden „Held der Steine“ in Frankfurt-Sachsenhausen, wo es alles für Lego-Nerds und sonst nichts zu kaufen gibt, ist der Bausatz aus dem Sortiment gestrichen. Der 37-jährige Inhaber und begeisterte Klötzebauer findet das Modellprogramm aus dem vergangenen Jahr insgesamt enttäuschend. Wenn er hinzufügt, das sei „hoffentlich ein Weckruf“, meint er das in ganz anderen Dimensionen. Um acht Prozent auf umgerechnet 4,8 Milliarden Euro ist 2017 weltweit der Verkauf von Bausätzen mit den dänischen Plastikklötzen gesunken, wie Legos neuer Konzernchef Niels Christiansen am Dienstag

Jetzt kommt die Zwei-Klassenjustiz gegen Zuwanderer bei den Dänen

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Dänemark diskriminiert per Gesetz

Die Regierung in Kopenhagen will Straftaten von Zuwanderern zukünftig in „Ghettos“ doppelt hart ahnden.

Lars Lokke Rasmussen
Erster Mann im Staat: Dänemarks Premier Lars Lokke Rasmussen. Foto: rtr

Dänische Gerichte müssen für Straftaten in Wohngebieten mit hoher Zuwandererdichte demnächst doppelt so harte Strafen verhängen wie überall sonst im Land. Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen sagte vor der Präsentation einer entsprechenden „Ghetto-Initiative“ am Donnerstag zum Vorwurf, seine Regierung setze damit die Gleichbehandlung aller Bürger vor dem Gesetz außer Kraft: „Das erkenne ich uneingeschränkt an.“

Es sei aber durch die Ausbreitung von Parallelgesellschaften in Vierteln mit mehrheitlich nicht-westlichen Zuwanderern durch Kriminalität und anderen Problemen „fünf vor zwölf“ und auch „das Dänentum in Gefahr“: „Da haben wir uns gefragt, ob wir die Möglichkeit zu angemessener Diskriminierung auf Basis objektiver Kriterien haben. Ja, die haben wir.“ Die frühere Integrationsministerin Birthe Rønn Hornbech aus Rasmussens eigener liberaler Partei meinte: „Mir ist das unbegreiflich. Es klingt wie die Einführung des Ausnahmezustandes.“

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Korruptionsverdacht in Dänemark: “Der Fisch stinkt vom Kopf her”

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Gratis-Urlaub für den Premier

Der dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen steht unter Korruptionsverdacht. Eine Woche lang hat er ein Ferienhaus im edlen Badeort Skagen gratis bewohnt.

7. Februar 2018

Rasmussen
Rasmussen logierte eine Woche lang gratis im Ferienhaus eines „Fischereikönigs“. Foto: rtr

Man wird ja wohl noch einen „total harmlosen“ Geschenkgutschein zum 50. Geburtstag einlösen dürfen! Und warum solle er sich des „Fischerfreundes aus Thyborøn“ an der rauen Nordsee schämen? Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen hält die Rolle der lebensfroh volksnahen und grundlos verfolgten Unschuld ungerührt und populistisch textsicher durch. Indessen fragen sich immer mehr Bürger, ob sie sich in ihrem laut der NGO Transparency International am wenigsten korrupten Land der Welt am Ende einen korrupten Regierungschef leisten. Das hässliche Sprichwort „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ kennen die Skandinavier eigentlich gar nicht. Read the rest of this entry »