COVID-19

Dänemark und Corona: Hab ich Fake News produziert?

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Dänemark hat sich für ein Jahr in einen Polizeistaat verwandelt.. Aber es hat sich für unseren Korrespondenten ganz und gar nicht wie in einem Polizeistaat angefühlt.

Nebenwirkung

Dänemark: Polizeistaat für ein Jahr

  • von Thomas Borchert

Die dänische Hammerstrategie gegen Corona ist kein Fake – Verteidigungsrede eines Korrespondenten in eigener Sache.

Notfalls mit Militär“ stand über dem ersten Bericht, erschienen am 14. März, über den schnellen, harten Corona-Lockdown in Dänemark. Ziemlich vorn im Text folgte ein Satz, der mehr ungläubige Leserpost ausgelöst hat als alle meine noch so verwegenen FR-Artikel aus Skandinavien zusammen: „Die Gesundheitsbehörden können ab sofort Zwangstests, Zwangsimpfungen sowie Zwangsbehandlungen anordnen und für die Durchsetzung ihrer Anordnungen neben der Polizei auch Militär sowie private Wachdienste einsetzen.“ Damit habe ich diese Zeitung auf den ersten Platz einer Youtube-Hitliste für die verrücktesten Fake News zu Corona gehievt und bekomme nach fast zwei Monaten immer noch Mails aus dem Büro der Chefredaktion weitergeleitet: „Mögen Sie vielleicht auch diesem Leser antworten?“

Gerne, antwortet man, als Nebenwirkung über möglicherweise subtile Chef-Ironie grübelnd. Aber vor allem mit Verständnis für die Zweifler: So ein brutales Regiment im Land der Hygge mit dem oft glücklichsten, in ganz schlechten Jahren drittglücklichsten Volk der Welt? Unmöglich.

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Islands Schulen bleiben trotz Corona offen

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Island

Drei Tage Unterricht pro Woche

  • von Thomas Borchert

In Island lernen Grundschüler seit Wochen im Corona-Schichtbetrieb – ein Verfahren, das auch auf deutsche Kinder zukommen könnte.

Coronavirus - Grundschule in Oranienburg

Der siebenjährige Hallgrimur findet den Corona-Schichtbetrieb für seine zweite Klasse mit halbierter Stundenzahl eine tolle Abwechslung, sein großer Bruder, der elfjährige Arnlaugur in einer fünften ist weniger erbaut. „Er vermisst den gewohnten festen Rahmen“, erzählt die Großmutter Steina Stefánsdóttir am Telefon aus Reykjavik. Wie alle Grundschulen in Island ist auch die Laugarnesskóli in der Hauptstadt seit Ausrufung des Corona-Notstandes am 13. März mit eingeschränkter Stundenzahl und neuen Regeln jeden Tag geöffnet geblieben. Die Isländer haben also drei Wochen lang Erfahrungen mit dem sammeln können, was deutschen Schülern und ihren Eltern wohl irgendwann nach Ostern bevorsteht.

Arnlaugur und Hallgrimur haben abwechselnd drei oder zwei Tage je Woche vollen Unterricht. Ausschlaggebend für die Halbierung ist die Schülerzahl über 20. Ist sie überschritten wird die Klasse geteilt. Um die Ansammlung von zu vielen Schülern und Erwachsenen zu vermeiden, werden die Pausen verschoben und in den Klassenräumen abgehalten sowie verschiedene Eingänge bestimmten Gruppen zugeordnet. Für die schulfreien Tage bekommen beide Jungen Hausarbeiten, die sie am Vormittag ab halb neun rund um den Küchentisch „abarbeiten“, während Mutter Anna ihr Homeoffice betreibt. „Sie haben sich auch einen Stundenplan mit festen Pausenzeiten gebastelt“, erzählt die Großmutter, die wegen ihrer eigenen Corona-Isolation nur durch häufige Telefonate Kontakt mit den Enkeln hält.

Riesige Testkapazitäten

Die Isländer erleben bisher einen bemerkenswert flachen Verlauf der Corona-Epidemie mit 1310 positiv Getesteten und fünf Toten. Auf ihrer Insel im Nordatlantik wird so intensiv auf das Virus getestet wie wohl nirgend sonst in Europa. Mit über 21 000 bisher durchgeführten Tests bewegt sich der Anteil an der Gesamtbevölkerung von 360 000 Menschen auf zehn Prozent zu.

Bildungsministerin Lilja Alfredsdóttir sagte der Kopenhagener Zeitung „Politiken“ zur durchgehenden Öffnung der Schulen: „Sie sind das Herz der Gesellschaft. Wir halten sie so in Gang, dass die Gesundheit geschützt ist, aber zugleich die Gesellschaft weiter funktionierten kann.“

So gibt es auch Modelle mit abwechselndem Vormittags- und Nachmittagsunterricht. In Reykjavik, wo ein Drittel der Gesamtbevölkerung lebt, erschienen Ende März 70 Prozent der Kinder in den Kindergärten und 77 Prozent in den Grundschulen. Der gegenüber „normal“ trotz alledem geringere Prozentsatz erklärt sich mit Ausfall durch Erkrankung von Lehrern, und weil Kinder mit Eltern aus einer Corona-Risikogruppe nicht am Unterricht teilnehmen sollen.

Ausschlaggebend bei der Entscheidung, Grundschulen und Kindergärten nicht zu schließen, war im März die Einschätzung der Gesundheitsbehörden, dass Kinder weniger anfällig für das Virus sind. Die weiterführenden Schulen sind komplett auf Fernunterricht umgestellt.

Corona: Dänische Regierung verbreitet “vorsichtigen Optimismus” – Unternehmer machen Druck

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01.04.2020

Lockerung

Dänen peilen Neustart für Mitte April an

von Thomas Borchert

Regierung stellt für die Zeit nach Ostern erste Lockerung der Restriktionen in Aussicht.Die dänische Regierung Regierung hatte vor drei Wochen sehr schnell eine totale Blockade des öffentlichen Lebens verhängt.-

Als erste in Europa wagt sich Dänemarks Regierung mit einem Datum für den Neustart des öffentlichen Lebens vor: Weil die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern und auch die der Toten mit bisher 90 (Stand Dienstagnachmittag) weit hinter den Befürchtungen zurückgeblieben sei, hat Ministerpräsidentin Mette Frederiksen den 5,8 Millionen Bürgern vom 13. April an, also direkt nach Ostern, die schrittweise Lockerung der umfassenden Restriktionen in Aussicht gestellt.

„Es beeindruckt mich tief, wie die allermeisten Bürger die Regeln eingehalten haben,“ sagte die Sozialdemokratin. Ihre Regierung hatte vor drei Wochen sehr schnell eine totale Blockade des öffentlichen Lebens mit Schließung aller Schulen, Heimarbeit für fast den kompletten öffentlichen Dienst und drastischen Versammlungsverboten wie auch der Schließung der Grenzen verhängt.

Aus den Krankenhäusern im ganzen Land wird ein verblüffend niedriger Patientenstand insgesamt und vor allem eben auch bei Corona-Patienten – Anfang der Woche waren es offiziell rund 530 – gemeldet. „Es zeigt sich, dass wir mit unseren Schritten bisher richtig lagen,“ erklärte Frederiksen, betonte aber auch immer wieder, dass nach wie vor die Gefahr einer schnellen Ausbreitung der Epidemie bestehe. Am Dienstag verhandelte die Regierungschefin mit allen Parlamentsparteien in Kopenhagen hinter verschlossenen Türen über einen Plan für die schrittweise Wiederöffnung des öffentlichen Lebens. „Das wird mindestens genauso schwer wie die Schließung des Landes“, sagte sie und nannte vor allem die Wiedereröffnung von Kindergärten und Schulen als zentrale Aufgabe, damit Eltern wieder an ihre Arbeitsplätze kommen können. Hingegen müsste sich vor allem ältere Menschen und andere, für die das Coronavirus aufgrund von Vorerkrankungen ein höheres Risiko darstellt, auf eine längere Zeit der Isolation einstellen.

Die Behörden erwägen unter anderem Schichtpläne für Schulen sowie möglichst flexibel gestaltete Arbeitszeiten, um die Ansammlung vieler Menschen in Büros und an Produktionsstätten wie auch beim Transport zu vermeiden. Epidemiologen verwiesen in Kommentaren darauf, dass die Ankündigung der Regierung genauso eine „politische Entscheidung“ sei wie drei Wochen zuvor die schnellen und umfassenden Restriktionen.

In den letzten Tagen hatten Arbeitgeberverbände und ihnen nahestehende Politiker zunehmend öffentlichen Druck für die schnelle Wiedereröffnung des öffentlichen Lebens gemacht. Frederiksens Vorgänger als Regierungschef, der Liberale Lars Løkke Rasmussen, schrieb: „Zu einem Zeitpunkt müssen wir das kalkulierte Risiko eingehen, dass Dänemark nicht geschlossen bleiben kann, bis ein Impfstoff da ist.“

Min klumme i Jyllands-Posten: Enten en løsning på Corona for alle mennesker eller ingen

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For drastisk, for lidt – eller for sent?

Der er stor forskel på, hvilke midler statslederne griber til for at bremse corona-epidemien. Herhjemme har Mette Frederiksen taget jernhandsken på, mens hendes svenske og tyske kolleger har afholdt sig fra de mest drastiske tiltag. Men hvad er den rette vej?
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Tegning: Rasmus Sand Høyer

Min kone Ellen er geriater, dvs. læge for ældre mennesker på et sygehus, og alene derfor tusind gange så meget corona-ekspert som mig, en uvidende klummeskribent. Hun har et erotisk forhold til medicinsk statistik og elsker at udgrave de budskaber, der gemmer sig bag søjler og grafer. Nysgerrig som en arkæolog foran indgangen til en pyramide videreuddanner hun sig om aftenen foran computeren, mens jeg ser fodbold.

For et par dage siden viste hun mig en kurve over det forbavsende milde forløb for årets influenzaepidemi. Det er, sagde hun, relevant og positivt med henblik på den kommende forventede overbelastning, når flere og flere coronapatienter bliver indlagt. Det er stilhed før stormen. Read the rest of this entry »