Corona

Sipri-Interview zu Corona und Militärausgaben

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Wird die Bestellung von Eurofightern vorgezogen? dpa

Interview

„Viele werden ihre Militärhaushalte kürzen“

  • von Thomas Borchert

Sipri-Forscher Pieter Wezeman zu den Folgen der Pandemie für die globalen Rüstungsausgaben.

Herr Wezemann, wird die Corona-Pandemie den Anstieg der Militärhaushalte fast überall auf der Welt stoppen?

Natürlich werden die Länder weniger zum Ausgeben haben und viele ihre Militärhaushalte kürzen. Aber es gibt auch gegenläufige Tendenzen. In Frankreich zum Beispiel sagte das Verteidigungsministerium, nein, man müsse jetzt im Gegenteil mehr Geld vor allem für die militärische Ausrüstung bereitstellen. Denn Hilfe für die Rüstungsindustrie bedeute Hilfe für die Wirtschaft insgesamt. In Deutschland könnte ich mir vorstellen, dass man sagt: Wie können wir Airbus, zusammen mit Frankreich, am Leben erhalten? Eine Möglichkeit wäre, die Bestellung der geplanten 90 Eurofighter vorzuziehen. Norwegen hat gerade erst, obwohl schon die Corona-Krise ausgebrochen war und noch der extreme Einbruch des Ölpreises dazukam, eine Steigerung der Militärausgaben für die kommenden Jahre angekündigt.

Lässt sich da etwas aus der Entwicklung nach der letzten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise lernen?

Pieter Wezeman ist Senior Researcher am Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri.

Min klumme i Jyllands-Posten: Enten en løsning på Corona for alle mennesker eller ingen

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For drastisk, for lidt – eller for sent?

Der er stor forskel på, hvilke midler statslederne griber til for at bremse corona-epidemien. Herhjemme har Mette Frederiksen taget jernhandsken på, mens hendes svenske og tyske kolleger har afholdt sig fra de mest drastiske tiltag. Men hvad er den rette vej?
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Tegning: Rasmus Sand Høyer

Min kone Ellen er geriater, dvs. læge for ældre mennesker på et sygehus, og alene derfor tusind gange så meget corona-ekspert som mig, en uvidende klummeskribent. Hun har et erotisk forhold til medicinsk statistik og elsker at udgrave de budskaber, der gemmer sig bag søjler og grafer. Nysgerrig som en arkæolog foran indgangen til en pyramide videreuddanner hun sig om aftenen foran computeren, mens jeg ser fodbold.

For et par dage siden viste hun mig en kurve over det forbavsende milde forløb for årets influenzaepidemi. Det er, sagde hun, relevant og positivt med henblik på den kommende forventede overbelastning, når flere og flere coronapatienter bliver indlagt. Det er stilhed før stormen. Read the rest of this entry »

Schweden hält an vorsichtiger Corona-Linie fest

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Skandinavien

Schweden gibt sich betont locker

  • von Thomas Borchert

Die nördlichen Länder fahren den europäischen Kurs – nur Schweden schwimmt dagegen.

In Dänemark sind die Kindergärten und Schulen schon die ganze Woche geschlossen. Bei den schwedischen Nachbarn erklärt die Gesundheitsbehörde das auf ihrer Homepage für unangebracht: „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass eine solche Maßnahme größere Effekte hat.“ Klar seien dagegen die negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft, etwa weil Gesundheitspersonal nach Hause gezwungen werde. Man müsse so etwas sorgfältig vorbereiten. Während Kopenhagen inzwischen Zusammenkünfte ab zehn Personen verboten hat, gilt in Schweden nach wie vor die Grenze von 500 Teilnehmern. Für alles darunter beschränkt sich Stockholm auf Empfehlungen zur Zurückhaltung.

Die Skandinavier erleben seit Beginn der akuten Phase zwei fast diametral entgegengesetzte Strategien. Während Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen von Beginn an auf drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit eilig verabschiedeten Notstandsregelungen setzte, hielt sich ihr schwedischer Kollege Stefan Löfven zurück. Er überließ Entscheidungen der Gesundheitsbehörde. Diese sieht weder Anlass zu Versammlungsverboten und Grenzschließungen noch zur Schließung von Geschäften oder gar Ausgangsverboten.

„Man muss im Blick behalten, dass die Maßnahmen nicht auf einmal ergriffen, sondern auf den Zeitpunkt ihrer größten Effektivität verteilt werden,“ sagt Anders Tegnell, Epidemiechef der Gesundheitsbehörde – das „Gesicht“ der schwedischen Strategie. Er warnt vor „Panikmache“. Read the rest of this entry »

Grenzen dicht: Dänemark fährt die harte Corona-Linie

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Dänemark

Notfalls mit Militär

  • von Thomas Borchert

Dänen wollen mit restriktiven Gesetzen Corona eindämmen.

Dänemarks Politiker haben sich für die ganz harte Linie gegen die Ausbreitung des Coronavirus entschieden. Innerhalb von drei Tagen grenzte die Regierung erst den gesamten öffentlichen Dienst ein bis auf die dringend benötigten Funktionen und schickte die Beschäftigten nach Hause. Sie verbot zudem Versammlungen mit mehr 100 Teilnehmern und ließ sämtliche Kitas, Schulen, Unis und andere Bildungstätten schließen. Darüber hinaus verabschiedete das Parlament in der Nacht zum Freitag beispiellos harte Ausnahmegesetze. Die Gesundheitsbehörden können ab sofort Zwangstests, Zwangsimpfungen sowie Zwangsbehandlungen anordnen und für die Durchsetzung ihrer Anordnungen neben der Polizei auch Militär sowie private Wachdienste einsetzen. Read the rest of this entry »

“Dänische Werte” trotzen Corona: Tausende treten zum Zwangshändedruck an

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Dänemark

Flache Hand an flacher Hand

  • von Thomas Borchert

Wer Däne oder Dänin werden will, muss Hände schütteln. Auch in Zeiten von Corona.

Shakehands mit Kopenhagens Bürgermeisterin Cecilia Lonning-Skovgaard. Jakob Balthazar MunkShakehands mit Kopenhagener Bürgermeisterin Cecilia Lonning-Skovgaard. Photo: Jakob Balthazar Munk

Das ist mal eine Nachricht gegen den Strich: Dänemarks Behörden trommeln in diesen Corona-Wochen Tausende Bürger zu einem rituellen Pflicht-Händedruck zusammen. Während überall auf der Welt das Händeschütteln als Überträger des Coronavirus mächtig an Popularität eingebüßt hat, gilt für Anwärter auf die dänische Staatsbürgerschaft, dass sie den Körperkontakt mit einem Gemeindevertreter „ohne Handschuhe, flache Hand an flacher Hand“ auszuführen haben. Die korrekte Befolgung der Dienstanweisung ist dem Ausländerministerium in Kopenhagen von der Kommune mitzuteilen, andernfalls wird die Einbürgerung verweigert.

Beschlossen hat das eine Parlamentsmehrheit Ende 2018, um ein „Zeichen zu setzen“ gegen etwaige muslimische Verweigerer des Händedrucks. In der Begründung für die Vorschrift hieß es über die (vermutlich 99,9 Prozent) Schüttelwilligen: „Sie signalisieren symbolisch, dass sie die dänische Gesellschaft und die dänischen Werte angenommen haben.“ Zu den Kritikern gehören etliche Bürgermeister, die bei „Verfassungszeremonien“ in allen 98 Gemeinden ihre sozusagen staatliche Hand reichen sollen.

Bürgermeisterin Bente Hansen in Frederikshavn meint, dass sie bei Besuchen zum Beispiel aus Asien Begrüßungsformen wie Augenkontakt mit einem Lächeln, gefaltete Hände oder eine leichte Verbeugung sehr o. k. findet: „Da strecke ich doch auch nicht meine Hand aus und sage, so machen wir es nun mal bei uns.“

Die Regel ist seit 1. Januar in Kraft. Zeitgleich mit den ersten Einberufungen zum verordneten Körperkontakt kam die Nachricht vom Coronavirus und vergangene Woche aus dem Skiurlaub in Norditalien auch der erste Infizierte nach Dänemark. Medien berichten, dass die Berufsfeuerwehr in Mittel-Jütland und der Finanzkonzern Nordea jeden Händedruck am Arbeitsplatz verboten haben. Beide können für sich in Anspruch nehmen, dass sie wichtige Verteidiger „dänischer Werte“ sind, genau wie das Gesundheitswesen. Betrübt konstatierte ein Kommentator in „Jyllands-Posten“, dass ihm seine Ärztin im Krankenhaus den Händedruck verweigert und mit einem „mütterlichen Schulterklopfen“ abgespeist habe. Danach sei sie zum Desinfektionsmittel-Spender geeilt.

Den gut 500 Kopenhagener Anwärtern auf die dänische Staatsbürgerschaft standen vergangene Woche im Rathaus keine dieser Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung. Kirsten Kock, als Hamburgerin in Dänemark 2016 eingebürgert, schaute zu, als die Kandidaten in langen Schlangen auf ihren Zwangshändedruck warten mussten: „Desinfektionsmittel waren nirgends in Sicht.“ Ihre Freundin Penelope, habe selbst eins mitgebracht und vor sowie nach dem Händedruck („ohne Handschuhe, flache Hand an flacher Hand“) gesprüht. Einer der 500 Kandidaten verweigerte nach dem Schlangestehen dem Staatsvertreter die Hand und ging wortlos seiner Wege. Vermutlich weniger aus Angst vor Corona, sondern als Protest gegen das Zwangsritual. Nun kann er kein Däne werden.