Klimawandel

Schweden fliegen immer weniger und nehmen die Bahn

Posted on Updated on

Bildschirmfoto 2019-09-10 um 10.32.12

23.10.2019

Flugscham.jpg

Von Thomas Borchert

Die Schweden lassen auf den Einzug der „Flugscham“ in ihre Alltagssprache eindeutig Taten folgen. Nach neuen Zahlen der staatlichen Verkehrsaufsicht ist die Zahl der Passagiere im Inlandsverkehr seit Jahresbeginn um fast neun Prozent gefallen und jetzt so niedrig wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Im TV-Sender SVT sagte Behördensprecher Jean-Marie Skoglund: „Wenn das so weitergeht, wird es für die Fluggesellschaften schwer, ihre Liniendienste auf dem bisherigen Niveau aufrechtzuerhalten.“

Umgekehrt meldet die Bahngesellschaft SJ genauso markante Zuwachsraten und hat auch mit der Wiedereinführung von Nachtzügen durch das langgestreckte Schweden spektakulären Erfolg. In der Ferienzeit waren diese Züge zwischen der Hauptstadt Stockholm und dem nördlichen Bezirk Norrland so gut wie immer voll besetzt.

Bei den Auslandsflügen schlägt die CO2-neutrale Atlantiküberquerung von Schwedens weltberühmter Klimaaktivistin Greta Thunberg als Vorbild bisher nicht ganz so markant durch: Die Passagierzahl ist hier um 2,2 Prozent geschrumpft.

Alles in allem hat diese Entwicklung dem Hauptstadtplatz Arlanda für jeden Monat dieses Jahres schrumpfende Kundenzahlen beschert. Das dürfte eine Rolle für die gerade diskutierten Pläne für den Bau einer zusätzlichen fünften Landebahn in Arlanda spielen. Dort wurden bis Ende 2017 jahrein, jahraus steigende Passagierzahlen abgefertigt.

Zur klaren Trendwende seitdem hat begrenzt sicher auch die Einführung einer klimapolitisch begründeten „Flugsteuer“ in Schweden Mitte 2018 beigetragen. Sie bewegt sich je nach Länge eines Fluges zwischen 60 und 400 Kronen (5,60 bis 37 Euro).Flugscham

Das ändert nichts daran, dass auch die Schweden nach wie vor für Beträge von umgerechnet unter 50 Euro eben mal nach London oder Berlin fliegen können. Seit 1990 hat sich die Zahl der Auslandsflüge hier vom nördlichen Rand Europas mehr als verdoppelt – vor allem durch private Ferienreisen. Noch ist also Luft nach oben bei den Konsequenzen aus der schwedischen „flygskam“.

Auf der Jagd nach Profiten: Wie auch Grönland militarisiert wird

Posted on

Bildschirmfoto 2019-09-10 um 10.32.12.png

Geopolitik

8.9.2019

Hotspot Grönland

  • von Thomas Borchert

Außer den USA verfolgt auch China strategische Interessen auf Grönland. Dazwischen sucht das kleine Dänemark seine Rolle.

Häuser beim US-Militärflugplatz Thule Air Base auf Grönland. © afp

 

Das groteske Kaufinteresse von Donald Trump an Grönland hat in Dänemark erst ungläubiges Kopfschütteln und dann eine Debatte über die eigene Rolle ausgelöst. „In einer Zeit mit entscheidender strategischer Bedeutung für die Arktis muss Grönland eine gewichtigere Rolle in der dänischen Politik bekommen,“ forderte die konservative Zeitung „Berlingske“, als sich die Aufregung über den US-Präsidenten und seine ebenso beleidigte wie beleidigende Absage eines Staatsbesuchs etwas gelegt hatte. Das Kopenhagener Blatt bemühte große Worte: „Unser Königreich ist eine arktische Supermacht wie Norwegen, die USA, Russland und Kanada. Ohne Grönland wird Dänemark ein amputierter Zwerg.“

Die größte Insel der Welt hat gerade mal 56.000 Bürgerinnen und Bürger. Ihnen haben die vor 300 Jahren als Kolonialherren herangesegelten Dänen die volle staatliche Unabhängigkeit zugesagt. Bis auf die Außen- und Sicherheitspolitik ist sie als Teilautonomie schon Wirklichkeit. Aber die Karten werden zwischen Kopenhagen und Grönlands Hauptstadt Nuuk neu verteilt, seit das Eis hier in klimatechnisch alarmierendem Tempo schmilzt. Die Aussicht auf den Abbau gigantischer Bodenschätze und die zunehmende Befahrbarkeit der Nordwest-Schiffspassage haben die Insel kommerziell und auch militärstrategisch zu einem geopolitischen Hotspot gemacht.

Read the rest of this entry »

Finnische Linke und Rechtspopulisten sind die klaren Wahlsieger

Posted on

Rechtspopulismus

Finnland polarisiert sich

  • von Thomas Borchert
    Screenshot 2019-04-16 07.23.39.png

    Das Gesicht des Wechsels: Antti Rinne, Chef der Sozialdemokraten.

Die Regierungsbildung wird für die Sozialdemokraten nach dem Erstarken der Rechten schwierig.

Das glücklichste Volk der Welt ist für bessere Krankenhäuser, Schulen, ehrgeizige Klimaziele und mehr Respekt für Arbeitslose nach links gerückt, hat aber zugleich Rechtspopulisten mit ihren Parolen gegen Zuwanderer sowie „Klimahysterie“ stark gemacht. Finnlands bisheriger Regierungschef Juha Sipilä vom Zentrum wird nach der krassen Niederlage bei der Reichstagswahl wohl nicht mehr den aktuellen „UN World Happiness Report“ unterschreiben, wonach seine Landsleute zufriedener sind mit ihrem Leben als alle anderen Völker. Die 5,5 Millionen Finnen haben sich mit der Wahl eine politische Polarisierung beschert, die auch hier bisherige politische Konsensmodelle ins Wanken bringt. Read the rest of this entry »

Waldbrände kurz vor Wahlen: Klima wieder ein wichtiges Thema?

Posted on Updated on

Brände: Versagen in Schweden

Im laufenden Wahlkampf kommt der sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Löfven unter Druck. Seine Law&Order-Kampagne verfängt nicht.

Waldbrände in Schweden
Kampf gegen die Feuer in Ljusdal, Schweden. Foto: dpa

Die Nachricht über Dutzende Tote bei Waldbränden in Griechenland hat den Schweden ihre eigenen Feuer unheimlicher gemacht. Sie schlug wie aus dem Nichts genau in dem Moment ein, als die gerade herbeigeeilten Feuerwehrleute aus dem niedersächsischen Nienburg auf die Stockholmer Titelseiten gelangt waren. Read the rest of this entry »

Norwegen als Klimakiller: Neues Öl aus der Arktis

Posted on Updated on

Screenshot 2017-06-07 14.27.53.png

Der Kampf gegen die Ölförderung

„Ein massiver Eingriff in das Klima für kommende Generationen“: Greenpeace zieht gegen die norwegische Regierung wegen Bohrkonzessionen für die Barentssee vor Gericht.

March 7 2017 Tromso Norway Clear winter skies in Northern Norway enabled clearly viewing the A
Ökologisch sensibles Territorium: die Arktis unter Nordlicht. Imago Foto: imago stock&people (imago stock&people)

Geschliffene Argumente im Gerichtssaal erregen mitunter mehr Aufsehen als halsbrecherische Kletterpartien auf Bohrplattformen. Wenn von Dienstag an in Oslo über Ölbohrungen in der ökologisch hochempfindlichen Arktis verhandelt wird, ist Greenpeace die geballte Aufmerksamkeit der Norweger für das bisher einzigartige Verfahren sicher.

450.000 Bürger, fast zehn Prozent der Bevölkerung, stützen per Unterschrift die Klage, mit der Umweltschützer der Regierung Verfassungsbruch nachweisen wollen: Seit 2014 ist im norwegischen Grundgesetz festgeschrieben, dass „alle Menschen das Recht auf eine Umwelt (haben), die die Gesundheit sichert“. Ausdrücklich schreibt der Paragraf 112 auch den Schutz dieses Rechtes „für kommende Generationen“ bei der Verteilung von Naturressourcen vor. Read the rest of this entry »