Mordserie in Malmö

Posted on Updated on

14. Februar 2017

Einwanderung: Es brodelt in Malmö

 Von Thomas Borchert

Polizisten suchen einen der Tatorte in Malmös Rosengård-Viertel ab.  Foto: rtr

Eine unaufgeklärte Mordserie wirft in Schwedens Großstadt mit dem höchsten Migrantenanteil brisante Fragen auf.

Zwölf Morde in den vergangenen zwölf Monaten, kein einziger aufgeklärt. Fast wie bestellt vor der „Solidaritäts“-Visite des Innenministers kam dann der dreizehnte Tote: Kopfschüsse auf dem belebtesten Marktplatz von Malmö vor vielen Augenzeugen; auch Tage später kann die Polizei keine Fahndungserfolge vorweisen. Das Gefühl grundlegender Sicherheit und das Vertrauen in staatliche Garantien wird bei den 320 000 Bürgern in Schwedens drittgrößter Stadt gerade auf eine extrem harte Probe gestellt.

Für das Land insgesamt birgt die Welle unaufgeklärter Morde gewaltigen Zündstoff beim Thema Zuwanderung. Unter den polizeilichen Versicherungen, dass es hier fast ausschließlich um organisierte Kriminalität gehe, brodelt die fast allseitige Überzeugung, Schwedens Großstadt mit dem klar höchsten Migrantenanteil werde auch von diesem zu Gewalt und Gesetzlosigkeit in bisher unbekannter Dimension getrieben. Dass Opfer wie auch vermutete Täter nicht selten Minderjährige mit schwedischen Geburtsurkunden und ausländischen Namen sind, macht die Sache nur noch explosiver. Daran ändert nichts, dass in vergangenen Jahren schon zwei Heckenschützen mit schwedischen Namen, heller Haut und rechtsextremistischer Gesinnung tödliche Jagd auf ausschließlich dunkelhäutige Malmöer gemacht hatten.

Der sozialdemokratische Innenminister Anders Ygeman eilte diese Woche bei seinem Besuch auch 32 Minuten durch den Migrantenstadtteil Rosengård und versprach Sozialarbeitern viel Härte der Stockholmer Regierung: Schärfere Strafen für Waffenbesitz, viel mehr Videoüberwachung und erweiterte Auswertung von Handy-Kommunikation. Besorgte Bürger müssten sich aber auch an die eigene Nase fassen, wenn sie über ihre steigende Angst vor gewalttätigen Banden klagten: „Wer für ein paar Kronen (also schwarz) Taxi fährt, Alkohol zu Niedrigstpreisen kauft und am Freitag eine Linie Kokain zieht, darf sich nicht über die Ausbreitung organisierter Kriminalität beklagen.“

Ob das wohl reicht? Einigkeit besteht in Malmö, dass junge Männer und Jugendliche der zweiten Zuwanderergeneration aus nicht funktionierenden Familien ihr Leben in einer abgesonderten Sphäre mit Sozialleistungen und Schwarzarbeit in immer härtere Kriminalität gebracht hat.

Für die einen ist Malmö der Beweis, dass Schwedens Mainstream-Politiker ihr Land mit der traditionell liberalen Migrationspolitik und dem Festhalten an freundlicher Multikulti-Integration irreversibel gegen die Wand gefahren haben. „Die Stadt der Zukunft“, betitelte der Malmöer Journalist Lars Åberg seinen düsteren Bestseller über die nach seinem Eindruck aus allen Fugen geratenden Stadt als eine Art Laboransicht für das ganze Land: „Das wirklich Fremde und Erschreckende für die Leute sind nicht die Fremden, sondern es ist ihr Eindruck von sozialer Erosion.“

Andere verweisen darauf, dass die gewalttätigen Gangs in der südschwedischen Grenzstadt nach allen polizeilichen Schätzungen aus nicht mehr als 100 bis 200 jungen Leuten mit Bereitschaft zu Waffengewalt bestehe: Wie kann es sein, dass ein moderner, bestens ausgerüsteter Staatsapparat vor einem solch klar eingegrenzten Problem komplett versagt? Und das in einer Stadt, die andererseits kulturell aufblüht, unwiderstehlich Studenten anzieht und wegen des attraktiven, immer krasser segregierten westlichen Teils mit Schwedens am steilsten steigenden Immobilienpreisen „glänzt“?

 

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