Skepsis zu Grönland-Einigung mit Trump

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Grönland-Deal mit Trump: Eiskalte Freude in Washington

21.9.26

Von: Thomas Borchert

Weder Dänemark noch Grönland trauen Donald Trumps jüngstem Deal. Eine Analys

Das Vertrauen in Donald Trumps Vorfreude auf die „Zusammenarbeit mit den wunderbaren Menschen in Dänemark und Grönland für eine herrliche Zukunft auf diesem großen und enorm strategisch so wichtigen Stück Land“ hält sich bei den Umschmeichelten in überschaubaren Grenzen.

Die am Wochenende verkündete Einigung der US-Regierung mit der teilautonomen grönländischen und der dänischen quittiert der Kopenhagener Politologie-Professor Mikkel Vedby Rasmussen in der Zeitung „Politiken“ mit einem Seufzer: „Wenn man glaubt, dass jetzt Schluss ist, nur weil irgendein Stück Papier unterschrieben wird, hat man in den letzten Jahren wirklich schlecht aufgepasst.“

So dürfte das wohl auch die Mehrheit der rund 57.000 Menschen auf der riesigen Polarinsel sehen, die Trump seinen Vereinigten Staaten bei Bedarf mit militärischer Gewalt einverleiben wollte. Vor nicht mal neun Monaten entgegnete Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf seine neuerliche Drohung: „Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen sollten, hört alles auf.“

Blutkonserven für dänische Soldatinnen und Soldaten auf der Insel und der Befehl zur Zerstörung der Landebahn der Hauptstadt Nuuk für den Fall einer US-Invasion zeigten, dass es da um mehr ging als um prahlerische Posts auf Truth Social oder TikTok. So sahen das auch die europäischen Partner Dänemarks, die mit der zeitweiligen Entsendung eigener Militärverbände nach Grönland einig und entschlossen Flagge gegen den eroberungshungrigen Trump zeigten.

Dass der sich dann in freundlicher Tonlage auf Dreierverhandlungen zwischen Washington, Nuuk und Grönland über den zukünftigen Status der größten Insel der Welt einließ, war schon ein Erfolg dieser klaren Parteinahme. Frederiksen brachte er enorme Anerkennung auch auf der Polarinsel ein, wo man eigentlich die volle Unabhängigkeit von der alles andere als geliebten Ex-Kolonialmacht anstrebt. Beifall für die Sozialdemokratin und ihren in der Sache traumwandlerisch sicher agierenden Außenminister Lars Løkke Rasmussen gab es auch aus Kopenhagen und sämtlichen EU-Hauptstädten.

Dänemark: Sieger im Ringen mit Trump?

Und jetzt sogar eine Einigung. Erwartungsgemäß erklärt Trump in Siegerpose, er als genialster US-Präsident der letzten hundert Jahre habe „kostenfrei“ und „auf ewig“ die US-Kontrolle über sämtliche Sicherheitsbelange der militärstrategisch so wichtigen Insel zwischen Nordamerika, Europa und Asien gesichert. Für die Vereinigten Staaten sei ein Traum wahr geworden: „Wir werden sofort mit dem Aufbau einer gewaltigen militärischen Präsenz beginnen.“ Für die Trump-Fangemeinde muss es so klingen, als sei die Insel jetzt de facto unter US-Kontrolle. Dazu passt, dass der Präsident eine Titelseite der ihm gewogenen „New York Post“ mit einer Grönland-Karte in den Farben von Stars&Stripes gepostet hat. Die Vergrößerung des US-Territoriums um die polaren 2,16 Millionen Quadratkilometer, sechsmal Deutschlands Fläche, war Trumps erklärtes Ziel.

Daraus wird erstmal nichts. Was wirklich im Abkommen steht, soll erst bei der Unterzeichnung in dieser Woche am Rand der UN-Vollversammlung in New York durch Trump, Frederiksen und Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen mitgeteilt werden. Letztere bestätigen lediglich die „Aussicht auf eine Einigung“ und heben die Sicherung von Grönlands Souveränität hervor. Im eigenen Land feiern Medien sie einhellig als Sieger im Ringen mit Trump. Es wird auch immer wieder darauf hingewiesen, dass die USA schon per Kalte-Kriegs-Vertrag seit 1951 praktisch uneingeschränkt ihre militärische Präsenz auf Grönland ausweiten können; aber nach 1989 baute man das nach und nach bis auf einen Flughafen zurück.

Das wird sich dann jetzt wohl massiv ändern. Und auch sonst können Frederiksen und Nielsen kaum mit einem Gefühl von Sicherheit zur von Trump so überaus freundlich angekündigten Vertragsunterzeichnung nach New York fliegen. Auch ihnen ist klar, wie oft der US-Präsident zum Beispiel seine Vorstellung vom Krieg mit Iran gewechselt hat. Mal schrieb er auf Truth Social, durch einen „wunderbaren Deal zum Wohle aller“ stehe der vor dem Abschluss. Mal, dass er die iranische Zivilisation auszulöschen gedenke.

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