Wahlvorschau Schweden: Sozialdemokraten in gefährlichem Sinkflug

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Sozialdemokraten könnten straucheln

12.09.2026

Von: Thomas Borchert

Kurz vor der Wahl verlieren die schwedischen Sozialdemokraten massiv an Boden. Die extrem rechten Schwedendemokraten könnten an wichtige Ministerposten gelangen.

Die Deutschen können von Schweden lernen“, kommentiert das „Svenska Dagbladet“ den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt und empfiehlt das „nordische Modell mit fordernder Inklusion statt ständiger Exklusion“ von Rechtsradikalen. Nach vier Jahren mit den Schwedendemokraten (SD) als stärkster Kraft im bürgerlichen Regierungslager entscheiden acht Millionen Stimmberechtigte am Sonntag, ob sie das mehrheitlich auch so sehen. Alle Umfragen sehen das Mittelinks-Lager der Sozialdemokratin Magdalena Andersson vorn. Allerdings schrumpft ihr Vorsprung gerade so markant, dass der konservative Premier Ulf Kristersson vielleicht doch noch eine zweite Amtszeit schaffen könnte.

Krasser noch als in seiner ersten würde er dann aber am SD-Tropf hängen. Musste sich die aus Nazi-Gruppen entstandene Rechtspartei beim ersten Zusammengehen 2022 mit der Rolle der Mehrheitsbeschafferin im Reichstag begnügen, ist jetzt eine Koalition vereinbart, für die Kristersson den „Demokraten“ schwergewichtige Ministerposten verspricht – und vor allem den zu Migrationsfragen.

Lebenswandel als Abschiebegrund

Der Chef der Schwedendemokraten, Jimmie Åkesson, dessen Partei laut Umfragen bei knapp unter 20 Prozent und wohl wieder vor den Konservativen landen wird, garantiert Kristersson als Gegenleistung den Spitzenplatz. Egal, wie klar man am Wahlabend die Konservativen abgehängt hat. Åkesson sieht das nur als letzte Zwischenstation vor der endgültigen Eroberung des Stockholmer Regierungssitzes Rosenbad.

Sowohl Unterstützer als auch Kritiker sind sich einig: In den vergangenen vier Jahren hat er den Konservativen und den beiden kleineren Partnern das Regierungsprogramm diktiert und es danach auch durchgesetzt. Das hat in Schweden zu drastisch strengeren Regeln bei der Zuwanderung geführt. Mittlerweile reicht dort sogar ein „schlechter Lebenswandel“ als Grund für eine Abschiebung aus.

Um die schockierend hohe und brutale Gangkriminalität in Schweden zu bekämpfen, erlaubt die Regierung nun Gefängnisstrafen für Kinder ab 13 Jahren. Gleichzeitig hat sie den Ausbau der Windkraft gezielt ausgebremst, da die Rechten darin ein verhasstes Symbol für den Klimaschutz sehen. Stattdessen setzt Schweden auf neue Atomkraftwerke als vermeintliche Wunderlösung für alle Energieprobleme.

Entschlossen hat die Rechts-Regierung das Wählvolk auch mit Subventionen von Benzin und Diesel umgarnt. „Mit uns wird es die nächsten vier Jahre die niedrigsten Spritpreise und die niedrigste Asylzuwanderung in Europa geben“, verkündet Åkesson.

Außenpolitisch trugen die SD Schwedens plötzlichen Nato-Beitritt und die Ukraine-Unterstützung mit. Ihre frühere Begeisterung für Ungarns Regierungschef Viktor Orbán motteten sie ein. Doch die Partei hat nicht alles unter Kontrolle: Kurz vor der Wahl verlor der höchste SD-Vertreter im Kanzleramt seinen Hausausweis – wegen Putin-freundlicher Aktivitäten seiner Partnerin.

Auch ohne diesen Skandal zeichnete sich ab, dass die SD nach zehn aufeinanderfolgenden Wahlen mit Zuwachs wieder unter 20 Prozent rutschen wird. Man ist jetzt Regierungslager, und Regierungen sind fast überall unbeliebt. So verloren die Sozialdemokraten zwar 2022 die Regierungsmacht, führten aber praktisch seit dem Tag danach als Opposition in den Umfragen stabil bis haushoch.

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Bis vor wenigen Tagen galt Magdalena Anderssons Rückkehr nach Rosenbad als völlig sicher. Mit laut Umfragen etwa 30 Prozent sah auch die Spitzenkandidatin ihre sozialdemokratische Partei auf der Siegerstraße. Sie wirbt um Vertrauen in ihre Person: „Mit mir an der Spitze kommt Schweden sicher durch unruhige Zeiten.“ Für eine Mehrheit braucht sie neben der Umweltpartei noch die Linkspartei und das Zentrum. Letztere können partout nicht miteinander. Andersson selbst lässt keine Gelegenheit aus, die Linkspartei als regierungsuntauglich darzustellen, obwohl sie deren Mandate für eine Mehrheit brauchen wird.

Gemeinsame Sache mit den Rechtsextremen

An ihrer „Brandmauer“ hält Andersson fest: „Schweden ist in den vergangenen vier Jahren durch die Zusammenarbeit mit den SD eine ängstlichere und stillere Gesellschaft geworden.“ Man passe jetzt mehr auf, was man sagt. „Wenn die SD in der neuen Regierung zwölf der wichtigsten Posten bekommt, habe ich richtig Angst um die Meinungsvielfalt in Schweden.“ Anderssons Wahlkampf-Mantra Nummer 1 lautet: Nur sie kann das verhindern. Kritiker:innen werfen den Sozialdemokraten vor, so gut wie alle Initiativen der Schwedendemokraten – vor allem zur Zuwanderung – weitgehend durchgewunken zu haben.

Und dann ist da noch die Macht der Bilder.

Während Kristersson, seine beiden Koalitionspartnerinnen und Åkesson gern gemeinsam in Kameras strahlen und einander auch mal innig umarmen, will das Oppositionslager um keinen Preis gemeinsam fotografiert werden. Das scheint sich zu rächen. In den letzten Umfragen sind Anderssons Sozialdemokraten von 30 auf 25 Prozent abgesackt. Der Regierungswechsel scheint also nicht mehr so sicher.

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