Grönland-Abkommen: Sternstunde der Verstellungskunst

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Grönland-Abkommen: Dänemark lobt Trump – und schweigt zur Invasionsdrohung

24.09.2026

Von: Thomas Borchert

Dänemark und Grönland schließen ein Sicherheitsabkommen mit den USA und ernten Beifall. Präsident Trump spricht plötzlich von „wonderful people“ – macht aber auch militärisch klare Ansagen.

Es wurde eine Galavorführung von Verwandlungskunst und perfekt eingeübter Heuchelei. Bei der Unterzeichnung des Grönland-Abkommens in New York trat Donald Trump kurz nach seiner räuberischen Invasionsdrohung gegen einen Nato-Verbündeten zur Vergrößerung des US-Territoriums als netter alter Mann auf. Dem nichts wichtiger ist als Freundschaft zu den „wonderful people“ auf der riesigen Polarinsel und dem mit ihr als Ex-Kolonialmacht verbundenen Dänemark. Obwohl jetzt auch die USA das grönländische Recht auf Souveränität „für immer“ anerkennen und die militärischen US-Rechte auf der strategisch wichtigen Insel nur in Details gegenüber einem seit 1951 geltenden Vertrag erweitern, nannte Trump die Aushandlung ein „fantastisches Erlebnis“.

Mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, von ihm schon als „unverschämt“ abgekanzelt und bei einem Telefonat so ähnlich niedergemacht wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Oval Office, ließ sich Trump am Ende Wange an Wange ablichten. Vergessen offenbar sein an die „Make America Great Again“-Fangemeinde und den Rest der Welt posauntes „sie müssen uns Grönland geben, voll und ganz“. Als ihn die Pressemeute im UN-Gebäude daran erinnerte, schwieg der Präsident mit verkniffener Miene und machte sich aus dem Staub. Sonst gar nicht seine Art.

Frederiksen und Nielsen nahmen kopfknickend auch Trumps prahlerische Auslegung des Abkommens hin

Vor Trumps impulsiven Ausbrüchen mit unabsehbaren Konsequenzen hatte die grönländisch-dänische Seite bis zur letzten Sekunde eine Heidenangst. Deshalb auch legten Frederiksen und Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, Vertreter der gerade mal 56.000 Menschen auf der größten Insel der Welt, die schwierigere, sorgsam eingeübte und unfallfrei vorgeführte Verwandlungsnummer hin. Sie priesen das Abkommen als unglaublich positiv für die Vereinigten Staaten, das Königreich Dänemark sowie die Nato und lobten Trump für seine „Initiative“. Kein Wort über die Drohung mit militärischer Gewalt. Nur ja den unberechenbaren mächtigsten Mann der Welt nicht verärgern.

Es wird sonnenklar, wer hier zumindest vorerst gewonnen und wer sich vergaloppiert hat

Frederiksen und Nielsen nahmen kopfknickend auch Trumps prahlerische Auslegung des Abkommens hin, wonach er jetzt „auf ewig“ die komplette sicherheitspolitische Kontrolle über die Insel gesichert habe: „Keinem Gegner der USA wird jemals militärische Präsenz auf Grönland erlaubt werden. Und sicherheitsrelevante Investitionen nur nach schriftlicher Genehmigung von uns.“ Zwei neue Militärbasen unter US-Flagge sollen in Narsarsuaq im Süden der Insel und in Mestersvig an der Ostküste entstehen. All das wäre auch ohne Invasionsdrohung und die danach seit Sommer geführten Verhandlungen unproblematisch möglich gewesen.

Hinweise darauf oder gar auf ihren „Sieg“ verkniffen sich Frederiksen und Nielsen aus gutem Grund, obwohl sonnenklar war, wer hier zumindest vorerst gewonnen und wer sich vergaloppiert hatte. War doch die US-Seite sogar bereit, Grönlands Sicherheit als von Nato-Staaten gemeinsam zu lösende Aufgabe im Vertrag festzuschreiben. Noch zum Jahresauftakt galt Trumps Drohung mit Invasion und Einverleibung auch in Brüssel, Berlin, Paris und anderswo als bisher heftigste Abwendung von der Nato. Etliche Nato-Länder schickten schnell und als überraschend starkes Signal ans Weiße Haus Truppen nach Grönland.

Das scheint genauso geholfen zu haben wie der aufrecht formulierte Widerstandswille der Verantwortlichen in Kopenhagen und Nuuk. Frederiksen, Nielsen und Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen gelang erst über die Schiene zu US-Außenminister Marco Rubio die Vereinbarung diplomatischer Verhandlungen ohne Trump-Getöse. Und nun auch noch ein Abschluss ohne sichtbaren Kniefall. Der Beifall der nach wie vor verängstigten Menschen in Grönland fällt jetzt genauso einhellig aus wie der in Dänemark und auch anderswo in Europa.

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