Das dänische Regierungslager zieht in den Wahlkampf mit der Entscheidung, „kriminelle Ausländer“ auf einer kleinen Insel zu internieren, die bisher zur Erforschung von Tierseuchen dient. Gegen diesen Plan mit extrem brutaler Symbolik haben mehr als zehntausend Bürger in Kopenhagen und anderen Städten unter dem Motto „Es reicht! Bewahr die Menschenrechte, Dänemark!“ demonstriert. Ausländerministerin Inger Støjberg sagte bei einem Ortstermin auf der für die Öffentlichkeit gesperrten Insel Lindholm rund 100 Kilometer südlich von Kopenhagen, die Betroffenen sollten hier „zu spüren bekommen, dass sie in Dänemark unerwünscht sind“. Read the rest of this entry »
Sipri-Bericht:USA dominieren das globale Waffengeschäft
Der Umsatz der 100 größten Rüstungsproduzenten steigt weltweit auf fast 400 Milliarden Dollar. Die USA stellen fünf der weltweit zehn größten Rüstungskonzerne.
Donald Trump posiert für die Fotografen inmitten von Navy-Angehörigen in Philadelphia. Fürs Militär gibt der US-Präsident gerne Geld aus.Foto: rtr
Der aggressive Kurs von Staatenlenkern wie Donald Trump, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan füllt die Auftragsbücher der Rüstungskonzerne. Nach der neuen Zusammenstellung des Friedensforschungsinstituts Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) ist der Umsatz der 100 größten Waffenschmieden der Welt 2017 um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das ist das dritte Plus in Folge. Seit 2002 wuchs der Umsatz um 44 Prozent auf 398 Milliarden Dollar (350 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr. Auch die deutschen Unternehmen legten kräftig zu. Read the rest of this entry »
Der dänische Arbeitsminister Troels Lund Poulsen.Foto: Philip Davali (imago stock&people)
Liebe Dänen, lasst bloß die Finger von Jobs bei den Fremden im Ausland!“ Das muss wohl die Botschaft der Kopenhagener Regierung und ihrer rechtspopulistischen Partner mit dem jüngsten Einfall zur Abschottung des heimisch
en Arbeitsmarktes sein. Ab Neujahr wird bei allen Anträgen auf Arbeitslosengeld geprüft, wer in den zurückliegenden acht Jahren mehr als ein Gehalt von ausländischen Arbeitgebern – außerhalb des Königreichs und der EU – bezogen hat. Ist das der Fall, gibt es sieben Jahre „Quarantäne“, auch wenn die Betroffenen ununterbrochen in die heimische Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.
Die Allianz hinter dem konservativen Parteichef Ulf Kristersson ist zerbrochen.Foto: rtr
Stockholm steht mehr als zwei Monate ohne neue Regierung genauso ratlos wie am ersten Tag nach den Wahlen einer wenig angenehmen Königsfrage gegenüber: Was tun, wenn alle gewohnten Konstellationen von massiv erstarkten Rechtspopulisten blockiert werden? Am Mittwoch ist an entgegengesetzten Antworten erstmal die Bürger-„Allianz“ hinter dem konservativen Parteichef Ulf Kristersson zerbrochen.
Als Kandidat für das Amt des Regierungschefs zusammen mit den kleinen Christdemokraten fuhr der 54-Jährige eine klare und absehbare Niederlage mit 154 gegen 195 Stimmen ein. Denn seine bisherigen Partner vom Zentrum und den Liberalen hatten auf „Nein“ gedrückt, weil die Mehrheit nur mithilfe der aus Nazi-Gruppen entstandenen Schwedendemokraten (SD) möglich war.
Seit die rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) mit ihren knapp 13 Prozent, ähnlich wie die AfD im Bundestag, gewohnte Mehrheiten blockieren, quälen sich die traditionellen Parteien mit der Suche nach Auswegen herum. Weder der nur noch geschäftsführend als Premier amtierende Sozialdemokrat Stefan Löfven noch der Konservative Ulf Kristersson wollen eine große Koalition, darin sicher bestärkt durch das Berliner Elend. Noch ziert sich Kristersson, die für den Wechsel nötigen Stimmen der SD mehr oder weniger diskret an Land zu ziehen.
Am Ende wird er wohl auf die aus tiefbraunen Nazi-Gruppen entstandenen „Zuwanderungskritiker“ als Mehrheitsbeschaffer zurückgreifen. Zum täglich wachsenden Druck in diese Richtung haben Wirtschaftsbosse kräftig beigetragen, manche diskret, andere wie Johnson offensiv: „Ich seh’ nicht, warum die Bürger-Allianz nicht zur Macht greifen soll.“ Bei der aus eigener Sicht wichtigen Fragen seien die Populisten „kein großes Problem“.
Ganz oben auf der Agenda beim Arbeitgeberverband stehen die „Flexibilisierung“ des Arbeitsrechts und die Sicherung von unbegrenztem privatem Profit in der Schulbranche (richtig gelesen!) und anderen früher klassisch öffentlichen Tätigkeiten. In Schweden ist das ein Boom-Sektor, in dem auch die ganz Großen eifrig mitmischen. Eine Folge: Diskrete Kontakte zwischen Arbeitgeberverband und SD vor der Wahl brachten die Populisten zur Abkehr von ihrem ursprünglichen Eintreten für eine Profitgrenze im Wohlfahrtssektor.
Es gibt andere milliardenschwere Stimmen. Karl-Johan Persson (43) aus der Eignerfamilie des Textil-Weltkonzern H&M kritisiert die Populisten für die „Verbreitung von Angst mit einem merkwürdigen Menschenbild“. Er plädiert für eine Gesellschaft, „die offen ist für Flüchtlinge und Menschen anderer Nationalitäten“. 41 schwedische Unternehmer warnten in einem offenen Brief, die Öffnung zu den SD gefährde „Kreativität, Innovation und Wohlstand“. Liberale Grundwerte seien kompromisslos gegen „eingeschränkten Nationalismus“ zu verteidigen.
Gyllenhammar stuft Johnson, einst mit ihm zusammen bei den Liberalen aktiv, als „ahnungslos“ sowie Wendehals ein und wird umgekehrt als nicht mehr ernstzunehmender „Mann der Vergangenheit“ angegangen. Dessen dünner gewordene Stimme aus dem Radio allerdings auch den etwas weiteren Horizont offenbart: Er habe nicht vergessen, dass die Mehrheit in Schweden Hitler noch bejubelte, als längst klar war, zu welchen Verbrechen der Aufstieg der Faschisten geführt hat, erinnerte der langjährige Volvo-Chef.
Das bunte, fesselnde Panorama eines deutschen Schicksalsjahres hat Christian Bommarius aus Zeitzeugnissen zusammengestellt. Klug und witzig kommentierend zeigt er in «1949 – Das lange deutsche Jahr» das dreiste und erfolgreiche Comeback der Nazi-Seilschaften.
Christian Bommarius, 1949 – Das lange deutsche Jahr, Droemer Verlag, München, 320 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-426-27761-4. Foto: Droemer Verlag/dpa
Von Thomas Borchert
München (dpa) – Zur gegenseitigen Reinwaschung alter Nazis nach der Niederlage 1945 hat der große Wortkünstler Alfred Polgar den Satz gebaut, der alles sagt: «Viele nämlich, die unter dem Regime des Hakenkreuzes auf einflussreichen Posten saßen, sind von ihren Stühlen nur aufgestanden, um sich selbst Platz zu machen.» Im November 1949 inspirierte dazu den dem Holocaust entronnenen jüdischen Autor als Prozessbeobachter, wie Hitlers berühmte Lieblings-Regisseurin Leni Riefenstahl vor dem Münchner Amtsgericht mühelos den Vorwurf wegwischen konnte, sie habe KZ-Häftlinge als Filmstatisten ausgesucht. Auch der Richter, notierte Polgar, habe fasziniert Riefenstahls selbstbewusst charmanten Ausführungen über ihr ausgezeichnetes Verhältnis zum «Führer» gelauscht. Und dass sie die Tasche schon wieder voller Filmverträge aus aller Welt habe. Read the rest of this entry »
Es geht runter: Der Danske Bank drohen astronomisch hohe Bußgelder.Foto: rtr
Skandinaviern dürfte am Donnerstag bei der Zeitungslektüre oder vor dem Newsportal ihr sicher unterschiedlich ausgeprägtes Vertrauen in den heimischen Banksektor gleichermaßen abhanden gekommen sein. An diesem einen Tag haben unabhängig voneinander die Danske Bank, die schwedischen Banken SEB und Nordea, die klingendsten Namen im nordeuropäischen Finanzgeschäft, trübe Schlagzeilen über schon eingestandene oder frisch enthüllte Riesengeschäfte mit Geldwäsche und Steuerhinterziehung produziert. Und das in den Ländern, die regelmäßig alle Weltranglisten über Sicherheit vor Korruption und organisierter Kriminalität anführen. Read the rest of this entry »
Der Ire Barry hat mit “Tage ohne Ende” einen fesselnden, lyrisch schönen Roman geschrieben. Foto: Alastair Grant
Alastair Grant
Flucht vor dem Hunger macht Thomas McNulty mitschuldig an der Ausrottung der Indianer. Und er findet die Liebe seines Lebens, einen Mann. Der Ire Sebastian Barry hat mit “Tage ohne Ende” einen fesselnden, lyrisch schönen Roman geschrieben.
Von Thomas Borchert, dpa
Göttingen (dpa) – Wenige können so sanft in fast lyrischer Sprache, aber ohne die geringste Beschönigung von Gewalt und Grausamkeit als erdrückenden Grunderfahrungen erzählen wie Sebastian Barry. Und umgekehrt ohne Kitsch vom eigentlich hoffnungslosen, in kostbaren Augenblicken sensationell glückenden Kampf um die Rettung der Seele.
Im neuen Roman “Tage ohne Ende” lässt der irische Autor seinen Landsmann Thomas McNulty vor der großen heimatlichen Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts nach Nordamerika fliehen. Im “Wilden Westen” entgeht der Teenager dem nicht minder grassierenden Hunger auf der anderen Seite des Atlantik erst als junger Saloon-Tänzer in Frauenkleidern und nach dem Versiegen dieser Einnahmequelle als Soldat. In Uniform macht er mit bei der Ausrottung der Indianer. Read the rest of this entry »
“Dear Danes, have you gone mad? Or have your politicians lost their minds?
By Thomas Borchert, foreign correspondent living in Copenhagen and on Falster
(First published in Danish in the daily newspaper Jyllands-Posten 29/09/2018)
Dear Danes,
As a long term guest in your country, I hate to be impolite. For my compatriots south of the border I have even written a User’s Guide to Denmark (Gebrauchsanweisung für Dänemark), and it is full of praise. After 35 good years here as a resident foreigner I declare for example in a chapter on the capital city: “I am certain that you, Copenhagen, have helped me to a gentler and more cheerful outlook on life, for which many thanks.” The sentence should have been addressed to the whole country, because that’s how it feels. Read the rest of this entry »
Es ist wohl mehr faul im Staate Dänemark, als schon Hamlet befand: Eine Spitzenbeamtin der Sozialbehörde hat, so die Mitteilung des Hauses, über 16 Jahre hinweg nach und nach unbehelligt mindestens 111 Millionen Kronen (15 Millionen Euro) aus einem Sonderfonds für die Ärmsten auf Privatkonten abgezweigt. Dass die 64- Jährige damit ihrem für Staatsbedienstete eigentlich schwer finanzierbarem Hobby Pferdezucht frönen könnte, ermöglichten auch diskrete Dienste der Danske Bank. Sie stellte der jetzt weltweit von Interpol gesuchten Dänin keine Fragen über die Herkunft der märchenhaft hohen Einzahlungen.