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Buchbesprechung

Rezension: Über “Max, Micha und die Tet-Offensive”

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Zauberberg aus Norwegen:
Johan Harstads munterer Monsterroman

05.06.2019

Ein gewaltiges Unterfangen wie einst Thomas Manns “Zauberberg” und leicht zugänglich: Über 1200 Seiten lässt der Norweger Johan Harstad seinen Ich-Erzähler Max nach Wurzeln und Identität für die Generation der 68er-Kinder suchen. Man muss nicht jede Seite lesen und ist doch überwältigt.

Von Thomas Borchert, dpa

Reinbek/Hamburg (dpa) – Man hat diesen munteren Monsterromans fast geschafft und ist nach 1000 Seiten noch nicht so recht müde, da erfährt Max, dass sein Freund Mordecai sich umgebracht hat.

Von der Trauerfeier stellt der norwegische Autor Johan Harstad auf zehn Seiten in aller Ruhe und abwechslungsreich die knapp 50 Trauergäste von innen, mit ihren Gedanken und Gefühlen vor. Vom Vater “mit dem toten Gesicht, einer Totenmaske” bis zum Kind, das grübelt, wie man sterben kann, ohne alt oder krank zu sein. Mal gibt es einen knappen Satz über nackte Verzweiflung, mal ironisierend verschiedene Varianten der Unfähigkeit zu trauern oder Warmherziges über das hier fast aussichtslose Ringen um Trost. Read the rest of this entry »

Buchbesprechung: Wie die Nazi-Manager 1949 schon wieder voll da waren

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Auch wieder aktuell?

Bommarius erzählt das wichtige Jahr 1949

Das bunte, fesselnde Panorama eines deutschen Schicksalsjahres hat Christian Bommarius aus Zeitzeugnissen zusammengestellt. Klug und witzig kommentierend zeigt er in «1949 – Das lange deutsche Jahr» das dreiste und erfolgreiche Comeback der Nazi-Seilschaften.

Christian Bommarius, 1949 – Das lange deutsche Jahr, Droemer Verlag, München, 320 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-426-27761-4​. Foto: Droemer Verlag/dpa

Von Thomas Borchert

Zur gegenseitigen Reinwaschung alter Nazis nach der Niederlage 1945 hat der große Wortkünstler Alfred Polgar den Satz gebaut, der alles sagt: «Viele nämlich, die unter dem Regime des Hakenkreuzes auf einflussreichen Posten saßen, sind von ihren Stühlen nur aufgestanden, um sich selbst Platz zu machen.» Im November 1949 inspirierte dazu den dem Holocaust entronnenen jüdischen Autor als Prozessbeobachter, wie Hitlers berühmte Lieblings-Regisseurin Leni Riefenstahl vor dem Münchner Amtsgericht mühelos den Vorwurf wegwischen konnte, sie habe KZ-Häftlinge als Filmstatisten ausgesucht. Auch der Richter, notierte Polgar, habe fasziniert Riefenstahls selbstbewusst charmanten Ausführungen über ihr ausgezeichnetes Verhältnis zum «Führer» gelauscht. Und dass sie die Tasche schon wieder voller Filmverträge aus aller Welt habe. Read the rest of this entry »

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