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H&M: Wieder Rassismus-Vorwürfe

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11.12.2020

Modebranche

Schweden: Rassismus-Kultur bei H&M? Regierung leitet Ermittlungen ein

  • von Thomas Borchert
Die Modekette H&M war zuletzt immer wieder wegen Diskriminierungsvorwürfen in den Schlagzeilen.
Die Modekette H&M war zuletzt immer wieder wegen Diskriminierungsvorwürfen in den Schlagzeilen.© Imago Images

Stockholm – Der Textilkonzern H&M ist nach wiederholten internationalen Rassismus-Vorwürfen nun im heimischen Schweden ins Visier der Behörden geraten. Wie das Unternehmen bestätigte, hat der Diskriminierungs-Ombudsmann in Stockholm Ermittlungen eingeleitet, weil H&M Kund:innen aufgrund ihrer Hautfarbe und ethnischen Herkunft benachteiligt haben soll. Hintergrund sind TV-Bilder der Zeitung „Aftonbladet“, die zeigten, dass Käufer:innen mit dunkler Hautfarbe Umtauschwünsche deutlich häufiger verweigert wurden als hellhäutigen mit identischen Anliegen.

Ehemalige Angestellte von H&M: Kultur der Diskriminierung und des Rassismus

Nach der Ausstrahlung der Aufnahmen meldeten sich „Aftonbladet“ zufolge mehr als zehn jetzige oder ehemalige H&M-Angestellte und berichteten von einer grundsätzlich „diskriminierenden“ oder „rassistischen“ Kultur gegenüber Kundinnen und Kunden mit Migrationshintergrund. Die im Februar als neue Konzernchefin angetretene Helena Helmersson reagierte erst nach wochenlangem Schweigen auf die Vorwürfe. Sie sagte der Zeitung „Dagens Nyheter“: „Wir haben in diesen Fragen seit dem letzten Jahr große Fortschritte gemacht, müssen aber demütig bleiben.“

Kein ganz neuer Vorwurf: Rassismus und Diskriminierung bei H&M hat Geschichte

Sie bezog sich damit vor allem auf die weltweite Kritik an einer H&M-Werbekampagne mit einem dunkelhäutigen Jungen, dessen Sweatshirt die Aufschrift „Coolest monkey in the jungle“ trug. In Südafrika musste H&M 2018 wegen der Proteste zeitweise Filialen schließen, nahm das Sweatshirt aus dem Handel und entschuldigte sich in aller Form. „Das hat wirklich unseren Blick nach innen geschärft“, meinte Helmersson, die seit 1997 in dem von der schwedischen Familie Persson gegründeten und weiter dominierten Weltkonzern arbeitet.

Name: Hennes & Mauritz (H&M)CEO: Helena HelmerssonRechtsform: Aktiengesellschaft
Gründer: Erling PerssonHauptsitz: Stockholm, SchwedenZu H&M gehörend: Weekday, Monky, Cheap Monday
Gründung: 4. Oktober 147Umsatz: 25,19 Milliarden US-Dollar (2016)Quelle: Wikipedia

Die Entschuldigung von H&M: „Rassismus und Diskriminierung sind Teil der Gesellschaft“

In den USA berichtete der TV-Sender CNN im August, dass in einem internen Warenkatalog rassistische Namen wie „Nigga Lab Beanie“ für eigene Produkte verwendet wurden. Auch hier entschuldigte sich das Unternehmen. Helmersson sagte zu den wiederholten Vorwürfen im eigenen Land: „Rassismus und Diskriminierung sind Teil der Gesellschaft, aber wir müssen alle Signale weiter außerordentlich ernst nehmen.“ Bei H&M hätten „Tausende“ der 179 000 Beschäftigten Schulungen dazu durchlaufen.https://platform.twitter.com/embed/index.html?dnt=false&embedId=twitter-widget-0&frame=false&hideCard=false&hideThread=false&id=1336639220052619265&lang=de&origin=https%3A%2F%2Fwww.fr.de%2Fwirtschaft%2Fschweden-rassismus-hennes-mauritz-hm-diskriminierung-ermittlungen-regierung-helmersson-90127627.html&theme=light&widgetsVersion=ed20a2b%3A1601588405575&width=550px

Stellungnahme gefordert: Ministerin äußert sich zu Rassismusvorwürfen gegen H&M

Schwedens Diskriminierungs-Ombudsmann Lars Arrhenius erklärte in einer Mitteilung, er sehe nach entsprechenden Medienberichten Anlass, eine Stellungnahme des Unternehmens einzuholen. Die muss H&M bis 22. Dezember abliefern. Dann soll entschieden werden, ob ein Verfahren wegen Diskriminierung eingeleitet wird. Gleichberechtigungsministerin Åsa Lindhagen hatte H&M-Manager:innen schon vorher zu einem Gespräch einbestellt und aufgefordert, für die Beendigung von jeder Form von Diskriminierung zu sorgen.

H&M ist nach dem jüngsten Quartalsbericht recht gut durch die Corona-Krise gekommen. Wegen der dadurch noch beschleunigten Umstellung auf den Online-Handel will der Konzern 2021 weltweit etwa 250 seiner rund 5000 Kaufhäuser schließen. (Thomas Borchert)

Rubriklistenbild: © imago stock&people

Volvo ruft zum Kampf gegen die Faschisten

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Schweden: Der Druck der Wirtschaft

Wirtschaftsbosse wollen die Rechten in Schweden salonfähig machen. Doch es gibt auch Unternehmensvertreter, die warnen.

Seit die rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) mit ihren knapp 13 Prozent, ähnlich wie die AfD im Bundestag, gewohnte Mehrheiten blockieren, quälen sich die traditionellen Parteien mit der Suche nach Auswegen herum. Weder der nur noch geschäftsführend als Premier amtierende Sozialdemokrat Stefan Löfven noch der Konservative Ulf Kristersson wollen eine große Koalition, darin sicher bestärkt durch das Berliner Elend. Noch ziert sich Kristersson, die für den Wechsel nötigen Stimmen der SD mehr oder weniger diskret an Land zu ziehen.

Am Ende wird er wohl auf die aus tiefbraunen Nazi-Gruppen entstandenen „Zuwanderungskritiker“ als Mehrheitsbeschaffer zurückgreifen. Zum täglich wachsenden Druck in diese Richtung haben Wirtschaftsbosse kräftig beigetragen, manche diskret, andere wie Johnson offensiv: „Ich seh’ nicht, warum die Bürger-Allianz nicht zur Macht greifen soll.“ Bei der aus eigener Sicht wichtigen Fragen seien die Populisten „kein großes Problem“.

Ganz oben auf der Agenda beim Arbeitgeberverband stehen die „Flexibilisierung“ des Arbeitsrechts und die Sicherung von unbegrenztem privatem Profit in der Schulbranche (richtig gelesen!) und anderen früher klassisch öffentlichen Tätigkeiten. In Schweden ist das ein Boom-Sektor, in dem auch die ganz Großen eifrig mitmischen. Eine Folge: Diskrete Kontakte zwischen Arbeitgeberverband und SD vor der Wahl brachten die Populisten zur Abkehr von ihrem ursprünglichen Eintreten für eine Profitgrenze im Wohlfahrtssektor.

Es gibt andere milliardenschwere Stimmen. Karl-Johan Persson (43) aus der Eignerfamilie des Textil-Weltkonzern H&M kritisiert die Populisten für die „Verbreitung von Angst mit einem merkwürdigen Menschenbild“. Er plädiert für eine Gesellschaft, „die offen ist für Flüchtlinge und Menschen anderer Nationalitäten“. 41 schwedische Unternehmer warnten in einem offenen Brief, die Öffnung zu den SD gefährde „Kreativität, Innovation und Wohlstand“. Liberale Grundwerte seien kompromisslos gegen „eingeschränkten Nationalismus“ zu verteidigen.

Gyllenhammar stuft Johnson, einst mit ihm zusammen bei den Liberalen aktiv, als „ahnungslos“ sowie Wendehals ein und wird umgekehrt als nicht mehr ernstzunehmender „Mann der Vergangenheit“ angegangen. Dessen dünner gewordene Stimme aus dem Radio allerdings auch den etwas weiteren Horizont offenbart: Er habe nicht vergessen, dass die Mehrheit in Schweden Hitler noch bejubelte, als längst klar war, zu welchen Verbrechen der Aufstieg der Faschisten geführt hat, erinnerte der langjährige Volvo-Chef.