Indische Soldaten präsentieren der Öffentlichkeit ihre neuen 120-Millimeter-Granatwerfer.Foto: afp
Die großen Rüstungsexporteure aus den USA und Europa liefern immer mehr neue Waffensysteme ausgerechnet in die gefährlichsten Krisenregionen der Welt in Nahost und Asien. Nach den neuesten Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri hat allein Saudi-Arabien, das seit 2015 an der Spitze einer Militärallianz Krieg im Jemen führt, seine Rüstungseinfuhren in zwischen 2013 und heute (gegenüber 2008 bis 2012) um 225 Prozent steigern können.
Das Königreich mit aggressiven Großmachtansprüchen und wenig Platz für Menschenrechte ist damit weltweit der zweitgrößte Importeur von Waffen nach Indien sowie der mit Abstand wichtigste Kunde für die US-Rüstungsindustrie. 98 Prozent aller Waffenlieferungen in dieses Land zwischen 2013 und 2017 kamen Sipri zufolge aus Nordamerika und Europa. Read the rest of this entry »
Die Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma 1996 erzählt nach mehr als zwei Jahrzehnten der Sohn noch mal neu. Johann Scheerer, bekannt als Musiker und Musikproduzent, war damals 13 und hat seine Erlebnisse schnörkellos und ohne Schielen auf voyeuristische Neugier aufgeschrieben.
München/Hamburg (dpa) – Der 13-jährige Johann wacht auf mit der Ankündigung seiner Mutter in ungewohnter Stimmlage, man müsse «jetzt gemeinsam ein Abenteuer bestehen»: «Jan Philipp ist entführt worden. Die Entführer wollen zwanzig Millionen Mark.». Als 35-Jähriger hat Johann Scheerer die 33 Tage bis zur Freilassung seines Vaters Jan Philipp Reemtsma nun in Buchform erzählt. Sie werden ihn so oder so umbringen, geht es ihm in diesen Frühlingswochen 1996 immer und immer wieder durch den Kopf, während der Vater verzweifelte Briefe aus seinem Verlies schickt, zwei vereinbarte Geldübergaben durch Tölpeleien der Polizei scheitern, Freunde der Familie als Helfer entnervt das Handtuch werfen und die Kidnapper mit der Verstümmelung ihres Gefangenen drohen. Read the rest of this entry »
Der Frauentag wird auf der ganzen Welt gefeiert. Was Frauen von verschiedenen Kontinenten über ihren Alltag zu berichten haben.
07.03.2018 15:01 Uhr
Agnes Gústafsdóttir, 28, Island
Island ist schon ein sehr gutes Land für Frauen, um Arbeit und Privatleben auch als Mutter zu kombinieren. Wir sind gut ausgebildet, haben viele berufliche Möglichkeiten – genau wie die Männer – und arbeiten auch hart. Ich schließe gerade eine Ausbildung zur Vor- und Grundschullehrerin ab, davor habe ich als Kindergärtnerin gearbeitet. Gerade ist ein neues Gesetz gekommen, wonach Arbeitgeber von selbst immer nachweisen müssen, dass sie Frauen und Männer gleich bezahlen. Allerdings hab ich mich auch immer stark unter Druck gefühlt, viel zu arbeiten und außerdem die perfekte Mutter zu sein. Das hat sehr viel mit den sozialen Medien zu tun. Alle preisen sich auf Facebook und Instagram an. Da will man immer genauso gut sein wie alle anderen. Auf uns Frauen lastet in der Elternrolle immer noch ein größerer Druck als auf den Männern. Um meiner Tochter keine Zeit wegzunehmen, habe ich das Lehramtsstudium immer nachts erledigt und da dann wenig geschlafen.
Bei der Arbeit musste ich dann ja auch immer gut und im Kindergarten Vollzeit anwesend sein. Deshalb hab ich jetzt bis zum Ende des Studiums den Job aufgegeben, damit ich für meine Tochter da sein kann, wenn sie nachmittags aus ihrem Kindergarten kommt. Und damit abends wenigstens ein bisschen Zeit für mich und meinen Mann übrigbleibt. In Privatunternehmen sind sie flexibler, und experimentieren mit kürzeren Arbeitszeiten für Eltern, die kleine Kinder haben. Die müssen ja auch oft acht oder neun Stunden in Kindergarten oder Schule und Hort bleiben. Für die Zukunft hoffe ich sehr, dass die Arbeitszeit so verkürzt wird, dass mehr Platz für die Familie bleibt. Das wird auch so kommen. Mindfulness liegt im Trend, einige Unternehmen experimentieren schon mit kürzerer Arbeitszeit ohne Lohneinbuße. (aufgezeichnet von Thomas Borchert)
Thomas Panke, Klötzchen-Händler aus Frankfurt, weiß genau, welche Fehler Lego gemacht hat.Foto: Boeckheler
Lego-Händler Thomas Panke haben all die Geburtsfehler am aktuellen Flaggschiff der Technic-Serie, dem gewaltigen Allrad-Abschleppwagen 42070, so erbost, dass er ihn seinen Kunden nicht zumuten mag: „Ich war fassungslos. Dieser merkwürdige blaue Laster ist einfach viel zu schlecht und mit 250 Euro auch zu teuer.“ In seinem kleinen Laden „Held der Steine“ in Frankfurt-Sachsenhausen, wo es alles für Lego-Nerds und sonst nichts zu kaufen gibt, ist der Bausatz aus dem Sortiment gestrichen. Der 37-jährige Inhaber und begeisterte Klötzebauer findet das Modellprogramm aus dem vergangenen Jahr insgesamt enttäuschend. Wenn er hinzufügt, das sei „hoffentlich ein Weckruf“, meint er das in ganz anderen Dimensionen. Um acht Prozent auf umgerechnet 4,8 Milliarden Euro ist 2017 weltweit der Verkauf von Bausätzen mit den dänischen Plastikklötzen gesunken, wie Legos neuer Konzernchef Niels Christiansen am Dienstag
Erster Mann im Staat: Dänemarks Premier Lars Lokke Rasmussen.Foto: rtr
Dänische Gerichte müssen für Straftaten in Wohngebieten mit hoher Zuwandererdichte demnächst doppelt so harte Strafen verhängen wie überall sonst im Land. Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen sagte vor der Präsentation einer entsprechenden „Ghetto-Initiative“ am Donnerstag zum Vorwurf, seine Regierung setze damit die Gleichbehandlung aller Bürger vor dem Gesetz außer Kraft: „Das erkenne ich uneingeschränkt an.“
Es sei aber durch die Ausbreitung von Parallelgesellschaften in Vierteln mit mehrheitlich nicht-westlichen Zuwanderern durch Kriminalität und anderen Problemen „fünf vor zwölf“ und auch „das Dänentum in Gefahr“: „Da haben wir uns gefragt, ob wir die Möglichkeit zu angemessener Diskriminierung auf Basis objektiver Kriterien haben. Ja, die haben wir.“ Die frühere Integrationsministerin Birthe Rønn Hornbech aus Rasmussens eigener liberaler Partei meinte: „Mir ist das unbegreiflich. Es klingt wie die Einführung des Ausnahmezustandes.“
Dänemark schickt seine Flüchtlinge, alle neu angekommenen und die vielen schlecht integrierten, in den Osten von Afrika. Sie leben nach dänischem Recht in einer zu diesem Zweck errichteten Containerstadt für 300 000 Bewohner an der Küste von Mosambik, eingezäunt und streng bewacht. Das Gelände hat die Kopenhagener Regierung für 99 Jahre gepachtet.
Kaspar Colling Nielsen erzählt davon in seinem dystopischen Zukunftsroman „Der europäische Frühling“. Ein Bestseller. Drei Monate nach dem Erscheinen haben die Sozialdemokraten jetzt für den näher rückenden Wahlkampf ein Programm zur Ausländerpolitik vorgelegt, zu dem der Autor auf Facebook meint: „Wie aus meinem Roman gepflückt.“ Im Roman ist Parteichefin Mette Frederiksen auch Ministerpräsidentin und erntet rasenden Beifall für ihre Brandreden gegen Muslime, die sich nicht von Terror distanzieren. In der Kopenhagener Gegenwart hat die 40-Jährige nach allen Umfragen beste Aussichten auf den baldigen Wechsel von der Opposition an die Regierungsspitze, erst recht mit ihrer Ankündigung, das Asylrecht auf dänischem Boden komplett abzuschaffen.
Der dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen steht unter Korruptionsverdacht. Eine Woche lang hat er ein Ferienhaus im edlen Badeort Skagen gratis bewohnt.
Rasmussen logierte eine Woche lang gratis im Ferienhaus eines „Fischereikönigs“.Foto: rtr
Man wird ja wohl noch einen „total harmlosen“ Geschenkgutschein zum 50. Geburtstag einlösen dürfen! Und warum solle er sich des „Fischerfreundes aus Thyborøn“ an der rauen Nordsee schämen? Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen hält die Rolle der lebensfroh volksnahen und grundlos verfolgten Unschuld ungerührt und populistisch textsicher durch. Indessen fragen sich immer mehr Bürger, ob sie sich in ihrem laut der NGO Transparency International am wenigsten korrupten Land der Welt am Ende einen korrupten Regierungschef leisten. Das hässliche Sprichwort „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ kennen die Skandinavier eigentlich gar nicht. Read the rest of this entry »
München/Stockholm. Der eigenwillige Lehrer Kallmann stirbt beim Treppensturz. Håkan Nesser lässt in seinem neuen Krimi drei Schulkollegen nach dem möglichen Urheber fahnden und selbst erzählen. Der Nesser-Mix mit anspruchsvoller Psychologie ist diesmal zu lang geraten.
Der schwedische Schriftsteller Hakan Nesser auf der 64. Frankfurter Buchmesse. Foto: Arno Burgi
Håkan Nesser war selbst mal Lehrer, immerhin 20 Jahre lang, ehe für das tägliche Brot der Erfolg seiner Schweden-Krimis reichte. Im neuen, „Der Fall Kallmann“, schickt der Bestsellerautor drei Pädagogen an der Schule in ihrer Kleinstadt hoch im kalten Norden auf die Suche nach einem Mörder.
Oder erstmal nach einem Mord, denn keiner weiß, ob beim tödlichen Treppensturz des schon immer geheimnisvollen, bei den Schülern höchst beliebten Kollegen Eugen Kallmann jemand nachgeholfen hat. Read the rest of this entry »
Folgenschwerer Klick: Tausend Dänen droht eine Anklage und eine Vorstrafe, weil sie via Facebook ein Amateur-Sexvideo mit 15-Jährigen weiterverbreitet haben.
Wer von Cyber-Mobbing betroffen ist, leidet manchmal ein Leben lang darunter (Symbolbild).Foto: Imago
Auf tausend junge Dänen kommen Gefängnisstrafen und gravierende Folgen für ihre berufliche Zukunft zu, weil sie via Facebook ein Amateur-Sexvideo mit 15-Jährigen weiterverbreitet haben. Die Weichen dafür sind jetzt mit harten Urteilen bei zwei Pilotverfahren gegen einen 20- Jährigen und einen 19- Jährigen gestellt worden: Die Gerichte in Randers und im Kopenhagener Vorort Lyngby verurteilten sie wegen der Weiterverbreitung von Kinderpornografie zu 40 bzw. 30 Tagen Haft auf Bewährung. Read the rest of this entry »
Angeklagter stimmt den Fahndungsergebnissen zu der angenommenen Amokfahrt 2017 in Stockholm zu. Das Tatmotiv ist nun Solidarität mit dem „Islamischen Staat“.
Erinnerungen an die Opfer vom April 2017.Foto: Ints Kalnins (X02120)
Schon vor Beginn des Prozesses wegen Mordes an fünf Passanten während einer Amokfahrt durch Stockholms Fußgängerzone 2017 hat die Staatsanwaltschaft Beweise für terroristische Absichten vorgelegt – und wird darin von Rachmat Akilow ausdrücklich bestärkt. „Er wollte Schweden dafür bestrafen, dass wir an der globalen Koalition gegen den IS beteiligt sind“, sagte Ankläger Hans Ihrman am Dienstag.
Auf den 9000 Seiten Anklageschrift gegen den Usbeken Rachmat Akilow findet sich überraschend starkes Beweismaterial dafür, dass der 39-Jährige, seit 2016 als abgewiesener Asylbewerber illegal in Schweden, das Verbrechen über Monate vorbereitet hatte. Sein Anwalt Johan Eriksson gab an, dass Akilow die Tat wie auch die terroristische Absicht gesteht: „Er wollte Schweden dazu bringen, sich nicht mehr an der Koalition gegen den IS zu beteiligen.“ Auch der Tathergang sei in der Anklageschrift präzise wiedergegeben. Unter anderem hieß es darin, dass der Täter vorab in 21 Onlinechats mit „Treueeiden“ für den IS als Motiv ausdrücklich angegeben habe, dass „Schweden die Nato unterstützt, Bombentechniker in den Irak schickt und Kurden ausbildet“. Read the rest of this entry »