Metoo

Schwedendemokraten schützen übergriffigen Spitzenkandidaten und feuern seine Anklägerin

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Peter Lundgren, Spitzenkandidat der Schwedendemokraten.

Schweden

Skandal in Schweden: Rechter wird für Grapschen nicht bestraft

  • vonThomas Borchert

Die Partei der „Schwedendemokraten“ verharmlost den Busengrapscher-Skandal um ihren Spitzenkandidaten.

Kurz vor der Europawahl hat ein Busengrapscher-Skandal den Sturmlauf der rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) mit ihrem Spitzenkandidat Peter Lundgren ins Stottern gebracht. Die Partei mit braunen Wurzeln, die in der jüngsten Umfrage mit 19,9 Prozent nur noch hauchdünn hinter den Sozialdemokraten als Schwedens stärkster Partei liegt, macht jetzt beim Krisenmanagement kurzen Prozess.

Statt Lundgren, der den Übergriff zugibt, hat sie die Frau abgestraft, die den Vorfall öffentlich machte, der auf einem Parteifest passiert war. Kristina Winberg, Lundgrens Kollegin im Europaparlament und als Nummer vier auf der SD-Kandidatenliste mit Chancen auf die Wiederwahl, wurde von der Liste gestrichen und aus der Partei ausgeschlossen.

Lundgren bekannte sich zur Brust-Befummelung einer Parteikollegin

Das habe nicht das Geringste mit der sexuellen Belästigung vor einem Jahr zu tun, hieß es in der Presseerklärung. Vielmehr habe sich Winberg „wiederholt parteischädigend“ und „rücksichtslos“ aufgeführt. Lundgren bekannte sich zur Brust-Befummelung seiner Parteikollegin Sara-Lena Bjälkö und führte sie auf allseits reichlichen Alkoholkonsum zurück. „Sie hat auch ihre Hände unten gelassen,“ nannte er einen aus seiner Sicht mildernden Umstand in der Zeitung „Expressen“.

Winberg war Augenzeugin und hatte eine Aussage Bjälkös auf ihrem Handy. Sie sprach von „Panik“ und beklagte sich, dass niemand ihr geholfen hatte. Im Abstand von einem Jahr allerdings will die SD-Politikerin davon nichts mehr wissen. Sie ließ sich diese Woche beim Gespräch mit Lundgren für die Facebook-Seite der gemeinsamen Partei filmen: „Peter und ich haben immer eine gute Beziehung gehabt und sind weiter eng befreundet.“

Bei den letzten Europawahlen hatten die SD mit 9,7 Prozent zwei Mandate erobert. Die Platzierung Winbergs auf dem vierten Platz der Kandidatenliste galt als Abservierung der in der Parteispitze unbeliebten Politikerin.

Stimmenverluste für die SD werden sich in Grenzen halten

Die Aufnahme von Ermittlungen gegen Lundgren sei durchaus möglich, zitierten Medien die Staatsanwaltschaft. In keinem anderen europäischen Land hat die #MeToo-Bewegung so viel Erfolg gehabt wie in Schweden. Allerdings werden sich wohl die Stimmenverluste für die SD bei den Wahlen wegen dieses Skandals in Grenzen halten.

Im Endspurt des Wahlkampfes zeigt die Partei, was sie unter „politischen Inhalten“ versteht. In Stockholmer Metrostationen wirbt sie mit Plakaten gegen die Sozialdemokraten von Ministerpräsident Stefan Löfven: „Dies ist nicht das erste Mal, dass die Sozis Deutschland bei der Übernahme Europas helfen.“ Die linke Seite der Plakate ziert die schwarzweißrote „Reichskriegsflagge“ der Nazis.

Dansk rekord i Sverige-bashing

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Screenshot 2018-09-30 09.39.12Et ultrakort læserbrev i Politiken, 30.9.2018:

Sverige-bashing

Thomas Borchert, København:

Man følger med beundring de stadig nye rekorder i mediesporten Sverige-bashing. Kronikøren Marianne Stridsen konkluderer (25.9.), at en ’Robbespierre med knytblusa’ i skikkelse af Svenska Akademiets afgåede sekretær Sara Danius har ’taget magten’ ved at hænge uskyldige mennesker ud ’for de frygteligste ting’. Ingen af dem skulle foreløbig være ’blevet retslig dømt for noget som helst’.

I samme udgave af avisen fortælles, at nøglefiguren i #MeToo-konflikten omkring Akademiet er fængslet frem til domsafsigelsen. Hans forsvarer forventer en fældende dom for voldtægt. Kedelige fakta.

Så er det mere underholdende at læse om Danius som ’puritansk surmulende’, den ’gale kvinde’. Tillykke, Politiken, som vært for ny rekord i Sverige-bashing.

Grass machte noch einen ganz tiefen Diener vor dem Nobelpreis

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MeToo-Aktivistin Elin Ahldén
Frack
Nobelreporter Thomas Borchert im Dienstfrack

Tschüs, ihr alten Gockel:

Die #MeToo-Frauen haben die Nobelpreis-Akademie gesprengt

, etwa 6 Min. Lesedauer

„Die MeToo-Frauen haben die Schwedische Akademie gesprengt“, sagt Elin Ahldén. Sie ist in Stockholm am Telefon und klingt putzmunter. Vor einem halben Jahr hat sie mir den sagenhaft breiten Aufstand in ihrem Landgegen Sexismus vor allem am Arbeitsplatz, vom Bau bis zur Bühne, erklärt. Elin gehört zu den Initiatorinnen.

Jetzt also macht sie ihre selbstbewusste Ansage zu einer Absage, die um die Welt gegangen ist: Ein paar Tage vor meinem Anruf hatten die Juroren der Schwedischen Akademie erklärt, 2018 werde kein Literaturnobelpreis vergeben – die Verleihung soll aber ein Jahr später nachgeholt werden. Wegen „verminderten Vertrauens“ in eine „geschwächte Akademie“, formulierte die Jury, aus der schon acht von 18 Mitgliedern das Weite gesucht haben. Über MeToo verloren die noch aktiven acht Männer und zwei Frauen kein einziges Wort. „Wir Jungs reden doch über sowas nicht“, sagte ihr Wortführer.

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Die Schwedische Akademie zerlegt sich selbst

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Ein ausgekungeltes Frauenopfer

Das Komitee für den Literaturnobelpreis zerlegt sich endgültig, indem ausgerechnet zwei Frauen gehen müssen.

14. April 2018

Von Thomas Borchert

The Swedish Academy's Permanent Secretary Sara Danius talks to the media as she leaves after a  meeting at the Swedish Academy in Stockholm
Sara Danius tritt am 12. April zurück. Foto: TT NEWS AGENCY (X02350)

Die Vergabe des Literaturnobelpreises könnte nicht nur in diesem Jahr ausfallen. Sechs Monate nach Anschuldigungen von 18 Frauen über sexuellen Missbrauch und Gewalt im eigenen Umfeld droht der Jury das Aus. Es wäre ein Ende mit Schrecken.

Nachdem Sara Danius, bis Donnerstagabend „Ständige Sekretärin“ der Schwedischen Akademie, ihren erzwungenen Rücktritt verkündet hat und die Lyrikerin Katarina Frostenson ebenfalls nicht ganz freiwillig die Mitarbeit einstellt, ist das Gremium mit nur noch elf aktiven von nominell 18 Mitgliedern laut den Statuten gesprengt. Sie darf jetzt keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen. Noch viel schwerer für die Zukunft der Akademie dürften die postwendend eingesetzten Proteste einer empörten Öffentlichkeit wiegen. Read the rest of this entry »

Nach MeToo: Die Jury für den Literaturnobelpreis zerlegt sich selbst

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Nobelpreis:Screenshot 2018-03-29 08.51.35.png Selbst verschuldete Rufschädigung

VorwürfScreenshot 2018-03-29 08.51.35.pnge sexuellen Missbrauchs sowie der Weitergabe geheimer Informationen beschäftigen das Literaturnobelpreis-Komitee.

10. April 2018

 

Katarina Frostenson
Katarina Frostenson. Foto: afp

Die Debatte, die die MeToo-Bewegung auf den Weg gebracht hat, spaltet die Jury zur Vergabe des Literaturnobelpreises. Die beiden Lager stehen sich dermaßen unversöhnlich gegenüber, dass das Fundament der Stockholmer Jury wankt. Nach der Kampfabstimmung in der „Schwedischen Akademie“ mit 8:6-Stimmen gegen den Ausschluss eines Mitglieds im Gefolge von MeToo-Enthüllungen und anderen Vorwürfen sind Ende letzter Woche schon drei Juroren aus Protest zurückgetreten. Zwei weitere aus der überstimmten Minderheit, darunter als Frau an der Spitze die hoch angesehene Sara Darius, überlegen noch. Sollten beide abtreten, ist die Akademie mit nur elf Mitgliedern nicht mehr beschlussfähig. Sie kann nach den 232 Jahre alten Statuten keine neuen aufnehmen. Auch ohne diesen möglichen, aber nicht zwangsläufigen Gau, bleibt auf jeden Fall eine selbst verschuldete Rufschädigung für den berühmtesten Literaturpreis der Welt zurück.  Read the rest of this entry »

#Metoo fegt durch Norwegens Politik: In allen Parteien scheitern die Vertuscher

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Hinhalten und vertuschen

Viele Sexismus-Vorwürfe sind älter als #MeToo, doch Norwegens Regierende schweigen bis heute.

25. Januar 2018

Hashtag #MeToo
Die #MeToo-Welle spült auch in Norwegen alte Geschichten hoch. Foto: dpa
Drei Frauen führen Norwegens Regierung – und alle drei hat eine Welle von #MeToo-Vorwürfen zu Bußgängen vor laufenden Kameras mit ernster Miene gezwungen: Ministerpräsidentin Erna Solberg bedauert nun zutiefst, dass sie auf Klagen bis hin zu Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Chef der Jugendorganisation ihrer konservativen Partei lange nicht reagiert hat.

Ihre Finanzministerin Siv Jensen von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei wiederum kann sich so ganz und gar nicht an mehrere persönlich bei ihr vorgebrachte Klagen gegen ihren Fraktionsvizechef erinnern. Ulf Leirstein, auch noch rechtspolitischer Sprecher der Partei, hatte für einen geplanten Dreier mit einer Parteikollegin per SMS auch einen 15-Jährigen aus der Jugendorganisation vorgesehen. Noch jüngere Parteimitglieder versorgte er mit hartem Pornomaterial per Mail. Seiner Parteichefin tut es jetzt, knapp sechs Jahre später, sehr leid, dass sie und die Partei nicht entsprechend ihren „hohen ethischen Maßstäben“ rechtzeitig gehandelt hätten. Read the rest of this entry »

Schwedin erklärt #metoo beim Job: “Die unten in der Hierarchie triffts am schlimmsten.”

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#metoo „Unglaubliche Loyalität unter den Frauen“

Die schwedische Aktivistin Elin Ahldén spricht im Interview über die Auswirkungen von #metoo und was noch passieren muss.

Vor 1 Stunde

Protestmarsch
Protestmarsch gegen Gewalt an Frauen in Los Angeles. Foto: afp

Die Schwedin Elin Ahldén arbeitet in der Stockholmer PR-Agentur Lennox. Sie hat eine geschlossene Facebook-Gruppe gegen sexuelle Diskriminierung und Gewalt in ihrer Branche mit jetzt mehr als 6000 Kolleginnen gestartet. Im FR-Interview erzählt sie von den Erfahrungen der „Me too“-Frauen im eigenen Land, die ihre Forderungen auf den Job konzentrieren.

Ist die gewaltige Ausbreitung von #metoo auf praktisch alle Arbeitsplätze in Schweden und auch in der PR-Branche eine Überraschung?
Ja, aber noch viel überraschender sind die enorm positiven individuellen Reaktionen. Die PR-Frauen bei uns, auch die von der Werbung, arbeiten in einer sehr harten Branche voll ausgefahrener Ellbogen. Es hat sich eine Wärme ausgebreitet, die ich nicht erwartet hatte, als die „Me too“-Lawine durch ganz Schweden rollte. In unserer Branche begegnen wir uns von Agentur zu Agentur selten auf kollegiale Weise. Des einen Brot ist des andern Tod. Jetzt habe ich Frauen von den härtesten und auch mächtigsten PR-Agenturen getroffen, die mich freundlich anlächelten: „Ah, du bist das von unserem #metoo-Aufruf.“ Das ist schön und fast schockierend.

Wie sehen Sie die schnellen und durchweg positiven Reaktionen auf Ihre Aufrufe bis in die Regierung und bei praktisch allen Arbeitgebern?
Politiker und Arbeitgeber haben der Stimmung entsprechend reagiert. Aber von Letzteren haben es noch nicht alle ganz verstanden. Die Arbeitgeber sagen: Wir betrachten sexuelle Belästigung und Nötigung bei uns als inakzeptabel. Da antworte ich: Toll! Dafür bekommt ihr keinen Preis, das steht im Gesetz. Wo bleiben eure Analysen, warum Diskriminierung gesetzeswidrig ist, aber weiter sexualisiert und auch sonst weiterlebt? Was wird jetzt zusätzlich getan? Es gibt die grundlegende Geschäftslogik mit vielen Stufen runter in der Hierarchie bis zu denen, die gar keinen Lohn und keine Jobsicherheit haben. Und ziemlich vielen oben an der Spitze mit sehr hohem Lohn und reichlich Jobsicherheit. Die oben sind im allgemeinen Männer und die ganz unten im allgemeinen Frauen. Solange das so ist, spielt es keine Rolle, wie viele schöne Gleichberechtigungspapiere du abfasst.