Umwelt

Merkel auf Island: Wo die Klimakrise schon die Tagesordnung bestimmt

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Klimakrise

Island verabschiedet sich vom toten Gletscher

  • von Thomas Borchert

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird in Island mit klimapolitischen Fakten konfrontiert. Vorher verabschiedet sich Island vom ersten für „tot“ erklärten Gletscher.

Kanzlerin Angela Merkel hat als Ehrengast der fünf nordeuropäischen Regierungschefs an diesem Dienstag in Reykjavik das Eindrucksvollste wohl verpasst. Kurz vor dem Treffen zur Klimapolitik sowie zur Kooperation in der Arktis hatte ihre Gastgeberin, Islands Premier Katrín Jakobsdóttir, an einer bizarren Trauerfeier für den ersten für „tot“ erklärten Gletscher auf der Insel im Nordatlantik teilgenommen. Die Erderwärmung hat das Eis auf dem Okjökull hier an der Grenze zur Arktis so drastisch schrumpfen lassen, dass die offizielle Statistik ihn nicht mehr als Gletscher führt. Read the rest of this entry »

Norwegen: “Volksaufstand” gegen Automaut

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Mautgegner sind Favoriten für die Kommunalwahl

  • von Thomas Borchert

Die neue „Volksbewegung gegen mehr Mautgebühren“ liegt rund vier Wochen vor der Kommunalwahl in Norwegen in Umfragen vorn. Sie halten die Maut für „ungerecht“.

Es gab auch international viel Lob für diese norwegische Weitsicht, als Bergens Stadtrat 1985 erstmals in Europa eine Automaut für die City einführte. Dreieinhalb Jahrzehnte später sagen die Umfragen der „Volksbewegung gegen mehr Mautgebühren“ hier für die Kommunalwahl am 9. September einen klaren Wahlsieg vor allen anderen Parteien mit 25 Prozent vorher. Die Neulinge treten mit besten Aussichten auch in anderen großen Städten an, wo es bereits Mautsysteme gibt. Nur so könne man Instandhaltung und Ausbau des teuren Straßennetzes finanzieren, haben die Politiker den gut fünf Millionen Bürgern von Beginn an erklärt. Ausdünnung des Verkehrs und Klimapolitik als Begründung kamen später dazu. Read the rest of this entry »

Interview mit Folketings-Kandidat Jonathan Ries von “Alternativet”

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„Ich glaube, es wird eine Klimawahl“

  • vonThomas Borchert

Der grüne Kandidat Jonathan Ries über die Motive der jungen Wählerinnen und Wähler in Dänemark.

Neun Jahre nach der Einwanderung und ganze sechs Monate nach seiner Einbürgerung in Dänemark kandidiert der Hamburger Jonathan Ries für die ausgeprägt grün orientierte und junge Partei „Alternative“ bei der Parlamentswahl. Der 31-Jährige berichtet im FR-Interview, was ihm im Wahlkampf aufgefallen ist.

In Deutschland sind die Grünen in Umfragen die größte Partei. Zeichnet sich bei den Wahlen in Dänemark Ähnliches ab?
Ja, ich glaube, dass es eine Klimawahl wird, weil die jungen Leute einfach mehr Klimapolitik wollen. Hier in Dänemark steht auch noch die Industrie dahinter, weil sie viel Technologie für den grünen Wandel und die Energiewende produzieren. Es kommt Druck von mehreren Seiten. Dänemark ist, was die Verbraucher angeht, aber überhaupt kein Vorbild. Wir haben mit 15 bis 20 Tonnen CO2-Ausstoß jährlich pro Person einen der höchsten weltweit. Aber wir haben die richtige Technologie und auch politisch gezeigt, wie es gehen kann. Da ist Dänemark weiter als andere.

Jonathan Ries tritt in Dänemark für die grün orientierte Partei „Alternative“ an

Welche Rolle spielt die ausgeprägt harte dänische Ausländerpolitik?
Im Wahlkampf erlebe ich zum ersten Mal, dass die Leute des Themas müde sind, weil es immer dasselbe und immer mehr Symbolpolitik ist. Wenn man zum Beispiel ein paar kriminell gewordene Asylbewerber auf einer öden Insel internieren will, und das kostet dann 100 Millionen Euro, da sagen jetzt viele: Ist das Problem denn wirklich so groß, wie man es macht?

Was gefällt dir an der politischen Kultur in Dänemark am besten?
Ich hab auch in Spanien, den USA und Chile gelebt und gemerkt, dass ich mich in Europa sehr wohl fühle. In Dänemark gefallen mir die Offenheit und das gegenseitige Vertrauen, nicht nur politisch, sondern auch auf der persönlichen Ebene. Diese Gesellschaft basiert stark auf Vertrauen und gibt jedem die Möglichkeit, etwas beizutragen. Hier ist alles weniger hierarchisch als in Deutschland. Ich werde nicht als Einwanderer, sondern einfach als gleichwertig wahrgenommen. Auch für mich ist der Einwandererstatus nicht Kern meines Engagements. Das ist für mich die Klimawende, die Umstellung auf Grün.

Interview: Thomas Borchert

Alternative Nobelpreise 2018

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Alternativer Nobelpreis Menschenrechtler aus Saudi-Arabien geehrt

Unter den Empfängern des Alternativen Nobelpreises sind erstmals drei Saudis. Die Menschenrechtler werden in ihrem Heimatland geächtet – so wie auch die Ehrenpreisträgerin.

24. Sept. 2018

Alternative Nobelpreise
In Saudi-Arabien inhaftiert: Abdullah al-Hamid, Walid Abu al-Chair und Mohammed Fahad al-Kahtani (v. l. n. r.). Foto: dpa

Sie sollen zeigen, dass es trotz der Flut entmutigender Schlagzeilen über Umweltzerstörung, Demokratieabbau, Nationalismus und globale Raffgier auch anders geht: Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr an drei Menschenrechtler aus Saudi-Arabien sowie einen afrikanischen Bauern und einen australischen Agrarwissenschaftler für ihre nachhaltig funktionierenden Konzepte. Sie teilen sich die Preissumme der Stockholmer Stiftung Right Livelihood Award von umgerechnet 290 000 Euro. Den nicht dotierten Ehrenpreis bekommt eine erfolgreiche Korruptionsjägerin aus Guatemala zusammen mit ihrem kolumbianischen Mitstreiter. Read the rest of this entry »

Norwegens Lachszucht fährt Traumprofite ein

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Gier schlägt Gesundheit

Die Verbraucher essen stetig mehr Lachs, die Fischfarmen werfen gigantische Gewinne ab. Dafür werden die Tiere miserabel behandelt – mit Auswirkungen auch auf die Konsumenten.

Fischmarkt
Frische Fische sind natürlich überall sehr beliebt. Foto: rtr

Wunderschöne Farbkontraste produziert der beliebteste Fisch auf deutschen und anderen Tellern. „Leute, legt in Lachsen an!“, rufen derzeit viele Anlageberater. Gerade diese Woche sind die Aktienkurse norwegischer Fischfarmbetreiber mal eben wieder um 3,75 Prozent auf neue Rekordhöhen geklettert. Alle Welt futtert gern den König der Speisefische mit seinen vielgerühmten Omega-3-Fettsäuren gegen den zu hohen Cholesterinspiegel. Dass er infolge der hohen Nachfrage spürbar teurer wird, hat daran nichts geändert.  Read the rest of this entry »

Norwegen: Verfassungsklage gegen Ölbohrung in der Arktis abgeschmettert

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Klage von Greenpeace: Profit vor Umweltschutz

Ein Gericht in Norwegen weist eine Klage von Greenpeace gegen Ölbohrungen in der Arktis ab. Greenpeace wertet als Erfolg der Klage die enorme öffentliche Aufmerksamkeit um die Bohrungen.

Greenpeace-Aktivisten protestieren vor Bohrplattform
Greenpeace-Protest vor der Küste Norwegens. Foto: Will Rose (Greenpeace)

Wirtschaftsinteressen sind die klaren Sieger beim ersten Gerichtsstreit um das neue Grundrecht auf eine saubere Umwelt in Norwegens Verfassung: Ein Osloer Gericht hat diese Woche grünes Licht für neue Ölbohrungen in der ökologisch hochsensiblen Arktis gegeben. Es wies die Klage von Greenpeace und zwei anderen Organisationen ab, hinter der knapp eine halbe Million Norweger, zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, mit ihrer Unterschrift stehen. Read the rest of this entry »

Die Vetreibung aus dem Paradies für E-Autos

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Norwegen bremst Energierevolution aus

Regierung will die Suventionierung von E-Autos zurückschrauben.

30. Oktober 2017

E-Auto
Auto aufladen: Für immer mehr Norweger eine Selbstverständlichkeit. Foto: rtr

Wer in Oslo all die Ladestationen an Parkplätzen und die enorm vielen Elektroautos selbst im Stadtverkehr bestaunt, kann sich eine Zukunft ohne Verbrennungsmotoren schon sehr plastisch vorstellen. Dass 52 Prozent Hybrid- oder reine E-Antriebe bei Neuzulassungen im September einen Rekordtiefststand der CO2-Emissionen mit sich brachten, bestätigt dieses Bild mit trockenen und erfreulichen Zahlen. In Deutschland liegt der Marktanteil 2017 bisher bei mikroskopischen 0,6 Prozent. Norwegens aus aller Welt bestaunte Vorreiterrolle gerät nun aber ins Wanken, weil die Regierung den Geldhahn für stimulierende Subventionen ein Stück weit zudrehen will.  Read the rest of this entry »