Latest Event Updates

Suche

Posted on Updated on

Hamburger Abendblatt
Hamburger-abendblatt-schriftzug.svg

Literatur: Wie die Stones Partner entsorgt und Kunst kreiert haben

München (dpa) – Noch ein Buch über die Rolling Stones. Jeder weiß doch, dass sie seit Ewigkeiten kein nennenswertes Album mehr zustande bekommen haben und bei Konzerten vor allem abkassieren wollen.

Hunderte Bücher sind geschrieben über das halbe Jahrhundert von Mick Jagger und Keith Richards als verbittertem Paar, das einzig Geld zusammenhält. Rich Cohen erzählt diese Geschichte in «Die Sonne, der Mond & die Rolling Stones» über 500 Seiten noch mal so gut, dass sie frisch, lebendig und spannend ankommt, obwohl endlos oft gehört.

Read the rest of this entry »

Posted on Updated on

Posted on Updated on

POLITIK

22. SEPTEMBER 2016

ALTERNATIVER NOBELPREIS

Die Mutmacher

Von THOMAS BORCHERT
Die Redaktion der Cumhuriyet wird nach unzähligen Drohungen gegen ihre Journalisten rund um die Uhr bewacht. Foto: dpa

Gegen jeden Widerstand retten sie Menschen, kämpfen für Meinungsfreiheit und gegen archaische Strukturen. Das sind die Träger des Alternativen Nobelpreises.

Die vier Träger der Alternativen Nobelpreise in diesem Jahr spiegeln Bedrohungen von Menschen und ihrer Freiheit an akuten Brennpunkten wieder: Die syrischen „Weißhelme“, ein Netzwerk von 3000 Freiwilligen, kämpfen unter Lebensgefahr um die Rettung von Verschütteten nach Bombenangriffen, dürfen aber in Städten unter Kontrolle des Assad-Regimes nicht ausrücken. Read the rest of this entry »

Posted on Updated on

 

  1. September 2016

„Fucking wütend“ hinter Gittern

Von Thomas Borchert

Zu viel Druck von zu vielen Seiten: Yahya Hassan.  Foto: imago/Dean Pictures

Zu viel Druck von zu vielen Seiten: Yahya Hassan.  Foto: imago/Dean Pictures

Dänemarks junger Ausnahmedichter Yahya Hassan wird für Schüsse auf seinen Verfolger verurteilt.

Fucking wütend auf meine Elterngeneration“ hat Yahya Hassan als 18-Jähriger unwiderstehlich sprachgewaltig und enorm selbstbewusst die öffentliche Bühne in seinem Land wie ein Superstar erobert. Mit 21 legt Dänemarks meistgelesener Lyriker, Sohn palästinensischer Flüchtlinge, jetzt eine Pause ein – zwangsweise. Ein Gericht in Aarhus verurteilte Hassan am Freitag zu 21 Monaten Haft, weil er einem hartnäckigen jungen Verfolger in den Fuß schoss.

Auf den steilen Aufstieg ist ein genauso steiler Abstieg gefolgt. Der Jubel, als Yahya Hassan die im Populismus erstarrte dänische Debatte um Zuwanderung und Integration wieder antrieb, ist verstummt. Am Ende blieben die 35 Anklagepunkte. Von Zechprellerei über wiederholtes Autofahren ohne Führerschein (dafür mit Haschisch im Blut), Stalking der Ex-Freundin, Schlägereien bis zu Schießen ohne Waffenschein.

„Er ist der wichtigste Dichter unserer Zeit, der (…) die gesellschaftliche Kraft der Literatur in der Gesellschaft bewiesen hat,“ befand der Kulturchef der Zeitung „Politiken“, Jes Stein Pedersen. Gemessen an der Bevölkerungszahl entspricht die Verkaufszahl der Gedichtsammlung Hassans einer deutschen Auflage von 1,8 Millionen. 120 000 Dänen konnten in der poetischen, gnadenlosen und streckenweise herzzerreißenden Abrechnung mit der Elterngeneration in den Migranten-„Ghettos“ lesen: „Denn neulich schlug Vater meine Schwestern nieder auf offener Straße. Er war zurückgezogen ins alte Ghetto. (…) Er ist islamisch verheiratet, aber getrennt lebend bei der Kommune. So dass seine Frau eine alleinstehende Mutter ist bei der Sozialbehörde.“ Und: „Wir hatten keinen Plan, denn Allah hatte Pläne für uns.“

Ganz Dänemark, von rechts bis weit nach links, bestaunte diesen auch im TV-Interview unerschrockenen, sprachgewandten und reaktionsschnellen jungen Mann, der sich einen Dreck um Konventionen scherte. Dann jubelte ganz Dänemark.

Die seit zwei Jahrzehnten dominierenden Rechtspopulisten nickten eifrig, weil ihre Anklagen gegen „muslimische Nassauer“ endlich aus erster Hand bestätigt wurden von einem, an dem keiner vorbei konnte. Die andere Seite freute sich unbändig, weil da eine unverbrauchte „authentische“ Stimme Integration ganz anders anging als mit ausgeleierten Jammerarien. Denn Hassan griff genauso gerne Rechtspopulisten und andere Islamophoben an wie einfache Heuchler: „Was will der dänische Kronprinz eigentlich beim fucking Staatsbegräbnis in Saudi-Arabien? Die enthaupten Menschen genau wie der ,Islamische Staat‘. Aber da haben wir Geschäftsinteressen.“

Nur nutzte das nichts bei denen, die von Hassans „eigener Community“ reden würden: Kurz nach Erscheinen der Gedichte wurde er das erste Mal von einem wegen islamistischen Terrors Vorbestraften zusammengeschlagen. Jugendgangs machten permanent Jagd auf ihn. Wegen Morddrohungen stellte der Geheimdienst dem Dichter zwei Leibwächter zur Seite.

Bei der kläglich gescheiterten Parlamentskandidatur für die von Zuwanderern gebildete „Nationalpartei“ 2015 überwogen schon die Schlagzeilen über kriminelle Aktivitäten. Hassan wurde der Leibwächter überdrüssig, sein Leben schien bald nur noch aus Straßenkampf mit ihn peinigenden Verfolgern und den inneren Dämonen zu bestehen. Auf Facebook präsentierte er sich seinen 129 000 Followern teils als schwer am Kopf blutendes Opfer von Schlägern, teils in Kampfuniform.

Der letzte Facebook-Eintrag im März, nach den Schüssen auf einen 17- Jährigen, und gleich fünfmal: „Ich sitze hier in Haft mit gebrochenem Schlüsselbein und Handgelenk. Hilfe. Muss operiert werden. Brauche Hilfe. Helft mir.“ Vor Gericht sagt Hassan ein halbes Jahr später, nach der Haft werde er viel ändern: „Ich muss wohl einfach von allem weg und aufs flache Land ziehen.“ Mit 21 sind vielleicht noch nicht alle Weichen endgültig gestellt.

Posted on

Posted on

01. September 2016

„Christiania“: Schüsse in Kopenhagens Großkommune

 Von Thomas Borchert

Polizisten sichern den Ort des Angriffs ab.  Foto: Jens NOERGAARD LARSEN /afp

Ein Drogenhändler schießt einem Polizisten bei einer routinemäßiger Kontrolle in der „Freistadt Christiania“ in den Kopf.

Die Nachrichten über Schüsse in der „Freistadt Christiania“ klangen für Kopenhagener zum Donnerstags-Frühstück fast wie nach einem Terroranschlag. Erst die lebensgefährliche Kopfverletzung eines Polizisten, der einen Haschisch-Dealer festnehmen wollte. Dann bei der nächtlichen Jagd auf den geflüchteten Täter die Absperrung eines kompletten Stadtteils „mit allen verfügbaren Kräften“, wie die Polizei verkündete.

Sieben Stunden später schlagen Antiterrorspezialisten vor einer Wohnung zu und verletzen den Gesuchten durch Schüsse ebenfalls lebensgefährlich. Das Fernsehen schaltet Sondersendungen. Hier verkündet Dänemarks Justizminister Søren Pind „das Ende des friedlichen Weges“ gegenüber der 1971 gestarteten Großkommune auf einem besetzten Kasernengelände: „Wir haben ihn lange genug ausprobiert. Jetzt hat er uns lebensbedrohliche Schüsse eingebracht. Der mitunter als selbsternannter „Sheriff“ bespöttelte Minister konnte sich nicht nur breiter Unterstützung im Parlament sicher sein. Auch die dänische Öffentlichkeit, seit Jahrzehnten heftig entzweit über Toleranz oder Härte gegenüber dem sozialen Experiment Christiania, dürfte in diesem Fall hinter Pinds noch unkonkreter Kampfansage stehen. Zu oft haben es die 900 „Christianitter“ mit ihrer autonomen Selbstverwaltung das Versprechen nicht erfüllt, selbst mit den hochkriminellen Drogenhandel auf ihrem Gelände fertigzuwerden.

Schwarzarbeit im Drogenhandel

Nicht besser machte es die Christiana-Sprecherin Kirsten Larsen mit ihrem Kommentar, bei dem nichts mehr übrig war von Pioniergeist oder Hippie-Idealen: „Wir sind ganz normale Bürger und können nicht die Verantwortung für Dinge übernehmen, bei denen die Polizei zuständig ist.

Gemeint ist die „Pusherstreet“ im Herzen der 34 Hektar großen „Freistadt“ mit ihren Buden zum Haschischhandel. Während sich sonst die einstigen Kasernenstürmer und der Staat nach und nach halbwegs friedlich auf Kompromisse bei der Legalisierung Christianias einigen konnten, ist die Drogendealerei immer mehr aus dem Ruder gelaufen. Vor allem Rockergruppen organisieren ihn größtenteils von außen und scheffeln Unsummen mithilfe ihrer maskierten jungen Gehilfen in Christiania.

Einer von ihnen zog am späten Mittwochabend eine Pistole, als zwei Zivilstreifen ihn, so die Polizei, „routinemäßig“ festnehmen wollten. Er traf einen Beamten in den Kopf, einen weiteren sowie einen Unbeteiligten jeweils ins Bein. Diese Form von Gewalt ist neu im Dauerkrieg der Polizei gegen die Pusherstreet. Gerade erst im Juni hatte sie bei eine der regelmäßigen Großrazzien alle Verkaufsstände zerstört und eine Menge Händler festgenommen. Einen Tag später waren die Buden neu aufgebaut und andere Maskierte hinter den improvisierten Tresen mit ihrer Ware verkaufsbereit. Vor allem junge Bewohner der „Freistadt“, die nach wie vor selbst über den Einzug neuer Bewohner entscheiden kann, lassen sich zu Schwarzarbeit im kriminellen Drogenhandel locken.

Kenner schätzen, dass die Hälfte der Christiania-Ökonomie an dieser Branche hängt. Die andere wichtigste Einnahmequelle ist der Tourismus. Mehr als eine Million Besucher wandern jedes Jahr durch die etwas verkommene, aber idyllische Anlage im Herzen der dänischen Hauptstadt.

Erste Kopenhagener Imamin hält Freitagsgebet

Posted on


25. August 2016

Frauenmoschee „Eine gute Gegengeschichte“

 Von Thomas Borchert

Sherhin Khankan, Soziologin, Therapeutin und Tochter eines syrisch-finnischen Paares, will einen feministischen Islam.  Foto: Manya Parwani

In Dänemark ruft zum ersten Mal eine Imamin das Freitagsgebet aus – in einer Frauenmoschee in der Kopenhagener Fußgängerzone.

Zum ersten mal ruft in Skandinavien eine Imamin zum Freitagsgebet. „Wir fordern patriarchalische Strukturen im Islam heraus, wie es sie auch in anderen großen Religionen gibt,“ sagt Sherhin Khankan, Mitbegründerin der Kopenhagener Frauenmoschee, vor der Premiere dieser Woche. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung der „Mariam Moské“ hält ihre dänische Mit-Imamin Saliha Marie Fetteh die erste Predigt. Eingeladen sind nur Frauen. Khankan zu den Motiven: „In den traditionellen Moscheen habe ich mich immer fremd gefühlt. Wir Frauen stehen abgetrennt auf einem Balkon herum und sind nur Zuschauer. Viele kommen gar nicht, weil man in eine von Männern beherrschte Welt eintritt. Sie haben das Wort, leiten das Gebet und stehen im Fokus. Wir schaffen jetzt eine Moschee nach den Prämissen der Frau.“

Die ersten Monate seien neben dem Einrichten der Moschee, einer großen Wohnung im Kopenhagener Zentrum, vor allem mit seelsorgerischer Arbeit vergangen, erzählt die 41- jährige Khankan. Fünf Paare hat sie getraut und Frauen bei der Scheidung geholfen. Die Selbstbeschreibung der Frauenmoschee als „Teil des feministischen Zusammenhangs im Islam“ bekam schnell sehr praktische Bedeutung: Sie hilft Muslima bei der andernorts meist unmöglichen Anerkennung einer Scheidung. Paaren mit Heiratsplänen vermittelt die Moschee Eheverträge, bei denen Frauen dasselbe Recht auf Scheidung zusteht: „Für uns bedeutet Feminismus vor allem, dass beide Geschlechter gleichgestellt sind“.

Der Start der ersten nordeuropäischen Frauenmoschee machte Anfang des Jahres Schlagzeilen bis in islamisch geprägte Länder wie Pakistan und Iran. Weibliche Imane sind auch in westlichen Ländern mit großen Zuwanderer-Gemeinden eine Rarität. Sie wisse von Kolleginnen in Köln und Hamburg sowie in Belgien, China, und den USA, sagt Khankan. Auf die Frage nach möglicher Ablehnung aus den etwas über 100 traditionell orientierten Moscheen in Dänemark antwortet die studierte Religionssoziologin, Gesprächstherapeutin und Tochter eines syrisch-finnischen Paares: „Ich konzentriere mich ganz auf die positiven Reaktionen, die total überwiegen. Und wenn es anders wäre, würde ich es im Interview bestimmt nicht sagen.“

Positive Rolle an mehreren Fronten

Die zur Frauenmoschee umfunktionierte 250-qm-Wohnung in Kopenhagens Fußgängerzone hat ein anonymer Spender Khankan und ihrem Gemeindevorstand gestiftet. Die Gruppe orientiert sich theologisch an den liberalen Sufi-Strömungen im Islam. Vor allem junge Muslime in Dänemark fühlen sich laut Khankan davon viel mehr angesprochen als von den traditionellen, „99,9 Prozent von Männern monopolisierten Moscheen“ und der politisch orientierten islamistischen Richtung. Unter 5,7 Millionen Bürgern in Dänemark machen Muslime etwa fünf Prozent aus.

Im Frühjahr brachte der Sender TV2 mit verdeckter Kamera gefilmte Aufnahmen mit Hasspredigern, die zur Steinigung untreuer Ehefrauen aufforderten. „Als 15 moderate Moscheen sich davon gemeinsam distanzieren wollten, haben sie uns zur Teilnahme eingeladen. Das sehen wir als beginnende Anerkennung unserer Legitimität“, sagt Khankan. Sie sieht eine positive Rolle der Frauenmoschee an mehreren Fronten: „Wir fordern auch die Islamophoben in Dänemark heraus, weil wir eine so gute Gegengeschichte sind.