Schweden

Interview zur #metoo-Revolution in Schweden

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 krautreporter.de:
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Warum hat #metoo ausgerechnet in Schweden so gezündet, wo doch die Frauen eigentlich schon viel mehr erreicht haben als fast überall sonst auf der Welt?

Mich hat das auch überrascht. Aber auch das schwedische Rechtswesen beschützt ja nicht ausreichend gegen sexuelle Übergriffe. Wir haben hier im Alltag genau wie Frauen überall unsere individuellen Strategien, um zurechtzukommen. Man sagt sich gegenseitig, setz dich bloß nicht neben den und den beim Betriebsfest. Pass auf, dass du nicht mit dem und dem spät abends irgendwo allein bist. Du weißt, wie man jemandem abwehrend die Hand gibt, der einen Ruf als Grapscher hat. Read the rest of this entry »

Die Nobelpreise sind ein Schmuddelgeschäft

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Außen hui, innen pfui

Es ist, als blicke man in einem Edelrestaurant plötzlich in die schmuddelige Küche: Der Nobelpreis, der am Sonntag wieder verliehen wird, steht für Pracht, Pomp und Prestige. Hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus.

Bankett
Den großen Auftritt haben sie drauf: 2014 werden die Desserts beim Bankett in akkurater Choreographie serviert. Foto: rtr

Das Menü beim Festbankett verkündet die Nobelstiftung genauso stolz wie die Sitzordnung und Designer, Stoffart samt der Beschmückung von Königin Silvias Abendrobe. Jedes Jahr am 10. Dezember prägen Pomp und Pracht die Verleihung der Mutter aller Auszeichnungen. Wer würde sich nicht gerne Nobelpreisträger nennen? Am Sonntag wieder mal ohne die Endung „-in“. In Stockholm nehmen acht befrackte, weil durchweg männliche Nobelpreisträger ihr Diplom mit Diener vor König Carl XVI. Gustaf in Empfang. Hinter dieser Festkulisse stecken die Juroren knietief in weniger präsentablen Skandalen: Sexismus-Anklagen im engsten Umfeld, bei trüben Aktiengeschäften erwischt, auf einen Scharlatan hereingefallen und auch noch als kommerzwütige Baulöwen verschrien. Deshalb jetzt statt allen Details zum Elchfilet und den Kronjuwelen an Tisch eins mal ein Blick in die Kochtöpfe. Read the rest of this entry »

Alternative Nobelpreise 2017

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Alternativer Nobelpreis für Journalistin und Anwälte

Auszeichnung für Weltverbesserer: Der Alternative Nobelpreis wird an die Journalistin Khadija Ismayilova und die beiden Menschenrechtsanwälte Colin Gonsalves und Yetnebersh Nigussie vergeben.

27.9.2017

https://i1.wp.com/static3.fr.de/storage/image/8/0/1/5/1005108_928x522_1pOCkI_9KHVHh.jpgAusgezeichnet: die aserbaidschanische Journalistin Khadija Ismayilova. Foto: Aziz Karimli

Die Journalistin Khadija Ismayilova erhält für die mutige und ausdauernde Enthüllung von Korruption an der Staatsspitze ihres Heimatlands Aserbaidschan den Alternativen Nobelpreis 2017. Wie die Stiftung „Right Livelihood Award“ in Stockholm mitteilte, teilt sich die 41-Jährige die Auszeichnung mit drei Juristen: Der indische Anwalt Colin Gonsalves und seine Kollegin Yetnebersh Nigussie aus Äthiopien werden für ihren Einsatz als Menschenrechtler sowie der US-Amerikaner Robert Bilott als Umweltanwalt ausgezeichnet. Read the rest of this entry »

Auch an der Ostsee: Immer mehr Militärlogik

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Militärmanöver in der Ostsee:

Schweden übt den Krieg

Die Friedensbewegung sieht in einem Militärmanöver mit der NATO eine gefährliche Provokation Russlands.

08.09.2017 15:26 Uhr

Von Montag an üben 19 500 Soldaten im allianzfreien Schweden zusammen mit Einheiten aus den USA, vier weiteren Nato-Ländern sowie dem Nachbarn Finnland die Abwehr einer Invasion. Als angenommener Aggressor bei „Aurora 17“, dem größten und umfassendsten Manöver seit Ende des Kalten Krieges, kommt nur Russland in Frage. Dessen Streitkräfte halten zeitgleich in Weißrussland das Manöver „Zapad 2017“ ab. – nach offiziellen Angaben mit 13 000 Soldaten aus beiden Ländern für die Abwehr „extremistischer Eindringlinge“.

Voneinander getrennt sind die Kriegsspiele nur noch durch die drei baltischen Staaten, alle zum großen Ärger Moskaus in der Nato und mit kleineren Kontingenten aus Estland und Litauen auch am Manöver in Schweden beteiligt. Die Regierung in Stockholm setzt damit ihren Kurs beschleunigter Aufrüstung und möglichst enger Kooperation mit Nato-Ländern fort: ohne Beitritt als „Signal“ an Präsident Wladimir Putin.

Schwedens Verteidigungsminister Peter Hultqvist weist Kritik wegen der stetig zunehmenden Anlehnung an das westliche Militärbündnis zurück: „Wir bleiben allianzfrei und haben kein Interesse daran, Aggressivität zu zeigen. Aber unsere militärischen Möglichkeiten wollen wir schon verstärken.“

Dafür hat seine Regierung unter anderem die 2009 „für Friedenszeiten“ ausgesetzte Wehrpflicht wieder eingeführt. Seit 2016 erleichtern neue verpflichtende Vereinbarungen mit Brüssel gemeinsame Militäraktionen. Die Insel Gotland, mitten in der Ostsee und deshalb strategisch besonders wichtig, wird wieder mit Militär bestückt. Der Bezirksrat musste die lukrative Zusage, ein Zwischenlager für Bauteile für die russische Gasleitung Nordstream 2 einzurichten, aus sicherheitspolitischen Gründen zurückziehen.

Gotland im Fokus der Aktion

„Gefährlichen Aberglauben an militärische Mittel“ nennt „Svenska Freds“, Sprachrohr der auch bei den Skandinaviern geschrumpften Friedensbewegung, diese Linie einschließlich des Manövers. Wie viele andere sei man von der „autoritären und aggressiven Politik Russlands unter Putin“ im Inneren und nach außen beunruhigt. Aber „Svenska Freds“ sieht Aurora wie Zapad als „äußerst beunruhigende Eskalation“. Für das schwedische Manöver wird angenommen, dass ein „größerer und stärker ausgerüsteter Opponent“ im Rahmen eines anderen Konfliktes Gotland und ein Gebiet nördlich von Stockholm angreift.

Bei Zapad geht es nach Meinung westlicher Beobachter in Wirklichkeit nicht nur darum, eine permanente russische Militärpräsenz in Weißrussland vorzubereiten, sondern auch um ein „Signal“ Moskaus, wie schnell der Suwalki-Korridor an der polnisch-litauischen Grenze militärisch abgeschnitten werden kann. Er ist die einzige direkte Landverbindung zwischen dem Baltikum und einem anderen Nato-Land. tbo

Roma-Bettlerin: Terropfer und unerwünscht

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Stockholm Das Opfer muss weiter betteln

Die alte Roma Papusa Ciuraru hat den Terroranschlag in Stockholm überlebt und sitzt nun wieder auf der Straße.

Vor 23 Stunden

Papusa Ciuraru.
Papusa Ciuraru. Foto: svt

 

Die 83 Jahre alte Papusa Ciuraru aus Rumänien kauert seit einigen Tagen wieder mit ausgestreckter Hand in der Stockholmer Fußgängerzone. Dort hatte sie am 7. April ein Massenmörder in seinem gestohlenen Lastwagen nur um Zentimeter verfehlt. Der steinerne Löwe, hinter dem sie saß, rettete ihr das Leben. Ciuraru trug bei dem Anschlag nur Knochenbrüche am rechten Fuß davon. Fünf Passanten waren der Amokfahrt zum Opfer gefallen, die ein abgewiesener Asylbewerber aus Usbekistan bei seiner Festnahme einen „Terrorakt für den ‚Islamischen Staat’“ genannt hatte. Read the rest of this entry »

Schweden: Profit mit Privatschulen

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Schweden: Klassenzimmer als Profitmaschine

Schweden streitet über seine Privatschulen, die, finanziert aus Steuergeld, Investoren die Taschen füllen.

27. Februar 2017

Mehr als ein Viertel der Gymnasiasten in Schweden geht auf eine nichtstaatliche Schule. Foto: Getty Images
Wissbegierige Pennäler haben Schwedens größtem Schulkonzern Academedia 2016 eine Gewinnverdoppelung eingebracht. Der Anlageberater von „Privata Affärer“ („Privatgeschäfte“) schrieb nach dem dritten Quartal begeistert, diese Aktie sei dank anhaltend kräftigen Wachstums bei derzeit 140 000 Schülern eine super Anlage: „Denn das System mit Schulgeld in Schweden macht im Prinzip jeden zusätzlichen Schüler profitabel.“ Nichts spreche gegen die Fortsetzung der bisherigen Expansion. Außer vielleicht der Gefahr einer gesetzlichen Profitgrenze als „dunkler Wolke“ über dem boomenden Privatschulsektor. Academedias Konzernchef Marcus Strömberg beruhigte im Wirtschaftsblatt „Dagens Industri“: „Im Reichstag steht weiter eine Mehrheit dagegen. Deshalb ist diese Drohung wirklichkeitsfremd.“ Balsam für Academedias Haupteigner, die heimische Risikokapitalgesellschaft EQT, der Industrielle Rune Andersson und ausländische Investoren. Read the rest of this entry »

Mordserie in Malmö

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14. Februar 2017

Einwanderung: Es brodelt in Malmö

 Von Thomas Borchert

Polizisten suchen einen der Tatorte in Malmös Rosengård-Viertel ab.  Foto: rtr

Eine unaufgeklärte Mordserie wirft in Schwedens Großstadt mit dem höchsten Migrantenanteil brisante Fragen auf.

Zwölf Morde in den vergangenen zwölf Monaten, kein einziger aufgeklärt. Fast wie bestellt vor der „Solidaritäts“-Visite des Innenministers kam dann der dreizehnte Tote: Kopfschüsse auf dem belebtesten Marktplatz von Malmö vor vielen Augenzeugen; auch Tage später kann die Polizei keine Fahndungserfolge vorweisen. Das Gefühl grundlegender Sicherheit und das Vertrauen in staatliche Garantien wird bei den 320 000 Bürgern in Schwedens drittgrößter Stadt gerade auf eine extrem harte Probe gestellt.

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