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Auch an der Ostsee: Immer mehr Militärlogik

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Militärmanöver in der Ostsee:

Schweden übt den Krieg

Die Friedensbewegung sieht in einem Militärmanöver mit der NATO eine gefährliche Provokation Russlands.

08.09.2017 15:26 Uhr

Von Montag an üben 19 500 Soldaten im allianzfreien Schweden zusammen mit Einheiten aus den USA, vier weiteren Nato-Ländern sowie dem Nachbarn Finnland die Abwehr einer Invasion. Als angenommener Aggressor bei „Aurora 17“, dem größten und umfassendsten Manöver seit Ende des Kalten Krieges, kommt nur Russland in Frage. Dessen Streitkräfte halten zeitgleich in Weißrussland das Manöver „Zapad 2017“ ab. – nach offiziellen Angaben mit 13 000 Soldaten aus beiden Ländern für die Abwehr „extremistischer Eindringlinge“.

Voneinander getrennt sind die Kriegsspiele nur noch durch die drei baltischen Staaten, alle zum großen Ärger Moskaus in der Nato und mit kleineren Kontingenten aus Estland und Litauen auch am Manöver in Schweden beteiligt. Die Regierung in Stockholm setzt damit ihren Kurs beschleunigter Aufrüstung und möglichst enger Kooperation mit Nato-Ländern fort: ohne Beitritt als „Signal“ an Präsident Wladimir Putin.

Schwedens Verteidigungsminister Peter Hultqvist weist Kritik wegen der stetig zunehmenden Anlehnung an das westliche Militärbündnis zurück: „Wir bleiben allianzfrei und haben kein Interesse daran, Aggressivität zu zeigen. Aber unsere militärischen Möglichkeiten wollen wir schon verstärken.“

Dafür hat seine Regierung unter anderem die 2009 „für Friedenszeiten“ ausgesetzte Wehrpflicht wieder eingeführt. Seit 2016 erleichtern neue verpflichtende Vereinbarungen mit Brüssel gemeinsame Militäraktionen. Die Insel Gotland, mitten in der Ostsee und deshalb strategisch besonders wichtig, wird wieder mit Militär bestückt. Der Bezirksrat musste die lukrative Zusage, ein Zwischenlager für Bauteile für die russische Gasleitung Nordstream 2 einzurichten, aus sicherheitspolitischen Gründen zurückziehen.

Gotland im Fokus der Aktion

„Gefährlichen Aberglauben an militärische Mittel“ nennt „Svenska Freds“, Sprachrohr der auch bei den Skandinaviern geschrumpften Friedensbewegung, diese Linie einschließlich des Manövers. Wie viele andere sei man von der „autoritären und aggressiven Politik Russlands unter Putin“ im Inneren und nach außen beunruhigt. Aber „Svenska Freds“ sieht Aurora wie Zapad als „äußerst beunruhigende Eskalation“. Für das schwedische Manöver wird angenommen, dass ein „größerer und stärker ausgerüsteter Opponent“ im Rahmen eines anderen Konfliktes Gotland und ein Gebiet nördlich von Stockholm angreift.

Bei Zapad geht es nach Meinung westlicher Beobachter in Wirklichkeit nicht nur darum, eine permanente russische Militärpräsenz in Weißrussland vorzubereiten, sondern auch um ein „Signal“ Moskaus, wie schnell der Suwalki-Korridor an der polnisch-litauischen Grenze militärisch abgeschnitten werden kann. Er ist die einzige direkte Landverbindung zwischen dem Baltikum und einem anderen Nato-Land. tbo

Buchrezension: Lena Andersson, Unvollkommene Verbindlichkeiten

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Lena Anderssons Roman über die (ewige) Geliebte

25.07.2017

 

Der neue Roman um Ester und ihre Jagd nach der wahren Liebe liest sich wie das Abbild seines Vorgängers. Foto: Luchterhand Verlag/Randomhouse

Der neue Roman um Ester und ihre Jagd nach der wahren Liebe liest sich wie das Abbild seines Vorgängers. Foto: Luchterhand Verlag/Randomhouse

Esters neuer verheirateter Liebhaber ist interessanter als der erste. Aber die Geschichte erzählerisch zu sehr Wiederholung.

Von Thomas Borchert, dpa

München/Stockholm (dpa) – Der Typus ist bekannt: verheirateter Liebhaber fährt zweigleisig und drückt sich um die Entscheidung zwischen zwei Frauen. Die Geliebte erwartet sehnsüchtig, endlos geduldig und durch eine unfassbar rosarote Brille, dass er am Ende seine Frau verlässt und ganz zu ihr kommen wird.

In Lena Anderssons Roman “Unvollkommene Verbindlichkeiten” bringt es die Protagonistin Ester zu einer gewissen Meisterschaft, auch kleinste Indizien ihrer Liaison mit Olof als Zeichen für einen “Durchbruch” zu deuten. Read the rest of this entry »

Wie Rechtspopulisten Skandinavien aufgemischt haben

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Rechtspopulisten: Mitregieren und Stimmen kassieren

In Skandinavien werden rechtspopulistische Parteien als neue Mitte hofiert. Nationalistische Töne sind längst salonfähig geworden.

Parteitag der rechtspopulistischen Partei der Finnen
Fahnenträger der Partei der Wahren Finnen stimmen sich auf einen Parteitag ein. Foto: dpa
In einem Meer blaugelber Fahnen, vor sich in blaugelben Nationaltrachten Königin Silvia und drei Prinzessinnen, schloss Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven die Rede zum „Flaggentag“ auf der blaugelb geschmückten Bühne bewegt ab. Die Demokratie müsse verteidigt werden, „damit unsere Kinder und Enkel auch weiter eines der freiesten und erfolgreichsten Länder der Welt feiern können. Unser geliebtes Schweden.“ Zwei Jahre vorher hatte der Sozialdemokrat noch vor Demonstranten für eine offene und humane Aufnahme von Flüchtlingen bewegt ausgerufen: „Mein Europa baut keine Mauern.“Inzwischen zieht die Stockholmer Regierung Mauern hoch, was das Zeug hält, und ihr Chef hat die Scheu vor nationalistisch riechenden Tönen abgelegt. Die Sozialdemokraten, die hier fast ein Jahrhundert allein regieren konnten, trennen ein Jahr vor Wahlen nur noch sechs, sieben Prozentpunkte von den rechtspopulistischen Schwedendemokraten. In zehn Jahren hat der stets gesittet auftretende Parteichef Jimmie Åkesson hat aus einer Splittergruppe mit arischen Rasseideologen und anderen Neonazis im Gründergepäck Schwedens nun zweitstärkste Kraft mit 20 Prozent bei Umfragen gemacht. Die Konservativen sind im stetigen Fall auf den dritten Platz zurückgefallen.

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Wie dänische Bibliotheken sich runderneuern

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Dänische Bibliotheken erfinden sich gerade neu: Bücher sind nur noch Nebensache. Vom Chorgesang bis zum Behördengang und mit Obdach für Einsame bieten sie dem Niedergang die Stirn.

8. Juli 2017
Bibliothek

Bibliothek

Es gibt selbst an der Decke viel zu entdecken. Foto: Aarhus Public Libraries

Linn Ullmanns Roman über ihre Kindheit mit weltberühmten und überforderten Eltern erwies sich als unwiderstehliche Lektüre. Groß also das Entsetzen, als am späten Kopenhagener Samstagnachmittag klar wurde, dass ich „De urolige“ (auf Deutsch kommen „Die Unruhigen“ erst nächstes Jahr raus) auf der Insel Falster vergessen hatte. Nach dem Schock brachte die Internetseite der Stadtbücherei erst mal wenig Hoffnung: Fehlanzeige als E-Buch, 143 Papierexemplare ausgeliehen. Zu viele Dänen wollten lesen, wie die norwegische Autorin ihre Kinderjahre zwischen dem egomanischen Filmgenie Ingmar Bergman und der mit ihrer Schönheit als Einnahmequelle hart ringenden Schauspielerin Liv Ullmann auferstehen lässt. Ein Meisterwerk.

Das musste ich ohne Verzögerung zu Ende lesen. Und siehe da: Die „Folkebibliotek“ in Christianshavn hatte eins als „hjem“, „zuhause“, auf der digitalen Liste. Also im hohen Gang zum Nachbarstadtteil geradelt. Zwar ist die Bücherei auch dort samstags um 18.15 Uhr verschlossen. Aber ich kann den Eingang mit meiner dänischen Sozialversicherungskarte am Scanner öffnen. Drinnen kein Personal, dafür eine Handvoll Besucher vor ihrem Laptop oder einem Bücherei-PC. Sie haben hier freien Internetzugang, Stille und um sich Bücher. Ich finde „De urolige“ und freue mich auf einen schönen Leseabend. Read the rest of this entry »

Sebastian Barry schließt großartige Trilogie ab

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Neues von Dänemarks Populistin Nr.1

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Dänemark Populistischer Kampf gegen „Kinderbräute“

Ausländerministerin Inger Støjberg soll bei der Behandlung minderjährig verheirateter Flüchtlinge bewusst Recht gebrochen haben – und sitzt dennoch fest im Sattel.

28. Juni 2017

Inger Støjberg
Inger Støjberg beherrscht die Debatte über Zuwanderung. Foto: afp

„Ministerin, du lügst. Und Minister dürfen nicht lügen.“ Dänemarks Ausländerministerin Inger Støjberg hat den hässlichen Abgeordnetenvorwurf per skandinavischem Du bei ihrer zweiten Anhörung vor einem Parlamentsausschuss ungerührt weggesteckt.

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Roma-Bettlerin: Terropfer und unerwünscht

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Stockholm Das Opfer muss weiter betteln

Die alte Roma Papusa Ciuraru hat den Terroranschlag in Stockholm überlebt und sitzt nun wieder auf der Straße.

Vor 23 Stunden

Papusa Ciuraru.
Papusa Ciuraru. Foto: svt

 

Die 83 Jahre alte Papusa Ciuraru aus Rumänien kauert seit einigen Tagen wieder mit ausgestreckter Hand in der Stockholmer Fußgängerzone. Dort hatte sie am 7. April ein Massenmörder in seinem gestohlenen Lastwagen nur um Zentimeter verfehlt. Der steinerne Löwe, hinter dem sie saß, rettete ihr das Leben. Ciuraru trug bei dem Anschlag nur Knochenbrüche am rechten Fuß davon. Fünf Passanten waren der Amokfahrt zum Opfer gefallen, die ein abgewiesener Asylbewerber aus Usbekistan bei seiner Festnahme einen „Terrorakt für den ‚Islamischen Staat’“ genannt hatte. Read the rest of this entry »

Rechtspopulisten noch viel rechter

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Finnland: Regierungscrash in Helsinki

Nach der Wahl des offen rassistischen Jussi Halla-aho zum neuen Vorsitzenden der rechten „Wahren Finnen“ kündigt Ministerpräsident Juha Sipilä die Koalition auf.

12.06.2017 18:36 Uhr

Rechtspopulistische Partei der Finnen wählt einen neuen Chef
Jussi Halla-aho, 46, ist wegen Hetze
gegen den Islam vorbestraft. Foto: Jussi Nukari (Lehtikuva)

Wenn Rechtspopulisten die Anhänger wegen zu zahmer Politik im Regierungbündnis weglaufen, kann man es einfach wieder andersherum probieren: Die „Wahren Finnen“ haben in Helsinki nach zwei Jahren die Koalition mit den Konservativen und dem Zentrum gesprengt.

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Røkke: Milliardär und “Wohltäter”

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Philantropie: Ein Schiff wird kommen

Der norwegische Industrielle Kjell Inge Røkke will sein Vermögen der Gesellschaft zurückgeben. Die erste Wohltat: das Forschungsschiff REV.

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7. Juni 2017

 

Wenn doch nur alle Milliardäre so edle Vorsätze hätten. „Ich will der Gesellschaft den Löwenanteil von dem zurückgeben, was ich verdient habe“, verkündet der norwegische Großindustrielle, der ein geschätztes Vermögen von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro (17 Milliarden Kronen) sein Eigen nennt. Wie viel davon der 58-Jährige für das gewaltige neue Forschungsschiff „REV“ (Research Expedition Vessel) voller Technik vom Feinsten als Geschenk an die Gesellschaft abzweigt, behält Røkke aber lieber für sich: Das Schiff sei ein Teil vom Löwenanteil. Nach dem Stapellauf 2020 sollen an Bord hochkomplexe Forschungsprojekte bis zu einer Tiefe von 6000 Meter möglich sein – der WWF hat sich bereits eine Kooperation gesichert. Nebenbei kann das Schiff pro Tag bis zu fünf Tonnen Plastikmüll vom Meeresboden einsammeln und CO2-neutral verbrennen. Read the rest of this entry »