Friedensnobelpreis

Friedensnobelpreis: Gut, dass es Greta nicht erwischt hat

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Greta Thunberg wurde im Vorfeld als heiße Kandidatin für den Friedensnobelpreis gehandelt. Bekommen hat sie ihn aber nicht.

Greta Thunberg

Klatsche für die Zocker

  • von Thomas Borchert

Wer den Friedensnobelpreis bekommt, hängt von vielen Faktoren ab – auch deswegen könnte Greta Thunberg leer ausgegangen sein

Bis unmittelbar vor der Vergabe an den äthiopischen Premier Abiy Ahmed lag die Klima-Aktivistin Greta Thunberg auf den Wettlisten für den Friedensnobelpreis haushoch in Führung. Das Ergebnis in diesem Jahr ist eine Klatsche für die Zocker. Warum hat nicht die 16- Jährige aus Schweden, die mit ihrem einsam begonnenen Schulstreik gegen unser aller Klima-Passivität in diesem Jahr die halbe Welt mobilisiert hat, den Preis bekommen? Diese Frage beschäftigte bei der Pressekonferenz im Osloer Nobelinstitut auch das Medienaufgebot vielleicht noch stärker als der tatsächliche Preisträger. „Wir kommentieren nie, wer den Preis vielleicht aus welchem Grund nicht bekommen hat. Und auch nicht die Gewinnquoten von Buchmachern,“ ließ die Komitee-Vorsitzende Berit Reiss-Andersen die journalistische Sehnsucht nach der ganz großen Schlagzeile am Freitag gelassen abblitzen.

Sie konnte sich darauf berufen, dass alle Verhandlungen des fünfköpfigen norwegischen Komitees unter „streng geheim“ laufen und das 50 Jahre bleiben. In diesem Fall also, bis Greta Thunberg 66 Jahre alt ist. Noch nicht mal die Namen der Nominierten erfährt die Öffentlichkeit vorher, sondern lediglich deren Gesamtzahl. Dass die Schülerin aus Stockholm, genau wie US-Präsident Donald Trump, zu den 301 Kandidaten dieses Jahres gehörte, ist nur wegen der Mitteilungsfreude der Vorschlagenden öffentlich bekannt. Berechtigt dazu sind unter anderem bisherige Nobelpreisträger sowie Mitarbeiter wissenschaftlicher Einrichtungen und Parlamentsmitglieder aus aller Welt. Vor allem letztere möchten in der Regel mit einer Nominierung sowohl Reklame für ihren jeweiligen Kandidaten wie nebenbei auch für sich selbst machen. Read the rest of this entry »

Friedensnobelpreis für den Kampf gegen sexuelle Gewalt im Krieg

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Zwei Stimmen gegen sexuelle Kriegsgewalt

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an Nadia Murad und Denis Mukwege rückt ein Opfer und einen Arzt in den Fokus.

06.10.2018

Nobelpreis
Berit Reiss-Andersen, norwegische Komiteevorsitzende: „Der diesjährige Friedensnobelpreis ist fest verankert in den Kriterien aus Alfred Nobels Testament.“ Foto: afp

Sexuelle Gewalt gegen Frauen „als Waffe im Krieg und bei bewaffneten Konflikten“ ist genauso gefährlich für den Frieden wie Bomben und muss von der Weltgemeinschaft auch deshalb geächtet werden. Mit dieser Botschaft hat das Osloer Nobelkomitee die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an den kongolesischen Arzt Denis Mukwege und die jesidischen Irakerin Nadia Murad begründet. Read the rest of this entry »

Nobelkomitee schmettert Rechtspopulisten ab

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Nobelpreis:

Krieg bei den Friedensjuroren

Oslo streitet vor der Verleihung der diesjährigen Auszeichnung erbittert über das Nobelkomitee.

Norwegen
Hagen 2015 auf dem Weg zur Preisverleihung in Oslo. Foto: afp

So giftige parteipolitische Töne hat man von den Hütern des Friedensnobelpreises lange nicht gehört. „Blockiert ihr unseren Rechtspopulisten, werfen wir euren Sozialdemokraten raus.“ Vor der Verleihung der diesjährigen Auszeichnung an die Anti-Atomwaffenkampagne ICAN am Sonntag in Oslo sagt das so direkt zwar keiner. Stattdessen sprechen Taten: Um den Einzug des kontroversen Rechtspopulisten Carl I. Hagen in das Nobelkomitee zu verhindern, hat eine Parlamentsmehrheit gegen die Mitterechtsregierung vage Regeln verbindlich festgezurrt, und das auch noch im Eilverfahren: Mitglieder und Ersatzmitglieder im Osloer „Storting“ sind ab sofort vom Einzug in die fünfköpfige Jury mit der Entscheidung über den wohl prestigeträchtigsten Preis der Welt ausgeschlossen. Um die politische Unabhängigkeit zu sichern, hieß es.

„Alles vorgeschoben. Das ist gegen mich persönlich gerichtet“, ereiferte sich der Ex-Parteichef mit hochrotem Kopf in den Wandelgängen des Parlaments. Niemand konnte dem Ersatzmitglied im Parlament überzeugend widersprechen. Auch mit 73 kämpft Hagen um möglichst ununterbrochene öffentliche Aufmerksamkeit. In der eigenen Fortschrittspartei, von ihm ab 1978 als „Steuerrebell“ über drei Jahrzehnte geführt, ist er längst abgehalftert und mit seiner Nachfolgerin Siv Jensen, als Finanzministerin schon im fünften Regierungsjahr, so über Kreuz wie das Duo Seehofer&Söder. Read the rest of this entry »

Friedensnobelpreis eine Warnung vor dem Atomkrieg

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Gegen den drohenden Atomkrieg

Weil die „Gefahr eines Atomkrieges so groß ist wie schon lange nicht“ erhält Ican den Friedensnobelpreis. Kontrovers allerdings wird der von Ican geforderte Verbotsvertrag für Atomwaffen gesehen.

Friedensnobelpreis Ican
Ican-Aktivisten protestierten kürzlich vor der US-Botschaft in Berlin. Foto: dpa

Weil die „Gefahr eines Atomkrieges so groß ist wie schon lange nicht“, hat das Nobelkomitee in Oslo den diesjährigen Friedensnobelpreis an die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) vergeben.

„Die Menschen sind zu Recht besorgt, weil die Welt gefährlicher geworden ist. Es macht ihnen Angst, dass sie mit Atomwaffen verteidigt werden sollen“, sagte die Komiteesprecherin Berit Reiss-Andersen bei der Bekanntgabe der Entscheidung in der norwegischen Hauptstadt. Die in Genf mit ganzen vier hauptamtlichen Mitarbeitern ansässige Organisation Ican, ein Dachverband für mehr als 450 gegen Atomwaffen aktive Organisationen in mehr als hundert Ländern, habe die „katastrophalen humanitären Konsequenzen der Anwendung von Nuklearwaffen“ klargemacht und herausragend für ein weltweit geltendes Verbot von Atomwaffen geworben. Read the rest of this entry »

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07. Oktober 2016

Prinzip „Ermutigung“

 Von Thomas Borchert

Das norwegische Nobel-Institut in Oslo.  Foto: imago

Das Nobelpreiskomitee bleibt seinen Gewohnheiten treu: Freudig überraschen, Kritik abbürsten

Die Vorliebe der Osloer Nobeljuroren für Überraschungen hat krachende Kritik an Preisvergaben der letzten Jahre und hässlichen internen Streit unbeschadet überstanden.

Dass der Friedensnobelpreis kurz nach dem Nein der Kolumbianer beim Referendum über das Abkommen zur Beendigung des Bürgerkrieges in dieses Land gehen würde, galt als unwahrscheinlich: Der prestigeträchtigste Preis der Welt gegen einen gerade erst erklärten Volkswillen? Schwer vorstellbar. Aber dann erklärte Komiteechefin Kaci Kullmann Five verblüfften Journalisten, die Südamerikaner hätten „ja nicht gegen den Frieden gestimmt, sondern nur gegen ein bestimmtes Abkommen“.

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