Friedensnobelpreis für den Kampf gegen sexuelle Gewalt im Krieg

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Zwei Stimmen gegen sexuelle Kriegsgewalt

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an Nadia Murad und Denis Mukwege rückt ein Opfer und einen Arzt in den Fokus.

06.10.2018

Nobelpreis
Berit Reiss-Andersen, norwegische Komiteevorsitzende: „Der diesjährige Friedensnobelpreis ist fest verankert in den Kriterien aus Alfred Nobels Testament.“ Foto: afp

Sexuelle Gewalt gegen Frauen „als Waffe im Krieg und bei bewaffneten Konflikten“ ist genauso gefährlich für den Frieden wie Bomben und muss von der Weltgemeinschaft auch deshalb geächtet werden. Mit dieser Botschaft hat das Osloer Nobelkomitee die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an den kongolesischen Arzt Denis Mukwege und die jesidischen Irakerin Nadia Murad begründet.

Mukwege wird als behandelnder Arzt und Murad als überlebendes Opfer ausgezeichnet, die beide ihre Stimme gegen die Urheber sexueller Kriegsgewalt und gegen die Passivität von Regierungen erhoben haben. „Der diesjährige Friedensnobelpreis ist fest verankert in den Kriterien aus Alfred Nobels Testament“, sagte die norwegische Komiteevorsitzende Berit Reiss-Andersen bei der Bekanntgabe der Entscheidung im Osloer Nobelinstitut.

Der Preisstifter und Sprengstofffabrikant Nobel hatte in seinem 1885 verfassten letzten Willen bestimmt, dass der Friedensnobelpreis dem- oder derjenigen zukommen soll, der im jeweils abgelaufenen Jahr „am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen“.

Dass die fünfköpfige norwegische Jury in den vergangenen Jahren immer wieder Menschenrechtler wie etwa 2014 den Inder Kailash Satyarthi und die junge Pakistanerin Malala Yousafzai (für ihren Kampf für das Bildungsrecht für alle Kinder) ausgezeichnet haben, sehen manche Kritiker als „Verfälschung“ des Stifterwillens. Andere verteidigen solche Vergaben als Ausdruck eines intelligenten und modernen Friedensbegriffes.

Mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die systematische und strategische Anwendung sexueller Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe stellte sich das Komitee schon vorab auf diese Debatte ein: Es verweist auf sexuelle Gewalt gegen Frauen in Kriegen und anderen bewaffneten Konflikten nicht nur als Verletzung individueller Menschenrechte, sondern auch auf deren ausdrücklicher Definition als Kriegsverbrechen unter anderem durch den UN-Sicherheitsrat (2008).

Mukwege gehörte seit mehreren Jahren zum engsten Favoritenkreis für den Friedensnobelpreis. Die 25- jährige Murad ist zweitjüngste Trägerin des wohl prestigeträchtigsten Preises der Welt nach Malala Yousafzai, die ihn mit 17 bekommen hatte. Unter den 104 individuellen Preisträgern seit 1901 ist Nadia Murad die 17. Frau.

Reiss-Andersen reagierte zurückhaltend auf die zu erwartenden Journalisten-Frage, ob der Preis als Einschwenken des Komitees auf den globalen Siegeszug der #MeToo-Bewegung seit genau einem Jahr zu verstehen sei: „MeToo und sexuelle Gewalt als Kriegsverbrechen sind nicht ganz dasselbe. Gemeinsam ist ihnen aber, dass es wichtig ist, das Leiden und den Missbrauch von Frauen zu sehen. Wichtig ist auch, dass Frauen ihre Scham ablegen und stattdessen die Stimme erheben.“ Der Preis solle dazu beitragen, dass „wir handeln und auch für die Bestrafung der Täter sorgen“.

Mukwege und Murad teilen sich die Dotierung von neun Millionen schwedischen Kronen (870.000 Euro) und erhalten den Friedensnobelpreis am 10. Dezember, Nobels Todestag, im Osloer Rathaus. Im vorigen Jahr wurde die Auszeichnung der kleine Organisation Ican (Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung) zuerkannt. 2018 waren 216 Einzelpersonen und 115 Organisationen nominiert. Das ist die bislang zweithöchste Zahl von Vorschlägen nach dem Rekord von 376 Vorschlägen im Jahr 2016.

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