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Friedensnobelpreis für Verteidiger der Meinungsfreiheiheit

08.10.20211
Pressefreiheit
Friedensnobelpreis: Mit Fakten gegen Diktatoren
- Von Thomas Borchert
Dmitri Muratow und Maria Ressa erhalten den Friedensnobelpreis. Den Zusammenhang zwischen Journalismus und Frieden erklärt das Komitee anhand eines historischen Beispiels.
Die erste Frage nach der Verkündung des Friedensnobelpreises an die Journalistin Maria Ressa von den Philippinen und ihren russischen Kollegen Dmitri Muratow für die „mutige Verteidigung der Meinungsfreiheit“ war klar: Was hat der Einsatz für die Meinungs- und Pressefreiheit mit der Verhinderung von Krieg auf der Welt zu tun? „Es sind demokratische Gesellschaften mit Meinungsfreiheit, die den Frieden verteidigen“, antwortete die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees Berit Reiss-Andersen. Sie hob das furchtlose journalistische Standhalten Ressas gegen direkte, gegen sie persönlich gerichtete Morddrohungen des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte heraus. Der sein Land extrem brutal regierende Diktator hat Ressa vor laufender Kamera mit Mord durch ihn persönlich gedroht.
In der Preisbegründung hieß es, dass der zweite Preisträger Muratow 24 Jahre als Chefredakteur der unabhängigen russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ durchgehalten habe, auch nachdem sechs seiner Mitarbeiter:innen ermordet worden waren. Zu den Opfern von Auftragskillern gehörte 2006 die Redakteurin Anna Politkowskaja nach ihren Enthüllungen über den Krieg in Tschetschenien.
Human und pfiffig: Finnland organisiert Distanz-Unterricht für Kinder im syrischen Al-Hol-Lager
Syrien

Das pfiffige Finnland
- Von Thomas Borchert, 4. oktober 2021
Fernunterricht für IS-Kinder dank geschmuggelter Smartphones
Finnlands Außenministerium und das „Amt für lebenslanges Lernen“ haben Handys in das berüchtigte nordsyrische Lager Al-Hol schmuggeln lassen, um die Kinder früherer IS-Kämpferinnen mit finnischem Pass per Fernunterricht auf die Rückkehr vorzubereiten. Von Mai letzten Jahres bis diesen März, so berichtete die Lehrerin Ilona Taimela jetzt im Rundfunksender SR, habe sie zusammen mit einem Kollegen montags bis mittwochs 23 Kinder in der finnischen Sprache, Geografie sowie Mathematik unterrichtet. Die meisten von ihnen sind inzwischen mit ihren Müttern in das nordeuropäische Land zurückgekehrt, auf verschiedene Kommunen verteilt und laut Taimela gut integriert.
Die Aktion wurde in Finnland, vor allem aber auch in dem immer wieder als „Hölle“ bezeichneten Lager unter kurdischer Verwaltung streng geheim gehalten, wo Handys verboten sind. „Dass Kinder in Finnland durch Corona zu Distanzunterricht gezwungen wurden, hat uns auf dieselbe Idee für Al-Hol gebracht“, sagte Jussi Tanner der Zeitung „Helsingin Sanomat“. Er ist Sonderbeauftragter der Regierung seit 2019, als sich die Regierung der Sozialdemokratin Sanna Marin früh und eindeutig für die Heimholung aller Kinder der frühere IS-Dschihadisten entschied. Im vergangenen Dezember organisierten Finnland und Deutschland gemeinsam eine Rückholaktion für 18 Kinder und deren fünf Mütter.
Märchen im Lager Al-Hol
In anderen Ländern, etwa bei den skandinavischen Nachbarn in Schweden und Dänemark, setzten Regierungen dagegen alles daran, möglichst überhaupt keine Mütter mit Kindern nach Hause zu holen. So erklärte Dänemarks ebenfalls sozialdemokratische Regierungschefin Mette Frederiksen (43), die Eltern seien für das Schicksal ihrer Kinder verantwortlich und hätten ihrem Land nun mal „den Rücken zugekehrt“.
Finnlands Behörden dagegen fühlen sich weiter uneingeschränkt verantwortlich. „Jedes Kind hat ein verfassungsmäßiges Recht auf Bildung“, sagt Taimela. Wichtig sei vor allem die Verbesserung der Sprachkenntnisse gewesen. Dafür bekamen die Kinder am Telefon auch Märchen in Finnisch vorgelesen und die Geografie des Landes mit den unendlich vielen Seen erklärt. Wegen der schlechten und oft unterbrochenen Verbindung sei kein Videounterricht möglich gewesen. „Die Kinder haben ihre Antworten auf unsere Fragen dann irgendwann später als Text- oder Audiodatei zu uns geschickt“, erzählt die Lehrerin. Sie hätten so ihre Fortschritte beim Aussprechen finnischer Wörter übermittelt. Die Mütter konnten die Handys in aller Heimlichkeit auch für kinderärztliche Ratschläge aus Helsinki nutzen.
Gut zwei Drittel der Frauen und ihre Kinder sind inzwischen aus Al-Hol zurückgeholt. Die telefonische Verbindung mit dem Rest ist seit dem Frühjahr komplett abgebrochen, wobei die Gründe für die finnischen Behörden unklar sind. Als wahrscheinlich gilt die Verteilung auf andere Lager. Finnlands Regierung will weiter alles daran setzen, die zehn noch in Syrien verbliebenen Kinder heimzuholen.
Alternative Nobelpreise 2021: Mut zu Mobilisierung

Kommentar:
Alternativer Nobelpreis
Die Botschaft des Preises
- Von Thomas Borchert
Ohne Aktivitäten aus der Zivilgesellschaft ist der Kampf ums Klima genauso wenig zu gewinnen wie der um soziale Gerechtigkeit und Frieden, lautet die Botschaft der Alternativen Nobelpreise. Ein Kommentar.
Wenn der eitle Disput um den Vizekanzler-Titel dem Spitzenpersonal bei den Grünen in Berlin doch noch ein bisschen Luft lässt, sollte der Blick Richtung Norden gehen. Die Alternativen Nobelpreise aus Stockholm sind wie immer durch und durch grün geprägt. Stärker als in der Vergangenheit hat die Jury jetzt eine Gemeinsamkeit der vier Ausgezeichneten ins Zentrum gestellt: Dass sie ausdauernd, beharrlich und erfolgreich immer auch die Mobilisierung von „unten“ ins Zentrum gestellt haben.
Sie ist der Aktivistin Wandou in Kamerun gegen die mörderischen Boko-Haram-Terroristen genauso gelungen wie in Russland dem Umweltschützer Sliwjak gegen einen autoritären Staat und mächtige Industrieinteressen. Ohne immer wieder neu zu stimulierende Aktivitäten direkt aus der Zivilgesellschaft ist der Kampf ums Klima genauso wenig zu gewinnen wie der um soziale Gerechtigkeit und Frieden, lautet die Botschaft der Alternativen Nobelpreise. Perfekt im Timing auch ein paar Tage nach der Bundestagswahl und ein paar Wochen vor der Klimakonferenz in Glasgow.
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Bericht:
Alternativer Nobelpreis 2021: Ehrung für Mut und Visionen
- Von Thomas Borchert
Aktive aus Kamerun, Indien, Kanada und Russland erhalten den Alternativen Nobelpreis 2021. Die Jury sendet damit politische Mahnungen an die Mächtigen der Welt.
Eine Ehrung für unerschrockene persönliche Initiative, Geschicklichkeit, Ausdauer und erfolgreichen Zusammenhalt: Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr an zwei Aktivistinnen aus Kamerun und Kanada, einen russischen Umweltschützer und an eine indische Basis-Initiative.
„Wir heben damit den Mut von Menschen heraus, der unerlässlich ist für die Durchsetzung von Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, sagte der Direktor der Stiftung Right Livelihood, Ole von Uexküll, bei der Bekanntgabe der Geehrten in Stockholm. Sie hätten durch „visionären Mut“ gezeigt, wie man andere Menschen aktiv mobilisiert, und mit ihren Erfolgen gezeigt, „was eine Zivilgesellschaft alles erreichen kann“.
Wieder für die Frankfurter Rundfunk schreiben:

30. September 2021
Thomas Borchert / Facebook:
Ich schreib wieder für die Frankfurter Rundschau über Dänemark und die anderen Länder des Nordens. Weil ich das Korrespondenten-Handwerk weiter relevant finde und gerne mit diesem Handwerk arbeite. Die FR als Zeitung mag ich auch. Der Streit mit dem Chefredakteur und Türknallen meinerseits vor einem halben Jahr (ging um Israel-Kritik von mir) ist „überbrückt“. So hats FR-Chefredakteur Thomas Kaspar getwittert.








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