Jackie besucht täglich ihren Vater in der „Heilanstalt“. Sie erlebt Liebe als den „wirklichen Wahnsinn“. Mit „Das große Herz“ hat die Schwedin Sara Stridsberg einen Roman über die Grenzen zwischen normal und verrückt geschrieben: Sie fließen immer.
Ein „Schloss am Grund der Welt, das eigentlich ein Gefängnis ist“ nennt Sara Stridsberg den Schauplatz ihres neuen Romans „Das große Herz“. Die Heilanstalt Beckomberga ist für die hier Gelandeten Abstellgleis und meistens Endstation, aber auch der dringlichst benötigte Ort zum Austoben.
Demonstration gegen Rüstung und die Sicherheitskonferenz in München. Foto: dpa
In den Staaten in Asien und Nahost hat sich die Aufrüstung um beinahe 86 Prozent gesteigert. Williger Rüstungslieferant ist nach wie vor Deutschland.
Die mit dem Namen Donald Trump verbundene weltweite Verunsicherung breitet sich auf dem Hintergrund massiver Aufrüstung in den gefährlichsten Konfliktzonen aus. Allein die Staaten in Nahost einschließlich der Türkei haben ihre Rüstungsimporte in den letzten fünf Jahren mit einer Steigerung um 86 Prozent fast verdoppelt. Nach einem weltweiten Zuwachs um 8,4 Prozent steht der Rüstungshandel auf dem höchsten Pegel seit Ende des Kalten Krieges.
Polizisten suchen einen der Tatorte in Malmös Rosengård-Viertel ab. Foto: rtr
Eine unaufgeklärte Mordserie wirft in Schwedens Großstadt mit dem höchsten Migrantenanteil brisante Fragen auf.
Zwölf Morde in den vergangenen zwölf Monaten, kein einziger aufgeklärt. Fast wie bestellt vor der „Solidaritäts“-Visite des Innenministers kam dann der dreizehnte Tote: Kopfschüsse auf dem belebtesten Marktplatz von Malmö vor vielen Augenzeugen; auch Tage später kann die Polizei keine Fahndungserfolge vorweisen. Das Gefühl grundlegender Sicherheit und das Vertrauen in staatliche Garantien wird bei den 320 000 Bürgern in Schwedens drittgrößter Stadt gerade auf eine extrem harte Probe gestellt.
Mette Frederiksen, Chefin der Sozialdemokraten, preist die „vertrauensvolle Kooperation“ mit den Rechtspopulisten. Foto: rtr
Die dänischen Sozialdemokraten reden der rechten Konkurrenz nach dem Mund. Die rechtspopulistische Volkspartei diktiert die Ausländerpolitik.
Wenn der sozialdemokratische Fraktionschef Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika vorschlägt, steht einer Regierungszusammenarbeit mit den Rechtspopulisten wohl bald nichts mehr im Wege. Die klatschen Beifall und sind entzückt von der Aussicht auf einen Paarlauf: Was man zusammen nicht alles erreichen könnte gegen die islamische Zuwanderungsflut! Dass die Parteispitze der Sozialdemokraten die „hart arbeitenden Menschen“ umwirbt, fügt sich harmonisch ein.
Die Titelseite von “Politiken” mit dem von Abschiebung bedrohten Somalier Noor Mohammad Abdi. Ich (Th.B.) kenne ihn gut und hab diese Titelseite als Schock in der Trump-Klasse erlebt.
Dänemark will somalische Flüchtlinge abschieben – ein Schock, auch für unseren Autor Thomas Borchert.
In Dänemark sollen somalische Flüchtlinge keine Zuflucht mehr finden. Die Regierung bereitet ihre Abschiebung vor, obwohl das UN-Flüchtlingshilfswerk, EU-Instanzen und die Nachbarn Schweden sowie Deutschland das Land als hochgefährlich für Heimkehrer einstufen. Bei seiner entgegengesetzten Einschätzung stützt sich Kopenhagen vor allem auf den Bericht einer „Factfinding“-Kommission vor Ort. Die Kommission durfte Ende 2015 allerdings aus Sicherheitsgründen nur einen einzigen Tag in der Hauptstadt Mogadischu bleiben und dort den Flugplatz nicht verlassen. Der nächste Anlauf ein Jahr später brachte die Dänen nur bis Nairobi in Kenia, weil Mogadischu jetzt auch einschließlich Flugplatz als zu gefährlich galt.
“Ein wenig Leben”: Yanagiharas wilde Achterbahnfahrt
31.01.2017
Die US-amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara. Foto: Emilio Naranjo Emilio Naranjo
Kann bedingungslose Freundschaft eine Kindheit voll extremer Gewalt heilen? Hanya Yanagihara schildert haarklein die Leiden des jungen Jude. Und preist den lebenslangen Bund mit Willem, JB und Malcolm. Das Mammutwerk startet stark und endet als unglaubwürdiger Konzeptroman.
Von Thomas Borchert, dpa
Berlin (dpa) – Der bescheiden daherkommende Titel “Ein wenig Leben” ist schon wegen der fast 1000 Seiten irreführend.
Vor allem aber hat Hanya Yanagihara in ihren Roman über vier New Yorker Freunde vom College bis zum Alter so viel Schrecken und schrecklich Schönes gepackt, dass Leser sich wappnen sollten: Hier beginnt mit der ersten Seite eine rekordverdächtige Achterbahnfahrt nur für starke Nerven.
In Helsinki wird er schon „Mini-Trump“ genannt: Regierungschef Sipilä soll sein Amt für die Geschäftsinteressen der eigenen Familie ausnutzen.
Der finnische Ministerpräsident Juha Sipilä ist wegen dubioser Verquickung von Amt und familiären Geschäftsinteressen erneut in die Schlagzeilen geraten – zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit. Genau wie Donald Trump hatte der 55-jährige Quereinsteiger in die Politik bei seinem Antritt 2015 verkündet, er habe alle Anteile an eigenen Unternehmen verkauft und stufte sich selbst als so klar und sauber ein wie die finnische Waldluft nach dem Saunagang.
Etwa 90 Wölfe leben in Norwegen. Foto: imago/Nature Picture Library
Norweger streiten erbittert über die Jagdquote für Wölfe. Gegner des Raubtiers fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder, ihrer Hunde und ihrer Schafe. Der konservative Umweltminister fährt einen Zickzackkurs.
Von weit her angereiste Norweger verlangen vor dem Parlament ein „Land ohne Wölfe“ und ihr „Recht auf Leben“. Osloer Medien berichten breit vom „Wolfsgipfel“ der Parteien, und der Umweltminister verbeugt sich im Fernsehen vor dem Volkszorn. „Ich habe volles Verständnis für die Furcht der Menschen. Nun müssen wir untersuchen, ob die Wölfe eventuell doch potenziell gefährlicher geworden sind,“ sagte Vidar Helgesen. Damit nahm er im bitteren Streit über den kleinen Bestand von Tieren im Südosten Norwegens schon mal Maß für einen Purzelbaum.
Stockholm fürchtet Moskaus Einmischung in interne Angelegenheiten.
Rüstet euch für den Kriegsfall“, schrieb Schwedens Zivilschutzbehörde MSB kurz vor Weihnachten an alle Gemeinden. Man möge für mehr Schutzräume sorgen und auf keinen Fall Einsatzzentralen in Berghöhlen oder Ähnliches stilllegen. Eine neue Sicherheitsstrategie wegen der Angst vor russischem Hegemoniestreben im Ostseeraum hat Ministerpräsident Stefan Löfven am Wochenende angekündigt: „Schweden verstärkt jetzt sein Militär nach vielen Jahren in die andere Richtung.“
Wannseekonferenz: Wie der Massenmord an Juden zum Holocaust wurde
Von Thomas Borchert
Vor 75 Jahren verhandelten Nazi-Bürokraten am Wannsee über den Holocaust. Für den Historiker Peter Longerich ist die Konferenz nicht der Beginn, weil der Massenmord an Juden längst im Gang war.
Das Haus der Wannseekonferenz.Foto: dpa
Die Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 gilt gemeinhin als der große Ausgangspunkt für den industriellen Massenmord an Europas Juden. „Im Zuge dieser Endlösung kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht“, vermerkt lapidar das Protokoll des Treffens von 15 hochrangigen Bürokraten in Zivil und Uniform im SS-Gästehaus im Süden Berlins. „Im Anschluss an die Besprechung war ein Frühstück vorgesehen“, berichtet der Historiker Peter Longerich in seinem neuen Buch zu der Konferenz, die wohl nicht länger als anderthalb Stunden dauerte.