Uncategorized

Die Populisten-Herrschaft über Dänemark wackelt – wenigstens ein bisschen

Posted on Updated on

Der dänische Regierungschef kündigt nach Jahren die Kooperation mit den Rechten auf, aber den Diskurs in dem Land haben sie längst nachhaltig vergiftet. Eine Analyse von Thomas Borchert.

11. Januar 2018

Dänemark
Dänemarks Rechte übertrumpfen sich immer wieder selbst mit dem Wunsch nach Härte gegen Migranten. Foto: AFP

Aus Kopenhagen kommen kurz nach der Jahreswende überraschende Nachrichten für alle Freunde des weltoffenen, freundlichen Dänemark, die schwer fassen können, dass dieses Land mit Ungarn, Polen und neuerdings Österreich um die hässlichste Zuwanderungspolitik in Europa konkurriert: Regierungschef Lars Løkke Rasmussen hat die bisherige Geschäftsgrundlage mit seinen Mehrheitsbeschaffern von der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF) aufgekündigt. Erst mal jedenfalls. Read the rest of this entry »

Norwegen: Verfassungsklage gegen Ölbohrung in der Arktis abgeschmettert

Posted on

Screenshot 2017-11-30 13.31.43.png

Klage von Greenpeace: Profit vor Umweltschutz

Ein Gericht in Norwegen weist eine Klage von Greenpeace gegen Ölbohrungen in der Arktis ab. Greenpeace wertet als Erfolg der Klage die enorme öffentliche Aufmerksamkeit um die Bohrungen.

Greenpeace-Aktivisten protestieren vor Bohrplattform
Greenpeace-Protest vor der Küste Norwegens. Foto: Will Rose (Greenpeace)

Wirtschaftsinteressen sind die klaren Sieger beim ersten Gerichtsstreit um das neue Grundrecht auf eine saubere Umwelt in Norwegens Verfassung: Ein Osloer Gericht hat diese Woche grünes Licht für neue Ölbohrungen in der ökologisch hochsensiblen Arktis gegeben. Es wies die Klage von Greenpeace und zwei anderen Organisationen ab, hinter der knapp eine halbe Million Norweger, zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, mit ihrer Unterschrift stehen. Read the rest of this entry »

Schwedin erklärt #metoo beim Job: “Die unten in der Hierarchie triffts am schlimmsten.”

Posted on Updated on

Screenshot 2017-11-30 13.31.43.png

#metoo „Unglaubliche Loyalität unter den Frauen“

Die schwedische Aktivistin Elin Ahldén spricht im Interview über die Auswirkungen von #metoo und was noch passieren muss.

Vor 1 Stunde

Protestmarsch
Protestmarsch gegen Gewalt an Frauen in Los Angeles. Foto: afp

Die Schwedin Elin Ahldén arbeitet in der Stockholmer PR-Agentur Lennox. Sie hat eine geschlossene Facebook-Gruppe gegen sexuelle Diskriminierung und Gewalt in ihrer Branche mit jetzt mehr als 6000 Kolleginnen gestartet. Im FR-Interview erzählt sie von den Erfahrungen der „Me too“-Frauen im eigenen Land, die ihre Forderungen auf den Job konzentrieren.

Ist die gewaltige Ausbreitung von #metoo auf praktisch alle Arbeitsplätze in Schweden und auch in der PR-Branche eine Überraschung?
Ja, aber noch viel überraschender sind die enorm positiven individuellen Reaktionen. Die PR-Frauen bei uns, auch die von der Werbung, arbeiten in einer sehr harten Branche voll ausgefahrener Ellbogen. Es hat sich eine Wärme ausgebreitet, die ich nicht erwartet hatte, als die „Me too“-Lawine durch ganz Schweden rollte. In unserer Branche begegnen wir uns von Agentur zu Agentur selten auf kollegiale Weise. Des einen Brot ist des andern Tod. Jetzt habe ich Frauen von den härtesten und auch mächtigsten PR-Agenturen getroffen, die mich freundlich anlächelten: „Ah, du bist das von unserem #metoo-Aufruf.“ Das ist schön und fast schockierend.

Wie sehen Sie die schnellen und durchweg positiven Reaktionen auf Ihre Aufrufe bis in die Regierung und bei praktisch allen Arbeitgebern?
Politiker und Arbeitgeber haben der Stimmung entsprechend reagiert. Aber von Letzteren haben es noch nicht alle ganz verstanden. Die Arbeitgeber sagen: Wir betrachten sexuelle Belästigung und Nötigung bei uns als inakzeptabel. Da antworte ich: Toll! Dafür bekommt ihr keinen Preis, das steht im Gesetz. Wo bleiben eure Analysen, warum Diskriminierung gesetzeswidrig ist, aber weiter sexualisiert und auch sonst weiterlebt? Was wird jetzt zusätzlich getan? Es gibt die grundlegende Geschäftslogik mit vielen Stufen runter in der Hierarchie bis zu denen, die gar keinen Lohn und keine Jobsicherheit haben. Und ziemlich vielen oben an der Spitze mit sehr hohem Lohn und reichlich Jobsicherheit. Die oben sind im allgemeinen Männer und die ganz unten im allgemeinen Frauen. Solange das so ist, spielt es keine Rolle, wie viele schöne Gleichberechtigungspapiere du abfasst.

#metoo in Schweden: Der Aufstand der Frauen am Arbeitsplatz

Posted on Updated on

Screenshot 2017-11-30 13.31.43.png

Sexueller Missbrauch Die #Metoo-Lawine rollt durch ganz Schweden

Hunderttausende Frauen wehren sich gegen sexualisierte Macht und Gewalt am Arbeitsplatz. Je unsicherer die Beschäftigungsverhältnisse, desto weniger gelten Regeln gegen Diskriminierung.

Vor 1 Stunde

 

#metoo
Weltweit demonstrieren viele Frauen gegen sexualisierte Gewalt, auch am Arbeitsplatz. Foto: rtr

Für mich ist klar, dass es ein Schweden vor #metoo und ein anderes danach gibt“, sagt Gewerkschaftschefin Anna Troberg in Stockholm. Die Frauen hier haben das ganze Land und sich selbst nicht nur durch die Orkanstärke ihres Aufstandes überrascht, sondern auch mit der Kampfzone: Es geht um den Job. Aufrufe gegen sexualisierte Macht und Gewalt bei der Arbeit sind von mehr als Hunderttausend Schwedinnen unterschrieben worden, gefüllt mit Tausenden Alltagsberichten über das Gebaren von (immer anonymisierten) Chefs und Kollegen. Praktisch ein komplettes Branchenregister liefert die Liste der Aufrufe. Den Anfang machten, wie anderswo auch, Schauspielerinnen, gefolgt von Kellnerinnen und Bauarbeiterinnen, Lehrerinnen, Krankenschwesterinnen, Ärztinnen etc., bis hin zu Mitarbeiterinnen von Kirchen und Gewerkschaften. Read the rest of this entry »

Militarisierung der Politik

Posted on

Screenshot 2017-11-30 13.31.43.png

Rüstungskonzerne verdienen prächtig

Eine neue Erhebung der Stockholmer Friedensforscher zeigt, wie Unternehmen von der Militarisierung der Politik profitieren.

10.12.2017 21:37 Uhr

Rüstung
Ein Bundeswehr-Aufklärungsflugzeug vom Typ Tornado rollt auf der Startbahn des Fliegerhorsts Büchel (Kreis Cochem-Zell) in der Eifel. (Archivbild) Foto: Harald Tittel (dpa)

Kaum hat die Antiatomwaffenkampagne Ican den Friedensnobelpreis in Empfang genommen, belegen frische Zahlen, dass das weltweite Waffengeschäft blüht und gedeiht. Die großen Rüstungskonzerne wachsen dank zunehmender Militarisierung der Politik immer weiter, und deutsche Unternehmen haben die Nase mit vorn, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri ermittelt hat: Die Waffenverkäufe der 100 Branchenführer sind 2016 nach einer Delle in den vergangenen fünf Jahren um 1,9 Prozent gegenüber 2015 auf 374,8 Milliarden Dollar (318,4 Milliarden Euro) gestiegen. Seit 2002 macht das unter dem Strich ein Plus von 38 Prozent.

Interview zur #metoo-Revolution in Schweden

Posted on Updated on

Bildschirmfoto 2017-12-08 um 19.47.17.png
 krautreporter.de:
Bildschirmfoto 2017-12-08 um 20.07.37


Warum hat #metoo ausgerechnet in Schweden so gezündet, wo doch die Frauen eigentlich schon viel mehr erreicht haben als fast überall sonst auf der Welt?

Mich hat das auch überrascht. Aber auch das schwedische Rechtswesen beschützt ja nicht ausreichend gegen sexuelle Übergriffe. Wir haben hier im Alltag genau wie Frauen überall unsere individuellen Strategien, um zurechtzukommen. Man sagt sich gegenseitig, setz dich bloß nicht neben den und den beim Betriebsfest. Pass auf, dass du nicht mit dem und dem spät abends irgendwo allein bist. Du weißt, wie man jemandem abwehrend die Hand gibt, der einen Ruf als Grapscher hat. Read the rest of this entry »

Die Nobelpreise sind ein Schmuddelgeschäft

Posted on

Screenshot 2017-11-30 13.31.43.png

Außen hui, innen pfui

Es ist, als blicke man in einem Edelrestaurant plötzlich in die schmuddelige Küche: Der Nobelpreis, der am Sonntag wieder verliehen wird, steht für Pracht, Pomp und Prestige. Hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus.

Bankett
Den großen Auftritt haben sie drauf: 2014 werden die Desserts beim Bankett in akkurater Choreographie serviert. Foto: rtr

Das Menü beim Festbankett verkündet die Nobelstiftung genauso stolz wie die Sitzordnung und Designer, Stoffart samt der Beschmückung von Königin Silvias Abendrobe. Jedes Jahr am 10. Dezember prägen Pomp und Pracht die Verleihung der Mutter aller Auszeichnungen. Wer würde sich nicht gerne Nobelpreisträger nennen? Am Sonntag wieder mal ohne die Endung „-in“. In Stockholm nehmen acht befrackte, weil durchweg männliche Nobelpreisträger ihr Diplom mit Diener vor König Carl XVI. Gustaf in Empfang. Hinter dieser Festkulisse stecken die Juroren knietief in weniger präsentablen Skandalen: Sexismus-Anklagen im engsten Umfeld, bei trüben Aktiengeschäften erwischt, auf einen Scharlatan hereingefallen und auch noch als kommerzwütige Baulöwen verschrien. Deshalb jetzt statt allen Details zum Elchfilet und den Kronjuwelen an Tisch eins mal ein Blick in die Kochtöpfe. Read the rest of this entry »

Nobelkomitee schmettert Rechtspopulisten ab

Posted on Updated on

Screenshot 2017-11-30 13.31.43.png

Nobelpreis:

Krieg bei den Friedensjuroren

Oslo streitet vor der Verleihung der diesjährigen Auszeichnung erbittert über das Nobelkomitee.

Norwegen
Hagen 2015 auf dem Weg zur Preisverleihung in Oslo. Foto: afp

So giftige parteipolitische Töne hat man von den Hütern des Friedensnobelpreises lange nicht gehört. „Blockiert ihr unseren Rechtspopulisten, werfen wir euren Sozialdemokraten raus.“ Vor der Verleihung der diesjährigen Auszeichnung an die Anti-Atomwaffenkampagne ICAN am Sonntag in Oslo sagt das so direkt zwar keiner. Stattdessen sprechen Taten: Um den Einzug des kontroversen Rechtspopulisten Carl I. Hagen in das Nobelkomitee zu verhindern, hat eine Parlamentsmehrheit gegen die Mitterechtsregierung vage Regeln verbindlich festgezurrt, und das auch noch im Eilverfahren: Mitglieder und Ersatzmitglieder im Osloer „Storting“ sind ab sofort vom Einzug in die fünfköpfige Jury mit der Entscheidung über den wohl prestigeträchtigsten Preis der Welt ausgeschlossen. Um die politische Unabhängigkeit zu sichern, hieß es.

„Alles vorgeschoben. Das ist gegen mich persönlich gerichtet“, ereiferte sich der Ex-Parteichef mit hochrotem Kopf in den Wandelgängen des Parlaments. Niemand konnte dem Ersatzmitglied im Parlament überzeugend widersprechen. Auch mit 73 kämpft Hagen um möglichst ununterbrochene öffentliche Aufmerksamkeit. In der eigenen Fortschrittspartei, von ihm ab 1978 als „Steuerrebell“ über drei Jahrzehnte geführt, ist er längst abgehalftert und mit seiner Nachfolgerin Siv Jensen, als Finanzministerin schon im fünften Regierungsjahr, so über Kreuz wie das Duo Seehofer&Söder. Read the rest of this entry »

„Isländische Macron“: Katrín Jakobsdóttir von ganz links koaliert mit ganz rechts

Posted on Updated on

Screenshot 2017-11-30 13.31.43.png

Politiklabor Island

Neue Regierungschefin von ganz Links koaliert mit ganz Rechts.

3. Dezember 2017

Jakobsdóttir
Jakobsdóttir (Mitte) kooperiert mit Benediktsson (links) und Johannsson – was vielen Linken nicht gefällt. Foto: afp

Isländische Macron“ als Etikett für die neue Regierungschefin in Reykjavik klingt erst mal gut. Zur Kabinettspremiere am Freitag hat Katrín Jakobsdóttir von den Links-Grünen auf der Atlantikinsel mit 350 000 Bürgern nicht ganz das politische Gewicht des Pariser Hoffnungsträgers für Verzagte in ganz Europa mitbringen können. Dafür teilt die 41-Jährige neben Jugendflair, Ehrgeiz und auch zierlichem Wuchs mit dem Franzosen überragende Popularität beim Amtsantritt dank eines etwas anderen Charisma.

Den Wählern gefällt an der bescheiden, nie laut und doch entschieden auftretenden Co-Autorin eines Buches über „nachhaltige Kinderererziehung“ vor allem auch der Kontrast zum männlichen Politikertyp „kühner Wikinger“. Der hat die Insel mit viel Testosteron und noch mehr neoliberalem Größenwahn vor einem Jahrzehnt in den faktischen Staatsbankrott getrieben.

Read the rest of this entry »

Wie auch eine US-Professorin in Dänemark ganz schnell “illegal” wird

Posted on Updated on

Screenshot 2017-11-30 13.31.43.png

Kafkaeske Auswirkungen des Ausländerrechts

30.11. 2017

Parlament
Nach der Einladung des Steuerausschusses im Kopenhagener Folketing klingelte plötzlich die Polizei bei Brooke Harrington. Foto: istock

Als internationale akademische Kapazität für Steuerrecht nach Dänemark geholt, vom Steuerausschuss im dortigen Parlament zum Expertenvortrag gebeten und dafür nun von der Ausweisung als Kriminelle bedroht: Die US-Wissenschaftlerin Brooke Harrington erlebt nach acht Jahren an der Kopenhagener Wirtschaftsuni CBS (Copenhagen Business School) kafkaeske Auswirkungen des dänischen Ausländerrechts mit entsprechenden Folgen auch für die Psyche. Read the rest of this entry »