Köln (dpa) – Anpassung, den Verrat von Idealen und mitunter Menschen aus Feigheit oder für einen persönlichen Vorteil kennt jeder, und auch Selbstverachtung im Gefolge ist vielen nur zu gut geläufig.
Es macht natürlich einen Unterschied, ob ein glattes Image, die Festanstellung oder vielleicht viel mehr auf dem Spiel steht. Wenn der Komponist Dmitri Schostakowitsch in Julian Barnes’ neuem Roman “Der Lärm der Zeit” Nacht für Nacht fix und fertig angezogen, mit gepacktem Koffer schon vor der Wohnungstür darauf wartet, von Stalins Häschern abgeholt zu werden, geht es um den ultimativen Einsatz. Die Oper “Lady Macbeth von Mzensk” hat dem Tyrannen bei einer Aufführung 1936 missfallen, damals fast ein Todesurteil. Barnes notiert über seine Hauptperson: “Freunden hatte er erzählt, wenn er sich je von Lady Macbeth lossagen würde, dann sollten sie daraus schließen, dass ihm die Ehrlichkeit abhanden gekommen war.” Die Häscher bleiben diesmal aus.







