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Schulreform in Finnland

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06. Dezember 2016

Phänomene statt Fakten

 Von Thomas Borchert

Wie teuer ist die Schmusekatze? Finnische Schüler berechneten im Projektunterricht die Kosten für die Haustierhaltung.  Foto: dpa

Finnlands Schulen setzen auf fächerübergreifenden Projektunterricht. Die einstigen Vorreiter bei der Pisa-Studie drohen im Ländervergleich abzurutschen.

 

Die Fünftklässler an der Hiidenkivi-Gesamtschule in Helsinki haben zehn Wochen Projektunterricht über „Verbraucherfertigkeiten“ hinter sich –von den 27 Schülern in der Altersgruppe knapp über zehn Jahren als Thema selbst gewählt. Dreimal pro Woche je eine Doppelstunde ging es dabei um die Beantwortung von Fragen, die sie gemeinsam mit den Lehrern unter anderem für Mathe und Kunst als wichtig geortet hatten: Wie berechnet man die Kosten für den Hund oder die Katze zuhause, wofür geht das eigene Taschengeld drauf, wofür das der Großen in der 9. Klasse, und was steckt hinter dem Aufkleber „Fair Trade“ auf den Bananen? Man studiert gemeinsam Zeitungsartikel und geht zu Interviews in Geschäfte.

“Mansplaining”: Schweden gegen schwadronierende Männer

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Rezension zu “Apollokalypse” von Gerhard Falkner

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Virtuoser Berlin-Roman mit sexbesessener Identitätssuche

01.11.2016

Gerhard Falkner auf der Frankfurter Buchmesse 2016. Foto: Arno Burgi

Gerhard Falkner auf der Frankfurter Buchmesse 2016. Foto: Arno Burgi
Arno Burgi

Gerhard Falkners Romandebüt im reifen Alter ist ein fantastisches Berlin-Porträt – vor allem der Vorwende-Zeit. Seinen sexbesessenen Ich-Erzähler schickt er auf eine wilde, sprachlich genussreiche, manchmal etwas zu virtuos konstruierte Suche nach Identität.

Von Thomas Borchert, dpa

Berlin (dpa) – Der Einstieg macht neugierig und verspricht handfest einiges zum Nachdenken: “Wenn man verliebt ist und gut gefickt hat, verdoppelt die Welt ihre Anstrengung, in Erscheinung zu treten.”

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Zu den Wahlen in Island

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28. Oktober 2016

Windwechsel

 Von Thomas Borchert

Für seine wilde Natur ist die Insel bekannt. In jüngster Vergangenheit zog die Politik nach.  Foto:  Íslandsstofa/ Promote Iceland

Die Aussischten für die isländischen Wahlen am heutigen Samstag lassen sich mit den Wetterverhältnissen des Landes vergleichen: Es wird stürmisch.

Die handfeste Aussicht auf eine Ministerpräsidentin von der Piratenpartei klingt genauso wild, wie ein Wetterbericht für Island: In Reykjavik Herbststurm mit eimerweise Regen, um die Ecke am Nationalpark Thingvelllir der erste schwere Busunfall mit Touristen bei Schnee mit Glatteis. Und hinter noch ein paar Bergen im einsamen Reykholttal strahlender Sonnenschein mit Aussicht auf eine kleine rotgrüne Holzkirche.

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07. Oktober 2016

Prinzip „Ermutigung“

 Von Thomas Borchert

Das norwegische Nobel-Institut in Oslo.  Foto: imago

Das Nobelpreiskomitee bleibt seinen Gewohnheiten treu: Freudig überraschen, Kritik abbürsten

Die Vorliebe der Osloer Nobeljuroren für Überraschungen hat krachende Kritik an Preisvergaben der letzten Jahre und hässlichen internen Streit unbeschadet überstanden.

Dass der Friedensnobelpreis kurz nach dem Nein der Kolumbianer beim Referendum über das Abkommen zur Beendigung des Bürgerkrieges in dieses Land gehen würde, galt als unwahrscheinlich: Der prestigeträchtigste Preis der Welt gegen einen gerade erst erklärten Volkswillen? Schwer vorstellbar. Aber dann erklärte Komiteechefin Kaci Kullmann Five verblüfften Journalisten, die Südamerikaner hätten „ja nicht gegen den Frieden gestimmt, sondern nur gegen ein bestimmtes Abkommen“.

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Suche

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Hamburger Abendblatt
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Literatur: Wie die Stones Partner entsorgt und Kunst kreiert haben

München (dpa) – Noch ein Buch über die Rolling Stones. Jeder weiß doch, dass sie seit Ewigkeiten kein nennenswertes Album mehr zustande bekommen haben und bei Konzerten vor allem abkassieren wollen.

Hunderte Bücher sind geschrieben über das halbe Jahrhundert von Mick Jagger und Keith Richards als verbittertem Paar, das einzig Geld zusammenhält. Rich Cohen erzählt diese Geschichte in «Die Sonne, der Mond & die Rolling Stones» über 500 Seiten noch mal so gut, dass sie frisch, lebendig und spannend ankommt, obwohl endlos oft gehört.

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POLITIK

22. SEPTEMBER 2016

ALTERNATIVER NOBELPREIS

Die Mutmacher

Von THOMAS BORCHERT
Die Redaktion der Cumhuriyet wird nach unzähligen Drohungen gegen ihre Journalisten rund um die Uhr bewacht. Foto: dpa

Gegen jeden Widerstand retten sie Menschen, kämpfen für Meinungsfreiheit und gegen archaische Strukturen. Das sind die Träger des Alternativen Nobelpreises.

Die vier Träger der Alternativen Nobelpreise in diesem Jahr spiegeln Bedrohungen von Menschen und ihrer Freiheit an akuten Brennpunkten wieder: Die syrischen „Weißhelme“, ein Netzwerk von 3000 Freiwilligen, kämpfen unter Lebensgefahr um die Rettung von Verschütteten nach Bombenangriffen, dürfen aber in Städten unter Kontrolle des Assad-Regimes nicht ausrücken. Read the rest of this entry »

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01. September 2016

„Christiania“: Schüsse in Kopenhagens Großkommune

 Von Thomas Borchert

Polizisten sichern den Ort des Angriffs ab.  Foto: Jens NOERGAARD LARSEN /afp

Ein Drogenhändler schießt einem Polizisten bei einer routinemäßiger Kontrolle in der „Freistadt Christiania“ in den Kopf.

Die Nachrichten über Schüsse in der „Freistadt Christiania“ klangen für Kopenhagener zum Donnerstags-Frühstück fast wie nach einem Terroranschlag. Erst die lebensgefährliche Kopfverletzung eines Polizisten, der einen Haschisch-Dealer festnehmen wollte. Dann bei der nächtlichen Jagd auf den geflüchteten Täter die Absperrung eines kompletten Stadtteils „mit allen verfügbaren Kräften“, wie die Polizei verkündete.

Sieben Stunden später schlagen Antiterrorspezialisten vor einer Wohnung zu und verletzen den Gesuchten durch Schüsse ebenfalls lebensgefährlich. Das Fernsehen schaltet Sondersendungen. Hier verkündet Dänemarks Justizminister Søren Pind „das Ende des friedlichen Weges“ gegenüber der 1971 gestarteten Großkommune auf einem besetzten Kasernengelände: „Wir haben ihn lange genug ausprobiert. Jetzt hat er uns lebensbedrohliche Schüsse eingebracht. Der mitunter als selbsternannter „Sheriff“ bespöttelte Minister konnte sich nicht nur breiter Unterstützung im Parlament sicher sein. Auch die dänische Öffentlichkeit, seit Jahrzehnten heftig entzweit über Toleranz oder Härte gegenüber dem sozialen Experiment Christiania, dürfte in diesem Fall hinter Pinds noch unkonkreter Kampfansage stehen. Zu oft haben es die 900 „Christianitter“ mit ihrer autonomen Selbstverwaltung das Versprechen nicht erfüllt, selbst mit den hochkriminellen Drogenhandel auf ihrem Gelände fertigzuwerden.

Schwarzarbeit im Drogenhandel

Nicht besser machte es die Christiana-Sprecherin Kirsten Larsen mit ihrem Kommentar, bei dem nichts mehr übrig war von Pioniergeist oder Hippie-Idealen: „Wir sind ganz normale Bürger und können nicht die Verantwortung für Dinge übernehmen, bei denen die Polizei zuständig ist.

Gemeint ist die „Pusherstreet“ im Herzen der 34 Hektar großen „Freistadt“ mit ihren Buden zum Haschischhandel. Während sich sonst die einstigen Kasernenstürmer und der Staat nach und nach halbwegs friedlich auf Kompromisse bei der Legalisierung Christianias einigen konnten, ist die Drogendealerei immer mehr aus dem Ruder gelaufen. Vor allem Rockergruppen organisieren ihn größtenteils von außen und scheffeln Unsummen mithilfe ihrer maskierten jungen Gehilfen in Christiania.

Einer von ihnen zog am späten Mittwochabend eine Pistole, als zwei Zivilstreifen ihn, so die Polizei, „routinemäßig“ festnehmen wollten. Er traf einen Beamten in den Kopf, einen weiteren sowie einen Unbeteiligten jeweils ins Bein. Diese Form von Gewalt ist neu im Dauerkrieg der Polizei gegen die Pusherstreet. Gerade erst im Juni hatte sie bei eine der regelmäßigen Großrazzien alle Verkaufsstände zerstört und eine Menge Händler festgenommen. Einen Tag später waren die Buden neu aufgebaut und andere Maskierte hinter den improvisierten Tresen mit ihrer Ware verkaufsbereit. Vor allem junge Bewohner der „Freistadt“, die nach wie vor selbst über den Einzug neuer Bewohner entscheiden kann, lassen sich zu Schwarzarbeit im kriminellen Drogenhandel locken.

Kenner schätzen, dass die Hälfte der Christiania-Ökonomie an dieser Branche hängt. Die andere wichtigste Einnahmequelle ist der Tourismus. Mehr als eine Million Besucher wandern jedes Jahr durch die etwas verkommene, aber idyllische Anlage im Herzen der dänischen Hauptstadt.