Deutschland

Buchbesprechung: Ulrike Hermann, Deutschland ein Wirtschaftsmärchen

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Über erfundene Legenden

Ulrike Hermann zerpflückt elegant das deutsche «Wirtschaftsmärchen»

Der bundesdeutsche Reichtum als Lohn für Fleiß und die angebliche Rolle als «Europas Zahlmeister» sind fest verankert im kollektiven Bewusstsein. Für die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Hermann aber trickreich erfundene Legenden.

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30.10.2019, 08:58 Uhr

Ulrike Hermann: Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen – Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind, Westend Verlag, Frankfurt/Main, 256 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-86489-263-9​. Westend Verlag/dpa

Von Thomas Borchert

Wer den Mythos vom Wirtschaftswunder als urdeutscher Fleißarbeit so überzeugend zerpflückt, kann auch bei verblüffenden Schlussfolgerungen auf offene Ohren rechnen. Ulrike Hermann, Wirtschaftskorrespondentin der «taz» und Bestsellerautorin (zuletzt «Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung»), schließt ihr neues Buch über erfundene und faktische Gründe für den rasanten Wiederaufstieg nach 1945 mit Lob für zwei CDU-Kanzler: «Adenauer hörte nicht auf Erhard, als er sich für Europa entschied. Und Kohl ignorierte die Bundesbank, als er die deutsche Währungsunion forcierte.»

Beide Weichenstellungen, politisch gewagt gegen den Widerstand machtvoller Wirtschaftskräfte, hätten sich als richtig erwiesen. Das sollte «Mut machen, die ökologische Wende ernsthaft anzugehen» – gegen maue Scheinlösungen, die in Wirklichkeit nur den Status Quo erhalten und dies mit Hilfe schöner Worte oder frecher Lügen verkleistern. Read the rest of this entry »

Dänisch für Fortgeschrittene

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Dänisch für Fortgeschrittene

Die Dänen gehören zu den glücklichsten Menschen der Welt. Wie wird man denn ein glücklicher Däne und will man das überhaupt? Die Staatsbürgerschaftsprüfung jedenfalls ist nichts für Anfänger. Unser Autor Thomas Borchert versucht es.

4. Mai 2017

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Gute Laune in der dänischen Hauptstadt: In Kopenhagen fliegen am internationalen Tag der Kissenschlacht die Federn. Foto: AFP

Vor dem Beitritt zum glücklichsten, in schlechten Jahren zweitglücklichsten Volk der Welt türmen sich überraschende Hürden auf. Als einer von gut dreitausend Kandidaten für die Staatsbürgerschaft hatte ich bei der Prüfung „Dansk 3“ meine Sprachkenntnisse unter Beweis zu stellen. Im mündlichen Teil musste jeder von uns mit einem Minivortrag zur Frage Stellung nehmen: „Wie stehst du zu unserer entspannten Alkoholkultur in Dänemark?“ Alle duzen sich ja und sind offenbar stolz auf ihr „skål“ in allen Lebenslagen als Kulturleistung. In eleganten Wendungen, so jedenfalls die eigene Wahrnehmung, und mit leichtem Akzent bekannte ich, dass sie mir Zuwanderer in 33 Jahren eine Menge Spaß gebracht hat. Getrübt durch ein moderat schlechtes Gewissen als Vater von drei Dänen-Sprösslingen mit einer Dänen-Mutter. Die Jugend hier hat die allseitige Entspanntheit zur trinkfreudigsten in Europa gemacht.

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04. Januar 2016

Flüchtlinge Dänen kontrollieren an deutscher Grenze

 Von Thomas Borchert

Passkontrollen in Kopenhagen: Dänemark will kein neues Ankunftsziel für Flüchtlinge werden.  Foto: dpa

Das Land verschärft seine Flüchtlingspolitik und führt Passkontrollen an der Grenze zu Deutschland ein. Ministerpräsident Rasmussen begründet die Neuerung als eine Art unausweichlicher Notwehr-Reaktion auf die „Suspendierung des Asylrechts für Papierlose durch Schweden“.

Die Skandinavier, früher mal bewunderte Vorreiter für offene Grenzen und Humanität gegenüber Schwächeren, schließen einer nach dem anderen ihre Pforten, um die Zahl Asylsuchender nach unten zu drücken. Ganze zwölf Stunden nach dem Start eines scharfen schwedischen Kontrollsystems für Einreisende aus Dänemark hat dessen Regierung Passkontrollen ab sofort an der Grenze mit dem südlichen Nachbarland Deutschland verfügt.

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In der Frankfurter Rundschau über den dummen, nutzlosen Domino-Effekt von Norden:

Zaun teilt den Bahnhof Kastrup

 Von Thomas Borchert

Flüchtlinge auf der schwedischen Seite der Öresundbrücke: Hier kommt künftig nur noch an, wer auch Papiere hat.  Foto: REUTERS

Schweden macht dicht für Asylsuchende ohne Papiere. Kontrollen gibt es schon in Dänemark.

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