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Genau für diese Rolle wurde im vergangenen Jahr das Weißbuch zur eigenen braunen Vergangenheit in Auftrag gegeben. Positiv reagierten denn auch Moderate, Christdemokraten und Liberale auf die Veröffentlichung: Es sei gut, dass die SD ihre Vergangenheit nun „aufarbeiten“. Bei den letzten Wahlen 2018 galt für diese Parteien noch Zusammenarbeit allein schon wegen deren Nazi-Wurzeln als Tabu.

SD hat nun die Vergangenheitsbewältigung mit ein paar Sätzen Presseerklärung abgehakt: „Dieser Bericht hat historischen, aber nicht den geringsten politischen Wert.“ Am Anfang sei es schon ein bisschen chaotisch zugegangen, aber bei einer heute durchschnittlichen Mitgliedsdauer von zehn Jahren sei es doch so: „Kaum jemand in der Partei hat überhaupt jemals die Individuen getroffen, die im Bericht genannt werden.“

Nazi-Vergangenheit der Schwedendemokraten: Parteichef als personifizierte Freundlichkeit

Für Parteichef Jimmie Åkesson zieht dieses Weißwäsche-Argument nicht so recht, denn bei seinem Parteieintritt 1994 waren unter den tonangebenden „Individuen“ durchaus offen braune Ideologen. Etwa zur selben Zeit kam auch Björn Söder dazu, der noch 2018 als Vizepräsident im Reichstag Zweifel anmeldete, ob Juden und Angehörige der samischen Urbevölkerung zur schwedischen Nation gehörten.

Von Åkesson würde niemand heute so etwas erwarten, wenn er als personifizierte Freundlichkeit bei TV-Quizprogrammen auftritt. Unter seiner Führung hat die Partei resolut Mitglieder nach rechtsradikalen Ausrastern aussortiert. Das freundliche Eigenprädikat „zuwanderungskritisch“ als Markenkern ist natürlich nach wie vor unverzichtbar. Aber darüber hinaus arbeitet SD mit allseits anerkanntem Geschick daran, vor allem unter der weiblichen Wählerschaft durch ein weicheres Erscheinungsbild Stimmen zu holen. Auch dazu kann das Eingeständnis der eigenen Nazi-Wurzeln sicher etwas beitragen.

Parteisprecher Martin Kinnunen meint lapidar, das Ganze sei eigentlich nichts Neues: „Wir haben nie geleugnet, dass es da unangenehme Verbindungen gab.“ Das Erste stimmt, das Zweite nur bedingt. Tatsächlich hat schon vor 20 Jahren der mit seinen „Millenium“-Krimis nach seinem Tod 2004 international berühmt gewordene Stieg Larsson für das Magazin „Expo“ die Nazi-Wurzeln von SD detailliert nachgewiesen. Dafür wurde er von der Partei heftigst bekämpft und fühlte sich bedroht. Nun gibt sie ihm einfach recht und beklagt sich auch noch, dass „Expo“ für das SD-Weißbuch sein Archiv nicht geöffnet habe.

Schwedendemokraten und ihre Nazi-Vergangenheit: Es gibt Grenzen für das weiche Image

Wenige Tage vor der Veröffentlichung zeigte Åkesson bei der „Almedalswoche“, einem sommerlichen Politik-Volksfest in Visby auf Gotland, dass es doch Grenzen gibt für das Streben nach einem weicheren Image. Über die sozialdemokratische Regierungschefin Andersson sagte er: „Sie hat die letzten Jahre bewusst daran gearbeitet, ein Land zu zerstören.“ Wer am 11. September für deren Sozis stimme, stimme für „Clan-Herrschaft und muslimische Straßenkrawalle“.

Zufällig am selben Tag und ebenfalls bei diesem Volksfest erstach ein Neonazi die 64 Jahre alte Ing-Marie Wieselgren, eine Vorkämpferin für mehr und bessere Psychiatrie. Schnell hieß es, der 32-Jährige sei als psychisch krank bekannt und habe aus persönlichen Motiven gehandelt. Bis nach und nach herauskam, dass er nicht nur in der rechtsradikalen „Nordischen Widerstandsbewegung“ aktiv war. Laut „Expo“ trat er auch 2014 bei der Almedalswoche als SD-Sympathisant in Erscheinung. Es verging knapp eine Woche, bis die Polizei den Anschlag als Terrorhandlung eingestuft hat.

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