Porträt eines spannenden Dänen: Lennart Laiboschitz

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Lennart Lajboschitz.  Privatfoto

„Vertrauen in die Gesellschaft gibt Kraft“

  • von Thomas Borchert

Lennart Lajboschitz, Gründer der Kette „Flying Tiger“, engagiert sich heute für Gemeinsinn und Miteinander.

Erfolg im Leben messen die einen am Bankkonto und andere an der Fähigkeit zum freundlich offenen Kontakt mit den Nachbarn gegenüber. Dass ihm nach beiden Lesarten so viel geglückt ist in seinen bisher 60 Lebensjahren, sieht der Kopenhagener Lennart Lajboschitz auch als Resultat prägender Jahre in der Glanzzeit der skandinavischen Wohlfahrts-Gesellschaft mit hoher sozialer Sicherheit und immer mehr offenen Türen für alle in den 60er und 70er Jahren: „Mir hat das eine Masse optimistische Tatkraft vermittelt. Die Lebenslust war grenzenlos. Das Leben lehrte einen, welche Möglichkeiten zum Mitmischen in der Gesellschaft es gab.“

Lajboschitz hat sie erst mal drei Jahrzehnte als Geschäftsmann genutzt. Aus dem ersten Ramsch-Verkauf von ein paar Regenschirmen zweiter Wahl aus Asien wuchs nach und nach die weltweit verbreitete Verkaufskette „Flying Tiger“, in Deutschland mit etwa 50 Geschäften präsent. 2013 beförderte der Verkauf von 70 Prozent der Anteile an den schwedischen Kapitalfonds EQT 2013 für 1,5 Milliarden Kronen (200 Millionen Euro) die Familie Lajboschitz in den Kreis der 50 reichsten Dänemarks.

Sie änderte ihr Leben radikal. Das Ergebnis können heute Tag für Tag um die 200 Kopenhagener zwischen 18 und 19.30 Uhr beim ausgesprochen billigen und dabei gesunden, vor allem aber gemeinschaftlichen Abendessen an 25 langen Tischen in der stillgelegten Absalonkirche studieren. Der Erfolg dieses privat betriebenen „modernen Volkshauses“, so der selbst gewählte Gattungsname, ist atemberaubend. Bei allen Angeboten, von der Verköstigung über Yoga, Tischtennis, den Bridge-Club und Gesprächskreise steht im Zentrum die Anbahnung sozialer Kontakte durch gemeinsame Aktivitäten – und das quer durch alle Alters-, Einkommens- und sonstige Gruppen im Kopenhagener Stadtteil Vesterbro. Lajboschitz findet, dass die Gesellschaft sich in Richtung Vereinzelung bewegt und es Bedarf an guten Ideen für mehr soziale Interaktion gibt.

Diese Grundidee war beim Kauf der ausrangierten Kirche klar, aber sonst nichts, sagt der Däne: „Wir hatten beim Start keinen Schimmer, haben es einfach angepackt und Spaß dabei gehabt.“ Der Sohn eines aus Polen gekommenen Geschäftsmannes und einer schwedischen Lehrerin an der Kofoeds-Schule für sozial Benachteiligte macht jeden Donnerstagabend im rappelvollem Saal den Conferencier beim in Dänemark früher mal so populären Zahlenlottospiel Banko. Als Mittel, Menschen zusammenzubringen, blüht Banko hier wieder auf. Auch die tagsüber aufgestellten Tischtennisplatten im einstigen Gottesdienstsaal sind immer belegt. „Das Größte ist doch, wenn ein 80-Jähriger mit einem 10-Jährigen spielt“, sagt Lajboschitz, selbst früher sogar zeitweise auch als Klubtrainer an der Platte.

Im Badeort Hornbœk betreibt er zusammen mit Ehefrau Suzanne ein alternatives Ferienhotel ohne Fernseher auf den Zimmern, dafür aber mit dem täglichen Angebot für Sommergäste und Ortsansässige, einander beim gemeinsamen Abendessen näherzukommen. 30 Angehörige und nahe Freunde der Lajboschitz-Familie einschließlich Lennart sind gerade dabei, in ein 250 Jahre altes Ex-Marinehospital umzuziehen. In dem Barockbau mit unschlagbar schöner Lage an einem Kopenhagener Altstadt-Kanal wollen sie alternative, mehr gemeinschaftliche Wohnformen im Selbstversuch ausprobieren. Geld in die Kasse bringen sollen gleich nebenan die Vermietung von Büros sowie ein weiteres Hotel, natürlich auch mit alternativen Konzepten.

Lajboschitz sieht diese Aktivitäten ausdrücklich nicht als gutes Werk eines steinreichen Mäzens, sondern als „Teil einer sozialen Revolution“. Er will beim eigenen Beitrag auch nicht das riesige Familienvermögen verbuttern, sondern strebt für das Volkshaus Absalon demnächst den Schritt aus den roten Zahlen an: „Wenn wir das finanziell tragfähig hinbekommen, kann es andere inspirieren.“ Man sei auf einem guten Weg, sagt er, räumt aber ein, dass man das Ziel nach den angepeilten zwei Jahren eindeutig nicht erreicht habe.

Für seine erste Karriere als Verkaufsketten-Chef stuft das heimische Wirtschaftsblatt „Børsen“ Lajboschitz ein als „knallharten Businessmann, auch wenn er lieber darüber spricht, wie man Menschen zusammenbringt und Freundschaften stiftet.“ Wenn er selbst die Projekte seiner zweiten Karriere schildert, strahlt der in beiden Welten erfolgreiche Däne Milde und Ruhe aus, gemischt mit einem kräftigen Schuss jugendlichem Optimismus.

Als Wurzel und Voraussetzung hebt Lajboschitz neben der Familie sein gesellschaftliches Umfeld heraus: „Ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich in Dänemark mit starkem Vertrauen der Menschen in die Gesellschaft lebe. Es gibt den allseitigen Wunsch, sich der Menschen anzunehmen, die es schwer haben. Wir wissen, wenn wir etwas tun, dann geschieht auch etwas Bestimmtes. Wir müssen nicht alle möglichen anderen Szenarien einrechnen oder mit Korruption rechnen. Die Dinge funktionieren.“

 

 

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