Korruptionsverdacht in Dänemark: “Der Fisch stinkt vom Kopf her”

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Gratis-Urlaub für den Premier

Der dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen steht unter Korruptionsverdacht. Eine Woche lang hat er ein Ferienhaus im edlen Badeort Skagen gratis bewohnt.

7. Februar 2018

Rasmussen
Rasmussen logierte eine Woche lang gratis im Ferienhaus eines „Fischereikönigs“. Foto: rtr

Man wird ja wohl noch einen „total harmlosen“ Geschenkgutschein zum 50. Geburtstag einlösen dürfen! Und warum solle er sich des „Fischerfreundes aus Thyborøn“ an der rauen Nordsee schämen? Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen hält die Rolle der lebensfroh volksnahen und grundlos verfolgten Unschuld ungerührt und populistisch textsicher durch. Indessen fragen sich immer mehr Bürger, ob sie sich in ihrem laut der NGO Transparency International am wenigsten korrupten Land der Welt am Ende einen korrupten Regierungschef leisten. Das hässliche Sprichwort „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ kennen die Skandinavier eigentlich gar nicht.

„Etwas ist faul im Staate Dänemark“ aus „Hamlet“ wird dagegen auch in Kopenhagen wieder fleißig bemüht. Der Auslöser: Eine Woche hat Rasmussen als amtierender Premier mit Ehefrau Sólrun 2016 das Ferienhaus von Fischereiunternehmer John-Anker Hametner Larsen in Dänemarks edelstem Badeort Skagen mitten in der politischen Auseinandersetzung um lukrative Fischereiquoten gratis bewohnt. Larsen ist als einer der allseits so genannten Quotenkönige bekannt. Wie sehr diesem reichen Dänen die Fischereirechte am Herzen liegen, zeigt auch der Start seiner Beziehung zu Rasmussen. 2012 schrieb er dem zwischenzeitlich in die Opposition verbannten Politiker über Facebook, er müsse wegen fehlender Quoten zehn Mitarbeiter entlassen: „Lieber Lars, sprich mit mir!“ Zwei Stunden erbat er in dieser Stunde der Not, bekam aber keine Antwort.

Pornos abgerechnet

Das ändert sich postwendend, als Larsen für den „Løkkefond“, eine Wohltätigkeitsinitiative Rasmussens, Geld spendet und einsammelt. Jetzt hat er das Ohr des Politikers. Auch das dänische „tak“ ist ja wie das deutsche Äquivalent „danke“ nur ein Wort: Larsen überreicht zum 50. Geburtstag 2014 den ominösen Geschenkgutschein, Schätzwert umgerechnet 1200 Euro. Eingelöst wird er zwei Jahre später. So erzählt es jedenfalls der Beschenkte, für den diese zeitliche Abfolge juristisch lebenswichtig ist. Die Annahme des Geschenks als amtierender Regierungschef wäre ein glasklarer Regelverstoß gewesen.

Rasmussen hat in zwei Jahrzehnten als Berufspolitiker immer neue Skandale ausgelöst, weil er wie kein anderer die Neigung ausgelebt hat, persönliche Ausgaben um jeden Preis über die Staats-, oder ersatzweise die Parteikasse abzurechnen. Von Ferienreisen für Frau und Kinder bis hin zu kostenpflichtigen Pornos im Hotel sowie der kompletten Garderobe mit 9 Anzügen und 8 Paar Boxershorts reichte Rasmussen Quittungen ein und musste einige davon nach den Schlagzeilen kleinlaut wieder zurückziehen: „Leider sind meine Privatfinanzen nicht so robust, wie man sich das wünschen würde.“

 

Beweise dürftig

„Auch als Ministerpräsident habe ich ein Recht auf mein Privatleben“, erwiderte er diese Woche vor einem Parlamentsausschuss bohrende Fragen nach den Hintergründen für das Aufblühen seiner Freundschaft mit dem „Fischer aus Thyborøn“. Noch im November hatte er vor demselben Ausschuss erklärt, er kenne all diese Quotenkönige so gut wie gar nicht. Dass die gar Einfluss nehmen könnten auf die Fischereipolitik seiner Regierung sei eine würdelose Unterstellung.

Den gesponserten Ferienaufenthalt in der Hochsaison in Skagen verschwieg der Premier dabei ebenso wie seine Teilnahme an einem Firmenfest Larsens im März 2017. Beides deckte die Zeitung „Ekstrabladet“ auf.

Und das in einer Zeit, als gerade das Kopenhagener Rechnungsamt die Regierung wegen höchst mangelhafter Verwaltung der Fischereiquoten scharf gerügt hatte. Rasmussen musste deswegen seinem Parteifreund Esben Lunde Larsen das Fischereiressort entziehen. Der hatte einen Parlamentsbeschluss gegen die Konzentration der Quoten auf immer weniger nachweislich hintertrieben. Den Eindruck, dass sich die größte dänische Regierungspartei einfach als bezahlter Erfüllungsgehilfe für die Stärksten in der Fischereibranche betätigt, bestärkte eine weitere Medienenthüllung: Fischereisprecher Thomas Danielsen hat gemeinsam mit Quotenkönig Larsen eine Firma betrieben, dies aber im Parlamentshandbuch unter „geschäftliche Interessen“ verschwiegen. Man sei ohnehin am Abwickeln, erklärte der Ertappte.

Medien und Opposition fehlt bisher der schlagende Beweis, dass Rasmussens ausgeprägte Nehmerqualitäten gegenüber spendablen Freunden direkten Einfluss auf politische Entscheidungen mit sich geführt haben. Überleben wird der Chef einer schwachen Minderheitsregierung diesen jüngsten Skandal zumindest bis auf weiteres, weil die Rechtspopulisten der Dänischen Volkspartei als Mehrheitsbeschaffer die Hand über ihn halten.

 

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