Taliban verhandeln in Oslo

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Als ein doch greifbares Resultat nannte der Chef des norwegischen Flüchtlingshilfe, Jan Egeland, „klare, verpflichtende Versprechen“ der Taliban, von März an Mädchen aller Altersgruppen wieder den Besuch der Schule zu ermöglichen.

Neun Millionen in Gefahr

Ohne sofortige massive Hilfe von außen sind nach UN-Schätzungen in diesem Winter neun Millionen Menschen in Afghanistan vom Hungertod bedroht. Väter berichten im TV halb verzweifelt, halb resigniert vom Verkauf ihrer Töchter als einziger Möglichkeit zum Überleben. Gehälter im Schul- und Gesundheitswesen werden längst nicht mehr gezahlt, weil die Staatskassen leer sind. Bis zum Abzug des Westens deckte die Auslandshilfe 75 Prozent des Haushalts.https://embeds.fanmatics.com/?campaignId=92881739&referrer=https%3A%2F%2Fwww.fr.de%2Fpolitik%2Fgesucht-ein-weg-fuer-afghanistan-91259734.html

Trotz alledem verkündete der Taliban-Außenminister Amir Chan Mutaki vor dem vornehmen Osloer Tagungshotel schon zum Auftakt der Gespräche mit den einstigen Kriegsgegnern frohgemut sein Resümee: „Dass Norwegen dieses Treffen arrangiert hat, ist ein großer Sieg. Wir stehen jetzt zusammen mit den anderen auf der Weltbühne.“ Der Osloer Außenamts-Staatssekretär Henrik Thune ließ sich als Gastgeber davon nicht aus der Ruhe bringen: „Diese rhetorische Spiel war so zu erwarten.“

Er redete auch bei den Motiven seiner Regierung als Initiator des Treffens nicht groß um den heißen Brei, wenngleich eher am Rande in der Zeitung „Aftenposten“. Es gebe neben der dramatisch verschlechterten humanitären Lage noch einen Grund für die Einladung an die Taliban: „Der andere ist, dass wir den totalen Kollaps und eine Flüchtlingskrise verhindern müssen.“

Der Afghanistan-Beauftragte der Bundesregierung Jasper Wieck stellte heraus, dass aus deutscher Sicht im Zentrum der Gespräche die Verteidigung der Menschenrechte vor allem für Frauen und Mädchen gestanden hätten. Er achtete in seinen Tweets aus Norwegen sorgsam darauf achtete, auch nicht den leisesten Anschein von Anerkennung der neuen Herrscher in Kabul aufkommen zu lassen. Er habe mit den „de facto authorities“ auch über praktische Probleme wie die Ausreise deutscher Staatsbürger:innen aus Afghanistan gesprochen.

Lektion in Diplomatie

Denn es gilt jedenfalls als Sprachregelung weiter, was US-Präsident Joe Biden und in seinem Gefolge die Verbündeten beim Abzug im August verkündet hatten: Unter gar keinen Umständen werde es eine Anerkennung der Taliban geben. Hinter den Kulissen aber erodiert diese Haltung zusehends – nicht zuletzt auf Drängen internationaler Hilfsorganisationen, die eine Verhinderung des totalen Zusammenbruchs im Winter nur noch für möglich halten, wenn man mit den Taliban weit intensiver als bisher kooperiert.

In Oslo wurde dazu unter anderem diskutiert, wie Gehaltszahlungen im Staatsdienst von außen so transferiert werden können, dass die Machthaber in Kabul und in den Provinzen keinen Zugriff auf das Geld bekommen.

Dass die USA als weiter ausschlaggebend nur Zugeständnisse machen, wenn der heimischen Öffentlichkeit konkrete Gegenleistungen vorzuweisen sind, scheint in Oslo auch die Taliban-Delegation verstanden zu haben. Die 15 Männer akzeptierten nicht nur ausführliche Gespräche mit Vertreterinnen der afghanischen Frauenbewegung, sondern erhielten anschließend Lob von der Aktivistin Jamila Afghani: „Sie waren flexibel und entgegenkommend.“

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