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22. Oktober 2015

Schweden: Nazi-Propaganda bei Amokläufer gefunden

 Von Thomas Borchert

Ein maskierter Mann hat mit großer Brutalität einen Lehrer und einen Schüler ermordet.  Foto: afp

Der Amokläufer aus dem schwedischen Trollhättan hat offenbar einen rechtsextremen Hintergrund: Er soll im Internet Material veröffentlicht haben, in dem Nazi-Deutschland glorifiziert wird. Die Schule wird vor allem von Migranten besucht.


Kinder hielten erst mal für einen Halloween-Spaß, was sich als grenzenlos brutaler Schul-Amoklauf erwies: Ein maskierter junger Mann mit schwarzem Umhang, Helm und Schwert hat im schwedischen Trollhättan einen 12-jährigen Schüler und einen Lehrer getötet. Ein 15-Jähriger und ein weiterer Erwachsener wurden lebensgefährlich verletzt. Der 21-Jährige, der durch zwei Schüsse der Polizei gestoppt wurde und am Nachmittag verstarb, stach hemmungslos auf seine wehrlosen Opfer ein, wie den ärztlichen Mitteilungen mehrere Stunden nach dem Verbrechen zu entnehmen war: Sie waren mit zahlreichen Stichen und schwerem Blutverlust in der Chirurgie des Näl-Krankenhauses notoperiert worden.

Ministerpräsident Stefan Löfven sprach von einem „schwarzen Tag“ für sein Land und flog von Stockholm nach Westschweden, um Angehörige und Überlebende in der Kleinstadt Trollhättan 80 Kilometer nördlich von Göteborg zu besuchen.

Am späten Abend wurden jedoch bekannt, dass der Täter offenbar einen rechtsextremen Hintergrund hatte. Nach Medienberichten hatte der junge Mann im Internet Material verbreitet, in dem Adolf Hitler und Nazi-Deutschland glorifiziert wurden. Es ging demnach auch um Kritik am Islam und an der Einwanderung. Er war den Berichten zufolge von Kriegsfilmen und Romanen von Stephen King fasziniert.

Der überlebende Erwachsene habe „mehrere tiefe Stiche in den Bauch mit Schäden an lebenswichtigen inneren Organen“ erhalten, sagte Chefarzt Lars Spitz bei einer Pressekonferenz. „Das ist eins der schwersten Verbrechen in Schwedens Geschichte“, kommentierte Polizeisprecher Thomas Fuxborg den ersten schwedischen Amoklauf an einer Schule mit Todesfolge seit 1961.

Die schwedische Polizei hat die Kronan Schule in Trollhättan abgeriegelt.  Foto: AFP

Der Täter war morgens um zehn in die ganz überwiegend von Kindern aus Migrantenfamilien besuchte Schule gekommen. „Wir dachten, dass es ein Halloween-Scherz war“, sagte ein 14-Jähriger Reportern. Eine andere Schülerin fotografierte mit ihrem Handy den nach dem Muster von „Star Wars“ verkleideten Mörder. In der für jedermann zugänglichen Schule, einem Neubau für den durch Migranten geprägten Teil Trollhättans, brach Panik aus. Lehrer verbarrikadierten sich mit ihren Schülern in Klassenräumen wie Augenzeugen berichteten. Der Täter hatte am Eingang einen Erwachsenen niedergestochen, ehe er weitereilte, um neue Opfer zu finden.

Mehrere Anschläge auf Flüchtlingsheime

Medien berichteten, dass der schwer verletzte 15-Jährige aus einer somalischstämmigen Familie kommt. Die 2009 gebaute Schule war in Trollhättan, bekannt vor allem als Stammsitz des pleitegegangenen Autoherstellers Saab, in letzter Zeit mehrfach Gegenstand kommunalpolitischer Konflikte: Das auch für Außenstehende offene Schulcafé ziehe Jugendgangs an und sorge für Verunsicherung bei Schülern, kritisierten die Konservativen im Stadtrat.

Bei Schwedens Nachbarn in Finnland sind in den letzten 15 Jahren bei mehreren Amokläufen junger Männer in Schulen 20 Menschen ums Leben gekommen. Schweden selbst wurde zuletzt vom Amoklauf eines frisch abgewiesenen Flüchtlings aus Eritrea im Ikea-Möbelhaus Västerås erschüttert. Der 23-Jährige erstach mit einem in der Küchenabteilung liegenden Messer zwei Zufallsopfer, eine 55-Jährige und ihren erwachsenen Sohn, ehe er überwältigt werden konnte.

Schweden ist das EU-Land mit der traditionell großzügigsten Flüchtlingspolitik. Wenige Stunden vor dem Amoklauf in Trollhättan veröffentlichte die Ausländerbehörde eine Verdoppelung der erwarteten Asylbewerber für 2015 auf bis zu 190 000 im Gesamtjahr. Mehr als 30 000 von ihnen sind unbegleitet kommende Kinder und Jugendliche, die in Schweden spätestens nach einem Monat Anspruch auf einen Schulplatz haben.

Im Gefolge der dramatisch steigenden Flüchtlingszahlen registrierten die Behörden seit Sommer 16 Brandstiftungen an geplanten und auch schon genutzten Unterkünften für Asylbewerber. Menschen kamen bisher nicht zu Schaden..

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