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Friedensnobelpreis für Verteidiger der Meinungsfreiheiheit

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08.10.20211

Pressefreiheit

Friedensnobelpreis: Mit Fakten gegen Diktatoren

  • Von Thomas Borchert

Dmitri Muratow und Maria Ressa erhalten den Friedensnobelpreis. Den Zusammenhang zwischen Journalismus und Frieden erklärt das Komitee anhand eines historischen Beispiels.

Die erste Frage nach der Verkündung des Friedensnobelpreises an die Journalistin Maria Ressa von den Philippinen und ihren russischen Kollegen Dmitri Muratow für die „mutige Verteidigung der Meinungsfreiheit“ war klar: Was hat der Einsatz für die Meinungs- und Pressefreiheit mit der Verhinderung von Krieg auf der Welt zu tun? „Es sind demokratische Gesellschaften mit Meinungsfreiheit, die den Frieden verteidigen“, antwortete die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees Berit Reiss-Andersen. Sie hob das furchtlose journalistische Standhalten Ressas gegen direkte, gegen sie persönlich gerichtete Morddrohungen des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte heraus. Der sein Land extrem brutal regierende Diktator hat Ressa vor laufender Kamera mit Mord durch ihn persönlich gedroht.

In der Preisbegründung hieß es, dass der zweite Preisträger Muratow 24 Jahre als Chefredakteur der unabhängigen russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ durchgehalten habe, auch nachdem sechs seiner Mitarbeiter:innen ermordet worden waren. Zu den Opfern von Auftragskillern gehörte 2006 die Redakteurin Anna Politkowskaja nach ihren Enthüllungen über den Krieg in Tschetschenien.

Human und pfiffig: Finnland organisiert Distanz-Unterricht für Kinder im syrischen Al-Hol-Lager

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Syrien

Das pfiffige Finnland

  • Von Thomas Borchert, 4. oktober 2021

Fernunterricht für IS-Kinder dank geschmuggelter Smartphones

Finnlands Außenministerium und das „Amt für lebenslanges Lernen“ haben Handys in das berüchtigte nordsyrische Lager Al-Hol schmuggeln lassen, um die Kinder früherer IS-Kämpferinnen mit finnischem Pass per Fernunterricht auf die Rückkehr vorzubereiten. Von Mai letzten Jahres bis diesen März, so berichtete die Lehrerin Ilona Taimela jetzt im Rundfunksender SR, habe sie zusammen mit einem Kollegen montags bis mittwochs 23 Kinder in der finnischen Sprache, Geografie sowie Mathematik unterrichtet. Die meisten von ihnen sind inzwischen mit ihren Müttern in das nordeuropäische Land zurückgekehrt, auf verschiedene Kommunen verteilt und laut Taimela gut integriert.

Die Aktion wurde in Finnland, vor allem aber auch in dem immer wieder als „Hölle“ bezeichneten Lager unter kurdischer Verwaltung streng geheim gehalten, wo Handys verboten sind. „Dass Kinder in Finnland durch Corona zu Distanzunterricht gezwungen wurden, hat uns auf dieselbe Idee für Al-Hol gebracht“, sagte Jussi Tanner der Zeitung „Helsingin Sanomat“. Er ist Sonderbeauftragter der Regierung seit 2019, als sich die Regierung der Sozialdemokratin Sanna Marin früh und eindeutig für die Heimholung aller Kinder der frühere IS-Dschihadisten entschied. Im vergangenen Dezember organisierten Finnland und Deutschland gemeinsam eine Rückholaktion für 18 Kinder und deren fünf Mütter.

Märchen im Lager Al-Hol

In anderen Ländern, etwa bei den skandinavischen Nachbarn in Schweden und Dänemark, setzten Regierungen dagegen alles daran, möglichst überhaupt keine Mütter mit Kindern nach Hause zu holen. So erklärte Dänemarks ebenfalls sozialdemokratische Regierungschefin Mette Frederiksen (43), die Eltern seien für das Schicksal ihrer Kinder verantwortlich und hätten ihrem Land nun mal „den Rücken zugekehrt“.

Finnlands Behörden dagegen fühlen sich weiter uneingeschränkt verantwortlich. „Jedes Kind hat ein verfassungsmäßiges Recht auf Bildung“, sagt Taimela. Wichtig sei vor allem die Verbesserung der Sprachkenntnisse gewesen. Dafür bekamen die Kinder am Telefon auch Märchen in Finnisch vorgelesen und die Geografie des Landes mit den unendlich vielen Seen erklärt. Wegen der schlechten und oft unterbrochenen Verbindung sei kein Videounterricht möglich gewesen. „Die Kinder haben ihre Antworten auf unsere Fragen dann irgendwann später als Text- oder Audiodatei zu uns geschickt“, erzählt die Lehrerin. Sie hätten so ihre Fortschritte beim Aussprechen finnischer Wörter übermittelt. Die Mütter konnten die Handys in aller Heimlichkeit auch für kinderärztliche Ratschläge aus Helsinki nutzen.

Gut zwei Drittel der Frauen und ihre Kinder sind inzwischen aus Al-Hol zurückgeholt. Die telefonische Verbindung mit dem Rest ist seit dem Frühjahr komplett abgebrochen, wobei die Gründe für die finnischen Behörden unklar sind. Als wahrscheinlich gilt die Verteilung auf andere Lager. Finnlands Regierung will weiter alles daran setzen, die zehn noch in Syrien verbliebenen Kinder heimzuholen.

Alternative Nobelpreise 2021: Mut zu Mobilisierung

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Kommentar:

Alternativer Nobelpreis

Die Botschaft des Preises

  • Von Thomas Borchert

Ohne Aktivitäten aus der Zivilgesellschaft ist der Kampf ums Klima genauso wenig zu gewinnen wie der um soziale Gerechtigkeit und Frieden, lautet die Botschaft der Alternativen Nobelpreise. Ein Kommentar.

Wenn der eitle Disput um den Vizekanzler-Titel dem Spitzenpersonal bei den Grünen in Berlin doch noch ein bisschen Luft lässt, sollte der Blick Richtung Norden gehen. Die Alternativen Nobelpreise aus Stockholm sind wie immer durch und durch grün geprägt. Stärker als in der Vergangenheit hat die Jury jetzt eine Gemeinsamkeit der vier Ausgezeichneten ins Zentrum gestellt: Dass sie ausdauernd, beharrlich und erfolgreich immer auch die Mobilisierung von „unten“ ins Zentrum gestellt haben.

Sie ist der Aktivistin Wandou in Kamerun gegen die mörderischen Boko-Haram-Terroristen genauso gelungen wie in Russland dem Umweltschützer Sliwjak gegen einen autoritären Staat und mächtige Industrieinteressen. Ohne immer wieder neu zu stimulierende Aktivitäten direkt aus der Zivilgesellschaft ist der Kampf ums Klima genauso wenig zu gewinnen wie der um soziale Gerechtigkeit und Frieden, lautet die Botschaft der Alternativen Nobelpreise. Perfekt im Timing auch ein paar Tage nach der Bundestagswahl und ein paar Wochen vor der Klimakonferenz in Glasgow.

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Bericht:

Alternativer Nobelpreis 2021: Ehrung für Mut und Visionen

  • Von Thomas Borchert

Aktive aus Kamerun, Indien, Kanada und Russland erhalten den Alternativen Nobelpreis 2021. Die Jury sendet damit politische Mahnungen an die Mächtigen der Welt.

Eine Ehrung für unerschrockene persönliche Initiative, Geschicklichkeit, Ausdauer und erfolgreichen Zusammenhalt: Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr an zwei Aktivistinnen aus Kamerun und Kanada, einen russischen Umweltschützer und an eine indische Basis-Initiative.

„Wir heben damit den Mut von Menschen heraus, der unerlässlich ist für die Durchsetzung von Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, sagte der Direktor der Stiftung Right Livelihood, Ole von Uexküll, bei der Bekanntgabe der Geehrten in Stockholm. Sie hätten durch „visionären Mut“ gezeigt, wie man andere Menschen aktiv mobilisiert, und mit ihren Erfolgen gezeigt, „was eine Zivilgesellschaft alles erreichen kann“.

Wieder für die Frankfurter Rundfunk schreiben:

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30. September 2021

Thomas Borchert / Facebook:

Ich schreib wieder für die Frankfurter Rundschau über Dänemark und die anderen Länder des Nordens. Weil ich das Korrespondenten-Handwerk weiter relevant finde und gerne mit diesem Handwerk arbeite. Die FR als Zeitung mag ich auch. Der Streit mit dem Chefredakteur und Türknallen meinerseits vor einem halben Jahr (ging um Israel-Kritik von mir) ist „überbrückt“. So hats FR-Chefredakteur Thomas Kaspar getwittert.

2 uger inden valget i Tyskland:

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Jeg sender mit lidt usikre tyske kryds afsted

Med dobbelt statsborgerskab kan jeg her fra Danmark brevstemme ved valget i Tyskland til Forbundsdagen den 26. september. Og den dag, Mette Frederiksen trykker på knappen, er jeg også stemmeberettiget ved folketingsvalget. Udlandstyskere beholder, selv efter årtiers ophold uden for Tyskland, deres aktive valgret. Det kræver dog, at man kan demonstrere tilknytning, f.eks. at man har en ekstra bolig i det oprindelige hjemland, aktiviteter i tyske foreninger eller en tysk arbejdsindtægt. Som borger med rødder, hjerte, familie og arbejdsindsats i to stater finder jeg det indlysende og godt. Og moderne i disse mobile tider. At det strider mod princippet ”én borger, én stemme” – jovist. Gør man sig mon forskellige overvejelser foran en tysk eller en dansk stemmeboks? Føler man sig spaltet, eller har man bare samme kasket på ved begge lejligheder? Nu vil jeg tænke højt.

Min herboende landsmand Moritz Schramm skriver i sin nye, knivskarpe bog ”Kampen om midten”: »Politisk vil Tyskland efter alt at dømme i mange år blive domineret af den liberale og kosmopolitiske nye midte.« Han mener, at med den nuværende i høj grad weltoffene vælgerskare vil nationalromantisk eller nationalistisk højrefløjspolitik med et udlændingefjendtligt tvist ikke have nogen chance. Jeg er ikke helt så skråsikker på lang sigt, f.eks. under akutte krisebetingelser. Her og nu rammer Schramm plet.Forskellen til Danmark har ikke mindst Alternative für Deutschland fra det yderste højre kaperet. AfD hylder de danske socialdemokrater for afskaffelse af asylret, udvisninger osv. Foran et blafrende Dannebrog forkynder partiets viceformand, Beatrix von Storch: Danmark og Ungarn skal være vores forbilleder.

Mattias Tesfaye stemmer i, idet han roser Ungarns 2015-opsætning af ståltrådshegn og mure som værn mod flygtninge, ”det eneste rigtige”, vejviseren for, hvordan Europa nu kan holde de mange forventede afghanske flygtninge ude. Med andre ord: For de kulsorte og delvis brune kræfter i Tyskland er de danske socialdemokrater lysende forbilleder, og sammen hylder de den ungarske demokratinedbryder, racist og forfølger af homoseksuelle Viktor Orbán. I Tyskland er næsten 200 mennesker omkommet under gigantiske oversvømmelser i valgkampens startfase. Hele byer blev ødelagt. En uhyggelig, nærmest apokalyptisk påmindelse til vælgerne. Men for medier var fotos af CDU-kanslerkandidat Armin Laschets malplacerede grin under et besøg hos naturkatastrofe-ofrene i hans egen delstat mere profitabelt og for publikum mere underholdende end triste klimaanalyser. Laschet sagde undskyld, angerfuld som en MeToo-synder, for i næste øjeblik at forkynde, munter og optimistisk, at man med ham som kansler uden tvivl ville få styr på klimaforandringerne. Uden at vores levevis i de rige lande behøvede at omlægges i nævneværdig grad.

Selvfølgelig ved han soleklart, og det samme gør kanslerkonkurrenterne fra SPD og De Grønne, at det ikke kan lade sig gøre. Også i Berlin suger toppolitikerne til sig som modermælk, hvad meningsforskerne fortæller dem: at man kun med lokkende løfter til den brede middelklasse kan vinde et valg. Den må under ingen omstændigheder afskrækkes af højere brændstofpriser på fodring af de talrige familiebiler og fly på ferierejser. Og nej, man kunne ikke drømme om at forhøje folkepensionsalderen fra 67 til 70, forklarede spidskandidaterne under deres første tv-debat enstemmig. Selv om alle spurve, for nu at importere en tysk talemåde, kvidrer fra tagene om, at en katastrofal mangel på arbejdskraft, på baggrund af aldersudviklingen, gør forhøjelsen af pensionsalderen uundgåelig.

Som samfundsborger med danske børn, der allerede nu er lovmæssigt forpligtede til at være på arbejdsmarkedet, til de er i 70’erne, tænker man, at folketingspolitikerne på visse områder tager modigere fat end kollegerne i Bundestag. Til gengæld er de bange for at forklare deres vælgere, at de forsorgsproblemer, der opstår takket være befolkningens lange levetid og lave fødselstal, i sidste ende kun kan imødegås, hvis man også sørger for kraftig indvandring. At sige det ærligt anser de for at være politisk selvmord. Fordi de danske vælgere inden for de sidste to årtier så godt som altid er blevet vundet over med lokkeråbet: Jo færre udlændinge, jo nærmere er vi paradiset.

Min tyske stemmeseddel sender jeg, i afkrydset form, afsted efter tv-debat nummer to mellem de tre spidskandidater. Jeg er stadig, som næsten halvdelen af de tyske vælgere, en smule usikker. Anderledes ved næste danske folketingsvalg. Her føler jeg mig på temmelig sikker grund.

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Hvad synes man nu om Merkels 16 år som kansler?

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4.07.2021 kl. 16:00

Angela Merkel har lullet os alle til ro

Når Merkel nu forlader scenen, er det hverken som helt eller skurk, skriver Thomas Borchert. Men det er lykkedes hende at få tyskerne til at glemme at holde øje med hendes politik.

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Kronik 0801 21. Angela Merkel, Tyskland, Efterfølger, Gem Artikel

Thomas Borchert

Thomas Borchert tysk korrespondent

To måneder før Angela Merkels afsked har jeg svært ved at beslutte mig for, om hun har været en god eller en dårlig kansler gennem nu 16 år. Det står imidlertid klart, at jeg som Merkel-kender diskvalificerede mig selv, allerede inden hun tiltrådte som kansler.

Ved et EU-miljømøde i Esbjerg i 1995 stod jeg som tysk Danmarks-korrespondent ved en kopimaskine sammen med den unge kvindelige minister, som alle nedladende kaldte ”Kohls pige”. Hun kopierede selv sin pressemeddelelse og prøvede ved omdelingen at foreskrive mig i detaljer, hvordan Deutsche Presse-Agentur skulle rapportere. Som den fremragende repræsentant, jeg var, for den vestlige presse, tænkte jeg: »For meget Ossi med DDR i blodet. Du bliver da aldrig til noget«.

Som man dog i sin Wessi-arrogance kan tage fejl. I sine glansdage som kansler regnedes Merkel for at være verdens mest magtfulde kvinde. Hun står for mange, holdt op imod typer som Trump, Putin, Johnson, Erdoğan, Xi Jinping, som det sidste fyrtårn for seriøs og civiliseret politik. Efter finanskrakket i 2008 satte hun med sin regerings nådesløse sparekurs sit aftryk på Europa. Lige så magtbevidst, som hun senere satte sit aftryk på Tyskland med det pludselige farvel til atomkraft i 2011 og med et hjerteligt velkommen til en million syriske flygtninge i 2015: »Wir schaffen das«. Det klarer vi. Den sætning er der ingen, der glemmer.

I praksis har Merkel dog for længst relativeret den. Ved i de følgende år køligt at indgå aftale med autokraten Erdoğan om et flygtningestop i Tyrkiet. Og ved stiltiende at se igennem fingre med de stadig mere brutale afvisningsmetoder i middelhavsområdet. På den måde har Merkel gjort mere for at sænke asyltallene i et land som Danmark end alle politikere på Christiansborg tilsammen, med deres bombastisk forkyndte stramninger.

Som bekendt er det tonen, der skaber musikken. Merkels kristne grundmoral forbyder hende at komme med aggressive udfald mod udenlandske minoriteter for blot at erobre flere stemmer. Lige så imponerende klart tager hun afstand fra national selvforherligelse. Mon en dansk mainstreampolitiker i et interview ville svare som Merkel: »Når jeg bruger et ord som fædreland, bruger jeg det ikke i en eller anden ophøjet betydning. Jeg synes, hverken tyskerne er særlig slemme eller specielt fremragende. Jeg bruger ikke ordet fædreland således at forstå, at vi er verdens navle. Jeg bruger det for at sige, at dette er mit sprog, her står mine træer, dette er min sø, og her er jeg vokset op. Jeg kan godt lide at bo her. Dette land har jeg tillid til, her er jeg del af en fælles historie – med alle smerterne og med de gode sider«.

At disse enkle sætninger kommer roligt ud af munden på en politiker med en så uforfængelig og beskeden fremtoning, i kølvandet på de permanent støjende og egomaniske kanslerforgængere Helmut Kohl og Gerhard Schröder, gør dem endnu mere velgørende.

Udenrigspolitisk har hun brugt Tysklands økonomiske muskler særdeles magtbevidst og også ofte opportunistisk, med blikket rettet mod næste valg. Alt for længe lod hun middelhavslandene i stikken med deres flygtningeproblemer. Kortsynet spændte hun EU for tyske erhvervsinteressers vogne, mens hun til gengæld lod hånt om modige europæiske initiativer som dem, der kom fra Frankrigs præsident, Macron.

Den mægtige tyske bilindustri kan lige så lidt klage over Merkels lobbyarbejde som dansk landbrug kan klage over Venstre. Ufrivillig komisk bliver kansleren, når hun opreklamerer Tysklands hurtige digitalisering. Som om hun, landets leder, ikke har haft ansvar for og har forsømt det område i halvandet årti. Uovertruffen er hendes sætning fra 2013: »Internettet er nyt land for os alle«.

Otte år senere tager Merkels gigantiske administration, Bundeskanzleramt, stadig imod forespørgsler fra forbundsdagen pr. fax, indskanner og videresender dem til det relevante ministerium som pdf, hvorefter de skrives af, inden de kan besvares. Selv har jeg med vantro oplevet, hvordan tyske pårørende måtte sørge for transport af sygejournaler på papir fra læge til sygehus eller omvendt, før behandling kunne fortsætte. Jeg kan roligt sige, at man føler sig tryggere i det tidligt digitaliserede Danmark.

Når Merkel nu forlader scenen, er det for mig at se hverken som helt eller skurk. Der har været udslag i begge retninger. Her kommer tilståelse nr. 2 for manglende evne som Merkel-kender: Jeg har for ofte, i min glæde over hendes intelligente, moralsk funderede retorik overset de pauvre resultater af hendes politik. Og sådan er det gået for andre end mig. Angela Merkel har været verdensmester i at lulle alle til ro: venner såvel som politiske modstandere og ikke mindst vælgerne.

Om min start som dansk statsborger

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Vi finder os ikke i det formørkede vanvid

af Thomas Borchert 12.6.21

Den 20. april skulle jeg have mit statsborgerskab bekræftet ved en ceremoni i København. Jeg meldte afbud, ikke fordi jeg som de fleste tyskere har det lidt svært med datoen, Hitlers fødselsdag. Jeg var bare for langt væk den dag.

Det føltes enormt godt efter modtagelsen af statsborgerretsbeviset, forsynet med udlændinge- og integrationsminister Mattias Tesfayes autograf, at kunne logge ind på borgerforslag.dk uden at blive afvist. Her tæller min stemme nu for et forslag, som Folketinget skal tage stilling til, hvis det opnår 50.000 underskrifter. Begejstringen over at have ret til at deltage i den demokratiske proces – efter mange år i et skønt land – var så stor, at jeg straks overvejede selv at stille et borgerforslag: ”Forbyd nye regler for tildeling af statsborgerskabet med tilbagevirkende kraft.“

Kun et par dage før min ”indfødsret” blev til virkelighed, var rigtig mange ansøgere blevet udelukket fra fællesskabet efter den metode, som man kunne forvente af en ussel despotstat. Ikke af et skønt land, der værner om de demokratiske traditioner. Ansøgere blev pludselig med tilbagevirkende kraft (op til 13 måneder) underlagt skærpede krav om bl.a. fuldtidsbeskæftigelse.

Staten, her i gestalt af socialdemokraten Tesfaye og aftalepartierne V, K og LA, sagde ud af det blå noget i denne stil: »Vi har med tilbagevirkende kraft fordoblet prisen på dit nye hus og ser, at købet nu overstiger, hvad du kan præstere. Du kan ikke flytte ind i huset.« Som om politikerne sætter en ære i at gøre tildelingen af statsborgerskab så modbydelig og ydmygende som overhovedet muligt. Vi, der er så heldige, at vi er sluppet igennem nåleøjet, grubler med Groucho Marx i baghovedet: Vil jeg virkelig være med i en klub, der optager et medlem som mig? Men ikke min ven med de samme forudsætninger og bare en lidt senere ansøgningsdato?

Jeg lavede en omvendt Groucho Marx. De allerfleste kandidater til statsborgerskab har ivrigt studeret Udlændingeministeriets forberedelsesmateriale til indfødsretsprøven. Her får vi at vide, at »i Danmark er der tradition for, at politikerne inddrager foreninger og interesseorganisationer i de politiske beslutninger«. Den køber jeg!

Som reaktion på de utroligt negative oplevelser under ansøgningsprocessen har jeg i 2020 sammen med ligesindede startet foreningen Fair Statsborgerskab. Den står for kravet om en anstændig og retfærdig behandling af alle ansøgere. Lige så vigtig i foreningsarbejdet er gensidig praktisk hjælp gennem den krævende og langtrukne ansøgningsproces med hele tiden skiftende, svært gennemskuelige og mere og mere uoverkommelige fordringer. Eksempelvis det nye krav om at have haft et fuldtidsjob i tre et halvt af de seneste fire år. Det er som i 1800-tallet, da stemmeretten var afhængig af fast ejendom og formue. Tænk, at en socialdemokrat som Tesfaye kan gå med til den opdeling af vores samfund, som hans politiske forfædre fra Louis Pio til Anker Jørgensen har bekæmpet med krav på lige rettigheder for alle.

Da den nye indfødsretsaftale blev offentliggjort den 20. april, troede jeg derfor ikke mine egne øjne. Den indeholdt desuden en racistisk inddeling af (i øvrigt godkendte) ansøgere i ønskede og ikkeønskede nationaliteter. Med socialdemokratisk velsignelse! Den 20. april skulle jeg egentlig få mit statsborgerskab bekræftet ved en grundlovsceremoni i København. Jeg meldte afbud og udskød til næste mulighed, ikke fordi jeg som de fleste tyskere har det lidt svært med datoen, Hitlers fødselsdag. Jeg var bare for langt væk den dag.

Jeg vil huske den 20. april for det chok, indfødsretsaftalen udløste: at det er muligt i dagens Danmark. Men også fordi den trods alt satte noget opmuntrende i gang. Statsborgerskabsreglerne var også i 2015 og 2018 blevet skærpet med tilbagevirkende kraft, men uden at det havde vakt særlig opmærksomhed. Tesfayes forgænger, Inger Støjberg, kunne 9/5 2018 i Information uanfægtet forkynde: »Lige præcis tildelingen af dansk statsborgerskab er et område, hvor vi kan gøre stort set, som vi vil.« De tider er måske forbi, hvilket de seneste ugers massive protester antyder.

Siden de nye regler kom, er medlemstallet i Fair Statsborgerskab mere end fordoblet og nærmer sig nu de 400. Foreningen får mange utålmodige og stridsparate henvendelser fra indvandrede såvel som i Danmark fødte borgere i fællesskab: Vi finder os ikke mere i dette formørkede vanvid.

På Christiansborg er der nu i det mindste signaleret beredskab til justeringer af visse regler med tilbagevirkende kraft. Tesfaye kvitterede for protesterne ved at sige ja tak til foreningens indbydelse til et online-folkemøde om den nye indfødsretsaftale den 17. juni.

“Shamanen Thomas Borchert fra Bremen” viser vejen for Trine Bramsen

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7.6.21

Politikens satirespalte ATS (At Tænke Sig) har optaget mig i deres persongalleri som “Shamanen Thomas Borchert fra Bremen”, nu i øjenhøjde med legendariske personligheder som Oberst Ditlev Hackel, Elvira Mortensen, Erling Brokkendorf, Palle Pumpgun og ikke mindst sjofelisten Ernst Eskildsen fra Greve. Jeg er mægtig stolt, desuden totalt overrasket og optræder som shamanen, som giver en fortvivlet Trine Bramsen de afgørende tips for at komme ud af sine mange, mange problemer i “forsvarsmysteriet”. Har fået de mest eksatiske lykønskninger i hele mit liv. “Som et ridderkors på bånd. Nej, faktisk bedre” for eksempel. Her kommer teksten med shamanen i de to sidste afsnit.

DEN OKKULTE BREVKASSE: HJÆLP! DET SPØGER I MIT MINISTERIUM!

Skriv til fjernhealer Gunløg Bendixen

Kære Gunløg

Jeg har i snart to år haft en betroet stilling i Forsvarsmysteriet og frygter efterhånden at ende som et nervevrag. Lige fra min første arbejdsdag har det væltet ud af skabene med skeletter – de fleste i uniform, men også enkelte i civil. Jeg tør simpelthen ikke være alene på mit kontor og har derfor været nødt til at indføre en vagtplan, hvor mine styrelseschefer kommer ind på skift og får en skideballe.

Som om det ikke var nok med alle skeletterne, er der også en gammel sag, der bliver ved med at spøge. Af hensyn til rigets sikkerhed kan jeg desværre ikke gå i detaljer, men jeg kan sige så meget, at det drejer sig om nogen, der har hørt stemmer, som de ikke burde have hørt – og her må jeg skynde mig at understrege, at jeg ikke selv har hørt de pågældende stemmer, men kun hørt om dem, hvis du forstår, hvad jeg mener.

Jeg håber virkelig, du kan hjælpe mig med at komme ud af det helvede, jeg er havnet i!

’Den desperate’

Kære Trine Bramsen

Jeg forstår desværre ikke det, du skriver om stemmerne, men fornemmer alligevel tydeligt, at du befinder dig på en hjemsøgt arbejdsplads.

Min gode kollega, multimediet Orakel Rastenni, har hjulpet mig med at komme på Teams, så jeg har kunnet tale med de døde under coronanedlukningen. Forleden spurgte jeg specifikt efter ånder med militær baggrund, og det lykkedes mig faktisk at komme i kontakt med en oberst ved navn Ditlev Hackel. Han blev imidlertid stærkt oprørt over at erfare, at »Krigsministeriet« var blevet »indtaget af et fruentimmer«, som han udtrykte det. Obersten ville hellere dø en gang til end hjælpe sådan et forvorpent kvindemenneske, råbte han, idet han marcherede tilbage til det spil l’hombre, som han var blevet afbrudt i.

I stedet henvendte jeg mig til min gode tyske kollega, shamanen Thomas Borchert fra Bremen, for at spørge, om han havde et godt råd til dig – og det havde han heldigvis: Ved solhverv (21. juni klokken 05.31) skal du stille dig op på dit skrivebord med en papirkurv over hovedet og et sønderjysk rugbrød under venstre fod, imens du klemmer blodet ud af en nyslagtet perlehøne og fremsiger en oldtysk besværgelse på 23 vers, som Thomas forinden har sendt dig via en krypteret forbindelse for at undgå, at den bliver opsnappet af Forsvarets Efterretningstjeneste og givet videre til amerikanerne.

Dette vil ikke få de dårlige ånder til at trække sig tilbage. Det er ikke i deres natur. Men ifølge Thomas vil det forvirre dem så meget, at de går i flyverskjul sommeren over. Når de begynder at spøge igen, skal du bare gentage seancen og eventuelt prøve dig frem med andre former for hovedbeklædning og brødtyper.

Gunløg

“Keine Quelle für Antisemitismus”: Warum ich mich von der Frankfurter Rundschau verabschieden musste

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Hier lege ich nachträglich und mit mehr innerem Abstand ein paar Texte zu meiner Protest-Kündigung als Skandinavien-Korrespondent der Frankfurter Rundschau aus. Auslöser des Streits im März war meine Verwendung des Begriffs “Apartheid” für die Corona-Impfpolitik Israels in den besetzten palästinensischen Gebieten in einem Kommentar. Das führte nach einem Twitter-Shitstorm mit wüsten Antisemitismus-Vorwürfen gegen meine Person und die FR sowie einem Protest der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zur Online-Sperrung des Kommentars samt einer Erklärung von Chefredakteur Thomas Kasper: “Die FR ist keine Quelle für Antisemitismus. Wir können für unseren Fehler nur aufrichtig um Entschuldigung bitten.” Mit mir als Autor des mit Namen gezeichneten Kommentars hatte er dazu in keiner Weise Kontakt aufgenommen. Darauf hab ich mit einem Protest und der Beendigung meiner Mitarbeit reagiert.

Es folgen

  • FR-Bericht und FR-Kommentar von mir vom 5. März 2021
  • Protestschreiben der deutsch-israelischen Gesellschaft
  • “Richtigstellung und Entschuldigung” von Chefredakteur Kasper
  • meine “Abschiedserklärung” auf Facebook
  • 14 Tage später von der FR “offiziell” veröffentlichte Darstellung des Vorfalls, zusammen mit einem Essay von Stephan Hebel zur Verwendung des Begriffs Apartheid mit Blick auf Israels Besatzungspolitik in den besetzten palästinensischen Gebieten.

FR-Bericht 5.3.2021

Israel lockt mit Impfstoffvorräten

  • von Thomas Borchert

Premier Benjamin Netanjahu schmiedet Vakzinallianz mit Österreich und Dänemark

Vakzine, Vakzine, Vakzine. Fast alles was wir im Augenblick tun, dreht sich darum“, erklärt die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen noch aus dem Flugzeug ihre spektakuläre Reise zusammen mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz nach Tel Aviv. Kurz vor dem Treffen am Donnerstag im Jersualemer Hotel King David mit Israels Premier Benjamin Netanjahu stand das Ergebnis praktisch fest: Die drei Länder wollen in einer Corona-Allianz, wahrscheinlich mit weiteren Partnern, schleunigst eine eigene Impfstoff-Produktion auf die Beine stellen. https://81cadd9ba24bf126aea49afcd3d646e2.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-38/html/container.html

Frederiksen und Kurz hat außerdem die Aussicht auf sofortige Lieferungen aus den überschüssigen israelischen Impfstoff-Vorräten gelockt. Vorbei an der eigentlich vereinbarten gemeinsamen EU-Regie bei Impfstoffen. Kurz erklärt dazu, die Europäische Arzneimittel Agentur EMA sei bei deren Zulassung zu langsam, es gebe außerdem zu viele Lieferengpässe: „Wir müssen uns auf weitere Mutationen vorbereiten und sollten nicht mehr nur von der EU abhängig sein bei der Produktion von Impfungen der zweiten Generation.“

Israel liegt mit einer Impfquote von bald 60 Prozent der Bevölkerung an der globalen Spitze, weit vor Dänemark mit mageren sieben und Österreich (wie Deutschland) mit fünf Prozent. Weil sich Netanjahu früh eine Riesenlieferung von Biontech Pfizer im Gegenzug für umfangreichste Daten geimpfter Patient:innen gesichert hatte, kann er nun nicht benötigte andere Impfstoffe weiterreichen. Er erklärt das teils als Belohnung für „Freundlichkeit“ gegenüber seinem Land in der Vergangenheit, aber auch mit Blick nach vorn: „Das wird absolut Wohlwollen kaufen.“

Laut heimischen Medien hat der Premier eine Liste von 20 Ländern als Empfänger des nicht benötigten Moderna-Impfstoffs angelegt, darunter Zypern, Tschechien und Ungarn aus der EU. Weiter hieß es, Guatemala habe auf Wunsch Israels schon seine Botschaft nach Jerusalem verlegt und Honduras nunmehr die Absicht verkündet, jeweils für ein paar Tausend Impfdosen.https://embeds.fanmatics.com/?campaignId=92881739&referrer=https%3A%2F%2Fwww.fr.de%2Fpolitik%2Fisrael-lockt-mit-impfstoffvorraeten-90228416.html

Drei Wochen nach Netanjahus Verabredung mit Frederiksen und Kurz stehen in Israel Wahlen an, bei denen es mittels Wiederwahl auch um die Vermeidung einer Haft wegen massiver Korruptionsvorwürfe geht. Nun kann er im Wahlkampf aus der Facebook-Botschaft der dänischen Kollegin zitieren: „Israel ist derzeit bei der Impfung der Bevölkerung weltweit mit Abstand am weitesten gekommen. Ich freue mich auf Inspiration durch meine Kollegen.“ Diskret überging sie die international massive Kritik am fast völligen Ausschluss der Palästinenser:innen im besetzten Gaza-Streifen und dem Westjordanland von Israels Impfprogramm. „Es gibt kein anderes Wort dafür als Apartheid“, schrieben israelische Ex-Botschafter sowie Knesset-Abgeordnete in einem von der Kopenhagener Zeitung Politiken abgedruckten Brief an Frederiksen. Sie forderten sie auf, dies bei Netanjahu wenigstens zur Sprache zu bringen: „Millionen Palästinenser im von Israel besetzten Gebiet bekommen keinen Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen. Auf demselben Territorium werden die israelischen Siedler geimpft, nicht aber ihre palästinensischen Nachbarn.“

Israels derzeitiger Botschafter konterte, sein Land habe sämtliche palästinensischen Gefangenen, darunter „Hunderte verurteilte Terroristen“, Zehntausende Palästinenser:innen in Ost-Jerusalem sowie Hunderttausende Palästinenser:innen mit Arbeitserlaubnis geimpft.

Kommentar Seite 11

FR-Kommentar 5.März 2021

FR 04.03.20211 5:21

Höchstpreis Apartheid

Von Thomas Borchert

Österreichs Kanzler und Dänemarks Ministerpräsidentin machen dem israelischen Premier den Hof, um beim Impfen in den eigenen Ländern voranzukommen. Dabei verschließen sie die Augen davor, dass die fünf Millionen Menschen im Westjordanland vom Impfen ausgeschlossen sind.

Welch ein Treffen: Eine Ministerpräsidentin und ein Kanzler reisen trotz Lockdown in die Ferne und nehmen Quarantäne in Kauf. Sie adeln damit einen Gastgeber als erfolgreichsten Corona-Manager der Welt, der wegen Korruption mit einem Bein im Knast sowie mitten im Wahlkampf steht. Wer würde nicht die Verzweiflung des Österreichers Kurz und der Dänin Frederiksen verstehen, die sie zum Treffen mit Netanjahu getrieben hat. Aufgerieben zwischen Corona-Müdigkeit der Bevölkerung, immer neue Mutanten und einer langsamen EU-Bürokratie.

Dass dieser Trip dem bröckelnden EU-Zusammenhalt bei den Impfstoffen einen Schlag versetzt, ist schlimm genug, aber eben auch dem Versagen Brüssels zuzuschreiben. Vollkommen unverzeihlich ist die neue Allianz als stillschweigende Anerkennung von Israels völkerrechtswidrigem Ausschluss fast aller fünf Millionen Palästinenser:innen in den besetzten Gebieten von Impfungen. In der Not frisst der Teufel Fliegen, heißt es. In der Corona-Not mal eben Apartheid zu schlucken, kann man dem Teufel nachsehen, nicht aber Frederiksen und Kurz.

Protest der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. 5.März 2021

Unanständige Hetze der Frankfurter Rundschau gegen Israel erfordert Entschuldigung

„Ich erwarte, dass die Frankfurter Rundschau ihre tendenziöse Berichterstattung korrigiert und sich für diese völlige Entgleisung entschuldigt. Mit Entsetzen habe ich heute den Kommentar der Frankfurter Rundschau zum Impfverhalten Israels gegenüber den Palästinensern gelesen und muss feststellen: Neben Unkenntnis und Vorurteilen bedient man sich auch noch des Apartheidbegriffes des Israel bezogenen Antisemitismus. Dies ist völlig inakzeptabel“, so äußerte sich heute der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Uwe Becker, in Bezug auf einen FR-Bericht vom heutigen Tag.

„Durch die Verbindung von Bericht und Kommentierung wird der Eindruck erweckt, Israel würde den Palästinensern Impfstoff vorenthalten. In Wahrheit hatte sich zu Beginn der Pandemie jedoch die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) gegen Unterstützung aus Israel gewandt und wollte mit dem Sputnik-Impfstoff aus Russland das Problem selbst in die Hand nehmen, wo übrigens die gesundheitliche Versorgung der Palästinenser nach den Oslo-Regelungen auch liegt. Erst nachdem die PA bei der eigenen Impfstoffbeschaffung erfolglos geblieben ist, erklärte man Israel in vielfach gewohnter Form zum Sündenbock, um vom eigenen Versagen abzulenken“, so Uwe Becker weiter.

„Wenn nun selbst die Frankfurter Rundschau diese Propaganda offenkundig ungeprüft übernimmt und ein Zerrbild der realen Situation zeichnet, trägt sie nicht zur journalistischen Aufklärung, sondern zur Verbreitung anti-israelischer Ressentiments bei, die sie noch dazu mit dem Apartheidbegriff garniert“, so DIG-Präsident Uwe Becker abschließend.

Berlin, den 05.03.2021

Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V

5.3.2021., 22:58

Corona-Impfung in Palästina: Richtigstellung und Entschuldigung

von Thomas Kaspar

In einem Kommentar über die Corona-Impfung in Palästina haben wir falsch berichtet. Wir korrigieren den Fehler und bitten dafür um Entschuldigung.

Die Frankfurter Rundschau hat eine lange Tradition im Kampf gegen Extremismus. Alle Formen von Sexismus, Rassismus und Antisemitismus lehnen wir ab. Gleichzeitig fördern wir die kritische Kontroverse, das genaue Hinschauen und fordern von unseren Korrespondentinnen und Korrespondenten in ihren Kommentaren klare Kante, die dezidierte Meinungsäußerung.

In der Freitagsausgabe haben wir einen Kommentar zum Besuch des österreichischen Kanzlers Kurz und der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen in Israel veröffentlicht. Darin schreiben wir, dass Israel der Bevölkerung von Palästina “völkerrechtswidrig“ Impfungen vorenthalte und dass dies an „Apartheid“ erinnere. Dies ist falsch, die Zuspitzung schießt in der Folge weit über das Ziel hinaus.

Richtig ist: Die Zuständigkeit für die Impfungen in den palästinensischen Gebieten war tatsächlich ein heiß diskutiertes Thema der internationalen Politik. Zunächst hatte die palästinensische Autonomiebehörde erklärt, sich selbst mit Impfstoff versorgen zu wollen, sich aber angesichts der fehlenden Unterstützung – etwa durch Russland – schließlich an Israel gewandt. Noch im Januar berichteten die Vereinten Nationen, dass 4,5 Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser Leidtragende dieser Machtkämpfe seien. Seit Anfang Februar liefert Israel Impfdosen in die autonomen Gebiete.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Politik jedes Staates ist Kern der Berichterstattung der FR. Wenn Sie wie hier auf einer falschen Tatsachenannahme beruht, führt sie zu falschen Schlussfolgerungen. In einer Zeit, in der Fake-News missbraucht werden, um Hass zu schüren, ist es umso wichtiger, Fehler transparent richtig zu stellen, zumal und gerade wenn sie für Hetze missbraucht werden können. Die Frankfurter Rundschau ist keine Quelle für Antisemitismus. Wir können für den Fehler nur aufrichtig um Entschuldigung bitten.

Die Chefredaktion der Frankfurter Rundschau

Drei Tage später in der Papierausgabe und online vier Tage später war die Entschuldigung wie folgt entschärft:

https://www.fr.de/meinung/corona-impfung-in-palaestina-richtigstellung-und-entschuldigung-in-eigener-sache-90230869.html

Auf Facebook hab ich diese Reaktion am 10. März ausgelegt

Warum ich nicht mehr für die Frankfurter Rundschau arbeiten kann:Die Chefredaktion der Frankfurter Rundschau hat einen Kommentar von mir zum Israel-Besuch der dänischen Regierungschefin Frederiksen und des österreichischen Kanzlers Kurz bei Premier Netanjahu gesperrt, u.a. mit der ungeheuerlichen Begründung: „Die Frankfurter Rundschau ist keine Quelle für Antisemitismus. Wir können für den Fehler nur aufrichtig um Entschuldigung bitten.“ Bis zur Sperrung und zu den Gründen hat die Chefredaktion keinerlei Kontakt mit mir aufgenommen. Die öffentliche Einstufung „Quelle für Antisemitismus“ für meinen Text durch den eigenen Chefredakteur ist für mich nicht hinnehmbar. Deshalb habe ich ihm mitgeteilt, dass ich meine Arbeit als Skandinavien-Korrespondent für die FR beende.

Am 20.3.2021 brachte die FR als Begleittext zu einem Essay von Stephan Hebel folgende mit “Frankfurter Rundschau” gezeichnete Darstellung:

Der Hintergrund

Den Anlass für den hier abgedruckten Text bot die Auseinandersetzung mit einem Kommentar, der am 5. März in der FR erschienen ist. Darin äußerte sich Skandinavien-Korrespondent Thomas Borchert zu einem Israelbesuch des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz und der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen, der im Zusammenhang mit der Corona-Bekämpfung stand.

Als „völkerrechtswidrig“ bezeichnete es Borchert, dass Israels Regierung nur wenigen Menschen in den besetzten Gebieten eine Impfung anbot. Der Text endete mit den Worten: „In der Not frisst der Teufel Fliegen, heißt es. In der Corona-Not mal eben Apartheid zu schlucken, kann man dem Teufel nachsehen, nicht aber Frederiksen und Kurz“.

Nach Protesten von Leserinnen und Lesern entschied die FR-Chefredaktion, den Kommentar aus der Onlineausgabe zu entfernen, und distanzierte sich sowohl online als auch in der gedruckten Zeitung davon: Die Wertungen „völkerrechtswidrig“ und „Apartheid“ seien „falsch“ und „die Zuspitzung schießt in der Folge weit über das Ziel hinaus“.

Der Autor wehrte sich dagegen in einer Mail an die Redaktion, in der er auch seine Mitarbeit aufkündigte. Er teilte zwar die Ansicht, dass die FR auf die Proteste reagieren musste, bemängelte aber das Fehlen einer Absprache mit ihm in Bezug auf die Distanzierung, die er in der vorliegenden Form als ihm gegenüber unangemessen und „vollkommene Unterwerfung unter die Kritiker, die den Apartheid-Begriff gegenüber Israel mit Antisemitismus gleichsetzen“, wertete.

Auch der Behauptung, seine Einordnungen im Kommentar seien „falsch“, widersprach der in der FR-Redaktion insgesamt sehr geschätzte Kollege Borchert. In der Tat ist die Einstufung des israelischen Verhaltens als völkerrechtswidrig zwar umstritten, aber nicht von vornherein falsch.

Und die Apartheid? Der langanhaltenden Debatte über die Verwendung dieses Begriffs – sowohl im Zusammenhang mit Israels Besatzungspolitik als auch mit dem Holocaust – versucht sich der hier veröffentlichte Text differenziert anzunähern. Wer daraus eine Empfehlung ableiten will: So verkürzt wie in Borcherts Kommentar ist die Verwendung des Wortes „Apartheid“ zwar nicht antisemitisch, aber unangemessen. Aber genau begründet und mit Hinweis auf eindeutige Unterschiede sind Vergleiche wie dieser durchaus legitim. FR

Der Hebel-Essay zur Verknüpfung des Apartheid-Begriffs für die israelische Besatzungspolitik in den den palästinensischen Gebieten: https://www.fr.de/panorama/wehret-den-gleichsetzungen-90254359.html

Im Deutschlandfunk Kultur über meine Einbürgerung in Dänemark: “Bitte recht unfreundlich!”

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10.5.2021

Heute war ich bei der dänischen “Verfassungszeremonie” für meine Einbürgerung. Gestern abend hab ich bei Deutschlandfunk Kultur über den Weg dahin erzählt. Hinterher bat die Moderatorin, ich solle für Online ein möglichst unfreundliches Foto mit mir schicken. Das würde zum Thema passen. Hab ich gemacht. Die Überschrift war “EINBÜRGERUNG IN DÄNEMARK: DIE REGELN VERSCHÄRFEN SICH INS ABSURDE

7 Min.-Gespräch zu hören über diesen Link:

https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=924293

FazitEinbürgerung in Dänemark: Die Regeln verschärfen sich ins Absurde Borchert, Thomas Die Dlf Audiothek downloaden