Sipri: Chinas Rüstungskonzerne wachsen und wachsen

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Konjunktur der Konflikte

Erstellt: 05.12.2022

Von: Thomas Borchert

Demonstrationsflug eines Kampfjets in Kanada: Für die Waffenindustrie geht es steil nach oben. Imago Images
Demonstrationsflug eines Kampfjets in Kanada: Für die Waffenindustrie geht es steil nach oben. Imago Images © Imago

Der Ukraine-Krieg verstärkt den Rüstungsboom, bremst zugleich aber die Produktion – vor allem China drängt im Sipri-Bericht nach vorne.

Der Krieg in der Ukraine sorgt für gewaltige zusätzliche Nachfrage nach Kriegsgerät, hat aber zugleich den Rüstungsboom durch Versorgungsengpässe gebremst. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri erklärt das Paradox im an diesem Montag veröffentlichten Jahresbericht neben den Folgen der Corona-Pandemie auch damit, dass „Russland ein Hauptlieferant von Rohstoffen für die Rüstungsproduktion ist“. Das Versiegen dieser Quelle habe Lieferprobleme durch die Corona-Pandemie verstärkt. Zum Wachstum von 1,9 Prozent für die globalen 100 Branchenführer im letzten Jahr sagte die Sipri-Forschungschefin Lucie Béraud-Sudreau: „Ohne die permanenten Lücken in den Lieferketten hätten wir für letztes Jahr ein noch größeres Wachstum erwarten können.“

Grund zur Klage gibt es für die Waffenschmieden trotzdem nicht. Sie blicken auf sieben Jahre mit ununterbrochenem Wachstum zurück. Schon vor dem Ukraine-Krieg haben sich deshalb den Stockholmer Angaben zufolge immer mehr Private-Equity-Unternehmen, also private Kapitalgeber, in immer größere Rüstungsunternehmen eingekauft. Sipri nennt Beispiele aus den USA und blickt nach vorn: „Der zunehmende Trend zu Private-Equity-Aquisitionen wird wahrscheinlich wegen der historischen starken finanziellen Performance des Rüstungssektors andauern. Hinzu kommt die zu erwartende Nachfragesteigerung als Folge zunehmender geopolitischer Spannungen.“

Im vergangenen Jahr haben die 100 größten Rüstungskonzerne Waffen und militärische Dienstleistungen für die Rekordsumme von 592 Milliarden Dollar (562 Mrd. Euro) verkauft. Das gedämpfte Wachstum kann nach Meinung des Stockholmer Instituts auch noch eine Weile so bleiben, obwohl die Unterstützer-Staaten hinter der Ukraine genau wie die russische Seite alles daransetzen, ihre Bestände an in diesem Krieg eingesetzter Rüstung schnellstens aufzufüllen und auszubauen. In Russland wirkt als Bremsklotz vor allem das Ausbleiben von bisher importierten Halbleiter-Komponenten, die unter das Sanktionsregime wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine fallen.

Nach wie vor beherrschen die USA klar die Rüstungsbranche mit der Hälfte der globalen Waffenverkäufe. Die fünf Branchenführer, allen voran der Flugzeughersteller Lockheed, sind ausnahmslos in den Vereinigten Staaten angesiedelt. In der Rangliste der Top 100 macht sich aber auch Chinas Weltmachtstreben deutlich bemerkbar: Auf den britischen BAE-Konzern auf Platz 6 folgen fünf chinesische Rüstungshersteller. Sie haben zusammen mit drei weiteren heimischen Unternehmen im vergangenen Jahr um 6,3 Prozent zugelegt, während die US-Konkurrenz um 0,8 Prozent schrumpfte. „Chinesische Unternehmen haben für eine rapide Zunahme der Waffenverkäufe in Asien gesorgt“, heißt es im Bericht, Beim Bau von Kriegsschiffen hat der CSSC-Konzern weltweit den ersten Platz mit einem Umsatz von 11.2 Milliarden Dollar erobert.

Das ist mehr als doppelt so viel wie beim größten deutschen Rüstungshersteller Rheinmetall (laut Sipri 4,5 Mrd. Dollar), der den 31. Platz hält. Zum Rückgang um 1,7 Prozent im vergangenen Jahr heißt es, er sei durch Pandemie- und Lieferketten-Probleme bedingt. Was aber die Erwartungen für die Zukunft als Folge des Krieges in der Ukraine nicht trübt: Rheinmetall erwartet für 2021/22 einen Sprung von 100 bis 150 Prozent beim militärischen Auftragseingang und für 2023 immer noch 30 bis 40 Prozent. Hintergrund sind laut Sipri der „Bedarf zum Ersatz von an die Ukraine gelieferten gepanzerten Fahrzeugen und die deutschen Pläne für verstärkte Militärausgaben“.

Massives Wachstum mit plus 11 Prozent für 2021 kann ThyssenKrupp als zweites deutsches Rüstungsunternehmen (Platz 55) verbuchen. Beigetragen haben vor allem der Verkauf einer Fregatte an die Bundesmarine und von vier Korvetten nach Israel.

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