Sipri: Rüstungskonzerne sahnen ab

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4. Dezember 2016

Waffenindustrie Auftrieb für Rüstungskonzerne

 Von Thomas Borchert

Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien. Rüstungskonzerne des Landes haben bei Waffengeschäften kräftig zugelegt.  Foto: REUTERS

Neue Zahlen des Sipri-Instituts zeigen, dass deutsche Waffenindustrie deutlich wächst. Auch weltweit ist die Zeit der schrumpfenden Absätze offenbar vorbei.

Rüstungskonzernen in aller Welt winken wieder sattere Geschäfte mit deutlich zahlungswilligeren Regierungen. Im vergangenen Jahr haben die 100 größten Unternehmen Waffen für 370 Milliarden Dollar (348 Mrd. Euro) verkauft, wie das schwedische Sipri-Institut ermittelte. Nach vier Jahren mit schrumpfenden Umsätzen brachte das nur noch ein minimales Minus von 0,6 Prozent. Die Friedensforscher in Stockholm stufen dies als „Signal für die Umkehr der Abwärtstrends seit 2011“ ein. China als Land mit den weltweit größten Zuwächsen haben sie dabei wegen der unsicheren Daten noch nicht mal einbezogen.

Die drei größten deutschen Rüstungslieferanten Rheinmetall, Thyssen-Krupp und Krauss-Maffei Wegmann konnten 2015 um 7,4 Prozent zulegen. Das Minus von 2,9 Prozent für die Konkurrenz aus den USA führt Sipri auf Lieferprobleme, den hohen Dollarkurs und Ausgabendeckelungen unter Präsident Barack Obama zurück, der im Januar bekanntermaßen von einem anders orientierten Nachfolger abgelöst wird.

So gut wie alle anderen Länder mit Großkonzernen für die Rüstung melden schon jetzt kräftiges neues Wachstum. Länder mit besonders bemerkenswerten Zuwachsraten sind nach den Sipri-Angaben Südkorea und die Türkei: Südkoreas Rüstungskonzerne steigerten ihre Verkäufe um 31,7 Prozent und haben das Land unter den führenden Waffenlieferanten der Welt etabliert. Sie befriedigten die Anforderungen der heimischen Regierung für die Aufrüstung im Konflikt mit Nordkorea und erzielten auch „anhaltend Erfolge auf dem Weltmarkt“, heißt es aus Stockholm. Viel Hilfe hierbei sei aus Deutschland unter anderem für den Bau von U-Booten gekommen.

Die Türkei, militärisch in Syrien und gegen kurdische Gruppen aktiv, ist unter den hundert größten Waffenschmieden der Welt jetzt mit zwei Konzernen vertreten, die ihre Verkäufe um 10,2 Prozent steigern konnten.

Nordamerika und Westeuropa beherrschen den Handel

Bei einem Gesamtvolumen von 34,5 Milliarden Dollar (32,4 Mrd. Euro) steht diese Gruppe aufstrebender Rüstungslieferanten, darunter auch Indien, aber immer noch weit hinter den im Rüstungsgeschäft dominierenden westlichen Ländern zurück. Nordamerika und Westeuropa zusammen beherrschen mit einem Marktanteil von 82,4 Prozent den weltweiten Handel mit Waffen weiter souverän. Die US-Konzerne haben mit Rüstungsgeschäften für 209,7 Milliarden Dollar (196,6 Mrd. Euro) einen Marktanteil von 56 Prozent. Die großen westeuropäischen Konzerne setzten für 95,7 Milliarden Dollar (90 Mrd. Euro) Rüstungsgüter und -dienstleistungen ab. Ausschlaggebend für den Zuwachs um 6,6 Prozent waren französische Verkaufserfolge in Ländern wie Ägypten und Katar. Sie brachten dem eigenen Land ein Plus von 13,1 Prozent. Den deutschen Zuwachs von 7,4 Prozent stufte Sipri-Forscher Pieter Wezeman als „business as usual“ ein. Nicht eingerechnet ist dabei der als „transeuropäisch“ geführte Airbus-Konzern, der unter anderem den Eurofighter mit deutscher Beteiligung herstellt. Allein mit dieser Beteiligung ist Airbus der größte deutsche Rüstungshersteller.

Russland ist mit elf Unternehmen unter den hundert größten Waffenproduzenten vertreten, die ihre Verkäufe 2015 um 6,2 Prozent auf 30,1 Milliarden Dollar (28,3 Mrd. Euro) steigerten. Das Modernisierungsprogramm für das eigene Militär war dabei wie in den Vorjahren bei noch höheren Zuwachsraten der Motor.

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