Latest Event Updates
Eheliche Untreue kostet schwedischen Bischof das Amt


02.02.202216:39
Untreuer Bischof
Du sollst nicht begehren
- Von Thomas Borchert
Über Jahre hat ein Bischof eine Affäre mit einer Mitarbeiterin – nun entlässt ihn Schwedens Kirche fristlos.
Es ist eine dieser Nachrichten, bei denen man sich ungläubig am Kopf kratzt, ob man wieder irgendwas ganz falsch verstanden hat: Die evangelisch-lutherische Kirche Schwedens hat Bischof Thomas Petersson diese Woche fristlos von seinem Amt auf der Ostseeinsel Gotland entbunden, weil er als Ehemann untreu gewesen ist. Der 53-Jährige darf auch nicht mehr als Pastor oder Diakon arbeiten, weil damit das Recht auf kirchliche Trauungen anderer verbunden ist. Eine Möglichkeit zur Klage gegen diese Entscheidung des „Kontrollrates für Bischöfe“ hat Petersson nicht.
Manches am Gang dieser Geschichte scheint sich der altertümlich schönen, aber auch sehr engen Kulisse von Peterssons Amtssitz Visby anzupassen, der von einer Stadtmauer komplett eingeschlossenen Inselhauptstadt Gotlands. Eine idyllische Perle mitten in der Ostsee, aber eben auch eine Kleinstadt, in der alle immer schnell alles von jedem mitbekommen.
Taliban verhandeln in Oslo


25.01.2022 17:48
Afghanistan
Gesucht: ein Weg für Afghanistan
- Von Thomas Borchert
Taliban feiern die internationalen Hilfe-Verhandlungen in Oslo als Erfolg. Ein paar Kröten schlucken müssen sie auf dem internationalen Parkett aber auch.
Akut drohender Hunger für die Hälfte der 38 Millionen Menschen in Afghanistan hat den Taliban erste internationale Anerkennung eingebracht. In Oslo setzten sich hochrangige Regierungsdelegationen unter anderem aus den USA und Deutschland an einen Tisch mit den neuen Machthabern in Kabul, um über humanitäre Hilfe, die Freigabe blockierter Staatsguthaben und Einhaltung der Menschenrechte vor allem für Mädchen und Frauen zu verhandeln. Ob das knapp ein halbes Jahr nach dem chaotischen Abzug der westlichen Allianz zur Linderung der unermesslichen Not unter den Taliban beitragen kann, blieb am Dienstag bei Abschluss des dreitägigen Treffens aber weitgehend im Dunkeln.

Finnland und Schweden rücken immer näher an die Nato
17.1.2021 Nato-Beitritt

Panzer auf Gotland: Ukraine-Konflikt Russlands wirkt sich bis Schweden aus
- Von Thomas Borchert
Das Gebaren Russland verunsichert Länder wie Schweden und Finnland. Beide denken nun offen darüber nach, der Nato beizutreten.
Stockholm/Helsinki- Für die zehn Millionen Menschen in Schweden ist der Ukraine-Konflikt an diesem Wochenende beunruhigend nähergerückt. In den TV-Nachrichten sahen sie per Schiff eilig nach Gotland entsandte Panzer ihrer Armee rollen. Stark bewaffnete Militärs patrouillierten am Hafen der kleinen Inselhauptstadt Visby, und Verteidigungsminister Peter Hultqvist wollte einen russischen Angriff auf Schweden „nicht ausschließen“. Bitterernst fuhr er fort: „Wir haben Maßnahmen ergriffen, um die Bereitschaft zur Verteidigung unseres Landes zu signalisieren.“
Ob er glaube, dass die gerade erst über den schwedischen Atomkraftwerken Forsmark und Oskarshamn gesichteten Groß-Drohnen Teil einer russischen Destabilisierungsstrategie seien? „Ich glaube gar nichts. Wir haben dergleichen schon des Öfteren in militärischen Zusammenhängen erlebt“, sagte Hultqvist.

Gotland ist auch für Russland von strategischen Interesse
“Die schlimmste Version von Norwegen “
Enthüllungen

Nato-Chef Jens Stoltenberg: Dubiose Deals in Norwegen
- Von Thomas Borchert
Nato-Chef Jens Stoltenberg will Chef von Norwegens Nationalbank werden, aber die Kandidatur wackelt.
Oslo – Während die ganze Welt die Worte von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu Krieg oder Frieden mit Russland unter Hochspannung verfolgt, macht der Norweger daheim ganz andere Schlagzeilen. „Stoltenberg versinkt wie ein Stein“ titelte in Oslo „Dagbladet“ zu den immer neuen Enthüllungen über Vetternwirtschaft mit Hinterzimmer-Deals sozialdemokratischer Boy-Gangs, um den 62-Jährigen nach seinem Abgang aus Brüssel im September wunschgemäß als neuen Chef von Norwegens Nationalbank zu installieren.
Königin Margrethes Dienstjahre


13.01.2022 15:24
Thronjubiläum
Die Unantastbare
- Von Thomas Borchert
Dänemarks Königin Margrethe ist eigenwillig und mitunter unbequem. Und macht zum 50. Thronjubiläum klar, dass sie das auch bleibt
Als sich Dänemarks schüchterne Kronprinzessin vor einem halben Jahrhundert auf dem Kopenhagener Schlossplatz zur Königin ausrufen ließ, schwante dem Regierungschef nichts Gutes. Der Sozialdemokrat Jens Otto Krag rief der Menge auf dem Platz dreimal zu: „König Frederik IX. ist tot. Lang lebe Königin Margrethe II.!“ Ins Tagebuch trug er diskret ein: „Das kann anstrengend werden. Sie hat im Übrigen politisches Wissen, was nicht unbedingt von Vorteil ist.“
Welch ein Irrtum. Die dänische Königin hat in ihren vielen Dienstjahren – nur Queen Elizabeth II. regiert derzeit länger – nicht nur die Schüchternheit abgelegt und eine bisweilen entwaffend souveräne Selbstironie entwickelt. Auch jene, die Monarchie für eine unzeitgemäße Operetteninszenierung halten, bescheinigen der 81-Jährigen eine verblüffend souveräne Amtsführung. Hätte jetzt nicht Corona wie schon beim 80. Geburtstag mitten im Lockdown 2020 große Feste verhindert, könnte sich die vollkommen kristenfest populäre Margrethe massenhafter und warmherziger Glückwünsche vor ihrem Kopenhagener Schloss Amalienborg sicher sein. Im Sommer soll das nachgeholt werden.
Immerhin sind zwei Tage vor dem Jubiläum die Restriktionen in Dänemark schon mal gelockert worden. Bei Margrethes traditioneller Neujahrsansprache wusste noch niemand, wie schlimm die Omikron-Variante das bisher beneidenswert gut durch die Pandemie gekommene Königreich heimsuchen würde. Wie immer gehörten die zehn Minuten voller hübsch klingender Allgemeinplätze über das Leben an sich („Wenn man jung ist, strebt man nach Anerkennung“) und wie schön es in Dänemark ist, zum freiwilligen Pflichtprogramm dänischer Silvesterfeiern. Und werden jedes Jahr aufs Neue mit Spannung verfolgt.
Dänischer Geheimdienstchef hinter Gittern


11.01.2022 22:21
Skandal um Abhörpraktiken
Dänischer Geheimdienstchef in U-Haft – „Das Ganze ist komplett verrückt“
- Von Thomas Borchert
Der Chef des Militärgeheimdienstes in Dänemark soll Informationen durchgestochen haben. Nun wird Lars Findsen der Prozess gemacht.
Kopenhagen – Der Skandal um illegale dänische Abhörpraktiken im Dienst des US-Geheimdienstes NSA hat eine neue Dimension erreicht. Seit Mitte Dezember sitzt der Chef von Dänemarks militärischem Geheimdienst FE, Lars Findsen, wegen Verdachts auf Landesverrat hinter Gittern. Bei der Verlängerung der Untersuchungshaft in Kopenhagen wurde jetzt auf Wunsch des 57-Jährigen das Verbot der Namensnennung aufgehoben. Findsen scheiterte mit seinem Antrag, auch die Vorwürfe selbst für die Öffentlichkeit freizugeben. Beim Verlassen des Gerichtssaals rief er Journalistinnen und Journalisten zu: „Das Ganze ist komplett verrückt. Damit könnt ihr mich zitieren.“
Inspiration für AnnalenaBaerbock aus Schweden
„Feministische Außenpolitik“

„Feministische Außenpolitik“ ist Schwedens Exportschlager
- Von Thomas Borchert, 15.12.2021
Rechte, Ressourcen, Repräsentanz: An der „feministischen Außenpolitik“, in Schweden begründet, orientieren sich weltweit immer mehr Staaten.
Natürlich führen Schwedinnen die Weltrangliste für Frauen in der Diplomatie an. Sieben Jahre nach der Stockholmer Weltpremiere für die „feministische Außenpolitik“ bringen 50 Botschafterinnen an 104 Vertretungen eine Quote von 48,1 Prozent, wie aus dem „Women in Diplomacy Index 2021“ der Anwar Gargash Diplomatic Academy hervorgeht. Deutschland belegt mit 17,2 Prozent (28 Frauen und 135 Männer) den 24. Platz knapp vor Nigeria, aber weit vor den Schlusslichtern Saudi-Arabien (mit einem Frauenanteil von 2,1 Prozent) und Russland mit einer einzigen Botschafterin und 149 Botschaftern.

Im Deutschlandfunk über Kopenhagener Fahrradbrücken

https://www.deutschlandfunkkultur.de/bruecken-reihe-kunst-des-verbindens-7-radfahrbruecken-in-kopenhagen-dlf-kultur-c3042ec1-100.html
Brücken-Reihe „Kunst des Verbindens“ 7: Radfahrbrücken in Kopenhagen
06:56 Minuten Borchert, Thomas · 03. Januar 2022, 23:37 Uhr
Corona i

18.12.2021 kl. 16:30
Jeg vil hellere rammes af corona i Danmark end i Tyskland
Med hver ny infektionsbølge følger i Tyskland en endeløs palaver, hvor politikere, eksperter og mediefolk slås om den rigtige vej frem. Når Mette Frederiksen på tv melder ud, hvad staten har tænkt sig at gøre, føler jeg mig, trods modvilje mod statsministerens selviscenesættelse, i bedre hænder.
Thomas Borchert er noget mere tryg ved situationen i Danmark under coronapandemien end i Tyskland, der ikke har haft imponerende godt styr på situationen. Tegning: Rasmus Sand Høyer

Thomas Borchert tysk korrespondent
Stillet over for valget mellem Danmark og Tyskland lige nu tøver jeg ikke et sekund. Med udsigt til corona, selvisolering og måske endda et sygehusophold, så skulle det hele, for søren da, ramme mig helst nord for grænsen.
Jeg har faktisk stemt med fødderne. Da alt i Tyskland pludselig begyndte at dreje sig om hastigt stigende infektionstal, nye restriktioner og snarligt fyldte intensivafdelinger, flygtede jeg så nogenlunde hals over hoved på M/F Copenhagen mod Gedser.
Først da Frederiksen, Brostrøm og co. efter et par ugers tøven ringede med de danske alarmklokker, blev jeg rigtig klar over mine bevæggrunde. Corona-managerne i København giver mig, der pendler mellem de to lande, en langt større følelse af sikkerhed end kollegerne i Berlin.
Med hver ny infektionsbølge følger i Tyskland en endeløs palaver, hvor politikere, eksperter og mediefolk slås om den rigtige vej frem og udkæmper en konkurrence om, hvem der kan finde den mest dystre og truende grundtone. Når resultaterne endelig skal fremlægges, kommer statens reaktion som regel for sent samt i flere ret så forskellige delstatsversioner. Mindst et af de lovede tiltag fungerer ikke, fordi – desværre, desværre – nogle centrale faxmaskiner netop er gået kaput. Regeringen afviste hele denne yderst ”systemrelevante”, underbetalte og underbemandede erhvervsgruppe, som var det en flok tiggere, der bare forstyrrede.
Når Mette Frederiksen på tv understreger alvoren af endnu en coronavariant og melder ud, hvad staten har tænkt sig at gøre, føler jeg mig, trods modvilje mod statsministerens selviscenesættelse og selv efter nogle velsagtens uundgåelige fejlbeslutninger eller fejlgreb, i bedre hænder.
De ansvarlige politikere og faglige eksperter har fundet et sprog, en dansk sound, der formidler en passende blanding af alvor, respekt for borgerne – og optimisme. Det fungerer, fordi der bag tonen er en håndfast erfaring: Staten har foreløbig leveret varen. At ikke bare en tilløben indvandrer som mig ser sådan på det, viser den høje danske vaccinekvote, som er borgernes modydelse. Højere end i Tyskland.
Tv-pressemøderne bivåner jeg sammen med min pæredanske kone. Som er træt efter arbejdsdagen på et sygehus med flere og flere covid-patienter. Grundlæggende bevarer hun sin optimisme: ”Det skal vi nok klare”. Da hun hørte om lukning af grundskolerne, blev tonen en anden: ”Godnat! Så har vi snart ikke nogen sygeplejersker længere. De skal jo være hjemme hos deres børn”.
Der er i mellemtiden oprettet nødpasningsordninger. Men som alle ved, er sygeplejerskernes vilje til ekstraarbejde sunket som en sten efter tvangsindgrebet mod deres strejke. Regeringen afviste hele denne yderst ”systemrelevante”, underbetalte og underbemandede erhvervsgruppe, som var det en flok tiggere, der bare forstyrrede. ”Det kommer til at hævne sig”, sagde min bondesnu jyske hustru lige med det samme. Profetien opfyldes netop nu under coronaens betingelser, hvor f.eks. hver nok så enkel arbejdsgang med hver en patient kræver flerdobbelt tid pga. de enorme beskyttelsesforanstaltninger.
Hvordan kunne det komme til så grundfalsk en tone? Så staten, lige nu da det helt akut behøves, ikke længere kan levere? Er det ikke, som om regeringen over for sygeplejerskerne slukkede for den sunde fornuft, der ellers rådede i de to første kriseår?
Kopenhagen schockt aufs Neue Menschenrechtler

18.12.21 Dänemark
Zellen im Kosovo: Dänemark exportiert Gefangene ins Ausland
- Von Thomas Borchert
Dänemark mietet ab dem Jahr 2023 insgesamt 300 Haftzellen im Kosovo für verurteilte Straftäter, die abgeschoben werden sollen.
Kopenhagen – Dänemark will zur Abschiebung verurteilte Straftäter ab 2023 in einem Gefängnis im Kosovo platzieren. Justizminister Nick Hækkerup hat die bevorstehende Unterzeichnung einer Vereinbarung mit der Regierung in Pristina über die Anmietung von 300 Haftzellen mit der Überbelegung heimischer Gefängnisse begründet. Ausländer- und Integrationsminister Mattias Tesfaye führt seit längerem als aussichtsreich eingestufte Verhandlungen mit Ruanda über den Kopenhagener Plan, Asylbewerber in das afrikanische Land zu bringen, wo sie bis zur Entscheidung über ihre Anträge untergebracht werden sollen.
Zu den bizarren Hintergründen des „Exports“ von Häftlingen gehören die drastisch erhöhten Strafen für Vergehen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Das Kopenhagener Folketing hatte im Frühjahr 2020 die Verdoppelung des Strafmaßes für Corona-Straftaten und für Betrug bei staatlichen Hilfspaketen gar die Vervierfachung beschlossen. So sei bis 2025 mit der zusätzlichen Belegung von 500 Haftzellen in den schon jetzt überfüllten Gefängnissen zu rechnen, prognostizierte das „Amt für Kriminalfürsorge“. Hækkerup kündigte deshalb auch die Rücknahme der Vervierfachung auf eine Verdoppelung an.