Desaster mit den Corona-Nerzen: Erst zu spät gehandelt und dann ohne Rechtsgrundlage

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Das Grauen: Tote Nerze
Das Grauen: Tote Nerze.© MADS CLAUS RASMUSSEN/afp
  • 15.11.2020 15:04

Nerze

Dänemark streitet über Tötung von Nerzen

  • von Thomas Borchert

Gefahr des mutierten Virus offenbar niedriger als befürchtet.

Weniger als zwei Wochen hat die Massentötung aller 17 Millionen Zuchtnerze in Dänemark gedauert, um die Ausbreitung einer Mutation des Corona-Virus unter Menschen zu verhindern. Am heutigen Montag dürfte nach Plan auch die letzte der 1200 Nerzfarmen ihre Schließung melden.

Unter gar keinen Umständen sollte die im Norden Jütlands konzentrierte Pelztierzucht zu einem „neuen Wuhan“ werden und mit dem mutierten Virus kurz vor dem Einsatz stehende Impfstoffe gegen Covid-19 gefährden. Die chinesische Stadt Wuhan gilt als der Ausgangspunkt der Pandemie.

Aktivistinnen und Aktivisten für den Tierschutz begrüßen dieses abrupte und dauerhafte Aus für die als besonders grausam verschriene Käfighaltung der kleinen Raubtiere nur ihrer Pelze wegen. Dänemark war der weltweit größte Exporteur der Pelze.

Inzwischen aber schätzt die Riege an Fachleuten bis hin zur Weltgesundheitsbehörde die Gefahrenlage durch das mutierte Virus „Cluster 5“ niedriger: Die kurz vor dem Einsatz stehenden Corona-Impfstoffe seien wohl robust gegenüber den Veränderungen. Auch die Zahl von gut 200 mit „Cluster 5“ infizierten Menschen gibt keinen Grund zu Angst vor einer zweiten Pandemie „Made in Denmark“.

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verkündete zum Wochenende auch schon die ersten Erleichterungen für die 270 000 vom Rest des Landes weitgehend isolierten Menschen, die in der Region der Nerzfarmen leben. „Gute Nachrichten für Nordjütland“, postete die Sozialdemokratin auf Facebook. Man habe aber an dem bedauernswerten und brutalen Aus für einen ganzen Exportzweig mit Tausenden Arbeitsplätzen nicht vorbeikönnen, um größeren Gefahren für das eigene Land und die ganze Welt vorzubeugen.

Hatten die 5,8 Millionen Bürgerinnen und Bürger im Land solche Sätze beim schnellen, harten und erfolgreichen Lockdown im Frühjahr noch mit überwältigenden Umfragewerten quittiert, trat ihnen jetzt eine schwer angeschlagene Regierungschefin kurz vor dem K.O. entgegen. Dass die Rechtsopposition nach einem halben Jahr Corona-Burgfrieden mit Frederiksen als allseits bewunderter Krisenlenkerin jetzt Morgenluft wittert und ihr den Ruin eines ganzen Wirtschaftszweiges ohne Not anlastet, war noch das geringere Übel.

Denn Frederiksen musste zugeben, dass es für die Anordnung zur Tötung aller Nerze in Dänemark schlicht keine gesetzliche Grundlage gab: „Ein klarer Fehler, für den ich mich entschuldige.“ Mit Sicherheit wird es auch ein teurer Fehler für die Steuerkasse bei den anstehenden Verhandlungen über Schadensersatz an die Zuchtbranche.

Die Regierungschefin wird wohl diese Woche den für Landwirtschaft zuständigen Minister Mogens Jensen als Bauernopfer präsentieren, hat aber ihren Ruf als souverän und rational handelnde Corona-Managerin verspielt. Als die Gefahren aus den Nerzfarmen längst bekannt waren, machte sie sich noch im September lustig über eine Journalistenfrage, ob nicht die Tötung von Nerzgruppen mit infizierten Tieren angebracht sei. Monatelang auch sahen die Behörden trotz der seit Mai bekannten gegenseitigen Ansteckung von Nerzen und Menschen keinen Grund, die rund 2800 auf den Farben arbeitenden Menschen intensiver als andere zu testen.

Die Hälfte von ihnen sind Arbeitskräfte aus Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern. Der des Rassismus unverdächtige Mikrobiologe Hans Jørn Kolmos schaffte es dazu in viele Zeitungen mit seiner Bemerkung: „Es ist grotesk, dass Dänemark in einem Umfang runtergefahren ist, dass man kaum noch mit dem Fahrrad herumkommt. Zugleich fliegt man Woche für Woche Ostarbeiter ins Land und wieder heraus.“

Dies ist der von Politik, Medien und auch Gewerkschaften benutzte Sammelbegriff: Staatliche Behörden heuerten diese „Ostarbeiter“ auch noch für die Massentötung der Nerze durch Vergasung an und sie brachte sie zu jeweils mehreren Personen in Campingwagen unter.

2 thoughts on “Desaster mit den Corona-Nerzen: Erst zu spät gehandelt und dann ohne Rechtsgrundlage

    bohomicha said:
    November 16, 2020 at 7:37 am

    Du hast vergessen zu erwähnen, das in der Massenschlachtungspanik beim Abtransport halb tote/halb lebende Tiere auftraten und Tiere auf der Strasse verloren wurden. mvh Micha

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