Erste Kopenhagener Imamin hält Freitagsgebet

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25. August 2016

Frauenmoschee „Eine gute Gegengeschichte“

 Von Thomas Borchert

Sherhin Khankan, Soziologin, Therapeutin und Tochter eines syrisch-finnischen Paares, will einen feministischen Islam.  Foto: Manya Parwani

In Dänemark ruft zum ersten Mal eine Imamin das Freitagsgebet aus – in einer Frauenmoschee in der Kopenhagener Fußgängerzone.

Zum ersten mal ruft in Skandinavien eine Imamin zum Freitagsgebet. „Wir fordern patriarchalische Strukturen im Islam heraus, wie es sie auch in anderen großen Religionen gibt,“ sagt Sherhin Khankan, Mitbegründerin der Kopenhagener Frauenmoschee, vor der Premiere dieser Woche. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung der „Mariam Moské“ hält ihre dänische Mit-Imamin Saliha Marie Fetteh die erste Predigt. Eingeladen sind nur Frauen. Khankan zu den Motiven: „In den traditionellen Moscheen habe ich mich immer fremd gefühlt. Wir Frauen stehen abgetrennt auf einem Balkon herum und sind nur Zuschauer. Viele kommen gar nicht, weil man in eine von Männern beherrschte Welt eintritt. Sie haben das Wort, leiten das Gebet und stehen im Fokus. Wir schaffen jetzt eine Moschee nach den Prämissen der Frau.“

Die ersten Monate seien neben dem Einrichten der Moschee, einer großen Wohnung im Kopenhagener Zentrum, vor allem mit seelsorgerischer Arbeit vergangen, erzählt die 41- jährige Khankan. Fünf Paare hat sie getraut und Frauen bei der Scheidung geholfen. Die Selbstbeschreibung der Frauenmoschee als „Teil des feministischen Zusammenhangs im Islam“ bekam schnell sehr praktische Bedeutung: Sie hilft Muslima bei der andernorts meist unmöglichen Anerkennung einer Scheidung. Paaren mit Heiratsplänen vermittelt die Moschee Eheverträge, bei denen Frauen dasselbe Recht auf Scheidung zusteht: „Für uns bedeutet Feminismus vor allem, dass beide Geschlechter gleichgestellt sind“.

Der Start der ersten nordeuropäischen Frauenmoschee machte Anfang des Jahres Schlagzeilen bis in islamisch geprägte Länder wie Pakistan und Iran. Weibliche Imane sind auch in westlichen Ländern mit großen Zuwanderer-Gemeinden eine Rarität. Sie wisse von Kolleginnen in Köln und Hamburg sowie in Belgien, China, und den USA, sagt Khankan. Auf die Frage nach möglicher Ablehnung aus den etwas über 100 traditionell orientierten Moscheen in Dänemark antwortet die studierte Religionssoziologin, Gesprächstherapeutin und Tochter eines syrisch-finnischen Paares: „Ich konzentriere mich ganz auf die positiven Reaktionen, die total überwiegen. Und wenn es anders wäre, würde ich es im Interview bestimmt nicht sagen.“

Positive Rolle an mehreren Fronten

Die zur Frauenmoschee umfunktionierte 250-qm-Wohnung in Kopenhagens Fußgängerzone hat ein anonymer Spender Khankan und ihrem Gemeindevorstand gestiftet. Die Gruppe orientiert sich theologisch an den liberalen Sufi-Strömungen im Islam. Vor allem junge Muslime in Dänemark fühlen sich laut Khankan davon viel mehr angesprochen als von den traditionellen, „99,9 Prozent von Männern monopolisierten Moscheen“ und der politisch orientierten islamistischen Richtung. Unter 5,7 Millionen Bürgern in Dänemark machen Muslime etwa fünf Prozent aus.

Im Frühjahr brachte der Sender TV2 mit verdeckter Kamera gefilmte Aufnahmen mit Hasspredigern, die zur Steinigung untreuer Ehefrauen aufforderten. „Als 15 moderate Moscheen sich davon gemeinsam distanzieren wollten, haben sie uns zur Teilnahme eingeladen. Das sehen wir als beginnende Anerkennung unserer Legitimität“, sagt Khankan. Sie sieht eine positive Rolle der Frauenmoschee an mehreren Fronten: „Wir fordern auch die Islamophoben in Dänemark heraus, weil wir eine so gute Gegengeschichte sind.

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