Stark geschwächt kann Frederiksen in Dänemark wohl weiterregieren

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„Wir haben keinen Schimmer“: Dänemarks Regierungschefin warnt vor den USA

25.3.2026

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen muss komplizierte Gespräche führen. Elf Parteien sitzen im Parlament, keine hat eine klare Mehrhei

Am Kopenhagener Wahlabend haben sage und schreibe elf frisch ins Parlament gewählte Parteivorsitzende den jeweils eigenen Sieg als „einzigartig“ hochgejubelt. Als zwölfte und letzte konstatierte Dänemarks bisherige und mit einiger Sicherheit auch kommende sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nüchtern vor den Kameras: „Das ist stark fragmentiert und wird schwer.“

Neben dem Niedergang der traditionellen Lager-Parteien und dem Aufpoppen immer neuer Parteien mit TikTok-Schwung bescheinigte der Wahltag in Dänemark auch die Unbeliebtheit von Sozialdemokratie und zwei ihrer Regierungspartner von Mitterechts. Frederiksens Partei verlor 5,6 Prozentpunkte und kam mit 21,9 Prozent auf das schlechteste Ergebnis seit 1903. Die Koalition insgesamt schaffte nur noch 70 statt der bisherigen 89 von 175 Sitzen (ohne Mandate für Grönland und die Färöer Inseln), war meilenweit von der absoluten Mehrheit entfernt und eigentlich abgewählt.

Trotzdem hatten Frederiksen und ihr Außenminister Lars Løkke Rasmussen von den „Moderaten“ Grund zur Freude. Zurecht konstatierte die seit sieben Jahren amtierende Frederiksen: „Wir bleiben die souverän größte Partei im Folketing.“ Das sei der klare Auftrag zur dritten Regierungsbildung unter ihrer Führung.

Ex-Premier Rasmussen wiederum fand die 7,7 Prozent für seine vor vier Jahren aus dem Boden gestampfte Mitte-Partei weniger aufregend als die Prozentverteilung auf alle anderen. Weil weder das Mitte-links-Lager unter sozialdemokratischer Führung noch die bürgerlichen Parteien eine absolute Mehrheit an Land ziehen konnten, wird Rasmussens Entscheidung für eine der beiden Seiten ausschlaggebend.

Frederiksen und Rasmussen haben sich überall auf der Welt, abgesehen vom Weißen Haus in Washington, mit ihrem aufrechten Widerstand gegen den Griff von US-Präsident Donald Trump nach Grönland einen Namen gemacht. Im eigenen Land hat ihnen der US-Präsident mit seinen Angriffsdrohungen gegen einen Nato-Verbündeten wohl den Job gerettet.

Wahl in Dänemark: Regierungschefin Mette Frederiksen galt als schwer angezählt

Noch zum Jahreswechsel galt Frederiksen nach schweren Niederlagen bei Kommunal- und den Europawahlen als Auslaufmodell. Rasmussens Partei lag unter der Sperrgrenze von zwei Prozent und wurde als Ansammlung von „Clowns“ ausgelacht. Weil für beide im Gefolge des Grönland-Konfliktes die Umfragewerte nach oben kletterten, machte Frederiksen von ihrem Recht Gebrauch, vor Ablauf einer Amtszeit jederzeit Wahlen auszuschreiben.

Im Wahlkampf allerdings bewegte sich dann vor allem für die Sozialdemokratie wenig nach oben. Grönland war wegen fast vollständiger Einigkeit kein Thema, genauso wenig Frederiksens auch international beachtete Kompromisslosigkeit bei der militärischen Unterstützung für die Ukraine und ihr aggressiv formulierter Kurs für massive Aufrüstung gegen Russland. Stattdessen gab es, etwas überraschend, einen heftigen Streit über die gigantisch überdimensionierte Agrarindustrie Dänemarks mit 40 Millionen Schweinen. Die Tiere leben und sterben unter schrecklichen Bedingungen, und die Qualität des Trinkwassers in Dänemark wird auch durch die Verbreitung von Gülle auf den Feldern in alarmierendem Grad verschlechtert.

Hier machte Frederiksen gemeinsame Sache mit ihren früheren Mehrheitsbeschaffern vom linken und grünen Parlamentsflügel. Bei ihrem Markenzeichen einer strammen Asyl- und Migrationspolitik mit Attacken gegen „diese Araber“ und der De-facto-Verweigerung von Einbürgerungen wegen Herkunft aus muslimisch geprägten Ländern, ließ sie sich selbst von der äußersten Rechten nicht überholen.

Dänemark stehen nach der Wahl lange Verhandlungen bevor

Die Rechte insgesamt legte bei der mit 84 Prozenten niedrigsten Wahlbeteiligung seit 36 Jahren zwar zu, ohne dass das aber als Rechtsruck gewertet werden kann. Links von der Sozialdemokratie wurden die Volkssozialisten mit einem Plus von 3,3 auf 11,6 Prozent zweitstärkste Kraft im Folketing. Sie sind zur Zusammenarbeit auch mit bürgerlichen Parteien unter sozialdemokratischer Führung bereit.

Kopenhagen stehen nun lange Verhandlungen voller Stolpersteine zur Einbeziehung mehrerer Mitte-Parteien bevor – mit einem allerdings einigermaßen sicherem Ausgang. Zu Mette Frederiksen an der Spitze mit Rasmussen als Partner ist erst mal keine Alternative in Sicht.

Die 48-jährige Regierungschefin Dänemarks erinnerte am Tag nach der Wahl, in welcher schwierigen geopolitischen Lage mit Kriegen, Energiekrise und drohender Wirtschaftskrise die Regierungsverhandlungen geführt werden. Und sie fügte hinzu: „Wir haben keinen Schimmer, was jeden Tag aus Washington kommen kann.“

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