Sipri: Europäer rüsten rasant auf und Trumps USA verdienen daran

Europa bezahlt die USA für massive Militarisierung
10.3.26
von Thomas Borchert
Die Rüstungsexporte nach Europa haben sich seit 2020 verdreifacht, zeigt die aktuelle SIPRI-Analyse. Fast die Hälfte der Waffen kommt aus den USA und stärkt deren Dominanz im Rüstungs-Sektor.
Nirgendwo auf der Welt wird so rasant aufgerüstet wie in Europa, und das vor allem mit Waffen aus den USA des wenig europafreundlichen Präsident Donald Trump. Nach neuen Zahlen aus dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri haben sich die Rüstungsexporte nach Europa zwischen 2021 und 2025 gegenüber 2016-20 insgesamt verdreifacht. Mit 48 Prozent lieferten US-Konzerne fast die Hälfte davon und hoben so ihre enorme Dominanz auf dem Rüstungs-Weltmarkt von 36 auf 42 Prozent an. Zum ersten Mal in zwei Jahrzehnten konnten die Vereinigten Staaten mehr Rüstung nach Europa als in den Nahen und Mittleren Osten verkaufen.
Als ins Auge fallendes Beispiel für diesen Trend führt Sipri die derzeit 466 Bestellungen aus zwölf europäischen Staaten für den Kampfjet F-35 bei Lockheed Martin an, dem größten Rüstungskonzern der Welt. Allein 39 davon seien 2025 in Auftrag gegeben worden. Nach Medienangaben kostet eine F-35 einschließlich Wartung und Nachrüstung mehr als 200 Millionen Euro.
Sipri zählt in seinen Listen nicht aktuelle Verkaufswerte, sondern das Volumen von Rüstungslieferungen mit langfristigen Trends über jeweils fünf Jahre. Erfasst werden dabei schwere Waffen und Rüstungsprodukte wie Kampfflugzeuge, Raketen, Artillerie sowie Antriebssysteme für Militärflugzeuge und Kampfschiffe.
Unter dem Strich gibt das 2021-25 weltweit eine Steigerung um 9,2 Prozent gegenüber den Jahren 2016-20. Als Importeur liegt die Ukraine mit einem Weltmarktanteil von 9,7 Prozent wenig überraschend ganz vorn. Auch da kam der Löwenanteil aus den USA, die ein Viertel ihrer Lieferungen nach Europa in die Ukraine schickten. „Deutlich zunehmende Geheimniskrämerei rund um US-Lieferungen 2025“ deuten laut der Stockholmer Analyse auf eine rückläufige Militärhilfe Washingtons für die Ukraine h
Deutschland steht an zweiter Stelle der Waffenlieferanten für das vom russischen Vernichtungskrieg seit vier Jahren heimgesuchte Land. Dort kam knapp ein Viertel sämtlicher deutscher Rüstungsausfuhren an. Auch für Israel war Deutschland hinter den USA der wichtigste Rüstungslieferant. Mit einem Weltmarktanteil von 5,7 Prozent in den letzten fünf Jahren überholte die deutsche Industrie die Weltmacht China (5,6 Prozent) als viertgrößter Exporteur der Welt hinter den USA, Frankreich und Russland. Der russische Marktanteil sank drastisch von 21 auf 6,8 Prozent, vor allem als Folge des Eigenbedarfs für den Krieg gegen die Ukraine. Frankreich konnte seinen Anteil bei 20 Prozent mehr Ausfuhren von 8,8 auf 9,8 Prozent steigern.
Die massive Aufrüstung in Europa insgesamt schlägt sich laut Sipri auch in der Exportstatistik nieder. Die 27 EU-Staaten führten 2021-25 um 36 Prozent mehr Waffen aus als im vorausgegangenen Zeitraum. Das entsprach mit einem Marktanteil von 28 Prozent zwei Dritteln der US-Exporte, lag aber viermal so hoch wie die russischen und überstieg die chinesischen um das Fünffache.
Als Kontrast zu den Steigerungen bei Rüstungsgeschäften für und mit Europa meldet Sipri rückläufige Zahlen aus Afrika. Hier wurden in den letzten fünf Jahren 41 Prozent weniger Militärgüter eingeführt als 2017-20. Vielleicht überraschend auch, dass die Einfuhren in Nahost mit minus 13 Prozent zu Buche schlagen – allerdings auf extrem hohem Niveau, sind doch mit Saudi-Arabien, Katar und Kuwait drei der zehn führenden Rüstungsimporteure hier angesiedelt. Die Saudis allein senkten die Einfuhren um 31 Prozent, erhielten aber immer noch 45 neue Kampfjets aus den USA und fünf in Spanien gebaute Fregatten.