Trump bedroht ganz Norwegen, weil er den Friedensnobelpreis nicht bekommen hat

Als nächstes Spitzbergen? Trump legt wegen Nobelpreis gegen Norwegens Regierung nach
21.1.2025
Von: Thomas Borchert
Der US-Präsident lässt nicht locker und erneuert seine Kritik an Norwegen. Dabei gibt es Hinweise, dass ihm das Nobelkomitee womöglich sogar entgegenkam – eine Analyse.
Donald Trump hat ein zweites Hassobjekt in Skandinavien ins Visier genommen, weil dort seine sehnlichsten Wünsche nicht erfüllt werden. Neben Dänemark, das Grönland nicht für „Make America Great Again“ herausrücken will, ist Norwegen dran, nachdem der Mann im Weißen Haus beim Friedensnobelpreis leer ausgegangen ist.
Trump macht jetzt in einem an Irrsinn schwer zu übertreffenden Brief an Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre alle 5,7 Millionen Menschen im Land der Fjorde haftbar für die Gefährdung des Weltfriedens. Durch die Nichtvergabe: „Lieber Jonas, nachdem dein Land entschieden hat, mir nicht den Friedensnobelpreis dafür zu geben, dass ich mehr als acht Kriege beendet habe, fühle ich nicht länger die Verpflichtung, ausschließlich an den Frieden zu denken.“ Es folgt eine genauso wahnsinnig hergeleitete Ankündigung zur „vollständigen und totalen Kontrolle über Grönland“, weil sonst die Welt nicht sicher sei.
Støre bestätigte das von Trump auch noch selbst breit gestreute Schreiben und rang vor Mikrofonen um eine nur ja nicht sarkastisch klingende Reaktion: „Ich habe dem Präsidenten mehrfach erklärt, dass wir keinen Einfluss auf die Entscheidungen des Nobelkomitees haben.“ Es half nichts, tags darauf konterte der US-Präsident bei NBC: „Norwegen kontrolliert das vollständig, auch wenn sie anderes behaupten.“
Dabei war ihm das von Norwegens Parlament nach Parteienproporz bestimmte, aber eindeutig autonom arbeitende Nobelkomitee, drei Frauen und zwei Männer, bei der Entscheidung für die venezolanische Oppositionschefin María Corina Machado schon bemerkenswert weit entgegengekommen. Die hatte sich vor, beim und erst recht nach dem Empfang des Preises öffentlich immer wieder als Trump-Fan präsentiert: Er sei der eigentlich würdige Preisträger. Machado begrüßte den US-Militärangriff auf Venezuela mit Kidnapping des autokratischen Präsidenten Nicolás Maduro. Sie übergab Trump, obwohl von ihm rüde aufs Abstellgleis geschoben, schließlich ihre Nobel-Medaille im Weißen Haus.
Die Nobelstiftung veranlasste das zur nüchternen Anmerkung, ihr Preis bleibe für immer „untrennbar an die vom Komitee ausgewählte Person oder Organisation gebunden“. Mit den Medaillen könnten die Ausgezeichneten anstellen, was immer sie wollten. Ein Schelm, wer Sarkasmus hinter der Auflistung der Nobelstiftung von vergleichbaren Weitergaben der Medaillen aus Gold vermutet.
Auch Goebbels wurde ein Nobelpreis geschenkt
Als letztes Beispiel liest man da, dass 1943 der Norweger Knut Hamsun die für seinen Literaturpreis 1920 Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels „aus Dankbarkeit“ schenkte.
Machados demütiges Geschenk hat die Gier des Mannes im Weißen Haus nach dem prestigeträchtigsten Preis der Welt nicht im Geringsten gestillt, wie seine Attacken Richtung Oslo zeigen. Vielleicht hätte er schon früher auf Asle Toje, den Vizechef des Nobelkomitees, hören sollen. „Manche Kandidaten machen wirklich zu viel Druck, und wir mögen das nicht,“ sagte er kurz vor der Entscheidung.
Wohl eine freundlich gemeinte Bemerkung, denn Toje hält nichts von Trump-Bashing. „Ich bin einer der wenigen norwegischen Akademiker, die Trump nicht für eine Bedrohung der Demokratie halten,“ schrieb er zu dessen Wiederwahl. Der von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei ins Komitee geschickte Publizist profiliert sich derzeit als nationalkonservativer Vordenker mit Warnungen vor einem drohenden Untergang Norwegens und Europas durch Massenzuwanderung und Eliten ohne „Liebe zum Vaterland“. Toje darf in dem nach Parteienproproz besetzten Komitee wohl als Architekt hinter dem Preis für Machado zur Besänftigung Trumps vermutet werden.
Für den und auch für Premier Støre ist das irrelevant. Der eine will einfach um jeden Preis den Preis. Der andere muss für sein Land Rachsucht oder Erpressung fürchten. Etwa wenn der mächtigste Mann der Welt begreift, dass man Norwegen mit Spitzbergen ja auch eine strategisch hochrelevante Inselgruppe in der Arktis wegschnappen könnte.