Sagenhaft reiches Norwegen will mit US-Rüstung noch reicher werden

Vorbild für Staatsfonds: Das steckt hinter Norwegens starker Rendite
13.2.2026
Von: Thomas Borchert
Der norwegische Staatsfonds lockert ethische Richtlinien. Investitionen in umstrittene US-Rüstungs- und Tech-Konzerne steigen massiv an.
Der Chefinvestor zur Vermehrung von Norwegens sagenhaften Reichtum dank Öl und Gas findet die USA unter Donald Trump weiter optimal. „Die Big-Tech-Konzerne machen da eine Menge guter Sachen,“ fällt Nicolai Tangen, Herr über den größten staatlichen Investmentfonds der Welt, als erste Begründung ein. Aber Trumps irrlichternde Wirtschaftspolitik mit immer neuen Kampfansagen Richtung Europa? „Nein, das bekümmert uns nicht,“ antwortete Tangen im TV-Sender NRK und lobte US-
Und erst recht bei Big Tech jenseits vom Atlantik: „Da fühlen wir uns wohl.“ Fragezeichen als Konsequenz aus Trumps Verwandlung der USA in eine aggressive Autokratie mit williger Hilfe der heimischen Großkonzerne sieht Nicolai Tangen überhaupt nicht: „Wir sind dazu da, Rendite zu erwirtschaften.“
Norwegens Staatsfonds profitiert von Öl und Gas – und massiven US-Investments
Jetzt belegen die Jahreszahlen des „Ölfonds“ für 2025, was dem auch privat steinreichen und mit Elon Musk verkumpelten Fondschef die wohlige Gefühlslage beschert: Neun der zehn größten Fonds-Beteiligungen stecken in der allerersten US-Riege mit Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon und Meta bis hin zu Tesla. Mehr als die Hälfte der norwegischen Geldanlage ist in den USA platziert und hat den Wert des Fonds bei einer Gesamtrendite von 15 Prozent auf schwer fassbare 1800 Milliarden Euro gehievt. Umgerechnet auf alle 5,6 Millionen Menschen im Land macht das einen staatlichen „Sparstrumpf“ pro Kopf von 320 000 Euro und das kleine Norwegen zu einer Finanz-Großmacht. Dieser Strumpf wächst Jahr für Jahr durch die Öl- und Gaseinnahmen, noch mehr aber dank deren Platzierung auf den weltweiten Anlagemärkten.
Finanzminister und Ex-Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist Tangens Chef und hat aus der veränderten geopolitischen Lage schon handfeste Konsequenzen gezogen. Vielleicht etwas anders, als es manche vom Sozialdemokraten aus dem Land des Friedensnobelpreises erwartet hätten, das sich gern als „humanitäre Großmacht“ präsentiert. Stoltenberg setzte Ende letzten Jahres die ethischen Richtlinien für den Fonds außer Kraft, schickte den für die Einhaltung zuständigen Expertenrat nach Hause und kündigte neue Richtlinien bis zum Herbst an.
Stoltenberg setzt Ethikregeln für Fonds aus – und verdoppelt Palantir-Engagement
Seine bemerkenswert klare Begründung: Norwegens Ölfonds dürfe durch etwaige Beschlüsse des Rates nicht gezwungen werden, entsprechend den alten Richtlinien die Aktien bei Amazon, Microsoft und Alphabet als größten Unternehmen der Welt abzustoßen. Alle drei sind im Bericht der UN-Sonderbeauftragten für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, als Lieferanten und Profiteure bei Israels völkerrechtswidriger Kriegführung gegen die Zivilbevölkerung in Gaza genannt.
„Der Ölfonds ist kein politisches Instrument“, meinte Stoltenberg. Da setzte er einen ziemlich scharfen Kontrapunkt zum Parteifreund Espen Barth Eide. Als Außenminister erklärte der, die Einstufung des israelischen Vorgehens als Völkermord im UN-Bericht sei „zutiefst ernst zu nehmen“ und werde in Oslo bei der Ausformung der eigenen Politik berücksichtigt. Man reibt sich schon die Augen: Die „Berücksichtigung“ schlug sich im Jahresbericht des Fonds etwa als Verdoppelung der norwegischen Beteiligung am Palantir-Konzern mit jetzt 5,2 Milliarden Dollar nieder. Palantir, mitgegründet vom libertären Rechts-außen-Milliardär Peter Thiel und fest an der Seite Trumps, hat bei einer „strategischen Partnerschaft“ mit Israel KI-Software für die Zielermittlung von Bomben auf Gaza bereitgestellt. Seine für viele futuristisch gruselige Überwachungssoftware spielt bei der Jagd der US-Abschiebepolizei ICE auf Migrantinnen und Migranten eine zentrale Rolle.
„Sondereinnahmen“ durch den Ukrainekrieg
Das bringt, wie derzeit alles für Rüstung und „Sicherheit“, Aktiensprünge und Rendite ohne Ende. Zusatzeinnahmen fast ohne Ende hat dem norwegischen Ölfonds auch der Krieg in der Ukraine eingebracht. 2022 und 2023 bezifferte das Finanzministerium die „Sondereinnahmen“ aus Gas und Öl allein durch infolge des Krieges gestiegene Preise auf 108 Milliarden Euro. So viel wie die komplette Ukraine-Hilfe aus den USA und Deutschland zusammen. Auf die international erhobene Forderung, doch wenigstens diesen Profit als „Kriegsgewinnler“ an das von Russland angegriffene Land weiterzureichen, kam eine bemerkenswert klare Reaktion: „Jetzt geht es um die Ukraine, aber nächstes Mal könnte man argumentieren, dass wir (Geld aus dem Fonds) für eine Hungerkatastrophe oder den Krieg in Gaza oder das Klima einsetzen“, erklärte der damalige Finanzminister Trygve Vedum in der Zeitung „Aftenposten“.
Genau – denken und wünschen sich sicher viele, aber wohl in Zukunft noch vergeblicher als bisher. Ida Worden Bache, Chefin von Norwegens Nationalbank, hat schon vor einem Jahr angekündigt, in welche Richtung sich die Umarbeitung der Ethikrichtlinien für den Ölfonds bewegen sollen: „Wir müssen offen dafür sein, dass sich ändern könnte, was als ethisch akzeptabel gilt, wenn die Welt wieder von militärischer Aufrüstung und wachsenden Spannungen zwischen den Ländern geprägt wird.”